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Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung von Filmkopien, bei denen auf demselben Film kinematographische Bildaufzeichnungen und photographisehe Tonaufzeichnungen aufgebracht sind. Solche Filme werden stets zur Vorführung von Tonbildfilmen in Kinotheatern verwendet, da das Vorhandensein von Bild und Ton auf demselben Film viele praktische Vorteile mit sich bringt. Gewonnen werden diese Filme nach der zur Zeit geltenden Praxis von zwei getrennten Negativen, von denen eines den Ton und das andere das Bild enthält. Für die Verwendung getrennter Filme für Bild und Ton zur Aufnahme war nicht nur eine ganze Reihe betriebstechnischer Bedingungen massgebend, sondern vor allem eine wichtige photographische Bedingung.
Wenn nämlich beim Positiv Bild und Ton gemeinsam auf derselben Schicht aufgebracht sind, wie dies zur Zeit in der Praxis stets der Fall ist, so unterliegt sowohl das Bildpositiv als auch das Tonpositiv derselben Entwicklungsbedingung.
Da aber zwischen Bildpositiv und Bildnegativ andere Schwärzungsbeziehungen vorgeschrieben sind als zwischen Tonpositiv und Tonnegativ, so musste man, um diese verschiedenen Bedingungen erfüllen zu können, Bild-und Tonnegativ trennen. Um die Bedingungen aufstellen zu können, die jeweils das Positiv in bezug auf das ihm zugeordnete Negativ zu erfüllen hat, wurde der Begriff der Steilheit der Schwärzungskurve eingeführt. Zahlenmässig ausgedrückt wird diese Steilheit bekanntlich durch den Tangens des Winkels, den der geradlinige Teil der Schwärzungskurve mit der Abszissenachse macht, im folgenden, wie üblich, Gamma genannt.
Nun gilt, um eine verzerrungsfreie Wiedergabe von Tonaufzeichnungen zu erfüllen, die Bedingung Gammaaufnahme mal Gammawiedergabe gleich 1, wobei unter Gammaaufnahme dasjenige
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Charakteristika aufweisende lichtempfindliche Schichten enthält. Man hat zwar solche Filme mit mehreren Schichten, die auch verschiedene Empfindlichkeiten aufweisen, für Aufnahmezwecke vorgeschlagen, doch erfüllten sie in diesen früheren Vorschlägen nicht die erfindungsgemäss erstrebten Vorteile, da dort der Kopier- und Entwicklungsvorgang des Positivs unberücksichtigt blieb.
Die Bedingung, die man nach der Erfindung an die einzelnen lichtempfindlichen Schichten zu stellen hat, sind folgende :
Die Schichteigenschaften für das Ton-und Bildpositiv müssen so gewählt sein, dass in der Entwicklungszeit, welche erforderlich ist, um das Bildpositiv entsprechend der Gammabedingung für das Bild richtig zu entwickeln, die Positivschicht für den Ton anderseits eine solche Gammawiedergabe ergibt, dass das Gammaprodukt für Tonnegativ und Tonpositiv gleich 1 ist.
Aus den zur Zeit vorhandenen vielen lichtempfindlichen Schichten ist es, wenn einmal die erfindungsgemässe Lehre gegeben ist, jedem Sachverständigen möglich, die entsprechende Wahl zu treffen, dies ist um so leichter, als die wichtigsten Daten für die handelsüblichen Filmsorten von den
Erzeugern der Rohfilme leicht erhältlich sind und auch in Prospekten u. dgl. angegeben werden.
Als Ausführungsbeispiel zur Anwendung des erfindungsgemässen Verfahrens sei folgendes angegeben :
Es liegt ein Bildnegativ vor mit einer Gammaaufnahme gleich 0'9 und ein Tonnegativ mit einem Ultrakurzzeitgamma gleich 0'6. Für die Tonaufzeichnungen muss gelten, dass 0'6mal Gammawiedergabe gleich 1 ist, d. h. die Gammawiedergabe muss gleich 1-7 sein. Nachdem aber die Gammawiedergabe für das Bild, um'dieses richtig zu entwickeln, 1-67 sein soll, kann man in diesem Falle, wie bisher üblich, für Bild-und Tonpositiv die gleichen Schichten oder auch eine gemeinsame Schicht mit einem Gamma von 1'7 verwenden. Man kann in diesem Falle für das Positiv z.
