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Schußfadenabschneidevorrichtung Die Erfindung bezieht sich auf eine
Vorrichtung zum Abschneiden der Schußfadenenden, die von der Gewebeleiste nach der
auszuwechselnden Schußspule einerseits und andererseits von der Schußfadenhaltev
orrichtung (Fadenrosette) des Schußspulenbehälters nach der Gewebeleiste zu verlaufen.
Wie die Vorrichtung des Hauptpatentes 542 844, so ist auch sie im besonderen bestimmt
für Webstühle mit beidseitigem Schützenwechsel und selbsttätiger Schußspulenauswechselung,
bei welchen sich auf der Auswechselseite mehrere Schützenkastenzellen befinden.
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Da sich im Gegensatz zu einschützigen Webstühlen oder einseitigen
Wechselstühlen bei beidseitigen Wechselstühlen im Augenblick der selbsttätigen Schußspulenauswechselung
je nach der Wechselfolge nicht nur ein einziger, sondern zwei und mehr Schußfaden
zwischen Gewebeleiste und Schützenkasten, also im Bereich der Schußfadenabschneidevorrichtung,
befinden, so sind besondere Maßnahmen notwendig, um zu erreichen, daß immer nur
das Schußfadenende der ausgeworfenen bzw. auszuwerfenden Schußspule und der Schußfadenanfang
der eingewechselten Schußspule abgeschnitten wird.
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Nach dem Hauptpatent wird dies dadurch erzielt, daß eine von hintenher
durch das Wehblatt greifende Schußfadenschere in vorderster Webladenstellung schneidet,
wenn allein der abzuschneidende Schußfaden auf der Auswechselseite zwischen Gewebeleiste
und Schützenkasten im Bereich der Schere liegt, daß dieselbe aber bereits vor Erreichung
der vordersten Webladenstellung in Tätigkeit tritt, um den zuletzt eingetragenen,
noch nicht vollständig angeschlagenen Schußfaden abzuschneiden, wenn noch ein oder
mehrere andere Schußfaden sich an gleicher Stelle befinden, die nicht beschädigt
werden dürfen. Die zu diesem Zwecke verwendete Vorrichtung arbeitet vollkommen einwandfrei,
sie besitzt aber zwei Nachteile, die darin bestehen, daß für das Durchgreifen der
Schere von hinten aus dem Wehblatt ein oder mehrere Zähne entfernt werden müssen
und daß die Mittel zur Bewegung der Schere an schwer zugänglicher Stelle zwischen
der Webstuhlwand und der Webladenstelze angeordnet
sind. Der erstgenannte
Nachteil macht sich unangenehm bemerkbar, wenn das gleiche Webblatt für breiter
eingestellte Gewebe verwendet werden soll; der zweite erschwert die Einstellung
der Bewegungsteile, sofern bei manchen Stuhltypen infolge Mangels an Raum die Anbringung
der Vorrichtung nicht Überhaupt scheitert.
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Der Zweck der vorliegenden Erfindung ist es, diese Übelstände zu vermeiden.
Er wird dadurch erreicht, daß die Schußfadenabschneidev orrichtung in bekannter
Weise vor dem Webblatt, z. B. am Breithalter, - angebracht und so ausgebildet wird,
daß sie beim Vorliegen mehrerer Schußfaden auf der Auswechselseite immer nur die
Schußfaden der am Auswechselvorgang beteiligten beiden Schußspulen erfassen und
abschneiden kann.
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Erreicht wird dieses dadurch, daß die sich beim Intätigkeittreten
der Schußspulenauswechselvorrichtung öffnende, mit einem Haken oder Horn versehene
Schere oder ein eine ähnliche Bewegung ausführender besonderer Schußfadenheber die
bereits vom Webblatt angeschlagenen Schußfaden aus dem Bereiche der Schneiden der
Schere bringt und so nur das Schneiden des noch nicht vollständig vom Webblatt angeschlagenen
Schusses gestattet, sofern nicht ein beim Öffnen der Schere vorschnellender Schieber
den bereits angeschlagenen abzuschneidenden Schußfäden rechtzeitig aus dem Bereiche
des Haltens bzw. des besonderen Schußfadenhebers entfernt um ihn zwischen die Scherenschenkel
gelangen zu lassen.
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In den Abb. i und 2 ist ein Ausführungsbeispiel des Erfindungsgegenstandes
in zwei verschiedenen Stellungen dargestellt, und zwar läßt Abb. i die Wirkungsweise
der Vorrichtung erkennen, wenn nur ein Schußfaden auf der Auswechselseite vorliegt,
während Abb. 2 zeigt, wie die Vorrichtung arbeitet, wenn noch ein anderer Schuß
vorhanden ist, der unverletzt bleiben muß.
