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Verfahren zur Herstellung verbesserter Quellstoffes für therapeutisehe Anwendung.
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf die Herstellung von therapeutisch wirksamen Stoffen, welche die Fähigkeit besitzen, in Wasser oder wässrigen Medien zu quellen, mindestens zum Teil unverdaulich sind und wegen ihrer besonderen Eigenschaften von hohem Wert für die Behandlung von anormalen Zuständen des Verdauungstraktes sind.
Zur Beeinflussung des Verdauungstra1. -tes ist die therapeutische Anwendung der verschiedensten quellfähigen Stoffe in Vorschlag gebracht worden, insbesondere solcher, die unverdaulich oder doch nur teilweise verdaulich sind, wie z. B. von Agar-Agar, Pektin, unlöslichen Gummiarten u. dgl. mehr.
Für die therapeutische Wirkung dieser Stoffe ist von Bedeutung, dass sie zufolge ihrer mindestens teilweisen Unverdauliehkeit bis in die untersten Darmabsehnitte gelangen.
Die vorliegende Erfindung gestattet es, Quellstoffe zu gewinnen, welche in Wasser oder wässrigen Medien gequollen, im Vergleich mit bekannten Quellstoffen, eine besonders hohe Schlüpfrigkeit besitzen und daher im Verdauungstrakt eine hervorragende Gleitwirkung ausüben, reizvermindernd und entzunaungswidng wirken.
Das Verfahren der vorliegenden Erfindung zur Herstellung von verbesserten Quellstoffen für die therapeutische Verwendung besteht im Wesen darin, dass man im wesentlichen wasserunlösliche saure Gummiarten, insbesondere Karayagummi, einer Behandlung mit alkalischen Stoffen, zweckmässig von leicht verdampfenden oder gasförmigen alkalischen Stoffen unterwirft, die so geregelt wird, dass bei Quellung des behandelten Quellstoffes mit einem reichlichen Überschuss von Wasser kein homogenes Quellungsprodukt entsteht, sondern eine nicht homogene schleimige Masse oder ein inhomogener Schleim gebildet wird, der gegebenenfalls noch eine beachtliche Menge von gequollenen Körnern enthält.
Als Versuchsprobe kann die Behandlung des durch geregelte Einwirkung von Alkalien erhaltenen Produktes mit Wasser im Verhältnis von 2 Teilen Quellstoff und 98 Teilen Wasser (2%igue Quellung) dienen ; wenn das behandelte Produkt hiebei in kurzer Zeit eine homogene Lösung bildet, wie man sie schon bisher z. B. zwecks industrieller Verwendung als Verdickungsmittel ausschliesslich zu erhalten bestrebt war, so wäre es für die therapeutische Verwendung im Sinne der vorliegenden Erfindung ungeeignet.
Als Ausgangsstoff für das Verfahren gemäss der Erfindung dient vor allem Karayagummi, auch häufig als indischer Tragant bezeichnet. Gummiarten, die unter diesem Handelsnamen im Verkehr sind, stammen ihrer botanischen Herkunft nach hauptsächlich von Stereuliaarten und Cochlospermum-
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lospermum gossypium D. C. u. a. Sie sind im wesentlichen wasserunlöslich und zeigen eine stark saure Reaktion. Kuteragummi wird als von Stereulia urens herrühend beschrieben ; doch soll unter diesem Namen gehandelter Gummi auch von Astragalusarten gewonnen werden. Auch unter der Bezeichnung Bassoragummi kommen derartige Gummiarten häufig in den Handel. Andere saure
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(vgl. Tsehirch, Handbuch der Pharmakognosie, 1912, I.
Teil, S. 405/406, und Wassicky, Lehrbuch der Physiopharmakognosie für Pharmazeuten, H., 1932, S. 839).
Die Einwirkung der Alkalien auf die Quellstoffe kann in wässriger Dispersion erfolgen. Indessen wird vorzugsweise gemäss der Erfindung der Quellstoff in trockenem oder nur schwach gequollenem
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falls in gasförmigem oder dampfförmigem Zustande unterworfen. Das Ausmass der Einwirkung der Alkalien auf den Quellstoff wird durch Einstellung der verwendeten Alkalimenge, durch die Dauer
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Augenblick durch Säurezusatz oder bei der Behandlung mit alkalischen Gasen oder Dämpfen durch gründliche Lüftung unterbrochen werden. Zweckmässig werden durch Proben die Reaktionsbedingtmgen, wie Zeit und Temperatur der vorzunehmenden Behandlung ermittelt, um einen Quellstoff zu erhalten, welcher bei Quellung in reichlichen Mengen Wasser einen inhomogenen ziigigen Sehleim, der mit gequollenen Körnern durchsetzt ist, ergibt.
Zur Durchführung des Verfahrens nach der Erfindung kann man beispielsweise so vorgehen, dass man den Quellstoff in bis zu einem geeigneten Ausmass zerkleinertem Zustand auf Sieben oder Tüehern in einem Reaktionsraum lagert, in welchem man Ammoniak oder Ammoniakabkömmlinge, wie Amine, aus wässriger oder niehtwässriger Lösung zur Verdampfung bringt. Man kann aber auch diese Stoffe von aussen als Gas oder Dampf in den Reaktionsraum einführen. Nach einer andern Arbeitsweise kann man so verfahren, dass man z. B. eine Ammoniaklösung von einem kleinen Teil des Quellstoffes aufsaugen lässt, diesen Anteil dann mit der Hauptmenge des Quellstoffes vermischt und so in der Gesamtmasse eine alkalische Atmosphäre erzeugt.
