Verfahren und Einrichtung zum Ordnen, Lagern und Transportieren von Stoffballen beim Zuschneiden von mehreren Stofflagen auf einem Zuschneidetisch
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Ordnen, Lagern und Transportieren von Stoffballen beim Zuschneiden von mehreren Stofflagen auf einem Zuschneidetisch und eine Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens.
Um Bekleidungsstücke, wie Anzüge, Hosen, Mäntel usw. rationell zuschneiden zu können, ist es erforderlich, dass die Teile nicht in einzelnen Stofflagen, sondern in mehreren Stofflagen übereinander gleichzeitig in einer Serienschuittlage zugeschnitten werden. Hierzu müssen von den einzelnen Stoffarten und Mustern je nach Auftragsbeschaffenheit die erforderlichen Stofflängen von verschiedenen Stoffballen abgeschnitten und zu der erwähnten Serienschnittlage aufeinander gelegt werden. Dieser Vorgang bedingt nun ein Abwickeln der für die Serienschnittlage erforderlichen einzelnen Stoffballen.
Das geschieht zur Zeit in der Art, dass die Zuschneider jeden einzelnen Stoffballen von einer Ballen ablage aufnehmen, dann die benötigte Stofflänge von Hand oder über eine Abwickelvorrichtung (Abwickelschwert oder Rollengehänge) abwickeln und zur Serienschnittlage auf den Zuschneidetisch legen. Nach diesem Vorgang muss der Stoffballen wieder auf der Ballenablage abgelegt werden, um für den nächsten Ballen Platz zu schaffen. Dieser Vorgang wiederholt sich so oft, bis die Serienschnittlage dem Auftrage entsprechend zusammengestellt ist.
Der Schnittauftrag setzt sich in der Regel aus einer Reihe von verschiedenen Grössen und Formen zusammen, die dann in den einzelnen Seriensehnitt- lagen geschnitten werden. Daraus ergibt sich, dass jeder Stoffballen für jede verschiedene Grösse und Form, die zu einer Serienschnittlage zusammengefasst werden, erneut von der Ablage aufgenommen, abgewickelt und wieder auf der Ballenablage abgelegt werden muss. Dieser Vorgang wiederholt sich beispielsweise bei einem Schnittauftrag von 650 Hosen je nach Auftragsbeschaffenheit zwischen 150-300mal. Hieraus ist zu ersehen, welcher Zeitverlust durch das Aufnehmen, Abwickeln und Ablegen der einzelnen Stoffballen entsteht.
Hinzu kommt noch, dass die zuerst verwendeten Stoffballen in vielen Fällen zu unterst auf der Ballenablage liegen und beim nachfolgenden Gebrauch zur Erstellung der nächsten Serienschnittlage aus dem gleichen Auftrag erst nach dem Wegräumen der darüberliegenden, später gebrauchten Stoffballen aufgenommen und abgewickelt werden können. Weiterhin ist ersichtlich, welche Kraftaufwendungen von den Arbeitskräften erforderlich sind, da die Stoffballen ein Gewicht von ca. 30 kg haben. Es ergibt sich weiter hieraus, dass diese Arbeiten nur in seltenen Fällen von weiblichen Arbeitskräften ausgeführt werden können. Da in vielen Betrieben die Platzverhältnisse sehr beengt sind, macht sich die Stoffballenablage auch als stark platzraubend nachteilig bemerkbar.
Die Erfindung bezweckt die Beseitigung der geschilderten Übelstände.
Das Verfahren gemäss der Erfindung zeichnet sich dadurch aus, dass alle benötigten Stoffballen eines Schnittauftrages auf einem längs einer Bahn beweglichen Förderorgan um ihre Achse drehbar gelagert werden, und dass der jeweils gewünschte Stoffballen durch Bewegung des Förderorgans in die Arbeitsstellung zum Zwecke des Abwickelns der benötigten Stoffmenge gebracht und nach Beendigung dieses Arbeitsvorganges zugleich mit der Heranführung eines anderen an beliebiger Stelle des beweglichen Förderorgans angeordneten Stoffballens in die Arbeitsstellung zwangsläufig wegbewegt wird.