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Die Abb. 3 bis 6 sind schematische Draufsichten zu den vorhergehenden
Abbildungen, aus denen insbesondere die Lage der Schußfäden zur Schere erkennbar
ist: Zur Erklärung der Vorgänge sei wiederum der bekannte dreischüssige Rundwechsel
benutzt, bei welchem in dem Augenblicke, in dem das Schußfadenende der ausgeworfenen
bzw. auszuwerfenden Schußspule abgeschnitten werden muß, nur dieses allein im Bereich
der Schere liegt, während sich dann, wenn der vom Schußfadenhalter nach der Gewebeleiste
zu .-erlaufende Schußfadenanfang von der neuen Schußspule abzuschneiden ist, noch
ein zweiter Schußfaden in der Schnittlinie der Schere befindet. Die Arbeitsweise
der Schußspulenauswechselvorrichtungwird als bekannt vorausgesetzt und deshalb nicht
im einzelnen erläutert. .
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Am Breithaltergehäuse i (Abb. i), das in bekannter Weise am Breithalterstab
2 befestigt ist, der am Breithalterkasten 3 am Brustbaum 4. längsverschieblich gelagert
ist, ist die Schußfadenschere angeschraubt, die aus der feststehenden Klinge 5 und
der beweglichen Klinge 6 besteht, welche mit einem hornartigen Vorsprung oder Haken
1a ausgerüstet ist. Die bewegliche Klinge 6 ist an einem zweiarmigen Hebel 7, 8
drehbar angelenkt. Sie bewegt sich mit diesem beim Schneiden zunächst abwärts und
kippt dann entgegen der Wirkung der Torsionsfeder 9 um einen Anschlagbolzen io an
der festen Klinge 5, wodurch sie, sich schließend, schneidet.
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Der Hebel 7, 8 steht unter dem Einfluß einer Zugfeder ii, die
bestrebt ist, ihn im Sinne der Öffnung der Schere 5, 6 zu bewegen. Für gewöhnlich
wird er in dieser Bewegung gehindert durch einen Sperrhebel 12, der zufolge seines
Eigengewichtes hinter dem Ansatz 13 am Hebel 8 einfällt. Mittels eines an seinem
Bolzen 14 angreifenden Schlitzzugstängelchens 15 betätigt dieser Sperrhebel 12 gleichzeitig
den auf dem Hebel 8 gleitenden Schieber 16, der mit einer an der Weblade 17 befestigten
Druckleiste 18 zusammen arbeiten kann, wenn der Sperrhebel 12 gehoben worden ist.
Die bis hierher beschriebene Vorrichtung ist mit Ausnahme des Hornes 1a an der beweglichen
Scherenklinge 6 bekannt. Zum Zwecke seiner Aushebung besitzt der Sperrhebel eine
Nase i9, gegen die ein Hubnocken 2o arbeitet, der fest auf einer Welle 21 am Brustbaum
4 sitzt, die mittels eines Hebels 22, einer Zugstange 23 und nicht dargestellter
weiterer Übertragungsmittel vom Schußspulenfühler oder von der Schußspulenauswechselvorrichtung
aus unmittelbar oder durch von diesen Vorrichtungen in Bewegung gesetzte Zwischenmittel
verschwenkt wird.
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Schließlich ist noch ein flacher Schieber 24 vorhanden, der sich einerseits
mit seinem Schlitz an einem Bolzen 25 des Scherenhalters und andererseits am Breithalterkasten
3 führt und unter dem Einfluß einer Zugfeder 26 steht, die ihn nach jedem Arbeitshub,
den er von einem zweiten, auf der Welle 2i festsitzenden Hubnocken 27 erhält, in
seine Grundstellung zurückzieht. Der Hubnocken 27 greift hinter eine Nase 28 des
Schiebers 24 ein. Vor der Erreichung der rechten Stellung des Hubnockens 27 schnellt
der Schieber 24 in seine Grundstellung zurück, weil der von der Spitze des Nockens
27 beschriebene Kreis und die Gerade, in welcher
sich die Nase 28
bewegt, dann auseinanderstreben (vgl. Abb. i, die diesen Augenblick darstellt).
