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Leinenwerk für Fesselballone. Die bisher gebräuchliche Anordnung des
Leinenwerkes an Fesselballonen, das zum Angriff des Fesselseiles und zur Aufhängung
des Ballonkorbes dient, ist in Abb. t der beiliegenden Zeichnung veranschaulicht.
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Hiernach ist der Punkt P" in denn das Fesselkabel angreift, durch
die Seile o. dgl s" s_ . . . in seiner Lage zum Ballonkörper derart festgelegt,
daß er diese Lage so lange beibehält, als sämtliche Zugorgane s,, s. . . . belastet
sind. Dabei wandert der Angriffspunkt A der Fesselkraft in Richtung der Ballonlängsachse
auf der langen Strecke f,, f. je nach dem Winkel, den das Fesselkabel F mit
der Ballonachse bildet. Bei Überschreiten der Stellungen F' bzw. I#" des Fesselkabels
schwingt der Punkt P, nach vorn bzw. nach hinten aus, wobei die Seile s" s_ . .
. teilweise außer Zug kommen und der Angriffspunkt der Fesselkraft nach f bzw. f,
wandert. Wenn :las Leinenwerk ,furch weitere Festpunkte p" p_ . . . unterteilt ist,
wandert der Angriffspunkt der Fesselkraft sogar bis f:" bzw. f,'.
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Ebenso ist der Punkt P., als Aufhängepunkt für den Ballonkorb beispielsweise
durch die `eile l" l - l., festgelegt und 5o angeordnet, daß_
der Angriffspunkt der die Korblast darstellenden Kraft auf der Ballonlängsachse
innerhalb der Strecke k,-k., oder bei Unterteilung des Leinenwerkes noch darüber
hinauswandert.
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Diese gebräuchliche Anordnung hat folgende Nachteile: Bekanntlich
besteht kein vollkommener Ausgleich in der Belastung der Zugorgane s" s., . . .
und l" l @ . . ., selbst wenn, was z. T. schon ausgeführt wurde, der
Festpunkt P, durch eine auf einem Teil der Fesselung bewegliche Rolle ersetzt ist,
wobei die festen Punkte p,, p, . . . als solche verbleiben.
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Ferner wandert, wenn der Ballon bei höheren Windstärken größere Abtrift
erleidet, cler Angriffspunkt A der Fesselkraft, der durch den Winkel, den das Fesselkabel
tnit der Ballonlängsachse einnimmt, bestimmt ist, bis zum Punkt f_ und darüber hinaus.
Dadurch wird die erwünschte Gleichgewichtslage des Ballons erheblich gestört, so
daß sich dieser niit !lern Kopf stark nach oben stellt und in dieser steilen Lage
mit seinem hierdurch vergrößerten Widerstandsquerschnitt einen sehr großen schädlichen
Luftwiderstand erzeugt. Ferner geht der Ballon durch dieses Zurückwandern des Angriffspunktes
der Fesselkraft bis hinter den Luftwiderstandsmittelpunkt der Fähigkeit verlustig,
sich richtig in den Wind einzustellen, er legt sich quer und erzeugt auch dadurch
einen sehr hohen Luftwiderstand. Dieser durch die beiden beschriebenen Vorgänge
erzeugte hohe Luftwiderstand beeinträchtigt nicht nur den ruhigen Stand des Ballons
und damit die Beobachtung sehr erheblich, sondern bewirkt auch eine derart hohe
Belastung des Fesselseils, daß leicht ein Reißen desselben eintritt bei Windstärken,
die an sich das Festhalten des Ballons in der Luft erfahrungsgemäß noch ermöglichen.
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Ein weiterer Nachteil der bisherigen Anordnung besteht darin, daß
beim Einholen, wobei der Ballon bestrebt ist, durch den erhöhten Kabelzug den Kopf
nach unten zu neigen, sofort die Angriffspunkte der Fessel- und der Korbkraft erheblich
nach hinten wandern, so daß vier Ballon in nahezu horizontaler Lage unter Entwicklung
großen Luftwiderstands und hohen Kabelzugs nach unten gezogen werden muß.
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Diese Nachteile sind gemäß vorliegender Erfindung dadurch beseitigt,
daß das ganze Leinenwerk durch im Luftschiffbau an sich bekannte Rollen oder ähnliche,
eine Bewegung gestattende Zwischenglieder in Richtung (ier Ballonlängsachse so frei
beweglich ist, daß die Angriffspunkte der Fesselkraft und Korblast ihre Lage zu
der Ballonlängsachse annähernd fest beibehalten.
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Der Einbau einer Rollenführung in das Leinenwerk ist bisher nur bekannt
geworden bei starren Luftschiffen und hat dort den Zweck, die starre Verbindung
der Gondeln mit dem Gerippe zu ersetzen, um bei Landungen oder Zusammenstößen mit
Bäumen usw. Beschädigungen der Gondeln und ihrer Verbindungen mit dem Gerippe zu
verhüten. Weiterhin hat die Rollenführung bei starren Luftschiffen die Bedeutung,
gleichzeitig die einzelnen Verbände (les Gerippes von starken lokalen Beanpruchungen
zu entlasten und so den Gesamtverband des Gerippes erheblich zu verstärken. Dies
sind aber Aufgaben, die bei Fesselballonen durchaus nicht in die Erscheinung treten.
