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Lederdeckfarbe Die Glanzwirkung üblicher, auf Basis von sich mit hoher
Viscosität lösenden Celluloseestern, z. B. Cellulosenitraten, hergestellten Lederdeckfarben
ist dadurch begrenzt, daß man in Rücksicht auf eine ausreichende Deckfähigkeit den
Gehalt der Deckfarbe an glanzerhöhendem Celluloseester nur in beschränktem Maße
steigern kann. Denn da es nötig ist, bei Erhöhung der Menge des- sich mit hoher
Viscosität lösenden Esters zur Erhaltung der Auftragfähigkeit der Mischung auch
entsprechend größere Lösungsmittelmengen zuzuführen, vermindert sich dementsprechend
der prozentuale Gehalt der Deckfarbe am Farbkörper.
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Man hat schon versucht, eine Steigerung der Glanzwirkung solcher Lederdeckfarben
auf dem Wege einer Erhöhung der spiegelnden Wirkung der Oberfläche des Farbauftrages
durch erhöhte Glättung derselben zu erzielen, indem man der Lederdeckfarbe hochsiedende
Lösungsmittel zufügte. Aber abgesehen davon, daß sich auch hierbei eine unerwünschte
Verminderung der Deckkraft nicht vermeiden läßt, zeigen die auf solche Weise erzeugten
Aufträge noch den Nachteil, daß bei einer Rauhung der Oberfläche infolge des normalen
Verschleißes die ursprüngliche Spiegelwirkung bzw. die dadurch bewirkte Glanzsteigerung
alsbald in Wegfall kommt. Vor allem aber konnte der hier eingeschlagene Weg schon
deshalb nicht zum Erfolge führen, weil die Glanzwirkung der bekannten Lacküberzüge
im wesentlichen auf der Reflexion des Lichtes an der glatten Oberfläche des Oberzuges,
die ganz andersartige Glanzwirkung der Lederdeckfarben dagegen in erster Linie auf
der starken Lichtbrechung im Innern der hauchdünnen Überzugsschicht beruht.
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Es ist schon vorgeschlagen worden, zwecks Erzielung dicker Lacküberzüge
oder Deckfarben auf den verschiedensten Materialien, z. B. Leder, Lacke, die unter
Verwendung von sich mit niedriger Viscosität lösender Nitrocellulose an Stelle der
üblichen sich mit hoher Viscosität lösenden Celluloseester hergestellt sind, zu
verwenden.
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Im Gegensatz hierzu handelt es sich bei den erfindungsgemäßen Lederdeckfarben
nicht um derartige, in dicker Schicht aufzutragende Lacküberzüge o. dgl., sondern
es sollen solche Lederdeckfarben nur in einer einzigen, möglichst dünnen Schicht
auf das Leder aufgebracht werden, da sie diese überzugsmittel im Gegensatz zu üblichen
Lacken auf der Oberfläche des Leders nicht eine die Unebenheiten derselben ausgleichende,
ununterbrochene Spiegelfläche bilden, sondern vielmehr die Eigenart der genarbten
Lederfläche einschließlich sämtlicher Unebenheiten, feinen Poren u. dgl. voll in
Erscheinung treten lassen,
dabei aber gleichzeitig eine Glanzwirkung
erzeugen sollen, die infolge der Auflösung der Überzugsschieht in zahllose kleine,
durch die Vertiefungen des Narbens voneinander geschiedene glitzernde Einzelflächen
von der Glanzwirkung eines ununterbrochenen Lacküberzuges üblicher Art weit verschieden
ist.
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Außerdem ist die Biegsamkeit von nur vermittels sich mit niedriger
Viscosität lösender Nitrocellulose hergestellten Lacken viel zu gering für die Verwendung
zu Lederdeckfarben, an deren Widerstandsfähigkeit gegenüber fortgesetzter Biegungsbeanspruchung
weit höhere Anforderungen als an Lacküberzüge für andere Zwecke zu stellen sind.
