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Vorrichtung zum Bestimmen des Abwurfmomentes von Bomben zur Nachtzeit.
Es ist eine Methode zum Bestimmen der Vorhaltdistanz und des Abwurfmomentes von
Bomben mittels Fernrohr und Aneroid bekannt, nach welcher vorerst die Eigengeschwindigkeit
des Flugzeuges, aus dieser und der Angabe des Aneroids die Vorhaltdistanz und schließlich
mit Hilfe der letzteren der Abwurfmoment ermittelt wird.
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Die Eigengeschwindigkeit des Flugzeuges wird dabei aus dem mit Hilfe
einer Stoppuhr festgestellten Intervalle der Zeitpunkte bestimmt, in welchem ein
Punkt der Erdoberfläche durch das Fadenkreuz ödes vorerst unter einem angenommenen
Winkel und sodann vertikal gestellten Fernrohres hindurchgeht.
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Die Ermittlung des Zeitpunktes des Abwurfmomentes erfolgt gleichfalls
mit Hilfe des Fernrohres, und zwar durch Beobachtung des Zeitpunktes, in welchem
das auf den Angriffspunkt eingestellte und während des Fluges nachgedrehte Fernrohr
gegen die Vertikale den der ' Vorhaltdistanz entsprechenden Winkel einschließt.
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Die praktische Ausnutzung dieser Methode ist durch die bis nun bekannt
gewordenen, die Verwendung eines Fernrohres bedingenden Einrichtungen auf die Tageszeit
und helle Mondnächte beschränkt.
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Um nach dieser Methode die zum Bombenwurf erforderlichen Angaben auch
bei Nachtflug ermitteln zu können, wird der Erfindung gemäß das Fernrohr durch einen
Scheinwerfer ersetzt, und zwar in der Weise, daß alle bei Verwendung des Fernrohres
in Frage kommenden Visierwinkel durch jene Winkel ersetzt werden, welche durch die
Reflektorachse bzw. die- Strahlachse gegeben werden.
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,Nbb. i der Zeichnung zeigt eine schematische Darstellung eines der
Erfindung gemäß konstruierten Apparates; Abb. a und 3 sind Skizzen zur Erläuterung
der Methode.
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Der zur Verwendung kommende Reflektor x ist im Flugzeug kardanisch
aufgehängt, und zwar in ,der Weise, @daß er in einem Horizontalringe za, vorteilhafterweise
oberhalb seines Schwerpunktes, in Zapfen a -elagert ist, während der die Lagerzapfen
3, 3 des letzteren tragende Vertikalring in in einem Kugelgelenk o aufgehängt ist.
Die äußere Umfläche des Scheinwerfers a trägt einen etwa 9o° umfassenden Zahnkranz
1a, in welchem ein am Horizontalringen gelagertes Zahnrad t eingreift; eine auf
der Welle des Zahnrades t sitzende Schnurrolle q. ist durch ein sogenanntes
Bowdenkabel mit der auf der Welle g eines Stellhebels b sitzenden Schnurrolle 5
verbunden, deren Übersetzungsverhältnis zur Rolle 4. derart gewählt wird, daß jede
Verschwenkung des Armes b eine gleichwinklige Verschwenkung des Reflektors bedingt;
der Arm b schleift auf einem mit Winkelteilung versehenen Sektor p und ist derart
montiert, daß er auf den gemeinsamen Nullpunkt der nach beiden Schwenkrichtungen
aufgetragenen Winkelteilungen des Sektors p zeigt, wenn die Reflektorachse mit der
Schwenkachse 3, 3 des Horizontalringes ia einen rechten Winkel einschließt.
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Im Stellarm b ist ein mittels Stellschraube it festklemmbarer Sektor
r geführt, der an seinem Ende einen federnden Körner f trägt, der an der Innenseite
des starren Sektors p schleift, woselbst an der dem Nullstriche der Teilung des
letzteren entsprechenden Stelle eine Körnervertiefung i angeordnet ist. Wird der
Sektor y bei der in Abb. i gezeigten Vertikalstellung des Armes b in letzterem so
weit verschoben und festgeklemmt, daß die Körnerspitze f auf den Teilstrich irgendeines
Winkels
x zeigt, und der Arm b nunmehr im Sinne des Pfeiles l verdreht, so wird der Körner
f in die Körnervertiefung i einfallen, wenn der Arm b und damit auch
die Reflektorachse um denselben Winkel x v erschwenkt worden ist.
