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Es ist bekannt, mit ätzkali neutralisierte Ablauge von Torfstreu aufsaugen zu lassen und das Produkt dann durch Erhitzen auf 1200 in Trommelapparaten in ein streufähiges Pulver zu verwandeln. Dieses in der deutschen Patentschrift Nr. 265689 enthaltene Verfahren setzt eine geeignete Trockenapparatur voraus und verbraucht bedeutende Wärmemengen.
Es wurde gefunden, dass man auf viel einfachere und billigere Weise ein vollkommen trockenes. mahl-und streufähiges Düngemittel aus Zellstoffablauge gewinnen kann, wenn man diese, zweckmässig nach vorheriger Einengung und in noch heissem Zustande, direkt mit gebranntem Kalk oder Magnesia oder mit Gemischen beider behandelt, derart, dass nicht mehr als ungefähr 1 Gewichtsteil Kalk auf etwa 6 Gewichtsteile Ablauge verwendet wird. Als Reaktionsverteiler kann eine geringe Menge Torfmull od. dgl. (etwa 1 Gewichtsteil auf 20 Teile Lauge) zugesetzt werden.
Bei diesem Arbeitsverfahren bewirkt die an sich bekannte stark wasserverbindende Kraft des gebrannten Kalkes die Umwandlung der Zellstoffablauge in eine splittertrockene Masse, die in einfacher Weise ein Düngemittel liefert, das allen an ein solches zu stellenden Forderungen in vollkommener Weise entspricht.
Es finden bei diesem Verfahren zwar dieselben Reagenzien wieim D. R. P. Nr. 265689 Anwendung, aber in gänzlich anderer Weise und mit anderer Wirkung. Es wird das aus der Ablauge zu entfernende Wasser in der Hauptsache nicht durch Wärmezufuhr, sondern durch chemische Bindung beseitigt, indem CaO in Ga (OH) 2 übergeht. Beim Verfahren des D. R. P. Nr. 265689 dagegen ist nur soviel Kalk in der Ablauge vorhanden, als zur Abstumpfung der freien schwefeligen Säure erforderlich ist. Dieser geringe Kalkzusatz ist im übrigen nicht einmal ein wesentliches Merkmal des Verfahrens von D. R. P. Nr. 265689, da sich dasselbe ebensogut mit nicht neutralisierter Ablauge durchführen lässt (siehe S. 1, Z. 66 ff. der Beschreibung).
Die chemische Reaktion zwischen Kalk und Ablauge ist also hiebei nicht Bindung von Wasser, sondern Neutralisation. Durch Vermischen mit Torfstreu wird die Ablauge dann auf eine grosse Oberfläche verteilt, um die nachträgliche Verdampfung des Wassers zu erleichtern. Es ist also hier die Wärme, welche die von den Kochern kommende Ablauge enthält, nicht ausreichend, um zu einem trockenen, mahlfähigen Produkt gelangen zu können.
Das neue Verfahren kann in verschiedener Weise ausgeführt werden. Das einfache Ablöschen von gebranntem Kalk mit hochgrädigen Ablaugen ist nicht zu empfehlen, denn die Kalkstücke umhüllen sich dabei mit einer braunen Kruste, die die völlige Ausnutzung der Kalkwirkung hemmt. Bei Verwendung verdünnter Ablauge fällt dieser Nachteil zwar fort, der Prozess wird aber in unerwünschter Weise mit überflüssiger Feuchtigkeit belastet. Deshalb ist es vorzuziehen, die Reaktion bei gesteigerter Temperatur durchzuführen, also heisse Ablauge auf gebranntem Kalk in Stücken oder auf gemahlenem Kalk einwirken zu lassen. Dabei ist. es grundsätzlich gleichgültig, ob der Kalk in die Lauge eingetragen, oder diese auf den in geeigneten Behältern liegenden Kalk geleitet wird.
Während der Reaktion wird zweckmässig im Anfang kräftig, dann von Zeit zu Zeit umgerührt.
