DE6611C - Spiritus-Mefsapparat - Google Patents
Spiritus-MefsapparatInfo
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Description
1879.
Klasse 6.
ERNST THEODOR DIETRICH in ALTENBURG (Herzogth. Sachsen).
Spiritus -Melsapparat.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 9. Januar 1879 ab.
Dieser Apparat bezweckt die genaueste Messung des bei dem Branntwein-Brennereibetriebe
durch Destillation der Maische gewonnenen Branntweins oder Spiritus, oder auch des durch
Rectification von Rohspiritus erzeugten Sprits nach Quantität und Alkoholstärke und die möglichst
vollständige Sicherung dieser Fabrikate gegen Entfremdung, mithin eine dem Brennerei-'
oder Fabrikbesitzer und bezw. dem die Aufsicht über die Brennerei oder Spritfabrik, auch in
fiskalischem Interesse, führenden Beamten volle Ueberzeugung gewährende Controle über das
gewonnene Spiritusfabrikat.
Ausweislich der beiliegenden Zeichnung besteht der Apparat seinen Haupttheilen nach
1. aus dem eigentlichen Mefsgefäfskörper C, welcher aus Schmied- oder Gufseisen gefertigt,
geeicht und zur Aufnahme des aus dem Brennoder De Stillirapparat abfliefsenden Spiritus bestimmt
ist; '
2. aus einem am unteren Boden dieses Gefäfses
befestigten Knierohrstück D, welches theils zur Fortleitung des Spiritus aus demselben in
eine Standglasröhre, theils zum Abflufs (Ablassen) des letzteren nach aufsen, sobald die
Messung erfolgt ist, dient;
3. aus einem das Rohr D nebst Zubehör und den unteren Theil der darauf ruhenden Standglasröhre
umschliefsenden, am Boden des Mefsgefäfses befestigten, aus Gufseisen hergestellten
Verschlufskasten E;
4. aus der erwähnten, durch eiserne Schienen bezüglich durch eine an ihrer vorderen Seite
mit einer spaltförmigen Oeffhung versehenen eisernen Hülse vor Verletzung geschützten starkwandigen
Standglasröhre F, welche den Zweck hat, den Stand des Spiritusdestillates im Mefsgefäfs
(Cylinder) von aufsen erkennen zu lassen.
Mit den Haupttheilen CDF sind die nachbezeichneten
besonderen Theile verbunden, und zwar:
das Rohr b, durch welches der Spiritus in ununterbrochenem Laufe mit dem letzten Gefäfs
des Maischbrenn- oder Destillirapparates, dem sogenannten Ueberlauf am Spii'ituskühler
(Pistoriüs'schem Verschlufs) in den unteren Theil des Mefsgefäfskörpers C eintritt;
der Verschlufsdeckel c an dem zur Reinigung des Mefsgefäfses dienenden, in dessen oberem
Boden befindlichen sogenannten Mannloch, welcher mittelst Schrauben und Bügeln befestigt
ist;
der Glashalterhahn d am Knierohr D und unteren Ende der Standglasröhre, welcher
behufs des Durchlasses des Spiritus in die Standglasröhre für gewöhnlich offen steht, aber
geschlossen werden kann. An demselben Punkte dieser Röhre, und zwar vor der Mündung
derselben, unmittelbar über dem Glashalterhahn ä, befindet sich ein sogenanntes
Kugelventil (bestehend aus einer entsprechend construirten metallenen Hohlkugel), welches in
seinem Räume schwimmend sich bewegt und den Zweck hat, beim, ohne Anwendung äufserer
Gewalt jedoch kaum denkbaren, Vorkommen eines Glasrohrbruches ein Entweichen des
Destillates nach der gebrochenen Röhre hin sofort zu verhindern;
der metallene, mit dem Knierohrstück D verbundene Absperrhahn e, welcher nur vom
Brennereibesitzer oder dem controlirenden Beamten mittelst des am Hahn angebrachten
Drehschlüssels gehandhabt werden kann;
ferner das an eine, das obere Ende der Standglasröhre F umschliefsende, metallene
Hülse gelöthete Kupferrohr /, dessen anderes Ende auf dem oberen Mefsgefäfsboden mittelst
Flantsch befestigt ist, welches zum Abführen der Luft aus dem Mefsgefäfs und der Standglasröhre,
die während des Einlaufe des Destillators in dieselbe eintritt, dient; *"
der im Knierohrscheitel des Rohres f, dessen Enden mit Schrauben befestigt sind, angebrachte
Entlüftungshahn g, der den Zweck hat, vermittelst des darin enthaltenen Kugelventils
den Zugang von aufsen in das Gefäfs oder in die Standglasröhre, mithin die Entfremdung
von Spiritus daraus unmöglich zu machen.
