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Verfahren zum sterilen Abfüllen von Bier u. a. Kohlensäure enthaltenden Trinkflüssigkeiten
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum sterilen Abfüllen von Bier u. a. Kohlensäure enthaltenden Trinkflüssigkeiten und stellt eine Verbesserung und weitere Ausgestaltung des Gegenstandes des Patentes Nr. 215846 dar.
Das Stammpatent betrifft ein Verfahren zum sterilen Abfüllen von Bier u. a. Kohlensäure enthaltenden Trinkflüssigkeiten, bei dem das Bier bzw. die andere Trinkflüssigkeit auf die zum Zwecke seiner bzw. ihrer Pasteurisierung bzw. Sterilisierung erforderliche Temperatur erhitzt, rückgekühlt und anschliessend auf zum Zwecke der Sterilisierung erhitzte Flaschen oder Dosen gefüllt wird.
Nach dem Stammpatent wird die Flasche oder Dose in den Füller mit einer ihren sterilen Zustand sichernden Temperatur eingeführt ausserdem wird die Flüssigkeit nach ihrer Erhitzung auf Pasteuriserbzw. Sterilisiertemperatur und vor ihrer unter Gegendruck ausgeführten Abfüllung in einem geschlossenen System auf eine derartige Temperatur rückgekühlt, dass die Temperaturdifferenz zwischen der Temperatur der Flüssigkeit und derjenigen Temperatur, welche die Flasche oder Dose beim Einfüllen der Flüs- sigkeit aufweist, maximal etwa 350C beträgt, so dass weder eine unerträgliche Kohlensäureentbindung an der Behälterwandung auftritt, noch die gegebenenfalls aus Glas hergestellte Flasche oder Dose zerspringt.
Auf diese Weise wird das sterile und fortlaufende Abfüllen einer Kohlensäure enthaltenden Trinkflüssigkeit bei mässigen Gegendrücken in einem Ausmass gesichert, dass die Qualität der Trinkflüssigkeit für einen beschränkten Zeitraum von etwa drei bis vier Monaten gesichert bleibt.
Dadurch, dass bei diesem Verfahren nur mässige Gegendrücke entsprechend einer verhältnismässig geringen Abfülltemperatur des Bieres oder einer andern Kohlensäure enthaltenden Trinkflüssigkeit angewendet werden brauchen, ergibt sich ein auch nur mässiger Druckabfall beim Abziehen der Flasche oder Dose vom Füllelement, wenn also das Innere der Flasche oder Dose mit der Aussenatmosphäre kurz vor dem Verschliessen der Flasche oder Dose verbunden wird.
Hiedurch wird die Stabilität des in der Trinkflüssig- keit, beispielsweise dem Bier, kolloidal gebundenen Eiweisses nur unwesentlich beeinträchtigt, so dass im allgemeinen selbst dann, wenn keine besonderen Mittel zur Erhöhung der Eiweissstabilität der Trinkflüssigkeit benutzt werden, Eiweissausfällungen in der in den fertig verschlossenen Flaschen oder Dosen enthaltenen Trinkflüssigkeit nicht befürchtet zu werden brauchen.
Für spezielle Fälle, in denen das Bier über länger als drei bis vier Monate währende Zeiten stabil bleiben soll, reicht diese Eiweissstabilität aber nicht mehr aus. Zur Eiweissstabilisierung von Kohlensäure enthaltenden Trinkflüssigkeiten, insbesondere Bier, sind Adsorptionsmittel, wie Bentonite, Aktivkohle oder Kieselgel, bereits vorgeschlagen worden. Die Behandlung des zu stabilisierenden Getränkes kann dabei vor oder nach dem Sterilisieren erfolgen.
Die Wirkung dieser Mittel beruht darauf, dass die thermolabilen Eiweissverbindungen der Trinkflüssig- keit durch die Zugabe dieser Stoffe infolge elektrischen Ladungsausgleiches ausgeflockt und adsorbiert
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werden. Die Adsorptionsmittel müssen, nachdem sie einen Teil der in der Trinkflüssigkeit kolloidal ge- lösten Eiweissverbindungen adsorbiert haben, mittels geeigneter Filter oder Zentrifuge wieder entfernter- den.
Erfindungsgemäss wird nun eine Verbesserung des Verfahrens des Stammpatentes in der Weise vorgeschlagen, dass man den gemäss dem Stammpatent abzufüllenden Trinkflüssigkeiten, z. B. dem Bier, vor der Sterilisierung oder zwischen der Sterilisierung und dem Abfüllen Adsorptionsmittel zur Erhöhung der Stabilität des in der Trinkflüssigkeit kolloidal gelösten Eiweisses zusetzt und nach der Einwirkung in üblicher Weise mittels Filter oder Zentrifuge wieder entfernt.
Diese Massnahme trägt im Zusammenhang mit den Massnahmen des Stammpatentes dazu bei, dass eine Vollkonserve geschaffen wird, die selbst bei langer Lagerung nicht zu einer Ausfällung eines Teiles der in der Trinkflüssigkeit kolloidal gelösten, hochmolekularen Eiweissverbindung neigt.