Besonders günstig gestaltet sich die Durchführung des Verfahrens, wenn noch ein Reaktionverteiler, z. B. Torfmull, beigefügt wird. Torfmull ist für das fertige Düngerprodukt kein unnützer Ballast, da es selbst für den Boden ein wertvoller Bestandteil ist. Während der Reaktion spielt es im wesentlichen nur die Rolle eines Reaktionsverteilers mit dem Erfolge, dass es möglich ist, 6 und sogar lOTeile Zellstoff- ablauge mit einem Teil Ätzkalk zu binden. Dieser Erfolg ist überraschend und für das Verfahren insofern von besonderer Bedeutung, als der gebrannte Kalk, der an sich-aueh immerhin ein wertvolles Material
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darstellt, nicht in so ungeheuren Mengen als Zusatz verwendet werden braucht, wie die bisher bekannten Zusätze, wie z.
B. Thomasmehl oder Kieselgur.
Das Mengenverhältnis zwischen Kalk und Ablauge oder Kalkreaktionsverteiler mit Ablauge richtet sich ganz nach dem Gehalt der Ablauge an Trockensubstanz, so können z. B. G Teile Zellstoffablaus.'e von 230 Bé bei 60 - 70 C schon durch einen Teil gemahlenen Kalk ausgetrocknet werden. Je enger das Verhältnis zwischen Kalk und Ablaugegehalt wird, um so schneller und leichter wird ein zerreiblieheszum Teil von selbst zerfallendes-Produkt erzielt.
Es ist zweckmässig, die Temperatur um so höher zu wählen, je hochgradiger die Ablauge ist, weil
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u. dgl. Diese Zusätze können entweder schon bei der Herstellung oder auch bei der Verwendung des Rohproduktes zugesetzt werden.
Das Verfahren und das Produkt entsprechen allen oben angegebenen Bedingungen. Der Forderung der Billigkeit des Herstellungsverfahrens wird dadurch Rechnung getragen, dass gebrannter Kalk, bzw. gebrannte Magnesia fast immer unmittelbar in der Nähe der Zellstoffabrik herzustellen ist, da die Kalkvorkommen insbesondere in Deutschland sehr reichlich und ziemlich gleichmässig verteilt sind. Der gebrannte Kalk ist zum mindesten ein Produkt, das in den allermeisten Fällen im Verhältnis zur gebrauchten
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losen Ballaststoffe enthalten, so dass also auch der Transport des fertigen Produktes immer wirtschaftlich sein wird.
Es ist ferner auch keine komplizierte Trockenapparatur für die Durchführuns : des Verfahrens erforderlich.
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schwefel'ger Säure, welche im Boden sofort oxydiert und an den überschüssigen Kalk gebunden werden, keine freien Säuren zugegeben sind. Die Dungewirkung ist äusserst günstig, da die darin enthaltenen grossen Mengen von organischen Stoffen ausgezeichnete Träger des M'kroorganismenlebens des Bodens bilden und die Kohlensäureentwicklung im Boden selbst ausserordentlich fördern, die bekanntlich für die höheren Pflanzen von mindestens der gleichen Bedeutung ist, wie ihre unmittelbare Ernährung. Das gemahlene Düngemittel ist ferner absolut trocken und lagerbeständig.
Seine Maschinenstreufähigkeit steht ausser Zweifel.
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mittel einen selbständigen Charakter. Seine Verwendung kann weitgehend auf die jeweiligen Be- dürfnisse des Ackerbaues eingestellt werden, ohne dass eine Überkalkung des Bodens auch bei reichlicher Gabe von organischen Stoffen zu befürchten wäre. Die Verbindung des Gehaltes an organischen Nährstoffen mit einem gewissen Ätzkalkgehalt ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil bekanntlich die
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düngung grösste Gefahren in sich schliessen würde.
Das Düngemittel entspricht also in jeder Hinsicht rien in technischer und landwirtschaftlicher Beziehung zu stellenden Forderungen.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung eines Düngemittels aus Ablaugen der ZeIlstoffabrikatiou, bei welchem den Ablaugen gebrannter Kalk bzw. Magnesia oder Gemische der beiden zugesetzt werden, dadurch gekennzeichnet, dass die zwecks Erzielung einer trockenen Masse anzuwendende Kalkmenge nur einen Bruchteil der Ablaugemenge, nämlich 1 Gewichtsteil Kalk auf etwa 6 Gewichtsteile Ablauge beträgt.