Das dampfförmige wirksame Ammoniak wird in diesem Falle von den mit Ammoniak vollgesogenen Körnern geliefert.
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Ferner kann man auch die Erfindung in der Weise ausführen, dass man die alkalisch wirkenden Substanzen in Gegenwart eines im wesentlichen nichtwässrigen Lösungsmittels auf den Quellstoff einwirken lässt. Z. B. benetzt man den trockenen Quellstoff mit einer wässrigen Ammoniaklösung, der man soviel Alkohol beigemischt hat, dass eine Quellung durch vorhandenes Wasser mindestens der Hauptsache nach verhindert wird. Nichtflüchtige Alkalien können beispielsweise in diesem letzteren Fall zur Anwendung gelangen, obgleich im allgemeinen flüchtige Alkalien bei der Durchführung des vorliegenden Verfahrens vorgezogen werden, da flüchtige Alkalien in sehr einfacher Weise nach der Behandlung durch Verdunstenlassen entfernt werden können.
Die Reaktion des Quellstoffes mit dem Alkali wird durch Wärme gefördert und beschleunigt.
Die durch Quellung dieser Produkte erhaltenen inhomogenen schleimigen Massen oder inhomogenen Schleim weisen eine auffallende Glätte und Schlüpfrigkeit auf, die aus dem nativen Quellstoff erhaltene Produkte nicht besitzen und auch die aus zur Gänze aufgeschlossenen Quellstoffen erhaltenen Lösungen nicht aufweisen.
Um optimale Wirkungen zu erzielen, hat es sich als vorteilhaft erwiesen, den Quellstoff vor oder nach der beschriebenen Behandlung nur bis zu einer Korngrösse zu zerkleinern, dass die Körner vom Sieb Nr. 70 (lichte Weite der Öffnung 0'21 mm) zurückgehalten werden. In vielen Fällen ist es besser, die Körnung noch gröber zu wählen, beispielsweise derart, dass die Körner schon durch ein Sieb Nr. 40 (lichte Weite der Öffnung 0-42 min) zurückgehalten werden.'
Die Quellstoffe sind auch nach der Behandlung gemäss der Erfindung zum Hauptteil unverdaulich und gelangen trocken oder befeuchtet per os eingenommen unter Quellung bis in die untersten Darmabschnitte. Sie zeigen ab-und adsorbierende Eigenschaften und sind besonders zur Herstellung von Laxantien, Obstipantien und anderen Mitteln für den Verdauungstrakt geeignet.
Zufolge der Schleimigkeit und Glätte der gequollenen Schleim sind sie sowohl selbst wirksam als auch als Träger für Arzneistoffe verwendbar.
Beispiel l : 10 kg gemahlener Karayagummi, der mit Sieben von einer lichten Weite von 1'1 mm bzw. 2'9 mm abgesiebt war, also eine zwischen diesen Werten liegende Korngrösse aufweist, werden in einer rotierenden Trommel auf 60-700 C erhitzt. In die Trommel wird Ammoniak, welches durch ein Gefäss mit kochendem Wasser geführt wurde, eingeleitet, u. zw. 0.3 kg Ammoniakgas während 45 Minuten. Die während dieser Zeit vom Ammoniak mitgeführte Wassermenge beträgt etwa 150 em3.
Nachdem die Reaktion beendet ist, wird das körnige Material aus der Trommel ausgetragen, worauf Luft durch das Produkt geblasen wird, um die Reste des Ammoniaks zu entfernen.
Beispiel 2 : 4 kg'gemahlener Gummi von Sterculiaarten werden unter gutem Rühren in 10 l kalten Wassers eingebracht, worauf man die Suspension sofort in 90l heisses Wasser von 80 C, die 450 cm3 konzentrierte Ammoniaklösung enthält, eingiesst. Die Flüssigkeit wird auf der angegebenen Temperatur gehalten. Die Veränderungen, welche der Gummi erleidet, werden durch Prüfung von Proben, die von Zeit zu Zeit entnommen werden, festgestellt. Nach etwa 4stündiger Behandlung kann in der Regel die Einwirkung des Alkalis beendet werden, indem unter Rühren eine 10% ige Milchsäure- lösung zugesetzt wird, bis die Mischung eine saure Reaktion gegen Lakmus zeigt. Das Wasser wird sodann durch sorgfältiges Trocknen im Vakuum entfernt.
Beispiel 3 : 4 kg Kuteragummi, der deutlich saure Reaktion zeigt, wird mit 10l kaltem Wasser, in welchen 200 g Trinatriumphosphat gelöst sind, gemischt. Nach etwa 12stündigem Stehen wird die gebildete inhomogene schleimige Masse mit Zitronensäure versetzt, bis die Reaktion schwach sauer ist. Die schleimige Masse wird vorsichtig getrocknet und gemahlen.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung verbesserter Quellstoffe für therapeutische Anwendung, dadurch gekennzeichnet, dass man im wesentlichen wasserunlösliche saure Gummiarten, insbesondere Karayagummi, einer Behandlung mit alkalischen Stoffen, zweckmässig leicht verdampfenden oder gasförmigen alkalischen Stoffen, unterwirft, die so geregelt wird, dass bei Quellung des behandelten Quellstoffes mit einem reichlichen Überschuss an Wasser kein homogenes Quellungsprodukt entsteht, sondern eine nicht homogene schleimige Masse oder ein inhomogener Schleim gebildet wird, der gegebenenfalls noch eine beachtliche Menge von gequollenen Körnern enthält.