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Schützenauswechselvorrichtung für Webstühle Bei Webstühlen, die mit
Schützenauswechselvorrichtungen anstatt mit Schußspulenauswechselvorrichtungen arbeiten,
ergeben sich Schwierigkeiten, wenn die Arbeitsgeschwindigkeit des Webstuhles erhöht
wird; das hat seinen Grund in dem größeren Beharrungsvermögen der Schützen im Verhältnis
zu dem Beharrungsvermögen der Spulen; bei größerer Geschwindigkeit können die Schützen
nicht mit derselben Leichtigkeit bewegt werden, wie es die Spulen gestatten, vielmehr
müssen besondere Vorkehrungen dazu getroffen werden.
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Dies ist besonders dann erforderlich, wenn der Webstuhl einen Schützenvorratsbehälter
hat, in welchem die Schützen übereinanderliegen und aufeinanderruhen und unter der
Schwerkraft in diejenige Lage gelangen, aus der sie in den auf der Weblade befindlichen
Schützenkasten übergeführt werden. Wenn die Geschwindigkeit des Webstuhles erhöht
wird, so ist die Zeit zum Übertragen des Schützens aus dem Behälter in den Kasten
wegen der dabei eine Rolle spielenden Schwerkraft nicht genügend, die Übertragung
entsprechend der Geschwindigkeit des Webstuhles hinreichend schnell erfolgen zu
lassen, und somit ist der Arbeitsgeschwindigkeit des Webstuhles eine Grenze gesetzt,
über die er nicht hinauskann.
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Diesen Übelstand zu beheben, ist der Zweck der vorliegenden Erfindung,
welche eine wesentliche Vergrößerung der Arbeitsgeschwindigkeit des Webstuhles gestattet.
Das Wesen der Erfindung besteht darin, daß beim überführen des Schützens aus dem
Behälter in den Kasten die Schwerkraft durch eine zusätzliche Kraft unterstützt
wird, die aus, einem zwangsläufig bewegten Übertrager besteht und mit deren Hilfe
das Übertragen wesentlich beschleunigt wird. Als Kraft ausübender Teil dient eine
Klappe o. dgl., die durch eine oben auf dem Schützenkasten vorgesehene Falltür gebildet
ist. Auf dieser Tür befindet sich eine Rolle o. dgl., die mit einem hakenförmigen
Nocken zusammenarbeitet, der die Tür öffnet und schließt, wenn die Lade mit dem
Schützenkasten in die übertragestellung und aus dieser wegbewegt wird.
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Versuche, eine zusätzliche Kraft beim Übertragen der Schützen zu verwenden.
sind bereits gemacht worden, jedoch nicht mit dem erstrebten Erfolge. Bei der sehr
kurzen Zeitdauer, innerhalb deren die Schützen übertragen werden müssen, muß die
zusätzliche Kraft 'zwangsläufig wirken, in voller Abhängigkeit von der Geschwindigkeit
des Webstuhles, wie dies bei der vorliegenden verbesserten Vorrichtung der Fall
ist, die sich außerdem durch die Einfachheit des Aufbaues und der Wirkungsweise
auszeichnet.
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In den Zeichnungen ist die Erfindung in beispielsweiser Ausführung
veranschaulicht. Fig. i zeigt das Auswechselende des Webstuhles in Vorderansicht,
und die Fig. 2 bis 5 zeigen vier Arbeitsschritte beim übertragen.
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Der Schützenvorratsbehälter Al hat eine feste, etwas
geneigte Führung 7o, die auf einer Stange 71 verstellt werden kann, welche
an dem Webstuhlrahmen befestigt ist. Der unterste Schützen lagert auf einer Abschlußplatte
72
(Fig. 2), die um die Stange 71 schwenkbar gelagert ist. Der Vorratsbehälter und
die Platte 72 befinden sich hinter der-Webläde, so daß der Schützen dann übertragen
wird, wenn die Lade sich in ihrer hintersten Stellung befindet. Auf der Abschlußplatte
72 sind einstellbare Schrauben 73 so angeordnet, daß sie an Anschläge 74 des Schützenkastens
beim Hochgehen desselben stoßen. Unter normalen Umständen gehen die Anschläge unter
den Schrauben 73 hinweg, so daß die Abschlußplatte 72 in Ruhe verbleibt.