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Es wurde gefunden, daß es möglich ist, unter Vermeidung der Nachteile
der nur vermittelst hochviscoser oder nur vermittelst niedrigviscoser Celluloseester
(s. vorstehend) hergestellten Produkte und Überzüge Lederdeckfarbenschichten zu
erzielen, die bei gleicher Deckkraft einen erhöhten und dauernden Glanzeffekt aufweisen,
wenn man zum Färben des Leders für andere Zwecke bekannte Deckfarben auf Basis mehrerer,
sich mit verschiedener Viscosität lösender Celluloseester, insbesondere Nitrocellulose
verwendet, die in allen Fällen als weitere Bestandteile Lösungsmittel gebräuchlicher
Art oder Gemische von solchen, Weichmachungsmittel u. dg1. enthalten können.
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Die Herstellung solcher Deckfarben kann erfolgen, indem man zunächst
eine Farbe unter Verwendung eines sich mit hoher Viscosität lösenden Celluloseesters
bereitet und diese alsdann mit einem unter Verwendung eines sich mit niedriger Viscosität
lösenden Celluloseesters hergestellten, gegebenenfalls ebenfalls farbstoffhaltigen
Lack vermischt, oder auch derart, daß man die sämtlichen Bestandteile des gewünschten
endgültigen Gemisches gleich von vornherein einschließlich der benötigten Lösungsmittel,
Weichmachungsmittel u. dgl. in geeigneter Weise zusammenbringt.
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Der höhere Glanzeffekt der erfindungsgemäß verwendeten Deckfarben
dürfte darauf beruhen, daß durch die Zufügung des sich mit niedriger Viscosität
lösenden Celluloseesters die Lichtbrechung nicht nur des Celluloseesteranteils der
Deckschicht, sondern auch der zugefügten Weichmachungsmittel gesteigert und die
Brillanz der mit dem Farbauftrag bedeckten Lederoberfläche entsprechend erhöht wird.
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Es ist bereits vorgeschlagen worden, zur Herstellung spiegelnd glänzender,
emailartiger Lacküberzüge auf anderen Materialien als Leder, wie insbesondere Metallen,
sowie für die Herstellung von lederähnlichen Massen, Lacke (Deckfarben) zu verwenden,
die unter gleichzeitiger Verwendung von sich mit hoher und niedriger Viscosität
lösenden Nitrocellulosen hergestellt sind.
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Für solche Zwecke werden aber an die erzielten Aufträge ganz andere
Anforderungen als an Lederdeckfarben gestellt. Dementsprechend ist auch die Auftragsweise
und Auftragsdecke ebenfalls eine andere, während ein weiterer Unterschied darin
beruht, daß die mit den Lederdeckfarben versehenen Lederflächen nachträglich noch
einer besonderen Behandlung durch das sogenannte Stoßen, Bügeln oder Krispeln unterzogen
werden. Denn im Gegensatz zu üblichen Lacken trocknen Lederdeckfarben im allgemeinen
zunächst mit matter Oberfläche auf. Erst durch die erwähnte Nachbehandlung erfolgt
eine Glättun- der Oberfläche, wobei dann der mit der Lederdeckfarbe versehenen Lederfläche
die angestrebte eigenartige Glanzwirkung verliehen wird. Diese ist aber nicht mit
der spiegelnden Glanzwirkung einer ununterbrochenen Lackschicht zu vergleichen,
sondern sie besteht vielmehr in einem funkelnden Glitzern der hervortretenden Kuppen
des Ledernarbens, für das die Lichtbrechungsfähigkeit der Auftragschicht, die erfindungsgemäß
durch die zusätzliche Verwendung von sich mit niedriger Viscosität lösenden Celluloseestern
noch gehoben wird, von entscheidender Bedeutung ist.