In die Standglasröhre F ist ein geeichter Thermo - Alkoholometer nach Reaumür und
Trail es eingefügt, welcher durch den eintretenden Spiritus gehoben wird und die Temperatur
und Gradstärke desselben genau anzeigt.
Durch den an dieser Röhre zu erkennenden, mittelst des Metermafses zu bestimmenden
Höhenstand des Spiritus im Mefsgefäfs und die weiter unten angegebene Art der Rauminhaltsvermessung
wird das Quantum des eingeflossenen Spiritus festgestellt.
Der Verschlufskasten E
umgiebt das ganze Knierohrstück D mit seinen Hähnen vollständig und ist am unteren Mefsgefäfsboden mittelst zweier von aufsen unlösbarer Schrauben befestigt, übrigens aber so construirt, dafs er ebenso leicht das Ablassen des Spiritus gestattet, als vollkommene Sicherheit gegen Entfremdung desselben gewährt.
umgiebt das ganze Knierohrstück D mit seinen Hähnen vollständig und ist am unteren Mefsgefäfsboden mittelst zweier von aufsen unlösbarer Schrauben befestigt, übrigens aber so construirt, dafs er ebenso leicht das Ablassen des Spiritus gestattet, als vollkommene Sicherheit gegen Entfremdung desselben gewährt.
Der obere Boden dieses Kastens, soweit er unter dem Mefsgefäfsboden liegt, ist behufs
Durchführung des Knierohrstückes D und Ueberleitung des Destillates in letzteres durchbrochen.
Die an diesem oberen Boden für den Durchlafs der Standglasröhre befindliche Oeffnung
ist so weit frei, dafs man in dem möglichen Falle des Eindichtens einer neuen Glasrohre
in den Glashalterhahn d dies ohne Schwierigkeit, jedoch nicht ohne Oeffnung des verschlossenen
Kastens, von aufsen bewerkstelligen kann. Den Verschlufs des durchbrochenen oberen
Bodens dieses Kastens bilden zwei Platten h, welche gefalzt sind und je mittelst eines mit
Preisschraube versehenen Riegels lediglich von innen am oberen Boden des Kastens befestigt
werden, den sie somit vollständig und sicher schliefsen. Beim Vorkommen eines Bruches
der Standglasröhre, was jedoch bei der Haltbarkeit der metallenen Umkleidung derselben
nur durch äüfsere Gewalt möglich ist, wird weitere Sicherheit dadurch gewährt, dafs man
mittelst eines Aufsatzschlüssels i durch ein in der Kastenwand angebrachtes Loch k stets den
Glashalterhahn schliefsen kann, wodurch das ohnedies schon durch das vor der unteren Mündung
der Röhre befindliche Kugelventil verhinderte Ausfiiefsen von Spiritus durch den Bruch
sofort unmöglich gemacht wird. Die stets offene Stellung dieses Hahnes ist bedingt durch unausgesetzt
stattfindende Communication des Spiritus- oder Branntweindestillates zwischen Mefsgefäfs und Standglasröhre und wird durch
eine an der Kopffläche des Hahnschlüsselvierecks tief eingefeilte verticale Kerbe gekennzeichnet.
Die Kastenthür /, welche mit ihrem Scharnier dieselbe sichere Einrichtung hat, wie
dies bei den Thüren der diebessicheren eisernen Geldschränken der Fall ist, wird entweder
mittelst Plombe oder mittelst eines sogenannten Patent-Vorhänge-Kunstschlosses, welches in die
durch die Thür gehende, im Kasten innerlich befestigte Oese. m eingehängt wird, sicher verschlossen.
Allgemeine Bemerkungen.
Die Zeichnung stellt einen Spiritusmefsapparat mit einem Rauminhalt von 2000 1 dar, doch
kann er auch mit kleinerem oder gröfserem Inhalt hergestellt werden.
Die Vermessung (Eichung) des Apparatkörpers hat durch verpflichtete Beamte zu erfolgen.
