DE205374C - - Google Patents

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DE205374C
DE205374C DENDAT205374D DE205374DA DE205374C DE 205374 C DE205374 C DE 205374C DE NDAT205374 D DENDAT205374 D DE NDAT205374D DE 205374D A DE205374D A DE 205374DA DE 205374 C DE205374 C DE 205374C
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    • A23—FOODS OR FOODSTUFFS; TREATMENT THEREOF, NOT COVERED BY OTHER CLASSES
    • A23L—FOODS, FOODSTUFFS OR NON-ALCOHOLIC BEVERAGES, NOT OTHERWISE PROVIDED FOR; PREPARATION OR TREATMENT THEREOF
    • A23L11/00—Pulses, i.e. fruits of leguminous plants, for production of food; Products from legumes; Preparation or treatment thereof
    • A23L11/05—Mashed or comminuted pulses or legumes; Products made therefrom
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    • A23—FOODS OR FOODSTUFFS; TREATMENT THEREOF, NOT COVERED BY OTHER CLASSES
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  • Adhesives Or Adhesive Processes (AREA)

Description

ό-, u^1.'("IU]I" iV: ^Vi in in ί ι. IK-f"i,t '2 l'u te ι 111 a .-.ν .
KAISERLICHES
PATENTAMT.
PATENTSCHRIFT
- ΛΙ 205374 KLASSE 53/»·. GRUPPE
Dr. DITTMAR FINKLER in BONN a. Rh.
Patentiert im Deutschen Reiche vom 29. Juni 1905 ab.
Bis jetzt war es nicht möglich, die sämtlichen Nährstoffe der Getreide- und Hülsenfrüchte der Verdauung und Resorption zugänglich zu machen. So sind denn auch die Vorschläge, das gesamte Korn zur Herstellung des Brotes zu verwenden, als erfolglos nachgewiesen worden, und die diesbezüglichen Untersuchungen haben die Gegenvorschläge gezeitigt, gerade für Soldatenbrot nur die ίο feinsten Mehle zu verwenden, aus welchen die Kleie, die etwa 25 Prozent des Gesamtmehles ausmacht, vollständig entfernt ist.
Am klarsten und energischsten wird dies ausgesprochen in dem Bericht über die Resultate aus den Arbeiten von Plagge und Lebbin (Untersuchungen über das Soldatenbrot. Im Auftrage des KgI. Kriegsministeriums. Veröffentlichungen aus dem Gebiet des Militär - Sanitätswesens. Heft 12. Berlin 1897. Verl. von Hirschwald).
Dort heißt es Seite 150:
»Als praktische Nutzanwendung ist aus den Versuchen zu folgern, daß nicht die Beibehaltung der Kleie im Mehl oder wohl gar, wie einige wollen, ein Kleiezusatz, sondern ihre möglichst vollständige Ausscheidung aus dem Brotmehl anzustreben ist, da sie selbst im feinst vermahlenen Zustand kein geeignetes Nahrungsmittel für den Menschen bildet und sogar einen nachteiligen Einfluß auf die Ausnutzung der übrigen, an sich gut verdaulichen Mehlbestandteile, namentlich des Stärkemehls, ausübt.
Der angeblich hohe Nährwert der Kleie ist eine Fabel, die aus der Ernährungslehre verschwinden muß.
Hoffentlich verschwindet dann auch endlich die schier zahllose Menge der Schrot- und Kleiebrotvorschläge und -erfindungen, die immer und immer wieder von neuem auftauchen und mit besonderer Vorliebe das Gebiet des Heeres-Verpflegung heimzusuchen pflegen.«
Die genannten Forscher haben gefunden, daß bei Ernährung mit Brot aus feinst"Vermahlener Kleie der Verlust durch Kot (also unverdauliches) beträgt (Seite 149) :
I/ Verlust der Trockensubstanz 42,35 Prozent ;
2. Verlust-bei den Eiweißsubstanzen 56,32 Prozent;
3. Verlust bei den Kohlehydraten 37.34 Prozent.
Ferner heißt es in jener Arbeit Seite 158:
»Durch unsere Versuche glauben wir zur endgültigen Entscheidung der soviel umstrittenen Schrot- und Kleiebrotfrage, und zwar im ungünstigsten Sinne, #m ausreichendes wisscnschaftliches3-kiterial beigebracht und folgendes vor'allem nachgewiesen zu haben:
i. Gutes Roggenmehl wurde fast ebenso gut wie gutes Weizenmehl ausgenutzt.
