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Verfahren zur Herstellung gereinigter Phosphatidprodukte
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Es ist weiterhin seit langem bekannt, fetthaltige Naturstoffe in einem geeigneten Lösungsmittel zu lösen und dann z. B. mit einem nicht mischbaren Fettlösungsmittel, das den Naturstoff nicht löst, auszu- schütteln bzw. zu extrahieren. Es ist weiterhin bereits bekannt, zur analytischen Bestimmung des Fettge- haltes in Milch, Käse usw. eine Probe dieser Stoffe in Schwefel- oder Salzsäure zu lösen und dann mit
Amylalkohol auszuschütteln. Dieses Verfahren ist jedoch zur technischen Extraktion der Ölanteile im Le- cithin völlig unbrauchbar.
Durch das Verfahren gemäss der Erfindung kann man diese Nachteile vermeiden und die Massnahmen, die erforderlich sind, um Phosphatide des gewünschten Reinheitsgrades zu erzielen, wesentlich vereinfa- chen.
Die vorliegende Erfindung bezieht sich nun auf ein Verfahren zur Herstellung gereinigter Phosphatidprodukte aus den aus pflanzlichen Ölen abgetrennten Rohphosphatidgemischen unter Verwendung eines
Nichtlösungsmittels für die Phosphatide, welches dadurch gekennzeichnet ist, dass das Rohphosphatidge- misch mit zwei Flüssigkeiten behandelt wird, von denen die eine ein Lösungsmittel und die andere ein Nichtlösungsmittel für die Rohphosphatide ist, u. zw. in solchen Verhältnissen, dass sich während der Behandlung zwei flüssige Phasen bilden, welche darauf getrennt werden, vorzugsweise im Verhältnis NichtLösungsmittel : Lösungsmittel wie 2 : 1 bis 6 : 1.
Von den beiden flüssigen Phasen wird die eine, die Nicht-Lösungsmittelphase, das in dem rohen phosphatidhaltigen Material vorhandene Öl und die Fettsäure enthalten, jedoch praktisch frei von Phosphatiden sein, während die Phosphatide in der Lösungsmittelphase konzentriert werden. Das Nicht-Lösungsmittel und das Lösungsmittel werden vorzugsweise zu gleicher Zeit, am besten in Form eines Gemisches, dem phosphatidhaltigen Material zugesetzt. Man kann jedoch auch zunächst das Lösungsmittel zusetzen und darauf das Nicht-Lösungsmittel.
Als Nicht-Lösungsmittel werden zweckmässig neutrale organische kohlenstoff-, wasserstoff- und sauerstoffhaltige organische Verbindungen verwendet, welche eine Carbonylgruppe enthalten, insbesondere Ketone oder Alkylester aliphatischer Säuren. Diese werden vorzugsweise so gewählt, dass ihr Siedepunkt nicht über 800C liegt. Geeignete Nicht-Lösungsmittel unter den Ketonen und Estern sind Aceton, Methylformiat und Äthylformiat. Diese Flüssigkeiten können kleine Mengen anderer Bestandteile, wie Wasser, enthalten. Man kann z. B. vorteilhaft Aceton mit einem Wassergehalt bis 10% benutzen.
Als Lösungsmittel für die Phosphatide werden vorzugsweise Kohlenwasserstoffe oder chlorierte Kohlenwasserstoffe mit nicht mehr als 7 Kohlenstoffatomen benutzt, insbesondere aliphatische, zykloaliphatische oder aromatische Kohlenwasserstoffe mit 5-7 Kohlenstoffatomen, wie n-Pentan, n-Hexan, n-Hep- tan, Zyklohexan, Methylzyklohexan oder Benzol, und chlorierte Kohlenwasserstoffe mit 2 Kohlenstoffatomen, wie z. B. Dichlormethan oder Dichloräthylen. Auch die technischen Gemische aliphatischer oder aromatischer Kohlenwasserstoffe mit Siedepunkten von etwa 60-80 C, welche als Petroläther bezeichnet werden, lassen sich verwenden. Vorteilhaft wird ein Lösungsmittel benutzt, dessen Siedepunkt nicht über 1000C liegt.