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Die Steigkastenhebestange 59 trägt einen oberen Schützenkasten 75
und einen unteren Schützenkasten 76; auf dem Kasten 75 liegt ein bei 78 an das Kastengestell
angelenkter Deckel 77, der normalerweise- mittels einer Torsionsfeder 79 (Fig. i)
in seiner unteren Ruhelage gehalten wird. Auf dem Dekkel ist eine Rolle 8o befestigt,
welche mit einem hakenförmigen Führungsnocken 8 i zusammenarbeitet, und zwar unter
der Lippe 83 des Hakens in den Schlitz 82 desselben eintreten kann (Fig.3 und 4).
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Der Webstuhl ist mit einem der bekannten Schußfadenwächter versehen,
und dieser befindet sich vorzugsweise an der anderen Seite des Webstuhles. Gemäß
der üblichen Ausführung hat der Fadenwächter einen Finger, der den Faden im Schützen
bei jedem Schlag der Lade berührt. Wenn die Spule beinahe aufgebraucht ist, zeigt
der Fadenwächter dies an. und diese Anzeige wird nach der Auswechselseite des Webstuhles
hin übertragen, wo nun die Schützenübertragung in Tätigkeit versetzt wird, um den
Schützen mit der Spule, deren Faden aufgebraucht worden ist, durch einen Schützen
mit voller Spule zu ersetzen. Diese Einrichtung wird hier nicht im einzelnen beschrieben,
weil sie nicht mit zu der Erfindung gehört. Es dürfte genügend sein, zu erklären,
daß, wenn das Verbrauchtsein des Fadens einer Schützenspule angezeigt wird, eine
Daumenscheibe 56 (Fig. i) die Schützenkastenstange 59 hebt, was mittels der Bewegungsübertragungsteile
60, 57 und 62 geschieht, wobei der Schützenkastenrahmen um so viel gehoben wird,
wie der Höhe eines Schützens entspricht (vgl. Fig. 2 und 4). Beim Anheben des Schützenkastenrahmens
mit den Schützenkästen tritt die Rolle 8o des Deckels 77 in den Schlitz 82 des Hakens
8 i ein (Fig. 3) ; zur selben Zeit geht die Lade rückwärts, so daß die gekuppelten
Teile aus der Stellung Fig.3 in die Stellung Fig.4 gelangen, in. welch letzterer
der Deckel vollständig geöffnet ist. Indem der Deckel77 in diese Stellung bewegt
wird, stoßen die Anschläge 74 an die Schrauben 73 und bewirken hierdurch ein rückwärtiges
Ausschwingen der Abschlußplatte 72, so daß der unterste Schützen hinter dem geöffneten
Deckel in den Kasten 75 fällt (Fig.4). Wenn die Lade dann wieder vorgeht, .nimmt
die hintere Wand des Schützenkastens den neu aufgenommenen Schützen mit sich hinweg
vom Vorratsbehälter, und die Abschlußplatte 72 tritt wieder unter die im Vorratsbehälter
verbliebenen Schützen bzw. unter den untersten derselben. Während die Lade nach
vorn geht, kommt der Schützen mit der leeren Spule von der anderen Seite bzw. der
Fadenwächterseite des Webstuhles an und tritt in den Kasten 76 ein. Während des
Vorgehens der Lade hat die Lippe 83 des Hakens 81 den Schützenkastendeckel 77 niedergedrückt
und hierbei den neu aufgenommenen Schützen richtig in den Kasten hineingedrückt,
so daß die Teile sich schließlich in der in der Fig. 5 veranschaulichten -Lage befinden.
Die Eindrückbewegung des Kastendeckels bzw. des Schützens wird dabei je nach Form
des Teiles 83 mehr oder weniger stark durch die Feder 79 unterstützt.
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Sobald dies geschehen ist, bewirkt die Daumenscheibe das Senken des
Steigkastens, und der Schützen mit der leeren Spule gelangt in die Bahn des festen
Auswerfers 84 (Fig. i) und wird beim weiteren Vorwärtsgang der Weblade aus dem Kasten
herausgedrückt. Der leere Schützen gelangt auf die Führung 85, damit aus dem Weg
und Bereich der Lade hinaus. Während der Niederbewegung des Schützenkastenrahmens
gelangt der Schützen 75 in die Wurflage, und damit ist das Auswechseln beendet.