2. Roggenmehl wird um so besser ausgenutzt, je weniger Kleie es enthält.
3. Roggcnkleie, selbst im feinst \'ermahlenenZustand, stellt kein für den menschliehen Organismus geeignetes Nah
rungsmittel dar.
4. Die niögHthst vollständige Entfernung dej>8ciiale, einschließlich der sogenannten »Klcbcrzcllenschicht«, bildet das für eine rationelle Mühlentechnik anzu
strebende Ziel.
5. Nach dem heutigen Stand der Technik wird dieses Ziel am sichersten ohne Schälung, aber mit Hilfe feiner Siebe unter Festsetzung eines nicht zu ge
ringen Kleicauszugc?·, d.h. etwa 25 Prozent, erreicht.
Erscheint hiernach im wissenschaftlichen Sinne die Brotfrage,' speziell die des Roggenbrotes, in seinen verschiedenen Formen und Arten hinreichend geklärt, so entsteht die für uns vom praktischen . . Standpunkt aus doch allein wichtige weitere Frage:
Inwieweit hat die Praxis den theoretischen Anforderungen Rechnung zu tragen, und welche Gesichtspunkte ergeben sich aus den mitgeteilten Untersuchungsresultaten speziell für die Militär-Verwal- ; tung? Mit unserem Vorschlage: »25 Pro-'-. zent Kleieauszug und feine Siebe« glauben wir ebenso den Ergebnissen der wissenschaftlichen Untersuchungen wie den Rücksichten auf praktische Durchführbarkeit Rechnung getragen zu haben.«
Es ist leicht, aus der allerneusten Literatur, z. B. aus R u b η e r s Handbuch der Hygiene, den gleichen Standpunkt festzustellen.
Untersuchungen des Erfinders auf diesem Gebiete hallen aber gezeigt, daß es dennoch möglich ist, die gesamten Nährstoffe des Kornes der Verdauung zugänglich zu machen.. Sie führten.zu der neuen Erkenntnis, daß die Nährsubstanzen der Kleie, d. h. im besonderen der Kleberschichten, nicht an sich um'erdauich oder schwerverdaulich sind, sondern sich nur dadurch der Verdauung entziehen, daß sie in Zellen eingeschlossen sind, deren Zelhvände in ganz hervorragender \Veise der \7crdauungsfiüssigkeit Widerstand entgegensetzen und so auch die von ihnen umschlossenen Nährstoffe von der Einwirkung der Verlauung fernhalten.
. Zur leichteren Übersicht über die vom Erfinder angestellten Untersuchungen mögen die \ ersuche in a) morphologische und b) chemische eingeteilt werden.
a) Die Untersuchung mit dem Mikroskop
bei 100 fächer Vergrößerung ergibt, daß die Zellen der Kleberzellcnschicht mit Eiweiß und Stärke erfüllt sind. Schöne Bilder erhält man durch Färbung mit Alaunkarmin (Eiweiß rot) und mit Jod-Jodalkaliumlösungen (Eiweiß braun, Stärke blau). Bei der trocknen Zerkleinerung, wie z. B. beim gewöhnlichen Mahlverfahren, bleiben entweder große Fetzen von Kleberzellen zusammenhängend, oft sogar fest an den darunter liegenden holzigen Zellenschichten anhaftend, oder die Zellen -werden in kleine Verbände getrennt, schließlich auch ganz voneinander isoliert.
Immer aber bleiben sie unter Erhaltung der sehr widerstandsfähigen Zellmembran mit den Nährstoffen. Eiweiß und Stärke, erfüllt.
Diese mit den Nährstoffen gefüllten Zellen und Zellverbände sind auch in dem Brot, welches aus kleiehaltigem Mehl gebacken ist, und in dem Kot der damit Ernährten wiederzufinden. Auch bei energischer künstlicher Verdauung mit Salzsäure und Pepsin bleiben solche Zellen gefüllt. Das Unverdaute bei den Verdauungsversuchen besteht aus diesen Zellen und Schichten. Nach beschriebener Methode gefärbt, zeigen diese Zellen stets ihren Gehalt an Eiweiß und Stärke in sehr schönen und zweifelsfreien Bildern wieder.