B. eine Schicht von den Eigenschaften des bekannten Agfapositivfilms benutzen.-
Würde aber das Ultrakurzzeitgamma eines andern Tonnegativs beispielsweise 2'0 sein, ein
Fall, der in der Praxis vorkommt, so müsste die Gammawiedergabe für die Tonaufzeichnungen gleich
0-5 sein, obwohl die Gammawiedergabe für das Bild gleich 1'7 bleibt. Diesen Bedingungen kann man für die Tonaufzeichnungen offenbar nur mit einer sehr flach arbeitenden Emulsion entsprechen ; als solche kommt z. B. eine Schicht mit den Eigenschaften des bekannten Agfa T. F. 3 in Betracht.
Liegt aber ein Tonnegativ mit einem Ultrakurzzeitgamma von 0'4 vor, so muss die Gamma- wiedergabe des Tonpositivs 2-5 sein. Es ist klar, dass man dieser Forderung nur durch Wahl einer
Positivschicht für die Tonaufzeichnungen entsprechen kann, die erheblich in ihren Eigenschaften von der Positivschicht für das Bild abweicht. Es kommt eine Schicht, ähnlich Agfa T. F. 4 in Frage, vorteilhaft mit noch grösserem Gamma.
Die angegebenen Beispiele stellen natürlich nur einige wenige Fälle vor, die der Praxis ent- nommen sind. Es ist nach den erfindungsgemässen Angaben leicht, die entsprechenden Schichten für das Positiv in allen andern Fällen bei gegebener Gammaaufnahme zu ermitteln.
Die Durchführung des Herstellungsverfahrens von Kopien nach der Erfindung kann nun in verschiedener Weise geschehen. Der Kopiefilm kann mit zwei Schichten versehen sein, je eine auf Vorder-und Rückseite des Films. Die Eigenschaften der lichtempfindlichen Schichten sind in der oben auseinandergesetzten Weise passend gewählt. Beim Kopierverfahren wird zunächst die eine
Aufzeichnungsreihe, z. B. die Bildaufzeichnungen, exponiert, dann die andere, also die Tonaufzeichnungen.
Damit beim Exponieren jeweils nur die richtige Schicht vom Kopierlicht getroffen wird, bringt man zwischen die beiden Schichten eine für andere Zwecke bekannte,. lichtabsorbierende Schicht an, wie es beispielsweise bei lichthoffreien Filmen geschieht.
Da bekanntlich bei der Tonwiedergabe eine feine Lichtlinie in einer bestimmten Abbildungsebene den Film abtastet, ist es vorzuziehen, den Wieder- gabefilm in der bisher üblichen Weise durch den Wiedergabeapparat laufen zu lassen, also mit der die Tonreihen tragenden Schicht in derselben Lage zur Tonoptik wie bisher. Da die die Bilder tragende
Schicht sich erfindungsgemäss auf der entgegengesetzten Seite des Films befindet und man beim Kopier- vorgang der Bilder der Bildgüte wegen ungerne durch die Zelluloidschicht hindurch kopieren wird, ist es erfindungsgemäss wichtig, die Bildreihen seitenverkehrt zu kopieren. Um dies zu erreichen, kann man alle für diesen Zweck bekanntgewordenen Mittel, Umkehrprismen und ähnliches benutzen.
Sieht man von einem seitenverkehrten Kopieren ab, so befinden sich bei der Wiedergabe der
Tonaufzeichnungen, wenn die Bildreihen seitenrichtig projiziert werden, die Tonaufzeichnungen auf der der üblichen Lage entgegengesetzten Seite. Man wird dann an der Tonoptik des Wiedergabeapparates eine einfache Einstellvorrichtung anbringen, um das optische System der Tonabtastvorrichtung auf die richtige Abbildungsebene einzustellen. Die Tonabtastung erfolgt jetzt durch die durchsichtige Zelluloidschieht hindurch, was ja eine Änderung des optischen Weges bedeutet. Die genannte Einstell- vorrichtung erlaubt es, im selben Wiedergabeapparat wahlweise übliche Tonbildfilme und nach der vorliegenden Erfindung hergestellte, wiederzugeben.
Eine zweite Ausführungsform des Kopierverfahrens nach der Erfindung ist folgende :
Die zwei verschiedenen Schichten werden auf der gleichen Seite des Positivfilms angebracht.
Sie sind getrennt durch eine Schicht, die für Licht einer bestimmten Farbe, z. B. rot, undurchlässig, für eine andere Farbe, z. B. blau, aber durchlässig ist. Die beiden Schichten sind nun in ihren licht-
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empfindlichen Eigenschaften so gewählt, dass die erste Schicht beispielsweise rot empfindlich ist, während die zweite Schicht beispielsweise für blaues Licht empfindlich ist. Man kopiert nun mit einem
Kopierlicht von entsprechender Farbe, z. B. rot, eine Art von Aufzeichnungen, beispielsweise die Ton- aufzeichnungen auf die erste Schicht, die in unserem Beispiel rot empfindlich ist ; die darunterliegende
Schicht wird bei diesem Kopiervorgang nicht beeinflusst.