Dieselbe ist auf trockenem und nassem Wege zu bewirken, und zwar vorerst durch genaueste
Ermittelung der Dimensionen mit einem geeichten Metermafse, Feststellung der inneren
Höhe nach Muli- bezw. Centimetern und kubische Berechnung, sodann mit Wasser bei
150R. unter Anwendung eines Normallitermafses
dergestalt, dafs die Messung vom unteren inneren Boden des Gefäfses aufwärts in Distanzen
von 2 bis 5 mm, nach Umständen von 1 cm erfolgt und das Quantum des eingefüllten Wassers
nach jeder Einfüllung notirt wird. Ueber den Act der Verhandlung ist eine denselben
genau beschreibende Verhandlung aufzunehmen.
Sämmtliche, die einzelnen Theile des Apparates verbindende Flantschen und sonstigen
Verschraubungen sind, wie in der Zeichnung angedeutet, mit Plomben zu versichern.
Per Apparat steht waagerecht auf festem Mauerfundament, es kann aber behufs Besichtigung
des unteren Bodens des ersteren zwischen diesen und die Mauerfläche ein, eisernes
Kreuz eingefügt werden.
Nach vorstehender Beschreibung gestaltet sich die Handhabung des Apparates sehr einfach.
Nach Beginn des Destillationsbetriebes tritt der Spiritus aus dem Maischbrenn- oder
Rectificationsapparat durch das Eingangsrohr b in den Mefsgefäfskörper C ein, welcher denselben
während des Tagesbetriebes bis zu dessen Beendigung aufzunehmen bestimmt ist.
Gleichzeitig und ununterbrochen fliefst der Spiritus durch das Knierohr D und den offen
stehenden Glashalterhahn d in die Standglasröhre F ein, an welcher sowohl der Höhenstand
desselben im Mefsgefäfs, als auch die Temperatur durch den in ersterer befindlichen
Thermo - Alkoholometer genau erkennbar ist. Nachdem der Höhenstand mit dem Metermafsstabe
gemessen und das Quantum des im Gefäfs enthaltenen Spiritus nach Mafsgabe der Vermessungsverhandlung, sowie die wirkliche
Gradstärke auf Grund der Reductionstabellen von Brix festgestellt und notirt worden, wird
vom Inhaber der Gewerbsanstalt oder dessen Stellvertreter, bezw. dem Beamten, der Verschlufs an der Kastenthür / abgenommen, diese
geöffnet und das Mefsgefäfs unter Handhabung des Drehschlüssels am Absperrhahn e durch
das nun offene Knierohr (Abflufsrohr) D seines Inhalts nach aufsen entleert, dergestalt, dafs an
das Ende dieses Rohres ein anderes Rohr oder ein Schlauch angesetzt, und mittelst desselben
der Spiritus in ein anderes Gefäfs oder in die Niederlage übergeleitet wird. Den für die Messung
nothwendigen gleichmäfsigruhigen Stand des Spiritus im Mefsgefäfs C bewirkt das zur
Entweichung der Luft aus der Standglasröhre F und dem Mefsgefäfs dienende Doppelrohr / mit
Entlüftungshahn g bei stets fester horizontaler Stellung des ersteren.
Claims (2)
- Patent-Ansprüche :Der Mefsapparat in seiner ganzen Construction, speciell: ·ι. Die Einrichtung des Mefsgefafskörpers C an sich.
- 2. Die ebenso eine präcise Communication des Spiritus zwischen diesem Gefäfs und der Standglasröhre F vermittelnde, als die Identität des eingeflossenen Spiritus vollkommen sichernde Einrichtung des Knierohrstücks D mit dem Glashalterhahn d, ferner die Art der Anbringung des Absperrhahnes e mit dem Drehschlüssel.Die Sicherung der Standglasröhre F durch ihre metallene Umschliefsung und die Befestigungen an dem oberen und unteren Ende derselben, ferner die Verbindung dieser Röhre mit dem Luftrohr / und wiederum dieses mit dem Mefsgefäfs C.Die Construction des Verschlufskastens E, welcher keine Entfremdung von Spiritus ohne Zerstörung zuläfst.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE6611C true DE6611C (de) |
Family
ID=284713
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
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Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE6611C (de) |
-
0
- DE DENDAT6611D patent/DE6611C/de active Active
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