Wenn hingegen die Nährstoffe auf die weiter unten beschriebene Weise den Zellen entnommen sind, so zeigt das Mikroskop die freien Eiweißkugeln und Stärkekörper, daneben aber das feine Gitterwerk der Zellen in kleinen Verbänden oder einzelne, glashelle Zelhvände ohne jeden Gehalt von Eiweiß oder Stärke. -
b) Chemische Versuche.
Kleie, auch auf das feinste trocken zermahlene Kleie, ferner Kleberzellen, die aus Kleiebrot oder aus dem Kot damit Ernährter gewonnen wurden, und zum Vergleich endlich nach dem vorliegenden Verfahren behandelte Kleie wurden der künstlichen \7erdauung mit Salzsäure und Pepsin unterworfen. Dann .wurde zuerst der Gehalt der Kleie bzw. der Kleberzellen an Stickstoff, ferner der Gehalt der gewonnenen Verdauungslösungen an Stickstoff und daraus die Verdaulichkeit der Gemische bestimmt. T
Es ergab sich, daß verdaut wurden von dem f Eiweiß ;
1. der Kleie etwa 70 Prozent, i ί
2. der auf das feinste trocken zermahlenen Kleie 70 Prozent.
3. derjenigen Kleie, bei welcher die Nähr- H stoffe von den umschließenden Zellwänden losgelöst bzw. befreit waren. 95 bis 100 Prozent.
Als unverdaulicher Eiweißrest verbleiben von der Kleie bei 1. und 2. 30 Prozent, von der nach 3. vorbereiteten =; bis ο Prozent.
Die unverdaulichen Rückstände bestehen bei der Kleie unter I. und 2. aus Kleberzellen
«ν;
ΙΟ
mit färbbarem Gehalt, bei ιUt nach ^. vorbereiteten Kleie aus lc er cn Hüllen von Zollen bzw. eieren reuen.
Sd gelang es. '!en wahren Grund tür 'lic schlechte Ausnutzung zu tindcn. welche andere Forscher für die Kleie festgestellt hatten und welche sie nicht zu verbessern vermocht haben.
Gemäß vorliegender Erfindung werden daher möglichst sämtliche Xährstotfe der Getreide- und Hülsenfrüchte der Verdauung zugänglich gemacht nicht durch einfaches Mahlen, sondern dadurch, daß man die in der Kleberschicht oder in denZellen eingeschlossenen Nährstoffe von den umhüllenden Zellmembranen befreit, da es eben nicht auf die einfache Zcikleinerung der. gesamten Masse ankommt, sondern darauf, die einzelnen Bestandteile ihrer Qualität nach voneinander zu trennen, so daß der Zellinhalt nicht mehr von den Zclhvänden dicht umschlossen wird.
Dies ist durch das gewöhnliche Mahlen. auch wenn dies noch so fein geschieht, nicht zu erreichen.
Bei dem vorliegenden \ erfahren wird das Eiweiß, die Stärke usw. aus der Zelle herausgerissen, ohne daß der Zellkomplex übermäßig zerkleinert zu werden braucht. Dies kann z. B. in der Weise geschehen, daß die Kleie mit Kochsalzlösung (oder auch Kalkwasser) imprägniert und in Gegenwart der gleichen Lösung oder unter Zusatz einer anderen Flüssigkeit, z. B. Kalkwasser o.dgl., durch Quetschen, Reinigen, Mahlen, Schlagen o. dgl. zerkleinert wird. .
Das Wasser hat im \rerein mit dem Kochsalz o. dgl. die Wirkung, daß sich Klümpchen von Kleber bilden, und daß einzelne Teile der Kleie zu schleimigen Massen zusammentreten, die gleich einem Kitt die Kleberzellen festhalten, so daß beim Mahlen oder Reiben die Kleberzellwände zerrieben oder zerrissen werden. Hierbei werden also die Kleberkügelchen mit Leichtigkeit aus den Zellen herausgerissen.
Diese Auffassung wird durch das mikroskopische Bild der so behandelten Kleie bestätigt, das die Gerüste der leeren Kleberzellen in großen Fetzen erkennen lälit.