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Der Erfindungsgegenstand ist in einer Ausführungsform in Abb. a veranschaulicht.
Hiernach sind die Angriffspunkte der Kräfte l', (Fesselseil) und P2 (Korblast) durch
Anbringung von Rollen r, f- oder sonstigen, die
Beweglichkeit belassenden
Zwischengliedern im gesamten Leinenwerk so beweglich angeordnet, rlaß sich die Zugkräfte
im Leinenwerk in ihrer Stärke vollständig ausgleichen und die Angriffspunkte der
Fesselkraft und der Korblast bei allen Winkeln, die das Fesselkabel innerhalb der
gegebenen Grenzen mit der Ballonlängsachse bildet und bei allen praktisch möglicbell
Winkeln, die der Ballon mit der Horizontalen*bildet, in den Punkten A und K oder
wenigstens in deren ummittelbarer Nähe verbleiben.
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Dadurch wird erreicht, daß der Ballon, auch bei großer Abtrift, seine
Normallage beibehält und immer denselben Widerstandsquerschnitt dem Wind bietet,
so daß der Widerstand lediglich der Windstärke entsprechend wächst; hierdurch ist
die Möglichkeit einer ruhigen Beobachtung, auch bei starkem Wind, und einer Ausnutzung
des Ballons bis zu hohen Windstärken gegeben.
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Zur Wahrung der Normallage des Ballons bei höherer Korbbelastung (zweiter
Beobachter, Gerät usw.) werden durch besonders in das Leinenwerk eingefügte Zugseile
Z, Z die Angriffspunkte von P, und P,, in ihrer Beweglichkeit derart festgelegt,
daß bei dem durch die höhere Korblast verursachten Bestreben des Ballons, den Kopf
hoch zu nehmen, die Angriffspunkte der Fesselkraft und Korblast so weit nach vorn
rücken, daß nahezu die gleiche Lage wie bei gewöhnlicher Korbbelastung und damit
günstige Stand- und Widerstandseigenschaften des Ballons gewahrt sind. Dasselbe
gilt für den Fall, daß infolge geringerer Auftriebskraft des Füllgases sich die
Zugwirkung der Fesselkraft gegenüber der Korblast vermindert. Ebenso werden, wenn
durch starken Wind usw. ein hoher Zug im Fesselkabel auftritt, bei hoher Korblast
die Seile Z, Z wiederum entlastet, so daß der richtige Kräfteausgleich gerade dann
sicher gewährt ist, wenn hohe Beanspruchungen auftreten.
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Weiterhin wird durch die neue Anordnung der Festlegung der Angriffspunkte
für Fesselkraft und Korblast auf der Ballonlängsachse erreicht, daß beim Einholen
dem Ballon die :Möglichkeit bleibt, ohne Einwirkung störender Kräfte sich in denjenigen
Neigungswinkel zur Horizontalen zu stellen, der der Richtung entspricht, die sich
als Resultante aus dem durch Wetter bestimmten Wind und dem sogenannten Einholwind
ergibt. So wird der zum Einholen notwendige Kabelzug sehr wesentlich herabgemindert,
womit die Möglichkeit gegeben ist, (len Ballon ohne Schaden für ihn selbst und unter
verhältnismäßig geringem Arbeitsaufwand mit großer Geschwindigkeit einzuholen.
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Die senkrechte Entfernung der Angriffspunkte des Fesselkabels und
der Korblast von der Ballonlängsachse (und die Art ihrer Verbindung mit dem Ballon)
ist so festgelegt, daß l,ei eintretender Kopfneigung des Ballons die in den Schnittpunkten
der Fesselkraft P, und der Korblast P2 mit der Ballonachse liegenden Angriffspunkte
A und k dieser Kräfte um eine kleine bestimmte Strecke zurückwandern; diese kleine
Strecke reicht eben aus, um beim Aufhören der Einholbewegung die Rückkehr des Ballons
in die Normallage entgegen der im Leinenwerk auftretenden Reibung und, falls durch
die Kopfneigung Verlagerungen der Gasfüllung eingetreten sind, auch entgegen der
Wirkung des durch die Kopfneigung nach hinten gewanderten Schwerpunktes der Gasfüllung
zu sichern.
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Die Hauptbedeutung der Erfindung ist der vollständige Kräfteausgleich
im Leinenwerk, die Wahrung der richtigen Lage der Punkte A und K auf der Ballonlängsachse
und, dadurch bedingt, die richtige Lage des Ballons bei jeder Windstärke, Abtrift
und Korbbelastung und die für die Erzeugung kleinsten Widerstands richtige Einstellung
des Ballons beim Einholen, ferner die Rückkehr des Ballons in die Normallage nach
dem Einholen oder nach Störungen dieser Normallage durch äußere Einflüsse.