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Es wurde schon vorgeschlagen, zur Erzeugung von Crêpon-Effekten in losem Zustand mercersiertes und nicht mercerisiertes Baumwollgarn miteinander zu verweben und derartige Gewebe mit Mercerisierlauge ohne Spannung zu behandeln. Dabei schrumpft das nicht mercerisiert Garn, während das mercerisiert Garn unverkürzt bleibt und dadurch wellenartige Erhöhungen und Vertiefungen auf dem Gewebe bildet. Dieses alte Verfahren ergibt nur unvollkommene Effekte.
Der Erfindung liegt die allgemeine Aufgabe zugrunde, solche kreppartigen Effekte in verbesserter Ausführung auf Geweben oder Gewirken pflanzlicher Herkunft durch Einwirkung von schrumpfenden
Quellungsmitteln zu erzeugen, u. zw. soll dies erfolgen durch die Vereinigung in den Geweben von zweierlei Garn, nämlich solchem Garn, das auf die Schrumpfungsmittel reagiert, und anderm Garn, das gegen das Sehrumpfungsmittel unempfindlich ist.
Gegenstand der Erfindung ist eine besonders vorteilhafte Ausführungsform dieses allgemeinen Verfahrens, bei der Flächengebilde, enthaltend vorbehandeltes Garn und rohes, mit den natürlichen Inkrustationen behaftetes Garn, einer Behandlung unterworfen werden, die sich bezüglich der chemischen Textilveredlung als ein einstufiges darstellt. Das durch Verwendung dieser verschiedenartigen Garne hergestellte Mischgewebe soll hiebei mit schrumpfen wirkenden Quellungsmitteln im losen Zustand behandelt werden, und hiemit ist das Verfahren im wesentlichen beendet. Die besondere Wirkung, nämlich der kreppartige Effekt, ergibt sich daraus, dass das mitverwendete vorbehandelte Garn auf das Schrumpfungsmittel reagiert, während das mit den natürlichen Inkrustationen behaftete Garn dies nicht tut.
Bei einem vorbekannten Verfahren dieser Art wurde anschliessend an den mechanischen Vorgang der Herstellung eines Mischgewebes ein zweistufiges chemisches Veredlungsverfahren angewendet, darin bestehend, dass das Mischgewebe zunächst einer Pergamentierbehandlung und dann erst einer Schrumpfungsbehandlung unterworfen wurde. Der Effekt beruhte hier darauf, dass das Mischgewebe aus Baumwolle und Kunstseide bestand. und Kunstseide auf Pergamentiermittel bekanntlich anders reagiert als Baumwolle, indem nämlich die vorgeschriebene Pergamentierbehandlung mit Schwefelsäure unter 500 Bé nur die Kunstseide angreift, nicht dagegen die Baumwolle, die bekanntlich Pergamentiersäure von über 500 Bé erfordert.
Erst durch diese erste Stufe der Behandlung wurde also ein Mischgewebe erzeugt, das mit der gleichen Wirksamkeit der Schrumpfungsbehandlung unterworfen werden konnte wie das Gewebe gemäss der Erfindung, aber mit der Wirkung, dass die mitverwendete Baumwolle der Schrumpfung unterlag, während die vorher pergamentierte Kunstseide durch die Lauge nicht mehr angreifbar war und demgemäss keine Kontraktion aufwies.
Der wesentliche technologische Vorteil des neuen Verfahrens gegenüber dem bekannten liegt offenbar in der einstufigen Durchführung, durch die die früher notwendige Vorbehandlung erspart wird.
In der gleichen Richtung der Vereinfachung und Verbilligung wirkt sieh die durch das neue Verfahren gegebene Möglichkeit aus, statt von einem Mischgewebe aus Kunstseide und Baumwolle, von einem einheitlich baumwol1enen Gewebe ausgehen zu können.