Zweckmäßig wird das Verfahren in der Weise ausgeführt, daß man Getreidekörner oder Kleie (als Beispiel für die analogen Teile anderer Früchte) mit einer kaltgesättigten Gipslösung oder mit Wasser, welches Calciumcarbonat bis zur Sättigung in der Kälte enthält, oder mit Kochsalzlösung oder mit Gemischen verschiedener Lösungen versetzt. Man mischt am besten gleiche Teile Flüssigkeit mit Getreide, kann aber auch etwa die doppelte Menge der Flüssigkeit anwenden. Die Mischung wird im Mörser oder einer ähnlichen Vorrichtung zermah'en. wobei sich zunächst eine aufgeweichte Masse bildet, die an einzelnen Stellen eine besonders Marke. Oucl- :ung erkennen
läßt. N
ach
kurze
m wc;leren
Zerreiben bildet sich eine weiche I'aMe. etwa von der Konsistenz einer Salbe, in der man ' bald keine Körnchen und Häutchen mein' sieht. 1 »ie mikroskopische I "ntersuchung ergibt dann die F.ntleenmg der Kleberzellen.
l'nerwarteterweise erreicht man, wenigstens für die Zerreibung im Mörser, keinen besonderen Vorteil, wenn man die kalkhaltige Flüssigkeit lange Zeit eimvirken läßt, also etwa durch Einmaischen. Vielmehr findet eine schnellere Entleerung der Kleberzelle statt. wenn die Flüssigkeit nur kurze Zeit (bis zu. mehreren Stunden) auf das Merkmal eingewirkt hatte. Vermutlich sind dann, die Kleberzellen schon weich geworden, die übrigen zeilulosehaltigen Teile aber noch so hart, daß beim Zerreiben gerade durch Mitwirkung dieser Teile die Kleberzellen leichter aufgerissen und entleert werden. Auch geht bei längerer Einwirkung der Flüssigkeit ein Teil des Eiweißes in Lösung, bei kürzerer aber nicht.
Auch durch Gefrierenlassen und nachheriges Zerreiben des Getreides o. dgl. kann eine Zertrümmerung der Zellwände bewirkt werden. In diesem Falle läßt man z. B. die Kleie von einer Flüssigkeit (Wasser) durchdringen, bringt die Masse zum Gefrieren und zerkleinert sie schließlich.
Genaue Angaben über Konzentration der Lösungen der verschiedenen Kalksalze, der Alkalien und Säuren können nicht gemacht ■ werden, weil alle Pflanzenmehle und in Frage kommenden Früchte entweder selbst sauer oder selbst alkalisch reagieren und namentlich oft recht beträchtliche Mengen freier Säuren enthalten.
In destilliertem Wasser geht die Entleerung fler Zellen weit schlechter vonstatten als bei Kalkzusatz.
Bei den nachstehenden Beispielen, bei welchen ein Zusatz von Kochsalz. Säure oder Alkalilösung benutzt wird, kann man mit der Zerkleinerung des betreffenden Materials sofort nach dem Zusatz der genannten Lösung beginnen, da während des Zerkleinern.·; eine innige Mischung mit der Flüssigkeit stattfindet. Man kann aber auch die Masse erst vollkommen durchweichen lassen,Was in einer Zeit bis zu 24 Stunden im allgemeinen zu erreichen ist. Bei der Zerkleineru-tig' kann man noch eine weitere Menge eier betreffenden oder einer anderen Lösung oder Flüssigkeit zusetzen. ]e nach der Härte des Materials kann natürlich die Zei-tdauer bis zur Durchtränkung und Erreichung in weiten Grenzen schwanken. Keinesfalls soll die Einwirkungs-
dauer so lange sein, daß Pilzbildung eintreten würde.
Der Zusatz von Kochsalz erleichtert ähnlich das Verfahren wie der Kalkzusatz. Auf too g trockene Kleie oder Getreidekörner werden loo bis 200 ccjn einer Kochsalzlösung1 von etwa IO Pj^zint zugesetzt. Bei geringerem Gehalt der Lösung an Kochsalz geht bei Getreide ein Teil des Eiweißes in Lösung. Anderc Früchte verhalten sich in dieser Hinsicht verschieden, worauf bei der Anwendung des Kochsalzes in bezug auf Konzentration der Lösung und Dauer der Einwirkung Rücksicht zu nehmen ist.