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Während der Zweck von Lackaufträgen auf Metallen u. dgl. die Erzeugung
einer spiegelnd glänzenden, ununterbrochenen Oberfläche ist, die den Untergrund
vollkommen verdeckt, wobei der Zweck der vorgeschlagenen Verwendung von sich mit
niedriger Viscosität lösenden Nitrocellulosen lediglich in der Erzielbarkeit dickerer
(mehr Körper enthaltender) Überzüge, nicht aber in einer Erhöhung der Lichtbrechung
bestand, handelt es sich bei Lederdeckfarben darum, durch einen Auftrag in möglichst
dünner Schicht die Einzelheiten der Lederoberfläche mit allen Feinheiten des Narbens
zur Geltung zu bringen und die diesem innewohnende ästhetische Wirkung durch die
Erzeugung der oben erwähnten Lichtbrechunggseffekte noch zu steigern.
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Während ferner an emailartige Lacküberzüge auf Metallen in mechanischer
Beziehung Anforderungen in erster Linie bezüglich ihrer Härte und nur geringe Anforderungen
bezüglich der Elastizität und Biegsamkeit gestellt werden, verlangt man im Gegensatz
hierzu für Lederdeckfarben in erster Linie eine ganz außerordentlich große Widerstandsfähigkeit
gegenüber Biegungsbeanspruchung bei gleichzeitig erheblicher Beständigkeit gegenüber
mechanischer Abnutzung sowie einer möglichst unveränderten .Glanzwirkung auch bei
langem Gebrauch.
Der Verschiedenheit der zu stellenden Anforderungen
entspricht auch die Verschiedenheit der Zusammensetzung der Auftragmassen in bezug
auf ihren Gehalt an Celluloseestern, Weichmachungsmitteln u. dgl.; so daß z. B.
die für die erwähnten anderen Zwecke vorgeschlagenen Überzugsmassen als Lederdeckfarben
durchaus nicht verwendbar sind.
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Ähnliches gilt für die zur Herstellung von Kunstleder unter gleichzeitiger
Verwendung von sich mit hoher und, niedriger Viscostät lösenden Nitrocellulosen
vorgeschlagenen Auftragsmassen. Diese Massen werden auf einen Untergrund aus einem
Gewebe o. dgl. in dicker Schicht in mehreren Aufträgen aufgebracht, wobei eine lederartig
zähe Auftragsschicht erzeugt wird, die den Untergrund vollkommen verdeckt und zunächst
eine völlig glatte, durchaus lederunähnliche Oberfläche zeigt, der erst durch nachträgliches
Einpressen eines Musters eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Lederoberfläche verliehen
wird.
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Auch hier liegt der Unterschied gegenüber Lederdeckfarben, die dazu
bestimmt sind, in äußerst dünnem Auftrag den eigentlichen Charakter der Grundlage
aus natürlichem Leder durch Glanzwirkungen erst recht zur Geltung zu bringen, auf
der Hand.
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Bei Verwendung der genannten Deckfarben für Leder werden in äußerst
glücklicher Weise die Vorteile der sich mit niedriger Viscosität lösenden Ester
(Glanzerhöhung) mit denjenigen der sich mit höherer Viscosität lösenden Ester (größere
Geschmeidigkeit) verbunden, während es andererseits möglich ist, durch geeignete
Auswahl der verwendeten Ester 'und durch passende Bemessung ihrer Mengenverhältnisse
auch die sonstigen Eigenschaften der so hergestellten Deckfarben, wie z. B. ihre
Auftrags- bzw. -Spritzfähigkeit für Leder, in weitgehender Weise den in jedem einzelnen
Falle vorliegenden besonderen Anforderungen anzupassen.
