Photographische Kamera mit eingebautem Entfernungsmesser. Die Erfindung betrifft eine photogra phische Kamera, bei der von einem an der Kamera befindlichen Betätigungsorgan, zum Beispiel von einem Triebknopf aus, mittels zweier Kurvenscheiben gleichzeitig das Ob jektiv und der Entfernungsmesser einge stellt wird. Die Einstellung eines Kamera objektivs und die eines Entfernungsmessers unterliegen verschiedenen Gesetzen.
Bei Annahme, dass aus der Grundstellung für die Aufnahme eines unendlich weit entfernten Gegenstandes die genannten Teile (Objektiv und Entfernungsmesser) für einen nahen Aufnahmegegenstand eingestellt werden sol len, gelten folgende Beziehungen: Das Ein stellglied des Entfernungsmessers, beispiels weise ein Schwenkspiegel, muss eine Bewe gung erfahren, die umgekehrt proportional dem Abstand des nahen Gegenstandes von der Basis des Entfernungsmessers ist, die normalerweise ungefähr in der hintern Brenn- ebene des Objektivs liegt. Die Verschiebung des Objektivs ist umgekehrt proportional der Entfernung des Gegenstandes vom vordern Brennpunkt des Objektivs, also einer um die doppelte Brennweite kleineren Strecke.
Diese Differenz macht bei nahen Aufnahmeent fernungen, das Vielfache der erlaubten Un- schärfentoleranz aus und darf nicht ver nachlässigt werden. Daraus ergibt sich, dass das Objektiv um einen grösseren Betrag ver schoben werden muss, als es der Verstellung des Entfernungsmessers entspricht, wobei der Mehrbetrag der Objektivbewegung an sich um so grösser wird, je näher der Gegen stand ist. Daraus folgt, dass die Kurven scheiben für den Objektivvorschub und die für die Betätigung des Entfernungsmessers eine um so grössere Differenz aufweisen müs sen, je kleiner die Einstellentfernung ist.
Der Gesamtvorschubweg des Objektivs von der Einstellung auf Unendlich bis auf eine bestimmte Naheinstellung hängt dabei von der Brennweite des Objektivs ab. Der Ge- samtverstellweg des Entfernungsmessers von der Einstellung auf Unendlich bis zur Nah einstellung hängt dagegen von der Basis länge des Entfernungsmessers ab, die im all gemeinen konstant ist.
Wenn die Einstellung des Kameraobjek tivs und des Entfernungsmessers von einem gemeinsamen Einstellglied aus gleichzeitig erfolgen soll, was bereits bekannt ist, so be stehen dafür zwei Möglichkeiten. Das Vor schuborgan, welches die Verstellung des Ob jektivs bewirkt, kann eine gleichmässige Be wegung verursachen, die beispielsweise durch einen Zahntrieb oder eine Kurvenscheibe mit gleichbleibender Steigung hervorgerufen wird. In diesem Falle müssen die Wegzu nahmen des Vorschubes bei Naheinstellung durch grössere Winkeldrehungen des Trieb knopfes oder dergleichen bewirkt werden.
Da in dem gekuppelten Entfernungsmesser aber gleichzeitig nur eine gleichbleibende Bewegung für die Einstellung hervorge rufen werden soll, müssen die zunehmenden Winkeldrehungen des Triebknopfes entspre- chend, zum Beispiel durch eine den Ent fernungsmesser verstellende Kurvenscheibe mit abnehmender Steigung, reduziert werden.
Diese bekannte Lösung hat den Nachteil, dass die Einstellskala an der Kamera un gleichmässige Teilungen aufweist.
Die zweite Möglichkeit besteht darin, das Objektiv, entsprechend seinem ungleich mässigen Einstellvorschub durch ein Glied, zum Beispiel eine Kurvenscheibe mit zu nehmender Steigung, zu verschieben, so dass der Drehung des Triebknopfes über gleiche Skalenteile zunehmende bzw. abnehmende Vorschübe des Objektivs entsprechen. In diesem Falle ist dann als Antriebsglied für den Entfernungsmesser ein Element mit gleichbleibender Verstellung, zum Beispiel eine Kurvenscheibe mit gleicher Steigung, zu benutzen.