\ ersetzt man 100 g Kleie mit 100 bis 2(X)CCiIi nur etwa 0.1 bis ι prozentigcr Lösungen von Säuren (organischer oder anorganischer) oder mit einer -entsprechend starken Lösung von Atzkali, Soda und ähnlichen Alkalien, so wird ebenfalls die Aufschließung der Klebcrzellen beim mechanischen Zerreiben erleichtert. Auch hierbei geht ein Teil des Eiweißes und der stickstoffhaltigen Bestandteile in Lösung. Dies ist zu berücksichtigen, und je nach der Absicht, Lösung oder Unge-■ löstes zu erhalten, auszunutzen. Die auflockernde Wirkung der Säuren oder. Laugen ist aber stets noch mit der mechanischen Zertrümmerung oder mit der mechanischen Ent-
y> leerung der Zellen zu verbinden.
Nach dieser zur Entleerung der Kleberzellen führenden Zerkleinerung im Mörser, in der Kugelmühle zwischen ungleich laufenden Walzen o. dgl. kann man die weiche Masse
35. direkt weiter verarbeiten, z. B. zum Backen oder als Zusatz zum Teig verwenden, auch kann man sie nach Belieben trocknen und als Mehl gewinnen.
Eine gleiche Wirkung, d. h. ein Aufreißen und Entleeren der Kleberzellen wird erzielt, wenn man beim Vermählen im trocknen Zustand scharfkantige Stoffe zu Hilfe' nimmt.
Wenn man auf 10 g Kleie ungefähr 3 g Steinsalz, d. h. Kristalle von Salz, zumischt 'und diese Masse trocken im Mörser zerreibt, werden in kurzer Zeit die Kleberzellen entleert. Ls gelingt dann leicht, das Salz in Wasser aufzulösen und wegzuwaschen.
Um keine fremdartigen Substanzen, wie Glaspulver. Sand u. dgl., anzuwenden, kann man auch zum Ziel kommen, wenn man der Kleie kleine Stückchen Leim. Gelatine «"ler getrockneten Kleber zumischt. Diese Substanzen sind so spröde, dal.i sie beim Zerklei-
■55 nern ihrerseits die Kleberzellen zerreiben. Die scharfkantigen Teilchen der. an und für sich härteren Substanzen wirken bei ^w trocknen Zerreibung cbens'i wie die Sleiiisalzkrisialle.
Die λ erarbeitnng in trncknem Zustande lülirt auch zum Ziel, wenn man vor der Zerkleinerung dicKlebcrzellmembranen mit einem harten Klebemittel zu größeren Stückchen zusammenklebt und danach die zusammengeklebten trocknen Massen zerreiht oder abschleift. Zweckmäßig nimmt man eine'dickliehe, etwa ioprozentige Lösung von Kleber, Leim, Dextrin in Wasser oder einem anderen verdunstbaren Lösungsmittel. Hiermit wird die Kleie gemischt und nur langsam getrocknet, so daß die Kleieteilchen in größeren Massen zusammenbleiben. Diese zusammengetrockneten Massen sind leichter zu zerkleinern als «He Kleie allein und werden auch hierbei die Kleberzellen zersprengt und entleert. Eine weichere Verklebung durch Stärke-Kleister u. dgl. führt nicht zum Ziel. Hat man mit solchem eine Verklebung der Kleieteile bewirkt, so fallen diese bei einem Zerkleinerungsversuch wieder auseinander, ohne daß eine Veränderung der Kleberschicht eintritt.
Es ist nun eine Reihe von \reröffentlichungenbekannt, in denen dem vorliegenden äußerlich nicht unähnliche Verfahren, aber zu anderen Zwecken und mit anderem Erfolge, beschrieben werden.'
Nachstehend soll 'auf die wesentlichen Unterschiede zwischen diesen bekannten Verfahren und dem vorliegenden hingewiesen werden.
