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Verfahren zur Herstellung von Musterungen auf textilen Flächengebilden aus pflanzlicher Faser.
Es ist bekannt, Gewebe und ähnliche textile Gebilde aus pflanzlichen Fasern, wie Baumwolle, Leinen usw., derart mit Musterungen zu versehen, dass ein schrumpfend wirkendes Queltungsmittel auf dem Wege des Reservedruckes oder des direkten Aufdruckes nur örtlich zur Einwirkung auf dieses Gewebe gebracht wird. Durch die so hervorgerufene Schrumpfung einzelner Gewebepartien entstehen Effekte, die je nach Grösse und Art des aufgedruckten Musters creponartig oder beulenfiirmig in Erscheinung treten.
Es ist weiterhin bekannt, Musterungen auf cellulosehaltigen Textilien durch örtliche Behandlung mit pergamentiarend wirkenden Quellungsmitteln zu erhalten. Auch diese Effekte können auf dem Wege des Reservedruckes und des direkten Aufdruckes erhalten werden.
Unter Einwirkung von Quellungsmitteln ist in diesem Zusammenhang eine Behandlung zu ver-
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eindringt, als dies bei Wasser oder verdünnten wässerigen Lösungen der Fall ist. Quellmittel sind demgemäss alle solche Behandlungsbäder, die eine erhebliche Beeinflussung der Cellulose bewirken, also z. B. Mlere3rMerlaugen, Schwefelsäure höherer Konzentration, konzentrierte Chlorzinklösungen, konzentrierte Calcium-Rhodanid-Lösungen, Kupferoxyd-Ammoniak u. a. 111. Ein solches Quellmittel bewirkt je nach den Behandlungsbedingungen entweder eine Schrumpfung oder eine Pergamentierung der Cellulosefasern. Von Pergamentierung spricht man dann, wenn die Cellulosefasern teilweise aufgelöst oder wenigstens angelöst werden und so ihre Verklebung erfolgt.
Eine Schrumpfung dagegen tritt dann ein, wenn die Fasern infolge ihrer Quellung (Flüssigkeitsaufnahme) sich in der Breite ausdehnen und dafür eine Längskontraktion erleiden.
Es wurde nun gefunden, dass überraschende neue und wertvolle Ergebnisse erhalten werden, wenn als Ausgangswnstoff für die an erster Stelle beschriebene Veredlungsbehandlung mittels örtlicher Einwirkung schrumpfend wirkender Mittel ein Gewebe verwendet wird, das bereits Musterungen von der an zweiter Stelle beschriebenen Art aufweist. Man druckt beispielsweise entsprechend dem im britischen Patent Nr. 439749 beschriebenem Verfahren mit Cellulose verdickte und Formaldehyd enthaltende Calcium-Rhodanid-Lösung auf ein Baumwollgewebe, entwickelt, wäscht und trocknet unter Spannung. Man erhält so ein Gewebe, das ein prgamentiertes Muster auf einem unveränderten Grund enthält.
Bedruckt man nun das so behandelte Gewebe mit einer Reserve und behandelt es darauf mit Natronlauge in losem Zustand, so erhält man den gewünschten neuartigen Kombinationseffekt.
E, i : t hiebei wichtig, dass die beiden mittels Rhodanid und Natronlauge erzielten Musterungen sich teilweise überdecken, ohne aber ganz zusammenzufallen. Würden sich nämlich die beiden Musterungen überhaupt nicht überdecken, so entstände ein Effekt, der sich nur aus der Summe der Einzeleffekte zusammensetzt, wobei die beiden Effekte sich gegenseitig kaum beeinflussen. Ordnet man die Musterungen jedoch so an, dass das durch Aufdruck von Natronlauge im zweiten Arbeitsgang hervorgebrachte Muster sich über pergamentierte und unpergamentierte Gewebestellen erstreckt, so erhält man die gemäss der Erfindung hervorzubringenden neuen Wirkungen. Dies kann in einfacher Weise z.
B. so geschehen, dass über ein beliebiges Muster von Transparentcharakter verdickte Natronlauge in Form von regelmässigen, nahe beieinanderiiegenden Streifen, Punkten, Karos oder ähnlichen einfachen
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hervorgebracht wird. Unter Anwendung besonderer Vorsichtsmassregeln könnten allerdings auch die beiden Musterungen denselben Rapport besitzen und aufeinander abgestimmt sein.
Das erfindungsgemässe teilweise Übereinanderfallen der mittels pergamentierender und schrumpfender Mittel hergestellten Musterungen wirkt sich vorteilhaft in zwei verschiedenen Richtungen aus, u. zw. einmal bezüglich des erzielten Effektes und zum andern in technologische Beziehung. Der neue Effekt äussert sich in einem stark ins Auge fallenden eigenartigen Musterbild, das dadurch zustande kommt, dass die bereits pergamentierten Stellen des Gewebes der Wirkung des Schrumpfmittels insofern widerstehen, als sie sich kaum merklich zusammenziehen, während die nicht pergamentierten Stellen, sofern sie der Wirkung des Schrumpfmittels ausgesetzt werden, um 10% und mehr schrumpfen können.
Anderseits kann man durch das neue Verfahren einen weiteren Effekt erzielen, den zu erzielen es bisher nicht möglich war, nämlich den, dass das durch Aufdruck von Natronlauge im zweiten Arbeitsgang hervorgebrachte Muster sich über pergamentierte und unpergamentierte Gewebestellen erstreckt.