Der durch die Einwirkung der schrumpfen wirkenden Quellungsmittel gemäss der Erfindung entstehende kreppartige Effekt wirkt sieh in verschiedenartigster Weise aus, je nachdem die rohen Effektzwirne im Gewebe verteilt sind. Beispielsweise kann das Rohgarn Streifen oder Karos bilden.
Auch andere Flächengebilde als Gewebe, d. h. beispielsweise Wirk-und Strickwaren, Geflechte usw.,
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welche aus vorbehandelten und rohen pflanzlichen Garnen zusammengesetzt sind, können in derselben
Weise veredelt werden.
Das vorbehandelte Garn mag nach der üblichen Verfahrensweise aufgeschlossen worden sein, also durch Brühen, Buchen, Bleichen od. dgl. Nach erfolgter Schrumpfung kann das Gebilde in beliebiger Weise, sei es durch Bleichen, Färben, Appretieren od. dgl., weiterbehandelt werden. Durch Färben können Ton-in-Ton-Effekte erhalten werden, indem die vorbehandelte, mereerisierte Faser gegenüber der Rohfaser erhöhtes Farbstoffaufnahmevermögen aufweist.
Der Schrumpfungsvorgang kann mit Hilfe der dem Textilveredler bekannten schrumpfen wirkenden Quellungsmittel vollzogen werden. Trachtet man danach, einen sehr ausgeprägten CrêponEffekt zu erhalten, so wird vorteilhaft Alkalilauge von Mercerisationsstärke verwendet.
Eigenartige und mannigfaltige Wirkungen lassen sich erzielen, wenn man dieses Verfahren mit dem üblichen Reservedruckverfahren kombiniert. Beispielsweise wird das erfindungsgemäss aus vorbehandeltem und rohem Baumwollgarn zusammengesetzte Gewebe mit einer Gummireserve örtlich bedruckt und nach dem Troeknenlassen in losem Zustand mercerisiert. Die durch die Reserve geschützten
Garne bleiben unverändert, so dass diese Partien sich als gemusterte Effekte abheben.
Das Verfahren soll vorzugsweise auf baumwollhaltigen Flächengebilden ausgeführt werden.
Es können aber auch alle andern natürlichen Faserstoffe pflanzlicher Herkunft in der beschriebenen Weise veredelt werden. Es ist dabei gleichgültig, ob das Flächengebilde eine bestimmte Faserart allein oder gemischt mit andern Faserarten enthält.
Ausführungsbeispiele :
1. Baumwollmusseline, deren Grund aus vorgebeuchtem Garn besteht und worin Effektzwirne aus rohem Baumwollgarn streifenartig eingewebt sind, wird mit Natronlauge von 370 Bé imprägniert, abgepresst und während drei Minuten in ungespanntem Zustand bei Raumtemperatur belassen.
Anschliessend wird heiss ausgewaschen, abgesäuert und in üblicher Weise schonend gebleicht. Zum Schluss wird in losem Zustand getrocknet.
Die Wirkung macht sich erkenntlich durch wellenartige Erhebungen des Effektzwirnes, die dem Gewebe einen kreppartigen Charakter verleihen.
2. Musseline aus gebeuehter Baumwolle, enthaltend einzelne in Kette und Schuss karoartig eingewebte rohe Baumwollgarne, wird mit einer Gummireserve örtlich bedruckt. Nach dem Trocknen der Reserve wird das Gewebe entsprechend Beispiel 1 mercerisiert, ausgewaschen (wodurch auch die Reserve entfernt wird) und fertiggestellt.
Die Reservepartien heben sich als Musterungen vom karoartig gemusterten Fond ab.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Erzeugung von Crepon-Effekten auf Flächengebilden aus pflanzlichen Faserstoffen durch Einwirkung von schrumpfen wirkenden Quellungsmitteln, dadurch gekennzeichnet, dass Flächengebilde, enthaltend vorbehandeltes Garn und rohes, mit den natürlichen Inkrustationen behaftetes Garn, in losem Zustand behandelt werden.