DE339011C - Verfahren zum Verspinnen von Nitrozelluloseloesung - Google Patents
Verfahren zum Verspinnen von NitrozelluloseloesungInfo
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Description
AUSGEGEBEN
AM 11. JUL11921
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Verspinnen
von Nitrozelluloselösungen zwecks Herstellung von künstlicher Seide, Kunsthaar, Kunststroh, Bändern, Häutchen und anderen
ähnlichen Erzeugnissen. Die Kunstseide und ähnliche Nitrozelluloseerzeugnisse werden bisher
an der Luft versponnen; hierbei wird die Nitrozellulo^elösung durch eine geeignete Öffnung
getrieben, an deren Ausgange die Nitro-
zelluloselöser, gewöhnlich Äther und Alkohol, sich infolge ihrer Dampfspannung verflüchtigen
und in die umgebende Luft übergehen.
Dieses Verfahren weist verschiedene Ubelstände auf.
Die Wiedergewinnung der Löser gestaltet sich infolge ihrer Verdünnung durch überaus große
Mengen von Luft sehr schwierig. Das Aufsaugen der gasförmigen Löser in mit Schwefelsäure berieselten
Türmen erfordert insbesondere die An-
ao wendung konzentrierter und kalter Säure, und
es ergeben sich große Verluste beim Austreten der Gasgemenge. Außerdem hat dieses Verspinnen
der Kunstseide an der Luft den Nachteil, daß die Luft ein Festwerden der äußeren
Hülle des Fadens vor der Verdunstung des in dessen Kerne befindlichen Lösers bewirkt, so
daß der Kunstfaden aus Nitrozellulose einen unregelmäßigen Querschnitt, ein weniger glattes
Aussehen und einen weniger regelmäßigen Glanz aufweist als die nach den anderen Verfahren erhaltenen
Kunstseidenfäden.
Diese Übelstände können beim Arbeiten gemäß vorliegender Erfindung vermieden werden.
Eine Nitrozellulose von 25 oder 30 Prozent oder selbst mehr Feuchtigkeit wird in dem üblichen
Lösungsmittel Ätheralkohol gelöst und die
Lösung unter Pressen durch eine geeignete Öffnung in einem Schwefelsäurebade koaguliert.
Es bildet sich ein Nitrozellulosefaden, während der Ätheralkohol sich mit der Schwefelsäure des
Bades verbindet; es wird also auf die Weise die Wiedergewinnung der Löser mit dem Verspinnungsverfahren
verbunden. Die Schnelligkeit des Koagulierens wird infolge des großen Aufnahmevermögens
der Schwefelsäure für Äther und Alkohol bedeutend erhöht. Um ein vollständiges
Aufnehmen der Löser durch das Koagulierungsbad zu gewährleisten, gibt man
diesem eine Länge von etwa 40 cm, was sich
am besten dadurch bewerkstelligen läßt, daß man die aus der Spinnvorrichtung austretenden
Fädchen wagerecht richtet. Die Fädchen werden alsdann in üblicher Weise auf eine Spule
gewickelt. Die aus dem Bade tretenden Fädchen ziehen genügend Flüssigkeit mit sich, um
während ihrer Aufwicklung auf die Spule noch weiter der Einwirkung der koagulierenden Flüssigkeit
zu unterliegen. Man kann aber auch unmittelbar die Spulen berieseln, so etwa mit
einer Schwefelsäure von gleicher oder anderer Stärke wie die des Koagulierbades, mit mehr
oder weniger verdünntem Alkohol, mit der Lösung eines Salzes oder auch mit reinem
Wasser.
Das Koagulierbad soll ständig einen bestimmten Gehalt an Monohydrat aufweisen, ebenso wie
man den Gehalt an Äther und Alkohol ,ständig aufrechterhält. Der Gehalt des Koagulierbades
an Monohydrat kann sehr schwanken; bei einer trockenen Ausgangsnitrozellulose kann der Gehalt
auf 30 Prozent erniedrigt werden; bei einer Ausgangsnitrozellulose von 25 oder 30 Prozent
Feuchtigkeit erhält man die besten Ergebnisse mit einem Gehalt von 60 bis 65 Prozent an
Monohydrat; man kann alle zwischen 30 und 75 Prozent Monohydrat liegenden Stärken benutzen.
· Pas Koagulierbad jnuß indessen immer wenigstens 25 Prozent Wasser enthalten, damit
eine Zersetzung der Nitrozellulose vermieden wird. Das Koagulierbad wird bei der umgebenden
Temperatur gehalten; man kann die Temperatur des Bades aber auch herabsetzen, um
die. schwache Dampfspannung, die der aufgenommene
Äther und Alkohol in diesem Bade noch besitzt/ zu vermindern.