Beispiel l (Behandlung von Bier mit Adsorptionsmittel vor der Sterilisation) :
Kieselgel wird mit einer kleinen Menge Bier oder Wasser (Gewichtsverhältnis etwa 1 : 6) in einem Dosiergefäss aufgeschlämmt und mittels Rührwerk homogen vermischt. Eine Dosierpumpe drückt nun so viel von dieser Aufschlämmung in einen Bierstrom von 20C, dass eine Adsorptionsmittelkonzentration von 120 g/hl Bier entsteht.
Nachdem das Kieselgel etwa 1 min eingewirkt hat, wird es zusammen mit dem in dieser Zeit adsorbierten Eiweiss mittels Zentrifuge oder Filter wieder entfernt und das Bier anschliessend zum Zwecke der Sterilisierung auf zirka 750C erhitzt, zirka 30 sec auf dieser Temperatur gehalten, danach in einem geschlossenensystem auf30 C rückgekühlt und anschliessend unter Gegendruck auf sterilisierte, noch etwa 680C heisse Flaschen abgefüllt.
Das Bier zeigte während sechsmonatiger Lagerung bei Zimmertemperatur keine Trübung.
Beispiel 2 (Behandlung von Bier mit Adsorptionsmittel nach der Sterilisation unmittelbar vor dem Abfüllen) :
Ein helles, in üblicher Weise hergestelltes Bier wurde zum Zwecke der Sterilisation auf 750C erhitzt, zirka 30 sec auf dieser Temperatur gehalten und in einem geschlossenen System auf etwa 300C rückgekühlt. Über einen in diesem System eingebauten, automatisch gesteuerten Zulauf erfolgte dann die Dosierung einer wie in Beispiel 1 beschriebenen Aufschlämmung von Kieselgel, die zuvor durch Erhitzen auf 750C sterilisiert, auf 300C rückgekühlt und dem auf 300C abgekühlten und sterilisierten Bier zugeführt wurde, so dass eine Adsorptionsmittelkonzentration von 120 g/hl Bier entstand.
Nach einer Einwirkungszeit von etwa 1 min wurde das Kieselgel durch einen in das System eingebauten Filter wieder entfernt und das Bier auf sterilisierte, noch etwa 680C heisse Flaschen abgefüllt.
Grundsätzlich ist die Durchführung des Verfahrens gemäss dem Beispiel l vorzuziehen, bei dem das Adsorptionsmittel dem kalten Getränk zugesetzt wird, da die Wirkung von eiweissstabilisierenden Adsorbentien mit zunehmender Temperatur sinkt. Es hat sich jedoch gezeigt, dass bei nur mässig erhöhten Temperaturen, die das Getränk gemäss dem Stammpatent unmittelbar vor dem Abfüllen hat, diese Adsorbentien noch in ausreichendem Masse eine Eiweissstabilisierung sichern. Dies gilt insbesondere für Kieselgel, dessen Wirkungsmechanismus hinsichtlich seiner eiweissstabilisierenden Wirkung noch nicht völlig geklärt ist.
Das so behandelte Bier zeigte nach einer Lagerzeit von gleichfalls sechs Monaten bei Zimmertemperatur noch keinerlei Trübung.
Die in gleicher Weise, jedoch ohne Behandlung mit Adsorptionsmittel behandelten Vergleichsbiere der vorstehenden Beispiele 1 und 2 wiesen bereits nach zwei bis drei Monaten in verschiedener Intensität Eiweissausfällungen auf.
Beispiel 3 (Behandlung von Wein mit Adsorptionsmittel vor der Sterilisation) :
Dem Beispiel liegt ein Moselwein mit einem Kohlensäuregehalt von J, 1 g/l und einem Alkoholehalt von 7 Gew.-% zugrunde. Kieselgel wird mit einer kleinen Menge dieses Weins (Gewichtsverhältnis etwa 1 : 6) in einem Dosiergefäss aufgeschlämmt und mittels Rührwerk homogen vermischt. Eine Dosierpumpe drückt nun soviel Wein von dieser Aufschlämmung in einen Weinstrom, der eine Temperatur von 50C besitzt, dass eine Adsorptionsmittelkonzentration von 100 g/hl Wein entsteht.
Nachdem das Kieselgel etwa 1 min eingewirkt hat, wird es zusammen mit dem in dieser Zeit adsor-
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geschlossenen System auf 300C rückgekühlt und anschliessend unter Gegendruck auf sterilisierte, noch etwa 550C heisse Flaschen abgefüllt. Der Wein zeigte während sechsmonatiger Lagerung bei Zimmertemperatur keinerlei Trübung.
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Ein in gleicher Weise, jedoch ohne Behandlung mit Kieselgel abgefüllter Wein wies bereits nach fünf Monaten Trübungserscheinungen auf.