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Verfahren und Einrichtung zum Strecken von Baumwolle.
Es ist in der Fachwelt bekannt, dass mit Hilfe von Durchzugsstreckwerken, d. h. Streck- werken, die das Fasergut nicht an allen Klemmstellen mit absolutem Klemmdruck fest- halten, sehr hohe Verzüge in einem Arbeitsgange erzielt werden können, sofern man dabei bestimmte Bedingungen einhält. Namentlich war es dabei erforderlich, die mittlere Ober- walze sehr klein und leicht auszubilden und den Klemmpunktabstand zwischen dem Vorder- und Mittelzylinder wesentlich kleiner zu wählen als die mittlere Stapellänge.
Dies kann bei kurzstapeliger Baumwolle gewisse Schwierigkeiten erzeugen, welche durch vorliegende Erfindung behoben werden.
Wollte man unter Anwendung des Durchzugsprinzips z. B. 20 er Garn mit 30fachem Verzug erzeugen, dann duifte das Vorgarn nur die Feinheitsnummer von etwa 0'7 aufweisen.
Das Vorgarn war dann zu dick, um eine gleichmässige Belastung für sämtliche Fasern zu ermöglichen. Bei einer zu dicken Fasermasse entstehen überhaupt leicht ungleichmässige Belastungen für die einzelnen Fasern und ausserdem ist man dabei auch gezwungen, das Gewicht für die Oberwalze nicht zu leicht zu wählen, damit die dicke Fasermasse richtig gefasst werden kann.
Das vorliegende Verfahren kennzeichnet sich im wesentlichen dadurch, dass der Gesamtverzug in einen zwischen Einzug-und Mittelzylinder stattfindenden, über das übliche Mass hinausgehenden Vorverzug (z. B. zwei-bis zehnfach) und den zwischen Mittel-und Lieferzylinder angewandten Hauptverzug zerlegt wird.
Bei den bekanten Dreiwalzenstreckwerken hat man zwar gewöhnlich den Mittelzylinder etwas schneller als den Speisezylinder laufen lassen. Der Geschwindigkeitsunterschied war aber so gering, dass von einem namhaften Verzug zwischen dem Speise-und Mittelzylinder keine Rede sein konnte. Der Zweck des Geschwindigkeitsunterschiedes war auch nur der, das Fasergut zwischen dem Speise-und Mittelzylinder straff zu halten und den im zugeführten Vorgarn schon vorhandenen Drall hinreichend zu lösen.
Diese Vorauflösung des Dralles kann auch an der vorgeschlagenen neuen Anordnung durch Verwendung eines besonderen in erforderlichem Abstand vorgelagerten Einzugszylinderpaares ausgeführt werden, während die eigentliche Streckarbeit nur zwischen dem Mittel-und Lieferzylinder erfolgte. Überdies war der kleine Vorverzug zwischen dem Speise-und Mittelzylinder bei den bekannten Streckwerken stets konstant. Bei einigen Maschinen betrug der Verzug n, bei anderen rz. Die Verzugsräder und damit auch der Verzug konnten c her bisher niemals gewechselt werden. Demgegenüber ist gemäss vorliegender Erfindung gerade dieser Vorverzug nicht nur erheblich, sondern auch regelbar. Während früher der Unter-und Mittelzylinder von einem gemeinsamen Lager getragen wurden, so dass sich die beiden Zylinder nur gemeinsam mit Bezug auf den vorderen, d. h.
Lieferzylinder, verschieben liessen, werden bei dem Erfindungsgegenstand, um den beabsichtigten Zweck erfüllen zu können, der Speiseund Mittelzylinder gesondert und voneinander unabhängig gelagert, weil nur so der Abstand zwischen dem Speise-und Mittelzylinder regelbar wird.
Verteilt man erfindungsgemäss die Streckarbeit, so ergeben sich insbesondere für Durchzugsstreckwerke ausserordentliche Vorteile.
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'Es ist einleuchtend, dass man z. B. einen 40fachen Verzug sicherer und mit weniger Schwierigkeiten auf einem Dreizylinderstreckwerk erzielt, wenn man im ersten Teil des Streckwerkes einen vierfachen Verzug anwendet und im vorderen Teil desselben zehnfach verzieht, als wenn man den Gesamtverzug lediglich dem vorderen Teil des Streckwerkes überlässt.
Die Erfindung sei an Hand der Zeichnung. die drei Ausführungsformen geeigneter Streckwerke zur Ausübung des Verfahrens zeigt, näher erläutert. Die Darstellungen sind rein schematisch. Die gegenseitige Lage der Unterzylinder kann auch anders sein, z. B. so wie bei den bestehenden Streckwerken.
Das Streckwerk der Fig. i besitzt drei Unterzylinder 1, 2 und 3. Der Mittelzylinder 2 trägt zwei Oberwalze 2a und 2b, von denen die letztere nach Art der mittleren Oberwalze des deutschen Patentes Nr. 292351 ausgebildet ist und nach dem Durchzugsprinzip arbeitet, während die hintere Oberwalze 2a sowohl als Speisezylinder als auch als Verzugszylinder dient und deshalb zweckmässig beledert ist. Das Fasergut passiert bei dieser Ausführungsform das Speisezylinderpaar 1, la, erhält zwischen 2 und 2a einen namhaften Verzug und darauf den Hauptverzug durch den Lieferzylinder 3 mit Oberwalze 3a.
Bei der Ausführungsform der Fig. 2 sind auch wieder nur die drei Zylinder 1, 2 und 3 vorhanden. Das Durchzugsprinzip wird hier aber zweimal angewendet, zu welchem Zwecke der Zylinder 1 noch eine besondere Oberwalze lb erhält, die ebenso wie die Walze 2b in ihrer Wirkung der mittleren Oberwalze im deutschen Reichspatent Nr. 292351 entspricht.
Bei der Ausführungsform der Fig. 3 ist das Durchzugsprinzip an drei Stellen angenommen, nämlich bei den leichten Ober walzen Ib, 2b und 4b. Der Gesamtverzug ist hier in drei Abschnitte zerlegt. Der erste Verzug findet zwischen dem Einführzylinder 4 mit Oberwalze 4a und dem Zylinder statt. Der zweite Verzug erfolgt zwischen Zylinder 1 und 2 und der dritte zwischen 2 und 3.
Die Zerlegung des Gesamtverzuges kann man eventuell mehr als dreimal anwenden, wobei man auch an beliebigen Stellen das Durchzugsprinzip benutzen kann,
PATENT-ANSPRÜCHE : I. Verfahren zum Strecken von Baumwollfaserbändern auf Spinn-und Vorspinnmaschinen mittels Vor-und Hauptverzug, dadurch gekennzeichnet, dass ausser dem Hauptverzug auch der zwischen Einzug-und Mittelzylinder stattfindende Verzug über das hierfür übliche Mass hinausgeht (z. B. zwei-bis zehnfach).