Es sind bereits Kameras bekannt, bei denen das Objektiv und der Entfernungs messer durch zwei miteinander verbundene Kurvenscheiben verstellbar sind, die gemein sam von einem Betätigungsorgan aus be wegt werden. Diese Kurvenscheiben sind den Gesetzmässigkeiten des zu verstellenden Ob jektivs und des Entfernungsmessers ange passt, haben aber nur eine wirksame Kurven länge, die dem Einstellweg der beiden zu ver stellenden Teile entspricht.
Es besteht nun der nicht zu vermeidende Nachteil, dass alle Objektive einer bestimm ten Nennbrennweite nicht gleichmässig aus fallen. Durch Unterschiede der Glaszusam mensetzung oder durch geringe Fertigungs unterschiede zeigen die Objektive einer be stimmten Nennbrennweite Abweichungen, das heisst ihre Brennweite ist mehr oder weniger verschieden. Das hat zur Folge, dass der Gesamtvorschubweg jedes Objektivs von der Einstellung auf Unendlich bis zur Nahein stellung verschieden lang ist Aus Fertigungs gründen kann man nicht in jeder Kamera jeweils die Verstellkurvenscheiben den ein gesetzten Objektiven angleichen, sondern man hilft sich dadurch, dass die Skalen an dem Betätigungsorgan entsprechend geändert werden.
Bei der Vie17ahl geringer Unterschiede zwischen den Objektiven bedingt das die Lagerhaltung einer grossen Zahl verschiede ner Skalen, die jeweils 7u jedem Objektiv aus gesucht und an der Kamera angebracht wer den müssen.
Die Erfindung beseitigt diesen Nachteil dadurch, dass zwei Kurvenscheiben gleich zeitig von dem Betätigungsorgan verstellt werden, wobei die Kurvenscheibe für den Objektivvorschub bei kleinen Gegenstands entfernungen dem Objektiv einen grösseren Vorschub erteilt, als es eine Vorrichtung für proportionale Verschiebung mit gleicher An fangsübersetzung tun würde, und die zweite Kurvenscheibe den Entfernungsmesser zeit Vorschüben steuert., die mit abnehmender Gegenstandsentfernung kleiner werden als die entsprechenden, Vorschübe des Objektivs.
Durch stets gleichbleibende Winkeldre hung des an der Kamera befindlichen Be tätigungsorgans über den Bereich einer ebenfalls gleichbleibenden Skala können da nach Objektive gleicher Nennbrennweite, aber geringfügig voneinander abweichender Brennweite, über den ganzen Vorschubweg von der Naheinstellung bis zur Unendlich keitseinstellung verstellt werden, wobei gleich zeitig der Entfernungsmesser entsprechend verstellt wird.
Die Justiervorrichtung für die Verstellung des Objektivs ist in bevorzugter Ausführung in die Kette des Objektivv erstellgetriebes eingebaut. Sie besteht zweckmässig aus einer an einem Glied des Übertragungsgetriebes, beispielsweise am Objektivkurvenscheiben- Fühlhebel, befestigten drehbaren Schraube und einem durch sie auf diesem Glied ver schiebbaren, zum Beispiel gleitend befestig ten Schieber, der seinerseits einen die Ob jektiveinstellung bewirkenden Hebel erfasst.
Die nach der Justierung des Objektiv auszuges erforderliche Justierung des Ent fernungsmessers erfolgt an den bekannten, in jedem Entfernungsmesser vorhandenen Justiergliedern, mit denen der oder die Spiegel oder Prismen, eingestellt werden. Das Betätigungsorgan, für das Objektiv- und die Entfernungsmessereinstellung hat im allgemeinen mit einem Betätigungsmittel für den Filmvorschub. vorzugsweise mit einer Filmspulachse, eine gemeinsame Achse.
Es ist auch möglich, an Stelle einer als Spirale mit abnehmendem Gefälle (Hyper bolische Spirale) ausgebildeten Kurven scheibe für den Objektivtransport eine Kur venscheibe mit hyperbolischem Charakter zu verwenden, bei der eine sich fortschreitend steigernde Abnahme der Radiusvektoren besteht. In diesem Falle braucht nur der Fühlhebel für den Objektivtransport an der Vorder- statt an der Hinterseite der Kamera angeordnet zu sein.