Man zieht regelmäßig einen Teil des Koagulierbades ab und unterwirft ihn einer Destillation,
die durch Zusatz von Wasser erleichtert wird. Man erhält auf diese Weise einerseits Äther und
Alkohol und anderseits verdünnte Schwefelsäure, die nach dem üblichen Konzentrationsverfahren
wieder auf die erforderliche Stärke gebracht wird. Auf ähnliche Weise verfährt man
mit den von der Berieselung der Spulen herrührenden Flüssigkeiten. Der Feuchtigkeitsgehalt
der ursprünglichen Nitrozellulose kann wegen deF starken Wasseraufnahmefähigkeit der
Schwefelsäure des Bades sehr veränderlich sein; wenn man an der Luft eine aus einer 30 Prozent
Wasser enthaltenden Nitrozellulose bereitete Lösung verspinnt, so erhält man eine trübe Seide
ohne Glanz, ein Übelstand, der bei dem vorliegenden Verfahren vollständig vermieden wird.
Man hat zwar schon zu einem ähnlichen Zwecke die Anwendung eines mehr oder weniger
verdünnten oder mehr oder weniger erwärmten Bades zum Verspinnen von Nitrozelluloselösungen
vorgeschlagen. Aber ein solches Koagulierbad arbeitet sehr langsam und macht eine Verlangsamung
der Verspinnung und lange Bäder erforderlich; außerdem besitzt das hierbei erhaltene
Erzeugnis keinen Glanz, und die Wiedergewinnung der Löser ist infolge deren erhöhter
Dampfspannung in einem solchen Bade schwierig-
Das vorstehende Verfahren gestattet ferner die Anwendung von solchen Lösern der Nitrozellulose,
die sonst wegen ihrer schwachen Dampfspannung oder aus anderen Gründen bei der Verspinnung an der Luft nicht benutzt werden
können. So sind insbesondere Azeton und Essigäther zwei gute Löser für die Nitrozellulose.
Die durch Verdampfung an der Luft mit Hilfe einer Lösung, in der sich einer dieser Löser befindet,
erhaltenen Erzeugnisse sind jedoch trübe, undurchsichtig und ohne Glanz, während die
gleiche. Lösung, in einem Bade von Schwefelsäure koaguliert, ein durchsichtiges, glattes und
glänzendes Erzeugnis liefert. Löser wie ein Gemenge
von Azeton und Alkohol oder Essigäther und Alkohol weisen noch den weiteren Vorteil
auf, daß infolge der schwächeren Dampfspannung ihrer Bestandteile bei den üblichen Temperaturen
die Verluste während des Auflösens und Filtrierens nur unbedeutend sind, und daß die
Wiedergewinnung der Löser bei der Verspinnung erleichtert wird.
Es ist bei dem vorstehenden Verfahren wesentlich, daß die Nitrozelluloselösung in dem Augenblicke,
wo sie aus der Spinnvorrichtung austritt, sofort in dem Schwefelsäurebade koaguliert
wird, so daß die Löser aufgenommen werden, bevor der Faden mit der Luft in Berührung tritt.
Dadurch wird eine regelmäßige Form sowie Klarheit und Durchsichtigkeit des Fadens gewährleistet.
Wenn dagegen der Faden zunächst an der Luft versponnen und dann in die Schwefelsäure
gebracht wird, wie dies bereits von anderer Seite vorgeschlagen worden ist, so verdampft ein
großer Teil der Lösungsmittel vor dem Eintauchen des Fadens in das Bad, und diese teilweise
Verdunstung der Lösungsmittel hat alle die Nachteile zur Folge, die ein Verspinnen an
der Luft, wie oben ausgeführt, mit sich bringt.
Claims (3)
1. Verfahren zum Verspinnen von Nitrozelluloselösungen
zwecks Herstellung von Kunstseide, Kunsthaar, Kunststroh, Häutchen,
Bändern und anderen ähnlichen Er-Zeugnissen, dadurch gekennzeichnet, daß die Fasern, Fäden, Gewebe, Bänder usw. in
einem Bade von Schwefelsäure koaguliert werden.
2. Ausführungsform des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
man bei Verwendung einer Ausgangsnitrozellulose von 25 bis 30 Prozent Feuchtigkeit
ein Koagulierbad von gewöhnlicher oder niedrigerer Temperatur benutzt, das einen
zwischen 30 und 75 Prozent liegenden Gehalt an Schwefelsäuremonohydrat aufweist.
3. Bei den Verfahren nach Anspruch 1 und 2 die Anwendung von Lösungen der
Nitrozellulose in Azeton oder Essigäther und Alkohol.
Applications Claiming Priority (1)
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| DE1917339011D Expired DE339011C (de) | 1917-12-29 | 1917-12-29 | Verfahren zum Verspinnen von Nitrozelluloseloesung |
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1917
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-
1921
- 1921-02-03 FR FR530505D patent/FR530505A/fr not_active Expired
Also Published As
| Publication number | Publication date |
|---|---|
| FR530505A (fr) | 1921-12-24 |
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