Das anzuwendende Verhältnis zwischen Nicht-Lösungsmittel und Lösungsmittel ist von der Art der gewählten Flüssigkeiten und ihrer Eignung um in Gegenwart von Phosphatiden gesonderte flüssige Phasen zu bilden, abhängig. Es wurde gefunden, dass im allgemeinen bei einem Verhältnis von weniger als 2 Teilen Nicht-Lösungsmittel auf 1 Teil Lösungsmittel die Neigung des Gemisches in Gegenwart von Phosphatiden zwei flüssige Phasen zu bilden, geringer wird, während bei Anwendung von mehr als 6 Teilen Nicht-Lösungsmittel auf 1 Teil Lösungsmittel manchmal ein klebriges Produkt erhalten wird.
Es hat sich als nützlich erwiesen, ein Nicht-Lösungsmittel und ein Lösungsmittel anzuwenden, welche zusammen ein azeotropes Gemisch mit einem Siedepunktminimum ergeben. In dieser Weise wird es möglich, die Flüssigkeiten nach der Behandlung abzudestillieren bzw. zu verdampfen, oder aber Flüssigkeiten vom höheren Siedepunkt anzuwenden.
Das Gewichtsverhältnis zwischen dem zu behandelnden phosphatidhaltigen Material und der Gesamtmenge Nicht-Lösungsmittel + Lösungsmittel soll vorzugsweise zwischen 1 : 1, 5 und 1 : 10, insbesondere zwischen 1 : 2 und 1 : 5 liegen.
Das Verfahren gemäss der Erfindung lässt sich in einfacher Weise durchführen, indem man das rohe phosphatidhaltige Material mit dem Nicht-Lösungsmittel und dem Lösungsmittel vermischt, den zwei flüssigen Phasen Gelegenheit gibt, sich abzusetzen, und eine dieser Phasen z. B. durch Dekantieren entfernt wird. Diese Behandlung kann erforderlichenfalls ein oder mehrere Male wiederholt werden, bis der Gehalt des Materials von Verunreinigungen in dem gewünschten Masse verringert ist. Das Verfahren wird vorzugsweise bei Raumtemperatur oder etwas oberhalb dieser, z. B. bei 15-40 C, durchgeführt.
Die in obiger Weise erhaltene Phosphatidlösung kann dann durch Verdampfen, vorzugsweise unter vermindertem Druck, von dem Lösungsmittel befreit werden. In dieser Weise lassen sich die gereinigten
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Phosphatide in fester, nicht klebriger Form erhalten. Man kann jedoch auch die Phosphatidlösung mit andern Stoffen vermischen, z. B. mit raffinierten pflanzlichen Ölen, partiellen Glyzeriden, Glyzerin, Sorbit, Zuckern oder andere Polyoxyverbindungen oder deren partiellen Estern, und darauf durch Verdampfen vom Lösungsmittel befreien. In dieser Weise werden gereinigte Phosphatide in plastischer Form erhalten.
Die Nicht-Lösungsmittelphase, welche die Öle, Fettsäuren und andere Verunreinigungen enthält, kann durch Verdampfen von dem Nicht-Lösungsmittel befreit werden, um diese Stoffe zu gewinnen.
Das Verfahren gemäss der Erfindung lässt sich nach den dazu bekannten Methoden, z. B. durch Anwendung von Gegenstromextrahierverfahren oder von Flüssigkeit-Flüssigkeit-Gegenstromseparatoren durchführen.
Man kann gemäss der Erfindung hellgefärbte Phosphatide von ausgezeichnetem neutralem Geschmack erhalten, die in Nährmitteln verwendet werden können, ohne dass sie den Geschmack beeinträchtigen, u. zw. in wesentlich grösseren Mengen als die Rohphosphatide.
Bei der Anwendung der Erfindung erübrigt es sich, die Phosphatide zu fraktionieren.
Die Erfindung wird an Hand nachstehender Beispiele erläutert.
