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Verfahren zur Herstellung von Mischgarn.
Es wurde bisher immer als sehr störend empfunden, dass Garne aus Flachs im Gewebe einen harten Griff ergeben, und dass Gewebe aus Flachsgarnen starke Knitterbildung zeigen. Ein weiterer Nachteil der Leinengewebe war die schlechte Wärmeisolierung. Bisher war es nicht gelungen, diese Nachteile des Leinens auszuschalten, und die Verwendung von Flachs in der Textilindustrie blieb daher auf ein verhältnismässig kleines Gebiet beschränkt.
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung eines Leinenmischgarnes ; dem Flachs werden Kunstspinnfasern zugemischt und aus der Mischung nach dem Verfahren der Flachs- und Flachswergspinnerei ein Garn mit hohem Glanz und grosser Weichheit und Gesehmeidigkeit erzeugt, das gegen- über reinen Flachsgespinsten gut wärmeisolierend ist und überraschende Knitterfestigkeit zeigt. Es hat sich gezeigt, dass Mischgarne aus Flachs und Kunstspinnfaser gegenüber Garnen aus reinem Flachs neben einem bedeutend höheren Glanz einen helleren Farbton besitzen, so dass sieh in vielen Fällen ein Bleichen der Garne erübrigt.
Während Garne aus Flachs nur geringe Dehnung besitzen, haben Mischgarne aus Flachs und
Kunstspinnfasern gute Dehnung, was für die Weiterverarbeitung des Garnes von grösstem Vorteil ist.
Gemäss der Erfindung werden Kunstspinnfasern in einer Mischung mit Flachs auf Flachsspinnereimaschinen verarbeitet ; es ist noch nicht bekannt und es konnte nicht erwartet werden, dass Flachsfasern, die imAufbau und in der Struktur von den Kunstspinnfasern sehr verschieden sind und bedeutend gröbere Einzelfasern aufweisen, sich gemeinsam mit Kunstspinnfasern in der angegebenen Weise verarbeiten lassen.
Die Mischung kann in dreifacher Weise durchgeführt werden : man vermischt entweder die Kunstspinnfasern mit Flachs vor der Verarbeitung auf der Krempel, oder man bearbeitet die Kunstspinnfasern auf einer Krempel getrennt und lässt das Kardenband dem Flachsstreckband auf einer Strecke in dem gewünschten Mischungsverhältnis zulaufen, oder man mischt Kunstspinnfaserkammzug oder ein durch Reissen hergestelltes verzugsfähiges Faserband dem Flachband auf einer Strecke zu.
Für das Feinspinnen von Mischgarn aus Flachs und Kunstspinnfasern gibt es zwei Wege, die je nach dem gewünschten Charakter des Garnes eingeschlagen werden können, u. zw. das Nass-und das Trockenspinnverfahren.
Beim Nassspinnen von Flachs wird meist so vorgegangen, dass man das Vorgarn durch einen mit heissem Wasser gefüllten Trog laufen lässt, wodurch es für das Fertigspinnen aufgeschlossen wird. Eine derartige Behandlung wäre für die Kunstspinnfaser in unvermisehtem Zustand schädlich, da diese in nassem Zustande keine genügende Festigkeit besitzt, um die hohe mechanische Beanspruchung beim Verziehen auf einem Streckwerk und beim Aufwickeln auf eine Spinnspule zu ertragen. In Vermischung mit Flachs können die Kunstspinnfasern nach dem Nassspinnverfahren zu feinen Garnnummern verarbeitet werden. Nach diesem Verfahren werden glatte Garne erzielt.
Will man Mischgarne aus Flachs und Kunstspinnfasern mit wolligem Charakter erzeugen, so wird die Mischung aus Flachs oder Flachswerg mit Kunstspinnfasern auf der Trockenspinnmaschine verarbeitet. Es entsteht dabei ein rauhes Garn, das vor allem durch eine aussergewöhnliche Weichheit ausgezeichnet ist. Es ist bemerkenswert, dass auf der Trockenspinnmaschine die Mischungen aus Flachs bzw. Flachswerg und Kunstspinnfasern zu feinen Nummern ausgesponnen werden können, während im allgemeinen Flachs auf dieser Maschine nur zu groben Garnen ausgesponnen werden kann. Diese hohe
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Ausspinnfähigkeit einer Flachs-Kunstseidenfaser-Mischung rührt von den dem Flachs zugemischten
Kunstspinnfasern her, die sehr fein sind und eine ausgezeichnete Spinnfähigkeit besitzen.
Die hohe Ausspinnfähigkeit von Kunstspinnfasern gestattet auch die Verarbeitung von Mischungen aus Flachswerg und Kunstspinnfasern auf der Nassspinnmaschine, wodurch Garne erreicht werden, die eine etwas rauhere Oberfläche erhalten als im Nassspinnverfahren hergestellte Mischgarne aus Flachs und Kunstspinnfasern.
Ein Mischgarn, das glatter ist als das im Trockenspinnverfahren und wolliger als das im Nassspinnverfahren hergestellte, kann in der Weise erzeugt werden, dass man ein Vorgarn aus Flachs und ein Vorgarn aus Kunstspinnfasern auf dem Streckwerk der Nassspinnmaschine zusammenlaufen lässt und dabei das Flachsvorgarn wie üblich durch den mit heissem Wasser gefüllten Trog führt, das Kunstspinnfaservorgarn jedoch von der Aufsteckspule direkt dem Streckwerk zuleitet, so dass sich eine Mischung aus nassem aufgeschlossenen Flachs und trockener Kunstspinnfaser ergibt. Diese Mischung wird dann verstreckt und zu Garn versponnen.
Die neuen Mischgarne haben gegenüber Garn aus reinem Flachs ein weit grösseres Verwendunggebiet, insbesondere zur Herstellung von Kleiderstoffen, die gegenüber Leinengeweben grössere Wiederstandsfähigkeit gegen Knittern aufweisen. Infolge seiner Weichheit kann das Mischgarn auch in der Wirkerei und Strickerei verwendet werden, wobei aus nass gesponnenenMischgarnen glatte und aus trocken gesponnenen Mischgarnen wollige Fertigprodukte erzielt werden.
PATENT-ANSPRUCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von Mischgarn, dadurch gekennzeichnet, dass man auf Flaehsspinnmaschinen Flachs mit Kunstspinnfasern gemeinsam verarbeitet.