Sodann kopiert man mit einem entsprechend anders gewählten Kopierlicht die andere Art der Aufzeichnungen, also die Bilder, auf die zweite Schicht durch die erste Schicht und die Sperrschicht hindurch. Auf diese Weise erreicht man, dass Bild-und Tonaufzeichnungen auf getrennten Schichten kopiert werden, deren Gradationseigenschaften erfindungsgemäss gewählt werden.
Für den Kopiervorgang nach dem eben auseinandergesetzten Verfahren kann man auch alle in der Farbenkinematographie bekannt gewordenen Methoden verwenden. Man kann also beispielsweise, nachdem die eine Aufzeichnungsart kopiert worden ist, eine Entwicklung dieser Aufzeichnungen durchführen, wobei die für die zweite Aufzeichnungsart reservierte Schicht gegen den Entwicklungvorgang in bekannter Weise durch passende Schutzschichten geschützt ist. In einem zweiten Kopiervorgang kann man dann nach Entfernen der Schutzschicht die andere Aufzeichnungsart aufbringen.
Auch ist es möglich, die verschiedenen Schichten mit Eigenschaften, wie sie nach der vorliegenden Erfindung entsprechend den Negativen zu fordern sind, zeitlich nacheinander auf das Filmband aufzubringen, wobei die erstaufgebrachte Schicht kopiert, entwickelt und fertiggemacht wird und nach diesen Vorgängen eine zweite und weitere Schichten aufgebracht, kopiert und fertiggemacht werden.
In diesem Falle erübrigt sich die Verwendung von Schichten mit besonderer Lichtempfindlichkeit und die Verwendung Kopierlichtes verschiedener Farbe.
Im folgenden soll noch an Hand einiger Figuren die Erfindung veranschaulicht werden.
Fig. 1 zeigt einen Querschnitt durch eine Film'kopie, wie sie für die Erfindung verwendet werden soll. 1 ist der Zelluloidträger der Aufzeichnungen, 2 die auf der Vorderseite des Trägers aufgebrachte Schicht, die an der Stelle 3 die Tonaufzeichnungen kopiert enthält, 4 ist die zweite, auf der Rückseite von 1 aufgebrachte Schicht, die an der Stelle 5 die Bildreihen aufkopiert enthält, 6 ist eine trennende, lichtundurchlässige Schicht.
Fig. 2 zeigt ein Bildnegativ 11, weiches die Bilder 12 enthält. Ferner ein Tonnegativ 13 mit den Tonaufzeichnungen 14. 15 ist das Positiv, auf welchem die Tonschrift 16 in üblicher Weise aufkopiert ist, die Bildreihe 17 enthält die Bilder 18 seitenverkehrt auf die gegenüberliegende zweite Schicht aufkopiert.
In Fig. 3 ist ein Querschnitt durch einen Positivfilm dargestellt, wobei die beiden Schichten auf der gleichen Seite des Zelluloidträgers 21 sieh befinden. 22 ist die erste Schicht, die hier an der Stelle 23 die Bildreihen trägt, 24 ist eine Schutzschicht mit selektiven Absorptionseigenschaften, 25 ist die zweite Schicht, die an der Stelle 26 die Tonaufzeichnungen enthält.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von Filmkopien, bei denen auf demselben Film kinematographische Bildaufzeichnungen und photographische Tonaufzeichnungen aufgebracht sind und bei denen ein Kopiefilm verwendet wird, der zwei oder mehrere auf demselben Film aufgebrachte verschiedene Charakteristika oder verschiedene Farbenempfindlichkeit aufweisende, lichtempfindliche Schichten enthält, dadurch gekennzeichnet, dass für das Bildpositiv die für den gegebenen Fall zweckmässige lichtempfindliche Schicht (z. B. Agfapositiv) gewählt wird, für das Tonpositiv aber eine lichtempfindliche Schicht mit solcher Charakteristik, dass sie in der für das Bildpositiv erforderlichen Entwicklungszeit mit einer grösseren (z. B. Agfa T. F. 4) oder kleineren (z. B. Agfa T.
F. 3) Gammawiedergabe entwickelt werden kann, damit bei einer beliebigen vorhandenen Gammaaufnahme des Tonnegativs der Bedingung Gammaprodukt (Gammaaufnahme mal Gammawiedergabe) gleich 1 entsprochen werden kann.