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Webstuhl mit längs der Webbreite fortschreitender Einzelfachbildung
Die Erfindung bezieht sich auf einen Webstuhl,- bei dem längs der Webbreite Einzelfächer
fortschreitend gebildet werden, so daß mehrere Schützen gleichzeitig hintereinander
über . die Webbreite laufen können. Die Steuerung der Fachbildungsmittel, die Führung
der Schützen über die Webbreite und das Anschlagen des Schußfadens geschieht erfindungsgemäß
dadurch, daß als Steuerwelle für jede einzelne Arbeit eine von drei räumlich getrennten
Schneckenscheibenwellen Verwendung findet, von denen die eine nur .die Fachausbildungsmittel
steuert, die zweite nur die Schützen über die Gewebebreite fördert und die dritte
den SchuBfaden anschlägt. Die Steigung der Fachtrittwalze ist hierbei so gewählt,
daß eine möglichst dichte Webschützenfolge bei kürzestem Fadenablauf erzielt werden
kann. Es sind ältere Maschinen bekannt, bei denen die Schützen mit dem wandernden
Fach über die Gewebebreite laufen. Hierbei besteht aber die Bedingung, daß die die
Schützen bewegenden Teile Jeweils wieder in ihre Anfangslage zurück müssen. Dies
bedingt, daß für den Abstand der äufeinanderfolgenden Schützen große Werte gewählt
werden müssen.. Bei der vorliegenden Erfindung besteht diese \ otwendigkeit nicht.
Vielmehr können die Schützen -in ganz geringen Abständen aufeinanderfolgen. So beträgt
z. B. der Abstand der Schützen bei der i@Iascliine gemäß der Erfindung von Mitte
zu Mitte Zoo inin. Da jeder Schütze 16o mm lang ist, so ergibt sich ein wirklicher
Abstand von nur 4o mm. -Die Größe des Schützenabstandes ist aber von wirtschaftlicher
Bedeutung. Je kürzer der Abstand ist, mit desto geringeren Geschwindigkeiten können
die Schützen bei gleicher Schußzahl laufen. Auch wird der Schußfaden von der Spule
bis zum Anschlag an das Gewebe kürzer. Man kann infolgedessen einen weniger fest
gezwirnten Faden verweben, als es möglich sein würde, wenn der Faden lang ist. Dies
ist bei bestimmten Waren von großem Vorteil. Schlechter und wenig gezwirnter Faden
mit kurzen Fasern ist billiger. Er läßt sich aber hernach besser walken und verfilzen.
Infolgedessen kann man mit schlechterem Material eine bessere Ware als bisher herstellen.
Die geringe Schußfadenlänge hat schließlich noch den weiteren Vorteil, daß -so viel
Schußfaden beim Anschlagen. des Fadens an das Gewebe abgezogen wird, daß man eine
größere Schußdichte als auf anderen Stühlen erreichen kann und daß ein Einziehen
an den Kanten der Leisten des Gewebes nicht zu befürchten ist. Auf Grund des längeren
Schußfadens tritt bei den gebräuchlichen Webmaschinen ein ge-. Waltiger Kanteneinzug
ein, der zur Folge hat, da(; die Ware schmäler als beim Webprozeß ,#N-ird und daß
die Kantenkettenfäden durch die Reibung im Wehblatt stark beansprucht
werden.
flau erspart bei der I3rfindung wegen des nicht auftretenden Schinälerwerdens besondere
Breithalter. Außerdem kann die Maschine beliebig breit gebaut werden, was man bisher
nur bei ganz losen Bindungen machen konnte.
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Die verschiedenen baulichen Einzelheiten, die zur Verwirklichung des
Erfindungsgedankens zweckmäßig sind, werden in der nachfolgenden Beschreibung eingehender
erläutert.
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Abb. i zeigt in schematischer Darstellung den Webstuhl in einem Schnitt,
der in der Längsrichtung der Kettenfäden durchgeführt ist.
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Abb. 2 ist eilte Draufsicht auf die Weblitzen, Abb.3 eine Draufsicht
auf die Fachbildungswalze, Abb. d. ein Grundriß der Abb. i, aus der die Aufeinanderfolge
der einzelnen Schützen ersichtlich ist.
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Abb. 5 läßt die Vorrichtung zum Hinundrücklauf der Schützen erkennen.
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Abb. 6 zeigt das Fachbildungsschenia, wie es mit der Fachbildungswalze
gemäß Abb. i und 3 erhalten wird.
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Abb. 7 ist eine besondere Ausführung einer Scheibe der Anschlagvorrichtung.
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Beim neuen Webstuhl sind drei Hauptwellen 1, 5 und 26 zu unterscheiden.
Von :fiesen trägt die Welle i Kurvenscheiben, mittels denen der Schußfaden an das
fertiggestellte Gewebe angeschlagen wird. Die Welle 5 ist die Triebwelle, durch
die die Schützen nacheinander über die Gewebebreite geführt werden, und Welle 26
die Fachbildungswalze. ¢ ist der Brustbaum, über den das fertige Gewebe nach dem
nicht gezeichneten Warenbaum geht.