So ist es bekannt, im Mehl durch Amvendung von Kalkwasser, Kochsalz, Alkalien und Säuren den Kleber von der Stärke zu trennen und zu gewinnen. Hierbei handelt es sich jedoch um »Mehl«, in welchem freie Kleberteilchen neben feinen Stärkekörnern liegenj so daß es einfach und leicht ist, die Kleberteilchen aufzulösen und von der Stärke zu trennen. Ein Freiwerden der in den Zellen vorhandenen Klebermengen usw. wie beim vorliegenden Verfahren findet nicht statt.
Es ist auch verschiedentlich in der Literatur angegeben, daß man mit den gleichen !lösungsmitteln aus Getreide-und aus Kleie · Kleber gewinnen kann.
So hat man z. Ti. durch Anwendung von (.'hloniatriumiösung Pflanzenkleber von dem Stärkemehl und von dem Faserstoff des Schrotes (Kleie) getrennt. Hierbei handelt es sich jedoch nur um die Gewinnung der Stärke und desjenigen Klebers, die den Kleieteilen äußerlich anhaften, ein Freimachen der in den Zellen vorhandenen Eiweißstoffe usw. ■-tritt gleichfalls nicht ein. da keine gleichzeitige Zerkleinerung stattfindet. ^
I-Is ist ferner bekannt. Fett und Eiweiß- ;* körpei aus rilanzeuteilcn, d. h. Früchten. Öl- '-fruchten, in Form einer Emulsion, in welcher ^ die Eiweißkörper in löslicher Modifikation ^ r-ein sollen, zu gewinnen. Zu diesem Zwecke ^^ wird das Mehl. z. B. Pahnkernmchl, mit einer
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Lösung von Kochsalz (5 bis 10 Prozent) oder anderen Lösungsmitteln für Hiweiß.wie Phosphorsäure. Salzsäure. Soda (i Prozent,1, gemischt und zu einem I cig geknetet, der in Wasser zu einer Kmulsion verteil! wird; durch Zentrifugieren werden dann die \ erunreinigungen, d. h. die Zellulnse. weggeschailt. I'.ev diesem \'erfahren wird das Fett mit den Liweißstoffen vermischt und letztere in eine !<>.--liche Form gebracht. Die ausgeschiedenen Verunreinigungen enthalten jedoch neben anderen Zelluloseteilen auch die Kleieschichten und die Kleberschicht, da durch das Mischen und Zuteigkneten selbst bei Anwendung der angegebenen Eiweißlösungsmittel kein Eiweiß aus den Kleberzellen herausgelöst wird.
Es wird demnach nur'dasjenige Eiweiß gewonnen, welches bei dem Mischen mit den Lösungsmitteln deren Einfluß unterliegen kann, eine Gewinnung der in den verholzten Kleberzellen vorhandenen Eiweißstoffe. welche, wie gezeigt, nur durch Anwendung stärkerer mechanischer Eingriffe möglich ist. findet bei den bisher bekannten Verfahren nicht statt.
\Ian hat ferner den Inhalt von Hefezellen durch Zerfrierenlassen und Wiederauftauen schon gewonnen. Während dies bei den sehr weichen, mit einer leicht sprengbaren Haut umgebenen und einen flüssigen Inhalt besitzenden Hefezellen leicht möglich ist, liegt die Sache bei den Zellen der Kleberschichten insofern anders, als es· sich hier um Zellen mit trocknem Inhalt und um Zellwände handelt, die viel dicker und fester sind als die der Hefezelleh. Es wird deshalb das Frierenlassen bei dem vorliegenden Verfahren ev. zur Unterstützung der durch Reiben, Quetschen usw. zu erreichenden Zerkleinerung, herangezogen. Eine solche Unterstützung bewirkt das Frierenlassen, nachdem die Kleie mit Wasser (Flüssigkeit) durchdrungen ist. Die Kleberzellenschichten, d. h. die ganzen Membranen, werden dann, sobald die gefrorene Masse zer- mahlen wird, von der Unterlage abgelöst und durch die Ausdehnung des Ei.ses und die Einwirkung der harten Eisstückchen zwischen den Zellen gedrückt lind zerquetscht.
Es ist weiterhin nicht mehr neu. den flüssigen Inhalt von Zellen durch Zerreiben der letzteren mit Sand, Glaspulver u. dgl., d. h. mit unlöslichen indifferenten Stoffen, zu gewinnen.