Bei s pie 1 1 : 40 kg rohes Sojalecithin mit einem Phosphdtidgehalt von 68% wurden mit 120 kg eines Gemisches aus 78% Aceton und 2'2f1/0 n-Pentan bei einer Temperatur von 20 C im Verlauf von 10 min unter kräftigem Rühren vermischt. Nachdem das Gemisch 30 min gestanden hatte, hatten sich die zwei flüssigen Phasen abgetrennt. Die obere Schicht wurde abgetrennt und die untere Schicht noch einmal mit 120 kg des obigen Gemisches unter den gleichen Bedingungen behandelt. Die unteie Schicht, die nach der zweiten Behandlung zurückbleibt, wurde bei einem Druck von 10 mm Hg und einer Temperatur von 50 C eingedampft. In dieser Weise wurden 24 kg gereinigtes Lecithin mit einem Phosphatidgehalt von 91, 70/o erhalten.
Das gereinigte Lecithin hatte hellgelbe Farbe und war praktisch geschmack- und geruchlos.
Beispiel 2 : 100 kg rohes Rubeusaatlecithin mit einem phosphatidgehalt von 66tao wurden mit 2901 eines Gemisches aus 66 Gel.-% Aceton und 34 Gew. -0/0 Zyklohexan vermischt. Das erfolgte unter kräftigem Rühren bei einer Temperatur von 20 C in einem Zeitverlauf von 15 min. Nachdem das Gemisch 40 min gestanden hatte, hatten sich die zwei Phasen abgetrennt. Die untere Schicht wurde abgelassen, mit 34 kg raffiniertem Baumwollöl vermischt und durch Verdampfen bei einer Temperatur von 50 C und einem Druck von 10 mm Hg vom Lösungsmittel befreit. In dieser Weise wurden 101 kg eines hellbraunen, noch ein wenig Öl enthaltenden gereinigter. Rübensaatlecithins erhalten.
Beispiel 3 : Einer Lösung von 200 kg Sojalecithin mit einem Phosphatidgehalt von 67, 81o in 200 1 Dichloräthylen wurden 1100 1 Methylacetat portionsweise unter Anwendung eines Verhältnisreglers zuge- setzt. Das Gemisch wurde fortlaufend bei einer Temperatur von 20 C in einer Trommelzentrifuge in eine leichte und eine schwere flüssige Phase getrennt. Die schwere Phase wurde bei einer Temperatur von 50 C und einem Druck von 10 mm Hg eingedampft. In dieser Weise wurden 123 kg gereinigtes Lecithin mit einem Phosphatidgehalt von 94% erhalten.
Beispiel 4 : 20 kg rohes Sojalecithin mit einem Phosphatidgehalt von 681o wurden bei 15 C unter Rühren in 20 I technischem Heptan gelöst. Diesem Gemisch wurden 51 I technisches Aceton mit einem Wassergehalt von 1% unter Rühren zugesetzt. Nachdem das Gemisch 30 min gestanden hatte, hatten sich die zwei flüssigen Phasen abgetrennt. Die untere Schicht wurde abgelassen und bei einer Temperatur von 50 C und einem Druck von 10 mm/Hg eingedampft. In dieser Weise wurden 15, 2 g gereinigtes Lecithin
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dampft. In dieser Weise wurden 15, 02 kg gereinigtes Lecithin mit einem Phosphatidgehalt von 89, 8% erhalten.
Beispiel 6 : 20 kg rohes Sojalecithin mit einem Phosphatidgehalt von 68% wurden bei 20 C unter Rühren in 30 l Hexan gelöst. Diesem Gemisch wurden unter Rühren 78 l Äthylformiat zugesetzt. Nachdem das Gemisch 30 min gestanden hatte, hatten sich die zwei flüssigen Phasen getrennt. Die untere Schicht wurde abgelassen und bei einer Temperatur von 50 C und einem Druck von 10 mm Hg eingedampft. In dieser Weise wurden 13, 0 kg gereinigtes Lecithin mit einem Phosphatidgehalt von 86, 50/0 erhalten.