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Die Aufgabe, die die Welle i zu erfüllen hat, wird dadurch gelöst,
daß auf der Welle i unter Zwischenlage von Distanzscheiben 3 Kurvenscheiben 2 beliebiger
Gestaltung aufgesetzt sind. Es ist z. B. möglich, wie dies Abb. i erkennen läßt,
daß die- einzelnen Kurvenscheiben aus Unrundscheiben gebildet «erden, die gegeneinander
so versetzt sind, daß sie eine Art Gewindewelle bilden, wie sie schematisch in Abb.
4. gezeigt ist. Die Wirkung einer solchen Kurvenscheibenversetzung besteht darin,
daß jeweils ein Teil der Kurvenscheiben unmittelbar gegen (las fertiggestellte Gewebe
anliegt, während bei den dazwischenliegenden I`urveisclieil)en ein größerer Abstand
zwischen (lein fertiggestellten Gewebe bzw. denn zuletzt angeschlagenen Schußfaden
und dein Kurvenscheibenumfang vorhanden ist.
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' Bei Drehung der Welle i wird infolgedessen der vom Scliiitzen 13
eingelegte Schuhfaden ergriffen und ganz allmählich an (las Gewebe. angeschlagen.
Abh..l läßt <lies deutlich erkennen. 15 und i5a sind die Kettenfäden, 14 die
Schußfäden, die bei c, d, e an (las Gewebe 32 angeschlagen werden.
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je nach der Art des Gewebes, welches hergestellt werden soll, wird
nian die Form der Kurvenscheibe 2 entsprechend wählen. Will nian besonders gutes
und festes Gewebe herstellen, so wühlt nian besondere Kurvenscheiben für die Welle
i, nämlich z. 13. S-Scheiben, die in Abb. 7 dargestellt sind.
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Diese können auch so ausgebildet sein, (laß sie nicht nur einen einfachen,
sondern auch einen doppelten Anschlag geben. Die ausgezeichnete Form dient für einfachen
Anschlag, die strichpunktierte Ergänzung für Doppelschlag. Schließlich kommen auch
Kurvenscheiben in Frage, die immer beiden Kettenfäden, dein oberen und unteren,
Führung geben.
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Die Schützen besitzen eine beliebige Ausführung, z. B. können sie
in Form eines langen Bolzens 12 gehalten sein, auf welcher eine Schußfadenspindel
oder Schußspule 13 drehbar oder fest aufgebracht ist. Der Bolzen 12, wie auch die
Führung i4a sind in einem schwalbenschwanzförmigen Schlitten. i i befestigt: An
diesem Schlitten ist ferner ein abwärts gezogener Arm iia und ein aufwärts gerichtetes
Blech i 1b vorgesehen. Letzteres dient zur Sicherung der Führung, indem das Blech
gegen einen Kamm 33 läuft, der mittels einer durchlaufenden Leiste an dem Rahmen
eines Gatters 8 befestigt ist.
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Dieses Gatter besteht, wie aus Abb.:i ersichtlich, aus Vertikalleisten,
die oben und unten unter Zwischenlage von Distanzscheiben g auf durchlaufenden Stangen
ga aufgereiht sind. Die Zwischenräume des Gatters gestatten einer Zahl von Kettenfäden
den Durchgang. 15 und 15a in Abb. q. lassen dies deutlich erkennen. In den Vertikalleisten
8 ist eine Führung für den Schwalbenschwanz des Schlittens i i vorgesehen, wie dies
ebenfalls aus Abb. i und 4. ersichtlich.
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Der Arm i ja greift in eine aus einzelnen Scheiben 7 gebildete Triebwalze
5 ein. Die Scheiben 7 sind auch hier durch Distanzierscheiben 6, ähnlich den Distanzierscheiben
3, voneinander getrennt. Die Versetzung der Scheiben 7 ist so gehalten, daß eine
flachgängige Schciecke entsteht, die bei ihrer Drehung den Schützen über die Gewebebreite
bewegt. Die Einführung des Schützens an der Gewebekante kann von Hand aus oder auch
automatisch erfolgen. Das gleiche gilt für (las Verlassen der Schützen an der anderen
Gewebekante.
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Abb. ; zeigt ein Schema, aus dein ersichtlich ist, wie eine solche
automatische Fortbewegung stattfinden kann.
Hier bedeutet wiederum
5 die nlit Scheiben 7 besetzte Triebwalze. Eine evtl. auch massiv ohne Zwischenlaren
ausgeführte Triebwelle 28 ist oberhalb des Gewebes vor-,gesehen. Ani Etide der Triebwalze
5 befindet sich eine genügcnd große Scheibe 31, durch welche die Schützen aus der
Walze 5 elt11o111-inen und zur Walze 28 übergeführt werden. Diese bringt die Schützen
zu einer Scheibe 30, die die- Schützen wieder auf die Transportwalze j übergibt.