In Fig. 1 ist ein Ausführungsbeispiel der erfindungsgemässen Rollfilmkamera teilweise und im Schnitt dargestellt, bei der das Be tätigungsorgan für die Entfernungsmesser einstellung und den Objektivauszug eine bauliche Einheit mit dem Betätigungsorgan für die Rückspulung des Films bilden. Hier ist; dieses Beispiel gewählt worden, um zu zeigen, dass sich die Erfindung auch bei modernster Ausgestaltung der Kamera ohne weiteres anwenden lässt. Die Stellung der an den Kurvenscheiben ausgebildeten Über tragungshebel ist dabei der Verdeutlichung der Funktion halber in etwas versetzter (um etwa 90 ) Anordnung gezeichnet worden, das heisst verschieden zur Darstellung in Fig. 2.
In Fig. 2 ist ein schematischer Horizon talschnitt durch die Kamera dargestellt.
In der Fig. 1 ist mit 1 der Kamerakörper bezeichnet, von dem nur der hier interessie rende Teil dargestellt ist. Er ist in bekannter Weise so ausgebildet, dass sich über dem eigentlichen Kamerakörper eine sogenannte Abschlusskappe 2 befindet, in der die Be- tätigungs-, Schalt-, Zähl- usw. -organe unter gebracht sind.
3 stellt eine Filmspule dar, vorzugsweise diejenige für die Filmrück- spulung. Sie ist in üblicher Weise mit dem Betätigungsorgan für die Filmspuleinrich- tung gekuppelt, wie bei 4 angedeutet ist. Zu diesem Zweck ist eine ortsfeste Hohlwelle 5 angeordnet, in der eine weitere Welle 6 verschiebbar gleiten kann. Ihre Axialver- schiebung ist begrenzt durch den Schlitz 7 in der Hohlwelle 5 und den Stift 8 in, der Ver schiebewelle 6.
Eine Feder 9 sucht die Ver schiebewelle 6 dauernd nach aussen zu drücken. Die Verschiebewelle 6 trägt an ihrem obern. Ende einen Drehknopf 10. Dieser weist eine Umfangsnut 11 auf, in die ein. Bolzen, 12 von aussen einrastet. Nur bei Zurückziehung dieses Bolzens vermag der Knopf in die Betätigungslage auszufahren,. Die Freigabe wird weiter unten noch be schrieben..
Die Hohlwelle 5 mit einschraub- barem Flansch 51 ist von einer ortsfesten und unverschieblichen Buchse 13 mit ein schraubbarem Flansch 52 umfasst. Diese Führungsbuchse kann, wie in Fig. 1 vorge- sehen., aus einem Stück mit dem Kamera körper 1 bestehen. Auf der Buchse 13 ist eine weitere Buchse 14 drehbar, aber axial unver- schiebbar gelagert.
Mit ihr ist durch eine Schraube oder dergleichen 15 der Drehknopf 16 für die Betätigung der Objektiv- und der Entfernungsmessereinstellung einstell- und feststellbar verbunden. Dieser Drehknopf 16 ist ausgespart, so dass in ihm der Drehknopf 10 des Filmtransportes versenkt werden kann. Der in ihm gelagerte vorerwähnte Bolzen 12 wird durch eine Feder 17 dauernd in Eingriff mit dem Drehknopf 10 des Film transportes gehalten. Ein Stift 18 ist mit dem Bolzen 12 fest verbunden, er trägt an seinem obern über die Oberfläche des Einstell knopfes 16 hervorragenden Ende eine knopf artige Handhabe 19.
Der Pfeil 20 deutet an, dass der Stift 18 und mit ihm der Bolzen 12 entgegen der Wirkung der Feder 17 nach links verschoben werden kann, so dass die Freigabe des Filmschaltknopfes 10 erreicht wird.
Auf der drehbaren Buchse 14 sind im Falle des Ausführungsbeispiels zwei Kurven scheiben 21 und 22 befestigt. Sie können, zweckmässig mit der Buchse 14 ein einziges Stück bilden. Im Falle des Ausführungsbei spiels ist die untere Kurvenscheibe 21 für die Betätigung des Objektivauszuges bestimmt; an sie liegt ein hier nicht näher dargestelltes Hebelgestänge federnd an; die gezeichnete Rolle 23 deutet dies an. In an sich bekannter Weise ist dieses Gestänge zum Objektivbrett vorgeführt.