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Die Arbeitsweise der beschriebenen Vorrichtung ist folgende: Wird
vom Schußspulenfühler oder auch vom Schußwächter aus die Schußspulenauswechselvorrichtung
in Bereitschaft gebracht, so schwingt, durch die oben bereits angedeuteten Übertragungsmittel
betätigt, die Zugstange 23 mit dem Hebel -22 im Sinne des Pfeiles nach links und
verschwenkt so die Welle 2 i finit den N ocken 2o und -27. Nokken 2o trifft dabei
gegen die Nase i9 des Sperrhebels 12, hebt diesen an und gestattet so dein Doppelhebel
;, 8, dem Zuge der Feder i t folgend, die Schere 5, 6 zu öffnen. Dabei würde das
Horn 1a an der beweglichen Klinge 6 den in diesem Augenblick vorliegenden Schußfaden
a der auszuwechselnden Schußspule erfassen und hochheben, so daß sie ihn nicht zerschneiden
könnte, wenn nicht gleichzeitig mit der Öffnung der Schere der Schieber 2d., von
dein Nocken 27 gestoßen, vorschnellen und den Schußfaden a aus dem Bereiche des
Horns k. bringen würde (v g1. Abb.3). Ist die Schere geöffnet, so gleitet die Nase
28 des Schiebers 2d. von dem Nocken 2; ab; der. Schieber schnellt, gezogen von der
Feder 26, zurück, und der Schußfaden a gelangt zufolge seiner eigenen Spannung und
dem Andruck des Webblattes unter die Scherenklinge 6 (vgl. Abb. 4.). Da durch den
Hub des Sperrhebels 12 vermittels der Schlitzzugstange 15 auch der Schieber 16 gehoben
wird, so trifft die Druckleiste i8 im Augenblick des Anschlagens der Weblade 17
gegen seinen Bolzen und schließt dadurch die Schere 5, 6, so das Schußfadenende
a dicht an der Gewebeleiste abschneidend.
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Abb. i zeigt die Teile kurz vor dem Zurückschnellen des Schiebers24.
Die Schere 5, 6 ist noch nicht ganz geöffnet.
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Inzwischen ist, von der anderen Webstuhlseite kommend, ein zweiter
Schütz in eine der Schützenkastenzellen der Auswechselseite eingelaufen, so daß
nunmehr ein Schußfaden c (Abb.2) vorliegt, der von der Schere 5, 6 nicht beschädigt
werden darf, und es hat die Auswechslung der Schußspule stattgefunden, von der beim
nächsten Webladenrückgang erstmalig der Schußfaden b (Abb. 2) in das Webfach eingetragen
wird.
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Der von der Fadenrosette nach der Gewebeleiste zu verlaufende Anfang
dieses Schußfadens b muß nun abgeschnitten werden, ohne daß der Schußfaden c verletzt
wird.
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Da bei derRückkehr der Spulenauswechselvorrichtung in ihre Grundstellung
auch die Welle 21 mit den Nocken 2o und 27 zurückschwingt, so wird durch das Auftreffen
des Nockens 2o auf die Nase i9 der Sperrhebel 12 nochmals gehoben und dadurch die
Schere 5, 6 ein zweites Mal geöffnet. Der Schieber 24 hingegen kann nicht wieder
in Tätigkeit treten, weil er beim ersten Hub von dein Nocken 27 abgeglitten ist
und sich bereits in seiner Grundstellung befindet. Infolgedessen wird beim Hochschnellen
der Scherenklinge 6 der bereits angeschlagene Schußfaden c von dem Horn h. erfaßt
und hochgehoben (vgl. Abb. 5). Die Klinge 6 greift also gewissermaßen unter diesemSchuß
hinweg und erfaßt nur den Schuß b, den sie beim Vorgang der Weblade 17 zerschneidet
(vgl. Abb. 6). Die Abb. -2 zeigt die Stellung der Schußfadenabschneidevorrichtung
kurz vor dem zweiten Schnitt.
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Liegen bei jedem, also auch beim Abschneiden des Schußfadenendes der
auszuwerfenden Spule noch ein oder mehrere Schüsse vor, die nicht verletzt werden
dürfen, so beseitigt man den Schieber 24 oder stellt ihn durch Hochheben des im
Kasten .3 geführten Endes oder durch Lösung des Nokkens 27 ab. Es werden dann stets
die bereits angeschlagenen Schüsse von dem Horn da erfaßt, so daß auch bei anderen
Wechselfolgen immer nur die Schußfadenanfänge bzw. Enden der am Auswechselvorgang
unmittelbar beteiligten Schußspulen von der Schere 5, 6 erreicht werden können.
Sinngemäß kann selbstverständlich die Schere auch nach unten geöffnet «.erden, ohne
daß die Wirkung dadurch beeinträchtigt wird. An Stelle des Horns h an der Klinge
6 kann auch ein von der Klinge unabhängiger, beispielsweise am Hebel 7 befestigter
Haken o. dgl. dazu benutzt werden, die nicht zu zerschneidenden Schußfaden der Wirkung
der Schere zu entziehen.