. Bei Punkt A tritt der-einlaufende Schützen in (las Fach der Kette, wobei sich
der Schußfaden 1.4, (leg aus der Führung i-.a heraushängt, durch den Anschlag und
den Fachwechsel selbsttätig fängt. Bei Punkt B wird jeweils (leg Schußfaden durch
(las in Abb. 4. angedeutete .Messer 29 abgeschnitten.
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Selbstverständlich ist @lie Schwalbenschwanzführung für den Schlitten
i i längs der Schützenbewegung weitergeführt.
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Für die Fachbildung dient ein Litzenbündel 16, dessen Ausführung aus
Abb. i und 2 ersichtlich ist.
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Die Fachtrittwalze besteht aus einer Welle 26, auf welcher abwechselnd
Zwischenringe 27 und Scheiben 25 aufgereiht sind. Letztere sind die Fachtrittscheiben,
die, wie aus Abb. 2 ersichtlich, als Bodendreiecke ausgebildet sind. Die Fachtrittscheiben
sind, wie die Scheiben der vorbeschriebenen Wellen, gegeneinander versetzt, so daß
auch hier ein Schraubenganggebildet wird. Jede Fachtrittscheibe wird von einer Kulisse
24. erfaßt, an der ein bei 23 gelagerter Hebel 2o angelenkt ist. Das vordere Ende
des Hebels besitzt eine Bohrung 2oa, in die mittels Losen 21 und 22 die Schnüre
i9 eingreifen: Diese wiederum sind durch Osen 17 mit den eigentlichen Fachtrittlitzen
16 verbunden, wodurch einzelne Schnurzüge hergestellt werden, die über die Rollen
18 und 1811 laufen.
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Wird die Fachtrittwalze 26 gedreht; so bewegen sich die Hebel 2o
-uni den festen Drehpunkt 23 auf und ab, da die Scheiben 25 die Kulissen
2:f finit sich nehmen. Durch die Bewegung des Hebels 2o erhält dann der angeschlossene
Schnurzug eine. auf und ab gehende Bewegung, so daß einmal der Kettenfaden 15 gehoben
und der Kettenfaden 15a gesenkt, bei der anderen Grenzstellung des He-. bels 2o
der Kettenfallen i5a gehoben und der' Kettenfaden 1_5 gesenkt ist.
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Die Bewegung der Kettenfällen 15 und i5a in dieser vertikalen Richtung
ist möglich, da sowohl der Besatz der '\Nalze i wie auch der Besatz der Walze 5
aus einzelnen voneinander distanzierten Scheiben gebildet wird.
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Durch die Versetzung llbr Scheiben 25 auf der Welle 20 ergeben sich
über die Gewebebreite fortschreitende Fächer. Abb. 6 zeigt da.: Faclil)il(iutigs(liagrantiti.
Ein rachtrittliebel 2o kann aber nicht nur eiile einzelne Litze, sondern. wenn es
sein soll, zwei oder schließlich auch ein ganzes Bündel betätigen, die jeweils finit
Litzenhalter 1; in der Schnur 10 angeschlossen sind. Bei einest Matten Gewebe, d.
11. mit LeinNvandbindung, genügt eine Fachtrittwalze. Es können jedoch auch mehrere
gleichzeitig verwendet «-erden, wobei dann durch jede Fachtrittwalze nur eine Serie
Litzen bewegt wird. Bei Köperbindung treten meistens zwei Fachtrittwalzen oder vier
Stück in Tätigkeit.
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Die Steigung der Fachtrittwalze ist bei Leinwandbindung noch einmal
so groll wie die der Webwalze. Bei anderer Bindung entsprechend anders. Bei einer
Umdrehung der Webwalze bewegt die Transportwalze 5 einen Schützen ii von
a nach b (Abb.4). Die Fachtrittwalze 26 verschiebt die Fachtrittöffnungen
ebenfalls um das gleiche Stück, indem sie sich einlialbmal (bei Köperbindung einviertelmal)
dreht. Die drei UTalzen sind miteinander durch entsprechenden. Antrieb so verbunden,
daß diese Bewegungen genau gesetzmäßig erfolgen.
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Die Schußspulen werden gewechselt auf dem Rückwege der Schützen von
der Webkante B (Abb. 5) über die Scheiben 31 und 30 bis zur Webkante A, ohne daß
die Maschine stillgesetzt wird.
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Die Transportwalze 1 kann. auch in die gewöhnlichen Webstühle ein
gebaut werden. und zwar in die Schützenbahn (Ladenbahn). Die Schwalbenschwanzführung
würde dann durch eine zweite Transportwalze ersetzt und kann diese über der ersten
oder vor dieser zu liegen kommen. -Natürlich genügt unter Umständen auch nur eine,
die dem Schützen genügend Führung gibt. An Stelle der Bleche S würde dann das Wehblatt
treten. 'Mit einem solchen Stuhl kann man eine oder mehrere Breiten weben, je nachdem
man die Fachtrittwalze mehr oder weniger mal nach rechts und links herumdreht. Schlagzeug-
und Schützenkästen kommen da, in Wegfall. Die übrigen Funktionen der bekannten Stühle
bleiben die alten.