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Verfahren zum Färben von Stoffen mit Carbonamid-, Sulfonamid- oder Cellulosegrup- pierungen
Es ist bekannt, Wolle mit Säurefarbstoffen aus neutralem Bade in Gegenwart eines neutralen anorganischen Salzes und eines oberflächenaktiven Stoffes von der Art der neutralen Salze einer aromatischen Sulfonsäure zu färben. Weiterhin ist ein Verfahren zur Herstellung von echten Färbungen auf Wolle oder Polyamidfasern mit sauren Farbstoffen bekannt, wobei dem Färbebad Polyglykoläther höhermolekularer Oxyverbindungen und Harnstoff zugesetzt werden.
Fasergut aus Acetylcellulose sowie linearen Polyamiden oder Polyurethanen lässt sich gut färben, wenn man das Fasergut mit Amino-phthalsäure-dialkylestern und den Alkaliverbindungen von Arylamiden der 2, 3-Oxynaphthoesäure, die im Arylamidrest eine Alkoxygruppe enthalten, in wässeriger Lösung behandelt, auf der Faser diazotiert und anschlie- ssend in einem heissen Bade fertig entwickelt. Um Celluloseacetat zu färben, ist es notwendig, das Acetat durch Behandeln mit einem polymeren Dimethylamino-äthylmethylacrylat anfärbbar zu machen. Dann erst färbt man mit Säurefarbstoffen und behandelt anschliessend bei 1000 C mit einer wässerigen Lösung von 15g/1 Salicylsäure.
Die Anfärbbarkeit von Cellulosefasern für Farbstoffe, die saure, zur Salzbildung befähigte, funktionelle Gruppen enthalten, kann erhöht werden, wenn die zu färbende Faser vor dem Färben mit Lösungen, Quellungen oder Dispersionen von polymeren, quaternäre Stickstoffatome enthaltenden Vinylverbindungen behandelt wird.
Alle diese Färbeverfahren sind verhältnismässig umständlich durchzuführen. Ausserdem ist es nicht möglich, mit den verschiedenen bekannten Färbeverfahren ein Gemisch aus natürlichen und synthetischen Fasern in einem Arbeitsgang zu färben, da die Affinität des Farbstoffes zu jeder Faser verschieden ist und somit eine ungleichmässige Färbung erhalten wird.
Es ist weiterhin bekannt, Seidenfibroin mit gasförmigem Keten zu behandeln. Hiebei setzt sich das Keten direkt an die aktiven Gruppen, wie freie Amino- oder freie Hydroxylgruppen, und acetyliert und blockiert sie. Nachteilig ist bei diesem Verfahren, dass die Einwirkung von Diketen in Dampfform, auf der Faser eine starke Bräunung und Festigkeitsverminderung des Materials zur Folge hat. Nachteilig ist weiterhin, dass nach diesem Verfahren lediglich bei Naturseide ein vorteilhafter Effekt erzielt wird.
Es wurde nun gefunden, dass diese Nachteile vermieden und Stoffe, die Carbonamid-, Sulfonamidoder Cellulosegruppierungen besitzen, in vorteilhafter Weise gefärbt werden können, wenn man die Stoffe mit Diketen und anschliessend mit kupplungsfähigen Diazoniumsalzen behandelt. Bei der Färbung von cellulosehaltigen Stoffen ist vor der Behandlung mit Diketen in bekannter Weise eine Umwandlung in die entsprechende Acetylverbindung durchzuführen.
Das zu färbende Material wird in ein inertes Lösungsmittel, beispielsweise Benzol, eingebracht.
Dazu gibt man als Katalysator etwas trockenes Pyridin und Diketen. Nun erhitzt man und hält das Bad drei Stunden lang auf Siedetemperatur.
Anschliessend werden die Fasern zuerst mit Benzol, dann mit Methanol und schliesslich mit Wasser gespült und in eine wässerige Lösung eines Diazoniumsalzes, beispielsweise des p-Toluidins, p-Nitranilins oder Benzidins gegeben. Bei der Verwendung von diazotiertem p-Toluidin färben sich die verwendeten Stoffe fast sofort leuchtend gelb.
Anschliessend wird das gefärbte Material in bekannter Weise geseift, mit Wasser gespült und getrocknet.
Nach dem erfindungsgemässen Verfahren lassen sich beispielsweise Wolle, Polyamide, Cellulose oder Acetylcellulose oder Gemische aus diesen in einfacher Weise färben. Bei diesem Verfahren, das kontinuierlich oder diskontinuierlich durchgeführt werden kann, sind die Echtheiten, besonders die Wasch- und Lichtechtheiten, sehr gut und gut, da der Farbstoff durch Hauptvalenzen direkt mit der Faser verbunden ist.
Beispiel : 2, 5 kg Wolle werden in ein Bad eingelegt, welches aus 25 l Benzol, etwa 10 cm trockenem Pyridin und 2, 5 I Diketen besteht. Man erhitzt nun auf Siedetemperatur und hält diese Temperatur etwa drei Stunden lang aufrecht. Dann nimmt man die Fasern aus dem Bad heraus, wäscht sie zuerst mit Benzol, dann mit Methanol
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und schliesslich mit kaltem Wasser gut aus. Die so behandelten Fasern bringt man in eine Diazoniumlösung des p-Toluidins, die wie folgt hergestellt wird :
3 kg p-Toluidin werden mit einer Mischung von 7, 5 kg konz. Salzsäure und 251 Wasser bis zur Lösung erhitzt. Anschliessend wird die Lösung unter ständigem Umrühren mit Eis gekühlt.
Darauf fügt man unter weiterer Kühlung tropfenweise soviel einer Lösung von 2, 5 kg Natriumnitrit in 151 Wasser zu, bis mit KaliumjodidStärke-Papier eine bleibende Blaufärbung auftritt.
Dann puffert man mit einer gesättigten Natrium- acetatlösung ab, bis die Lösung nicht mehr sauer reagiert und filtriert.
Die in diese Lösung eingebrachte Wolle färbt sich nach wenigen Minuten leuchtend gelb.