Diese unlöslichen indifferenten Stoffe können bei dem vorliegenden Verfahren keine Verwendung finden, weil sie nachher dem Mehl beigemischt sein würden. Es gelangen hier vielmehr lösliche Zwischenstoffe zur Anwendung, als deren Repräsentant Steinsalz angeführt wurde, die diesen Nachteil nicht zeigen.
Ähnlich liegt die Sache bei dem bekannten ι'lau ι Häuschen Verfahren (Kochs Jahresbericht über die Fortschritte in der Lehre von den (iärung'sorganismen. (>. lahrgang ι S<^5. Seite 54). .
Dieses Verfahren betrifft die Gewinnung V'in Givzogen aus Iletezellen. wobei diese mil Wasserglas und ähnlichen harten Klebestoilen anorganischer Natur, wie Kieselsaure, CaI-ciunicarbonat. gemischt, in die Form von Hetesteinen gebracht und diese dann abgeschliffen werden.
Zur Eröffnung oder Entleerung der Kleberzellen im Sinne der vorliegenden Erfindung kann man sich dieser Mittel nicht bedienen. Xach dieser werden 'ie Kleberzellen mit einer ihrem Inhalt ähnlichen Substanz verklebt, nämlich Leim, Gelatine und Kleber selbst. Die Vermischung der Kleie mit den Lösungen dieser Substanzen führt zum Verkleben der Kleie- So blättchen zu dickeren Klümpchen ; die verblei bende Masse ist so spröde, daß schon beim Zerstampfen im Mörser nach dem Trocknen die Kleberzellen aufgerissen werden.
Das vorliegende Verfahren unterscheidet 'sich also von allen bis jetzt geübten und veröffentlichten Verfahren dadurch, daß bei ihm in beabsichtigter Weise Nährstoffe, wie Eiweiß, aus den Zellen herausgeholt werden, indem durch mechanische Zprkleinerungsver- fahren, unterstutzt durch Flüssigkeiten oder Zürkleinerungseinwirkungen von harten spröden Substanzen, die Zellen und Zellwände des Getreides, der Früchte usw. zerdrückt und zerrieben werden, wodurch eine Entleerung der Zellen von den in ihnen enthaltenen X'ährstoffen ermöglicht wird, die durch das Mikroskop feststellbar ist.

Claims (1)

  1. Patent-Ansprüche:
    I. Verfahren, möglichst sämtliche Nährstoffe der Getreide-, Hülsen- und anderer Samenfrüchte der Verdauung zugänglich zu machen, dadurch gekennzeichnet, daß
    die Xährstoffe von den sie einschließenden Zellmembranen befreit werden, indem man das Material einer energischen mechanischen, ev. gleichzeitig' zerkleinernden Bearbeitung unter Wasser, dem, chemische, das Austreten der Eiweißstoffe befördernde Hilfsmittel zugesetzt sind, oder einer Zerkleinerung nach Einwirkung von Temperaturunterschieden, z. Reinem Zerfrieren oder endlich einerrfZerreiben in trocknem Zustande unter Zuhilfenahme harter, die Zerkleinerung begünstigender Körper aussetzt.
    2. Ausführungsform des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
    dal.! als chemische TI ilf<imttcl dem W a>.-er ( i]])S ι "ler andere kaik-alzc. Iv'ch-alz. Säuren ι "ler Alkalien zui,re>etzt werden.
    _v Au-tiihrinty-f''Πη de- \ crtahrens r.ach Anspruch ι. dadurch ^ck'-nnzeiciinet. dai.i da>--i"r< >cknc Material mit -prüden. -churtKani i^'ii >ί'Ίΐι.·η. am be.-ten i"--lichen. z. ü. Steinsalz. zerr:e'iien \\ίγΊ.
    4. Au-ruhrun^st'irm '!■:< \ crraiire:'^ nach Aiii-]iruch i. iladurch gekennzeichnet. dal.', als die Zcrkleincnsny begünstigende -\I;;;ci kieiiend'·. in ;r'.ick;ie:"n Zustande ebeiifaii.- -jirode Stotte. z. Ii. Kleber, verwendet v. er den. nut denen da- Aus-gan«"--material .^emisclit. getrocknet und /.errieben w ird.
    BERLIN. GEDRUCKT IN DER REICHSDRUCKEREI.
    ■ i », .3 Ή S
    C
    }>» O
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