Hiedurch können die mittels des Schrumpfmittels erzeugten Musterungen dem Auge erkennbar durch das ganze Gewebe fortgesetzt werden, die in den pergamentierten Stellen jedoch einen andern
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er scheint vielmehr schattenhaft. Dennoch kann er unter geeigneten Voraussetzungen erheblich zur Belebung des Musterungsbildes b@itragen. Wesentlich ist aber, dass er durch geeignete Leitung des
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sächlich in Richtung der Vereinfachung des verhältnismässig komplizierten Druekvorganges. Da für die Aufbringung zweier verschiedener Musterungen zwei aufeinanderfolgende Verfahrensgänge erforder- lieh sind, würde es ausserordentlich schwer werden, die beiden Muster in ein vollständiges Register zu bringen.
Durch die Massnahme, dass die Musterungen einander teilweise überdecken, wird diese Schwierigkeit ohne weiteres überwunden. Ausserdem entfällt die Notwendigkeit der gegenseitigen An-
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benutzt werden können.
Besonders ausgeprägte Wirkungen erhält man, wenn man die so behandelten Gewebe durch Überfärben noch weiterhin veredelt. Durch die Pergamentierungs- und Schrumpfungsbehandlungen erhalten die pflanzlichen Fasern veränderte färberische Eigenschaften, meist im Sinne einer Steigerung der Farbaffinität. Man erhält infolgedessen Ton-in-Ton-Effekte, gegebenenfalls in vierfacher Abstufung, indem sich die nicht behandelten, pergamentierten, geschrumpften und schliesslich noch die mit Per- gamentierungsmittel und Sehrumpfungsmittel zugleich behandelten Teile verschieden anfärben können.
Es ist klar, dass sich erfindungsgemäss die verschiedensten Transparent-oder Pergamentierdessins mit den verschiedensten durch Schrumpfung hervorgebrachten Musterungen kombinieren lassen, sofern sich diese gegenseitig teilweise überdecken und so zur Entstehung der oben geschilderten
Effekte Anlass geben. Auf alle Fälle werden die nicht geschrumpften Teile des Gewebes crêponartige oder beulenförmige Erhebungen und Ausbuchtungen bilden, die geschrumpften Teile ein dichteres
Aussehen zeigen und so zur Entstehung der mannigfaltigsten optischen Kontraste neben der wellen- artigen Wölbung der Oberflache Anlass geben.
Ausführungsbeispiele :
1. Ein Baumwoll-Mousselin-Gewebe, mercerisiert und gebleicht, wird mit einer Gummireserve bedruckt, darauf durch Schwefelsäure von 550 Bé und 10 C während zirka 7 Sekunden hindurch- geführt und dann kalt ausgewaschen und unter Spannung getrocknet. Das so behandelte Gewebe wird nun mit einer weiteren Gummireserve bedruckt, die ein vom ersten Dessin verschiedens, mit diesem teilweise zusammenfallendes Muster darstellt. Darauf behandelt man das Gewebe mit Natronlauge von Merc3riierstärke ohne Spannung, überlässt es einige Minuten sieh selbst und wäscht heiss aus.
Nach dem üblichen Absäuern und Auswaschen wird das Gewebe unter möglichst geringer Spannung getrocknet.
Man erhält so ein Gewebe, das ein transparentes Muster auf nicht transparentem Grund (oder um- gekehrt) enthält und in dem die nicht transparenten und nicht geschrumpften Stellen einerseits und die transparenten Stellen anderseits in verschiedener Weise beulen-und wellenförmige Erhebungen bilden.
2. Ein mercarisiertes und gebleichtes Baumwoll-Mousseline-Gewebe wird entsprechend dem im britischen Patent Nr. 439749 beschriebenen Verfahren mit einer Paste bedruckt, die 710 g Calcium- rhodanid, 106 g Wasser, 22 < /Viscoseseidenabfälle und 162 g technisches Formaldehyd enthält, bei zirka 1000 C getrocknet, durch eine auf 120 C erhitzte konzentrierte Chlorcalciumlösung während
15 Sekunden hindurchgeführt, ausgewaschen und unter Spannung getrocknet. Hierauf wird wie bei
Beispiel 1 eine Gnmmireserve aufgedruckt, mit Natronlauge von Mercerisierstärke geschrumpft, aus- gewaschen und fertiggestellt. Man erhält einen ähnlichen Effekt wie bei Beispiel 1.
3. Entsprechend der im französischen Patent Nr. 794036 gegebenen Anweisung bedruckt man ein mercerisiertes ungebleichtes Baumwoll-Mousselin-Gewebe mit einer Masse, die aus 69 Teilen Zinkchlorid,
31 Teilen Wasser und 2'1 Teilen Viseoseseidenabfällen zusammengesetzt ist. Nach dem Trocknen bei zirka 100 C wird das Gewebe ausgewaschen und unter Spannung getrocknet. Man druckt darauf mit einer aus zirka 320 Bé starker Natronlauge durch Verdicken mit British Gum hergestellten Druck- paste ein nur teilweise mit dem ersten Muster zusammenfallendes Dessin auf, lässt das Gewebe 3 bis
10 Minuten lose liegen und stellt das Gewebe in der in Beispiel l angegebenen Weise fertig.
Weitere Beispiele lassen sich aus den angegebenen so herleiten, dass die Pergamentierungs- behandlung des einen mit der Schrumpfbehandlung des andern in beliebiger Weise kombiniert wird.