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Die Reflektorachse wird aber nach dieser Verschwenkung tatsächlich
nur dann den Winkel x mit der Vertikalen einschließen, wenn sie bei Beginn der Verdrehung
vertikal gestanden; dieser Bedingung wird aber durch die Pendelaufhängung des Kardansystems
und die zwangläufige Verbindung der Schwingachse 2, 2 des Reflektors mit dem Stellarm
b nur unter der Voraussetzung Rechnung getragen, daß das Flugzeug ohne Änderung
seiner Stellung gegen den Horizont sich mit gleicher Geschwindigkeit fortbewegt;
alle Änderungen der Lage und der Geschwindigkeit des Flugzeuges werden aber in Form
positiver oder negativer Beschleunigungen auf das Kardansystem einwirken und bestrebt
sein, es aus jener Lage zu bringen, in welcher die Schwenkachsen 3, 3 horizontal
liegen.
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Um diese Fehler während des Manövers korrigieren zu können, wird an
geeigneter Stelle des Vertikalringes m bzw. an einem an demselben angeordneten,
mit Griff versehenen Ausleger k eine parallel zu den Schwenkachsen 3, 3 liegende
Libelle j angebracht, mittels deren der Vertikalring von Hand aus in jene Lage gedrückt.
oder gezogen werden kann, in welcher die Achse 3, 3 horizontal liegt.
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Mit iHilfe dieser Vorrichtung erfolgt die Bestimmung der Eigengeschwindigkeit,
der Vorhaltdistanz und des Abwurfmomentes in folgender Weise: Der Reflektor a wird
vorerst mittels der Stellvorrichtung auf einen bestimmten Winkel ß gegen die Vertikale
eingestellt, durch welchen eine rechnerisch einfache Beziehung zwischen der jeweiligen
Höhe H des Beobachters und der horizontalen Distanz D dies Schnittpunktes des Strahles
mit dem Gelände gegeben ist. Ein solcher Winkel ist z. B. jener, dessen Tangente-2
ist, so daß D dem Werte 2 H gleicht. Man wartet nun, bis ein charakteristischer
Punkt X des Geländes (s. Abb. 2) das Lichtfeld des Reflektors passiert und hält
den Zeitpunkt durch eine Stoppuhr fest; während des weiteren Fluges wird nunmehr
derselbe Punkt X durch Nachdrehen des Reflektors a im Lichtfelde festgehalten, und
zwar behufs Erzielung einer größtmöglichen Genauigkeit in der Weise, daß der betreffende
Punkt hart an der vorderen oder rückwärts liegenden Grenze des Lichtfeldes verbleibt.
In dem Augenblicke, in welchem der anvisierte Punkt X sich senkrecht unter halb
des Flugzeuges befindet und die Achse des Reflektors (Stellung ä) senkrecht steht,
was unter Voraussetzung der durch Libellenbeobachtung erfolgenden ständigen Korrektur
der Lage des Kardansystems, durch Überfahren des Nullpunktes der Teilung des Sektors
p durch den Arm b gekennzeichnet ist, wird die Stoppuhr abermals betätigt und nunmehr
das Zeitintervall abgelesen, welches zwischen der ersten, unter dem angenommenen
Winkel ß erfolgten Visur und der senkrechten Visur verstrichen ist.
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Aus der vom Aneroid abgelesenen Höhe H wird nunmehr,die Wegstrecke
D- 2 H und aus dieser und dem von der Stoppuhr abgelesenen Zeitintervalle
z die Eigengeschwindigkeit des Flugzeuges v = D : z ermittelt. Aus dieser
Angabe und der Höhe H über dem Horizont ergibt sich die Vorhaltdistanz V und aus
der Tabelle der ihr entsprechende Visierwinkel v., auf welchen (s. Abb. 3) der an
dem Stellarm b angeordnete Sektor r eingestellt wird.
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Das zu bewerfende, noch sehr entfernte Objekt Y wird nunmehr durch
Aufwärtsschwenken des Reflektors a in das Lichtfeld gebracht und idurch idauerndes,
vom. Stellzeug erfolgendes Niederschwenken des Reflektors im Lichtfelde gehalten.
In dem Augenblicke, in welchem der am Ende des festgestellten Sektors
r angeordnete, federnde Körner f in die am Nullpunkte des Winkelsektors
p angeordnete Körnervertiefung i einfällt, hat die Reflektorachse abermals unter
Voraussetzung der Horizontallage der Schwenkachse 3, 3 jene Neigung, welche dem
früher ermittelten Vorhaltwinkel a entspricht, so daß die in diesem Momente abgeworfene
Bombe in das anvisierte Ziel Y einschlägt.