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Verfahren zum Zurichten (Gerben) von Kaninfellen. Die übliche Art
der Zurichtung von Fellen ist die sogenannte Fettgerbung, die darin besteht, daß
die Felle mit Fett, Butter, Tran auf der Fleischseite gestrichen und in großen hölzernen
Tonnen gewalkt werden. Diese Art der Zurichtung ist aber zur Veredlung von Kaninfellen
nicht anwendbar, weil die seidenweiche Beschaffenheit der Kaninhaare eine solche
Behandlungsweise nicht verträgt. Man wendete aus diesem Grunde beim Zurichten von
Kaninfellen bisher nachfolgendes Verfahren an. Die Kaninfelle werden in reinem Wasser
eingeweicht, aufgeschnitten und wieder eingeweicht, dann entfleischt und auf der
Fleischseite mit einer Mischung von Salz und verdünnter Schwefelsäure gebeizt. Hierauf
werden die Felle in einer Zentrifuge geschleudert und mit Neütralfett bestrichen,
aufgehängt und getrocknet. Nun folgt das Läutern der Felle in einer Tonne mit feuchten
Sägespänen. Es folgt dann ein nochmaliges Läutern mit trockenen Spänen, dann werden
die Felle mit dem Eisen gestreckt, geschüttelt und geputzt.
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Durch das mehrmalige und längere Zeit fortgesetzte Einweichen der
Felle in Wasser und das Bestreichen der Hautseite mit Beize saugen sich die Haare
voll Feuchtigkeit und werden unheilbar weich und kraftlos, wodurch die Haare bei
den verschiedenen; Arbeitsvorgängen zum Herausfallen neigen. Auch nach der Fertigstellung
der Felle bleibt das Haar weich, kraft- und widerstandslos-, und die Folge davon
ist, daß beim nachfolgenden Färben die Farbtöne nicht rein herauskommen, weil die
.geschwächten Haare die Farbe verschieden annehmen.
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Durch das die Erfindung bildende Gerbverfahren kommt das Einweichen
der Kaninfelle in Wegfall, auch die nachträgliche Behandlung mit Schwefelsäure kann
in Wegfall kommen. Nach dem neuen Verfahren werden die Felle, wie sie vom Händler
kommen, also unaufgeschnitten, in annähernd trockenem Zustande verarbeitet. Und
zwar werden, um ein Eindringen von Feuchtigkeit oder Schmiere in die nach innen
liegende behaarte Seite der Felle zu verhüten, alle offenen Stellen, also die durch
die Beine, den Kopf und den Schwanzteil in ihnen befindlichen Öffnungen, sorgsam
zugenäht. Hierauf wird die äußere Seite, also die Haut, mit einer Mischung von Tran,
Fett und Öl geschmiert. Nun werden die Felle gewalkt und in bekannter Weise weiter
bearbeitet.
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Die Weiterbearbeitung kann z. B. wie folgt geschehen: Die so gewalkten,
mit trockenen Spänen geläuterten Kaninfelle werden auf der nach außen liegenden
Fleischseite mit einer Bürste mit Wasser bestrichen und liegen gelassen; am nächsten
Tage folgt ein zweites Bestreichen mit Wasser, worauf erst die Felle aufgeschnitten
und entfleischt werden. Nun kamt die Hautseite mit einer Bürste mit verdünnter Schwefelsäure
oder mit Beize bestrichen werden. Dies geschieht zu dem Zwecke, das Leder dünn zu
schneiden. Hierauf werden
die Felle dünn geschnitten, noch'
blals geschmiert, aufgehängt, getrocknet, mit feuchten Spänen geläutert, breit gemacht,
nochmals mit trockenen Spänen geläutert und mit dem Eisen gestreckt, worauf als
letztes das Schütteln und Putzen der Felle erfolgt.
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Durch das geschilderte neue Gerbverfahren werden die Haare der Kaninfelle
vor jeder Berührung mit Wasser oder Beize sorgsam bewahrt, gehen daher nicht aus
und behalten ihre natürliche Elastizität, Kraft und Widerstandsfähigkeit. Die Haare
nehmen beim Färben die Farbe rasch und willig auf und lassen. jeden beliebigen Farbton
tadellos und einwandfrei erzielen. Da von den nach dem neuen Verfahren zugerichteten
Fellen die meisten als Seal oder Bibrette zu verwenden sind, ergibt sich eine 3o-
bis 5oprozentige Qualitätsverbesserung.
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Die Wasser- und Schwefelsäurebehandlung kann unter Umständen ganz
in Wegfall kommen, und die Felle behalten ihre natürliche Stärke und Festigkeit,
sind vor Beschädigungen (Einreißen) bewahrt, weil das Leder nicht wie bei dem alten
Verfahren durch das häufige Einweichen weich und widerstandslos geworden ist, sondern
fest und kräftig bleibt.
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Durch die trockene Behandlung des Felles bleibt die Unterwolle in
ihrer natürlichen Beschaffenheit erhalten. Dies war aber bei dem bisher üblichen
Verfahren nicht der Fall, weil durch das Einweichen der Felle ein Vollsaugen der
Unterwollhaare stattfand, wodurch die Haare zum Ausfallen neigten.