Die erfindungsgemässe Einrichtung zum Durchführen des Verfahrens ist dadurch gekennzeichnet, dass unter dem Zuschneidetisch in parallelen Ebenen zwei endlose Seile oder Ketten in Führungsschienen und über Umlenkräder beweglich angeordnet und durch einen Motor antreibbar sind, und dass die Seile oder Ketten Mittel zum lösbaren Verbinden mit die Stoffballen tragenden Achsen aufweisen.
In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der erfindungsgemässen Einrichtung zur Durchführung des erfindungsgemässen Verfahrens dargestellt.
Fig. 1 ist eine schematische Darstellung der Gesamtanlage in Seitenansicht;
Fig. 2 ist eine Ansicht der Anlage von rechts in Fig. 1
Fig. 3 zeigt einen Teil des Drahtseiles mit den kugelförmigen Lagerstellen;
Fig. 4 und 5 zeigen eines der Umlenkräder im Aufriss bzw. im Schnitt;
Fig. 6 und 7 stellen eine Umlenkführung und ein von einem Motor angetriebenes Umlenkrad im Aufriss bzw. im Seitenriss dar;
Fig. 8, 8a und 9 sind Darstellungen eines Stoffballen-Einlegerahmens und der zugehörigen Achse;
Fig. 10, 11 und 12 stellen einen Schutzkasten im Aufriss, im Seitenriss bzw. im waagrechten Schnitt dar.
Die dargestellte Einrichtung weist einen Zuschneidetisch mit waagrechter Tischplatte 1 auf, welche auf Stützbeinen 2 ruht. Unterhalb der Platte 1 befindet sich eine endlose Transportvorrichtung für eine Mehrzahl von Stoffballen 3 (Fig. 1 und 2). In jeden dieser Stoffballen 3 ist eine als Rohrstück ausgebildete Achse 4 mit einem daran angeordneten Einschieberahmen 5 axial eingeschoben, wie Fig. 8, 8a und 9 zeigen. Der Rahmen 5 ist aus federnden Bügeln gebildet und mit Hilfe von Muffen 7 auf dem Rohrstück 4 drehbar gelagert. Die beiden Endpartien des Rohrstückes 4 weisen je einen Schlitz 8 auf und greifen in Führungsschienen 6 ein, die in waagrechter Richtung verlaufend an den Stützbeinen 2 befestigt sind. Die Führungsschienen 6 haben U-förmigen Querschnitt.
Zum Transportieren der Stoffballen 3 sind zwei zueinander parallele, endlose Förderseile 21 (oder entsprechende Ketten) vorhanden. Jedes dieser Seile läuft über zwei Umlenkräder 14 und 15, die an ihrem Umfang mit einer Seilrille versehen sind. Die waagrecht verlaufenden Trume jedes Seiles 21 liegen in den Führungsschienen 6. In gleichmässigen Abständen sind auf jedem Seil kugelförmige Körper 9 (Fig. 3) befestigt. Über einen Teil der Kugeln 9 sind die einen Enden der Rohrstücke 4 geschoben. Das Seil verläuft dann durch die betreffenden Schlitze 8 der Rohrstücke 4. Die Kugeln 9 dienen teils zur Abstützung der Seile in den Führungsschienen 6 und teils als Mitnehmer für die Rohrstücke 4 und die Stoffballen 3.
Die Umlenkräder 14 und 15 sind an ihrem Umfang mit halbkreisförmigen Einkerbungen 10 (Fig. 5) versehen, die zur Aufnahme der kugelförmigen Körper 9 bzw. der darüber geschobenen Endpartien der Rohrstücke 4 dienen. Je zwei Umlenkräder 14 bzw. 15 sitzen auf einer gemeinsamen
Welle, von denen die eine über ein Schaltgetriebe mit einem Elektromotor in Verbindung steht.
Im Umlenkbereich der Räder 14 und 15 sind die Führungsschienen 6 unterbrochen und durch Schutzkästen 11 bzw. 18 ersetzt, von denen einer in den Fig. 6 und 7 und ein anderer in den Fig. 10 bis 12 dargestellt ist. Diese Schutzkästen 11 und 18 dienen auch der Umlenkführung der rohrförmigen Achsen 4 und leichteren Ineingriffbringen der letzteren mit den Förderseilen. Die Fig. 6, 11 und 12 zeigen, dass die Schutzkästen 11 und 18 eine Schrägfläche 11 a bzw. 1 8a aufweisen, deren Bedeutung und Funktion weiter unten erläutert ist.