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Die Möglichkeit, die genannten Vorteile auch dadurch zu erzielen,
daß man in üblicher Weise unter Verwendung nur eines z. B. sich mit hoher Viscosität
lösenden Celluloseesters hergestellte Deckfarben erst vor dem Gebrauch mit farblosen
oder auch farbkörperhaltigen aus einem oder mehreren sich mit niedriger Viscosität
lösenden Celluloseestern hergestellten Lacken, gegebenenfalls mehreren solcher Lacke,
beliebig kombiniert, gewährt den großen Vorteil, daß es nicht nötig ist, schon beim
Fabrikanten die für jeden einzelnen Anwendungsfall benötigten Deckfarben von vornherein
genau in der erforderlichen Zusammensetzung herzustellen, was die Fabrikanten in
Anbetracht der außerordentlichen Verschiedenheit der in jedem Falle zu stellenden
Anforderungen zu einer entsprechenden Vervielfachung der vorrätig zu haltenden Sorten
von Dieckfarbien zwingen würde.
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Beispiele der zu verwendenden Deckfarben für Leder 1. 75 Gewichtsteile
einer roten Lederdeckfarbe, bestehend aus q. 0J0 Litholechtscharlach, 6,50J0 hochviscose
Nitrocellulosewolle, 3 0j0 Dibutylphthalat, 3,5°i0 Rizinusöl, 15 01, Butylacetat
(85 °J°ig), 8 °J° Methylcyclohexanon, 30 01, Essigäther, 3o 0J0 Toluol sind
gemischt mit 25 Gewichtsteilen eines Lackes, bestehend aus 120'o niedrigvsco,se
Nitrocellulosewolle, 801" Butyloxalat, zo°J° Leinöl, 20°/° Butylacetat (85 °J°ig),
zo°J° Butylalkohol, 30°1o Essigäther, 1 o 01, Toluol.
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Dieses Gemisch wird in üblicher Weise, z. B. durch Aufspritzen auf
Ziegenleder (Saffian) aufgetragen. Nach erfolgter Trocknung wird der Überzug einer
Glanzbehandlung in üblicher Weise durch Bügeln, Stoßen u. dgl. unterworfen und in
üblicher Weise durch Levantieren und Stollen fertiggestellt. Man erhält einen- dauerhaften,
rot gefärbten Überzug von höchstem Spitzenglanz, dessen Glanzwirkung die eines lediglich
mit einer Lederdeckfarbe der oben an erster Stelle erwähnten Zusammensetzung erzielbaren
Überzugs erlieblich übertrifft.
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2. 7o Gewichtsteile -einer schwarz glänzenden, lackähnlichen Lederdeckfarbe
auf Anilinfärbstoffbass, bestehend aus 10/, sog. Sudanschwarz R. T., 60J° enteiweißte
hochviscose Filmabfälle, 10j0 Triphenylphosphat, 20J° Trikresylphosphat, 60J° Rizinusöl,
150J0 Butylacetat (85°l°ig) 911, Methylcyclohexanon, 300J° Essigäther, 300J° Toluol
sind gemischt mit 3o Gewichtsteilen eines Lackes, bestehend aus 12°J° niedrigviscose
Nitrocellulosewolle, 501" Butyloxalat, 1q.0/0 Leinöl, 200J° Butylacetat
(85°J°ig), 1o°/0 Butylalkohol, 300J° Essigäther und 90J° Toluol.
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Der Auftrag des Gemisches erfolgt durch Gießen, Spritzen oder Streichen,
z. B. auf ein
entsprechend vorgerichtetes Boxcalfleder. Nach der
Fertigstellung erhält man durch Bügeln und Polieren einen Überzug, der sich wiederum
von dem lediglich vermittels der an erster Stelle erwähnten Lederdeckfarbe erzielbaren,
durch seine wesentlich erhöhte und dauerhafte Glanzwirkung auszeichnet. Durch die
beanspruchte Verwendung der bekannten Deckfarben für natürlich genarbtes Leder werden
sämtliche sonstigen bekannten Verwendungsarten für die Herstellung von Kunst-, Spalt-,
Lackleder ausgeschlossen.