Gegen die andere Kurvenscheibe 22 liegt ein hier nur angedeuteter Hebel 24 mit seiner Rolle 39 an, der in üblicher Über tragung die Entfernungsmessereinstellung, zum Beispiel die Spiegelschwenkung, vor nimmt. Beim Verdrehen des Einstellknopfes 16 wird auch die Buchse 14 verdreht und mit ihr werden andere Abschnitte der Kurven scheiben 21, 22 an die ableitenden Organe 23, 39 herangebracht. Im Falle des Ausführungs beispiels besitzt die obere Kurvenscheibe 22 für die Entfernungsmessereinstellung eine pro Winkel einheitlich gleiche Steigung, das heisst sie ist als eine archimedische Spirale ausgebildet. Die untere Kurvenscheibe 21 ist so ausgebildet, dass pro Winkeleinheit eine stetig zunehmende Steigung vorgesehen ist.
Diese Kurvenscheibe kann. als hyperbolische Spirale bezeichnet werden. Die Drehung am Einstellknopf 16 ergibt somit gleichzeitig die richtige Entfernungsmessereinstellung sowie den genauen Objektivauszug. Es versteht sich, dass eine Justiervorrichtung für die Montage vorgesehen ist. Diese ist in Fig. 2 dargestellt. Mit 125 ist in Fig. 1 die Ent- fernungseinteilung am Fuss des Einstell knopfes angedeutet.
In Fig.2 sind wiederum die Kurven scheiben 21 für die Objektivverstellung und 22 für die Entfernungsmessereinstellung ge zeichnet. Mit 14 ist die Buchse bezeichnet, auf der beide Kurvenscheiben festsitzen bzw. mit denen sie ein Stück bilden. Mit der Rolle 23 liegt der Fühlhebel 25 an der hyperbolischen Kurvenscheibe 21 an. Das andere in der Fig.2 rechte Ende dieses Hebels 25 ist nicht dargestellt. Es ist an einem am Kameragehäuse festen Drehpunkt schwenkbar befestigt.
Auf dem Hebel 25 ist gleitend ein Schlit ten 26 angeordnet, die Gleitbewegung in Richtung des Pfeils 27 ist durch Nuten 28 und 29 und die zugehörigen am Hebel 25 festen Stifte 30 und 31 begrenzt. Dieser Schlitten wird durch eine Schraube 32 ver schoben, die am Kopf 33 verstellt wird. Der.- Schlitten 26 besitzt eine Aussparung 34, in die das Ende 35 eines Hebels 36 eingreift, der selbst, oder vermittels anderer Zwischen glieder, zum Objektiv führt.
Eine am Kamera gehäuse 1 befestigte Feder 37 drückt den ; Übertragungshebel 36 und damit den Fühl- hebel 25 in Richtung des Pfeils 38 mit seiner Rolle 23 gegen die hyperbolische Kurven scheibe 21. Der Verstellhebel 24 führt zum Entfernungsmesser. Die Einzelheiten des An-, schlussec sind fortgelassen. Er liegt mit seiner Rolle 39 in Richtung des Pfeils 40 gegen die archimedische Spirale :229 an. Für die dauernde Anlage sorgt die Feder 41, die im Falle des Ausführungsbeispiels einerseits am Hebel 24, anderseits am Hebel 25 einge hängt ist.
Bei der Justierung wird also der Hebel 24 zunächst von seiner Kurvenscheibe 22 abge hoben. Die Kurvenscheibe 21 wird nun vom Drehknopf 16 aus so lange verdreht, bis die Unendlich- und die Naheinstellung des einge setzten Objektivs im Einklang mit der Ein stellskala 125 scharfe Bilder ergeben. Dabei verstellt man durch Drehen am Schraubenkopf 33 den Schlitten 26, so dass die Rolle 23 des Hebels 25 jeweils zur Anlage an die Kurven scheibe 21 kommt. Ist die Justierung des Objektivs in bezug auf seine Verstellkurven- scheibe 21 beendet, so wird der Hebel 24 durch Einhängen der Feder 41 mit seiner Spitze 39 zur Anlage an die archimedische Kurvenscheibe 22 gebracht.
Die dabei erforderliche Justie rung wird im Entfernungsmesser selbst vor genommen.
Wegen der Auswahl des passenden Kur venscheibenabschnittes für das jeweilige Ob jektiv besitzen die Kurvenscheiben 21, 22 einen grösseren wirksamen Umfang als die bisher bekannten Kurvenscheiben, deren Umfangslänge nur für einen einzigen Vor- sehubweg bestimmten Ausmasses bestimmt war.