Fig. 4 und 6 zeigen, dass neben den Umlenkrädern 15 je eine Scheibe 16 angeordnet ist ; diese befindet sich auf der nach aussen gekehrten Seite des Rades 15 und ist in axialer Richtung beweglich.
Eine Schraubendruckfeder 22 (Fig. 6) ist bestrebt, die Scheibe 16 gegen das benachbarte Umlenkrad 15 zu pressen.
Die Gebrauchs- und Wirkungsweise der beschriebenen Einrichtung ist wie folgt:
Um die Stoffballen 3 auf der Transportvorrichtung der Einrichtung anbringen zu können, wird in jeden Stoffballen eine rohrförmige Achse 4 mit dem federnden Einlegerahmen 5 axial eingeschoben.
Durch die Federwirkung des Rahmens 5 ergibt sich ein guter Sitz des Stoffballens 3 auf der Achse 4.
Nachher bringt man die Enden der rohrförmigen Achse 4 in Eingriff mit den Seilen 21. Zu diesem Zweck wird zunächst das eine, z. B. linke Ende der Achse 4 über einen kugelförmigen Körper 9 geschoben, der sich im Bereich der Umlenkräder 15 befindet. Das betreffende Seil 21 kommt dadurch in den Schlitz 8 der Achse 4 zu liegen. Dann legt man das gegenüberliegende rechte Ende der Achse 4 auf die dortige Schrägfläche 1 8a des Schutzkastens 18.
Durch Drücken in Richtung gegen die Welle der Umlenkräder 15 gleitet das genannte Ende der Achse 4 auf der Schrägfläche 18a, wobei die Achse eine Längsbewegung nach links erfährt. Dadurch stösst das linke Ende gegen die Scheibe 16, die entgegen dem Einfluss der Feder 22 zurückgedrängt wird. Sobald das rechte Ende der Achse 4 über den Rand der Schrägfläche 1 8a abgleitet, drückt die Feder 22 mittels der Scheibe 16 die Achse 4 in ihrer Längsrichtung nach rechts, wobei das rechte Ende der Achse 4 ebenfalls über einen kugelförmigen Körper 9 des zweiten Seiles 21 gleitet und dieses in den betreffenden Schlitz 8 der Achse 4 zu liegen kommt.
Auf die beschriebene Weise werden sämtliche Stoffballen in der Transportvorrichtung eingehängt.
Durch den motorischen Antrieb der Förderseile 21 kann jeder beliebige Stoffballen 3 an das in Fig. 1 linke Ende des Zuschneidetisches transportiert werden. Der Zuschneider erfasst dann das äussere Ende der den Ballen bildenden Stoffbahn und zieht die benötigte Stofflänge davon ab. Der Ballen kann sich dabei um die rohrförmige Achse 4 drehen.
Nachher wird auf analoge Weise mit einem andern Stoffballen verfahren. Während des Heranholens des neuen Stoffballens wird zwangsläufig der erste, nicht mehr benötigte, von der Arbeitsstelle wegtransportiert. Da sich der An- und der Abtransport überschneiden, entfällt die Verlustzeit für den Wegtransport völlig.
Der Zuschneider muss die Stoffballen nur noch beim Einhängen in die Transportvorrichtung durch eigene Kraft heben und bewegen. Nachher wird das Gewicht der Ballen auf den Führungsschienen 6 und den Umlenkrädern 14 und 15 abgestützt, und die Kraft zum Bewegen der Stoffballen wird durch den Antriebsmotor der Transportvorrichtung aufgebracht.
Es ist vorteilhaft, die zur Abstützung der Seile 21 in den Führungsschienen 6 dienenden Körper 9 und jene, die als Mitnehmer für die Achsen 4 der Stoffballen dienen, im Verhältnis 1 2 zu verwenden.
Des weiteren kann es vorteilhaft sein, die Abstände der Stützbeine 2 in Längsrichtung des Zuschneidetisches so zu wählen, dass sie ein ganzzahliges Vielfaches der Abstände aufeinanderfolgender Körper 9 der Förderseile 21 betragen. Dadurch wird ermöglicht, die Länge des Zuschneidetisches mit einer grösseren oder kleineren Abmessung zu gestalten, ohne dass die Förderseile und die zugehörigen Umlenkräder neu konstruiert werden müssen.