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Verfahren zur Herstellung heller Muster auf von Natur dunkelfarbigen
Häuten oder Ledern Sowohl für die Schuherzeugung wie auch für die Lederwaren- und
Taschenherstellung' haben hochwertige Leder, insbesondere Leder von exotischen Reptilien,
schon seit Jahrzehnten mit Vorliebe Verwendung gefunden. Besonders in der Schuhindustrie
war jedoch bis vor etwa a bis 3 Jahren der allgemeinen Verwendung in der Hauptsache
der Preis hinderlich, weil gerade solche Leder, die infolge ihrer besonders schönen
natürlichen Zeichnung am meisten begehrt wurden, für die Herstellung von Schuhen
für größeren Konsum zu teuer waren. Infolgedessen geht das Bestreben der Lederfabrikanten
schon >eit langer Zeit dahin, auf künstlichem Wege Imitationen dieser besonders
schön gezeichneten echten Leder herzustellen.
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Man ist dabei in der Hauptsache so verfahren, saß man Schaf-, Ziegen-
und ähnliche Leder durch Bedrucken den echten Ledern im Aussehen möglichst nahezubringen
versucht hat. Es ist dies bisher nur unvollkommen gelungen. Mit dem Steigen des
Bedarfs an echten Reptilledern, wie z. B. Eidechsen, Schlangen, Krokodilen usw.,
hat man dann weiterhin versucht, billige, in der Zeichnung unschöne oder ganz ungezeichnete
derartige Reptilleder mit einer Zeichnung zu versehen, die den teuren, schön gezeichneten
Fellen möglichst nahekommen soll, um dadurch ein billiges und für grollen Konsum
geeigneteres Erzeugnis herauszubringen. Die dabei bisher beschrittenen Wege sind
ausnahmslos von dem Gedanken ausgegangen, die wenig oder nicht gezeichneten Leder
zunächst im ganzen zu bleichen, d. h. den vorhandenen natürlichen Farbton möglichst
weitgehend zu entfernen, um so ein möglichst helles, einfarbiges Leder zu erzielen.
Auf die so vorbereiteten Leder hat man alsdann mittels Walzendrucks, Schablonen
und ähnlicher technischer Hilfsmittel eine mehr oder weniger dunkle Farbe aufgetragen,
um so die angestrebte Zeichnung auf dem vorher durch Bleichen erzeugten hellen Grunde
zu erzielen. Das Ergebnis ist auch hierbei bisher ausnahmslos ein recht mangelhaftes
geblieben, da die erzielte Zeichnung gegenüber der echten sehr zu wünschen übrigließ.
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Um in dieser Hinsicht ein möglichst vollkommenes Erzeugnis herauszubringen,
wird nun nach der Erfindung ein für diesen Zweck bisher nicht angewandtes Verfahren
benutzt, das auf dem Grundsatz beruht, die natürliche Grundfarbe des Felles vollkommen
unverändert zu lassen, um vor allen Dingen den Effekt und die guten Farbeigenschaften
des natürlichen echten Felles festzuhalten. Aus der Fläche des natürlichen, im allgemeinen
dunklen Grundtones wird mittels eines weiter unten beschriebenen Bleichverfahrens
die gewünschte Zeichnung herausgebleicht.
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Die chemischen Mittel des hierbei zur Anwendung kommenden Bleichverfahrens
sind
in der Gerbereitechnik seit langem bekannt. Sie sind-- indessen
bisher in einer anderen Weise angewandt worden, als es bei dem vorliegenden Verfahren
der Fall ist. Man hat diese Bleichmittel beispielsweise bisher in stark verdünnten
Lösungen als Bad benutzt, nicht nur um die natürliche Zeichnung der Felle möglichst
zu entfernen, sondern auch um das ganze Leder in der Farbe wesentlich aufzuhellen.
Jenes Verfahren wurde für den vorstehend beschriebenen Zweck dahin abgeändert, daß
die Oxydationsmittel für die Erzeugung von Mustern unter Zuhilfenahme von Walzen,
Schablonen usw. brauchbar gemacht wurden.-Ein Beispiel für das Ausbleichen von Zeichnungen
aller Art, wie es nach der Erfindung auf allen Arten von Fellen, die eine natürliche,
mehr oder minder dunkle Grundfarbe haben; vorgenommen werden kann, ist folgendes
Ausführungsbeispiel Eine Khatfischhaut wird in der üblichen Weise geweicht, geäschert
und gebeizt, daraufhin mit i % Schwefelsäure von o,25 oto Konzentration und 7 ofo
Kochsalz, auf das Blößengewicht gerechnet, gepickelt. Die so vorbereitete Haut wird
mit einer Schablone belegt, welche die gewünschte Zeichnung enthält. Mittels eines
flachen Pinsels werden alsdann die Üffnungen der Schablone und damit die betreffenden
Stellen des Felles mit einer konzentrierten Lösung von Chlorkalk (etwa z : i angerührt)
bestrichen. Man läßt diese Lösung i Stunde einwirken und spült alsdann den überschüssigen
Chlorkalk weg. Die Weiterbearbeitung des Felles erfolgt alsdann in der üblichen
Weise.
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Als Oxydations- und Reduktionsmittel kommen beispielsweise in Frage:
Chlorkalk, Wasserstoffsuperoxyd, Natriumsuperoxyd, Natriumhydrosulfit, Kaliumpermanganat.
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Der große Wert des Verfahrens nach der Erfindung geht ohne weiteres
daraus hervor, daß z. B. echte, gemusterte Eidechscnhäute etwa den dreifachen Marktwert
haben als die sonst qualitativ gleichwertigen, jedoch einfarbigen Häute. Da die
auf solchen einfarbigen Häuten nach dem vorliegenden Verfahren hergestellten Zeichnungen
der echten Zeichnung im Aussehen und in der Haltbarkeit vollkommen gleichstehen,
erfahren die billigen einfarbigen Leder eine Wertsteigerung um mehr als den eigenen
ursprünglichen Wert.
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Es ist noch darauf hinzuweisen, daß es selbstverständlich möglich
ist, die gewünschten Zeichnungen auf dem Leder sowohl vor dem Gerben herzustellen
wie auch nach dem Gerben und Färben der Leder oder Häute. Im letzteren Falle wird
durch das verwendete Bleichmittel selbstverständlich nicht nur die natürliche Färbung
des Leders, sondern auch die künstliche Lederfärbung durch Bleichung entfernt. Gegebenenfalls
kann durch an sich bekannte Mittel ein sonst etwa eintretendes Nachdunkeln der gebleichten
Stellen verhindert werden. Dies ist eine Maßnahme, die in der Lederfärberei- bereits
häufig angewandt wird.