<Desc/Clms Page number 1>
Verfahren zum Plastizieren von naturiiehem < Mtpr kunstlicitfni Kautschuk.
Bei jeder Verarbeitung des Rohgummis ist es notwendig, denselben in einen plastischen Zustand überzuführen, entweder, um ihn in die zylindrischen Blöcke für Patentgummi zu pressen oder um ihm
EMI1.1
weiter zu treiben, so insbesondere zur Herstellung von Schwammgummimischungen und von Gummilösungen, bei letzteren zum Zwecke der Herabsetzung ihrer Viskosität.
Bisher wurde-die PIastizierung durch mechanisches Bearbeiten des Gummis auf Walzwerken mit ungleich schnell laufenden Walzen oder auf besonderen Knetmaschinen vorgenommen. Dabei wurde der Gummi sowohl mechanisch beansprucht, indem er gestreckt, gedrückt und gerieben wurde, als auch erhitzt. Die Erhitzung wurde einerseits durch Erwärmung der Werkzeuge (Walzen u. dgL), anderseits, u. zw. zum überwiegenden Teile, durch Verwandlung der zum Antrieb der Walzen aufgewendeten mechanischen Energie in Wärme hervorgerufen.
Abgesehen von der unmittelbaren Verwendung von Wasserkraft zum Antrieb der Maschinen ist aber bei allen andern Erzeugungsarten der mechanischen Energie, also bei allen thermischen Kraftmaschine, der Wirkungsgrad meist gering und dadurch die Kosten der aus der mechanischen Energie zurückverwandelten Wärme unverhältnismässig hoch. Ferner
EMI1.2
kosten sowie Bedienung. Dazu kommt noch, dass die mehr oder minder starke mechanische Bearbeitung des Kautschuks neben der Erzielung der für die Weiterverarbeitung erforderlichen Plastizität auch eine mehr oder minder ausgeprägte Depolymerisation der hochpolymeren Kohlenwasserstoffe bedingt, die sich bei weitgehender Bearbeitung leicht dahingehend auswirkt, dass der Kautschuk eine klebrige Be- schaffenheit annimmt.
Derart klebriger Kautschuk ist, physikalisch gesprochen, weitgehend desaggregiert und ist, abgesehen von den Unannehmlichkeiten, die sich bei Weiterverarbeitung solchen Materials ergibt (Kleben an den Walzen usw.), als minderwertig anzusprechen, da es so gut wie unmöglich ist, diesem Material wieder seine ursprüngliche Festigkeit rückzuverleihen. Es ist auch bekannt, dass Rohkautschuk, der lange Zeit dem Sonnenlicht oder andauernd der Wärme ausgesetzt war, an der Oberfläche
Verharzungserscheinungen zeigt, die ebenfalls seine weitere Verarbeitung erschweren und zu Produkten minderer Qualität führt. In diesem Falle hat man. es mit einer stark vorgesehrittenen oxydativen Zersetzung zu tun.
Die Erfindung beruht nun auf der Feststellung, dass die PIastizierung des Gummis schon durch Erwärmung allein bewirkt werden kann. Das vorliegende Verfahren besteht nun darin, dass der Gummi einer Erhitzung bei Temperaturen von ungefähr 90-145 , zweckmässig innerhalb dieser Grenzen bei den höheren Temperaturen und unter Vermeidung von Zersetzungserscheinungen durch Schmelzung, während einer so langen Zeitdauer unterworfen wird, dass er plastisch wird, wobei die Plastizierung um so rascher erreicht wird, je höher die Erhitzungstemperaturen innerhalb der Grenzen 90-1450 C sind.
Die erfindungsgemässe, über eine bestimmte Zeitperiode und bei bestimmter Temperatur erfolgende Erhitzung gestattet auf einfachste Weise eine durchgehende Plastizierung des Kautschuks, ohne die Desaggregation so weit zu treiben, dass bei der weiteren Verarbeitung die ursprüngliche Nervigkeit nicht wiederhergestellt werden könnte. Dabei erfolgt mangels einer mechanischen Bearbeitung und mangels der Einwirkung oxydativer, ultravioletter Strahlen die Plastizierung lediglich durch die thermische Lösung des Molekülgefiiges, ohne aber dasselbe, sei es mechanisch oder chemisch, zu zerstören oder gar zu verändern.
<Desc/Clms Page number 2>
Vorteilhaft wird der Gummi dem Verfahren gemäss der Erfindung wegen seiner verhältnismässig geringen Wärmeleitfähigkeit in möglichst dünnen Stücken, am besten in Form von Fellen unterworfen, wie sie z. B. beim Waschen von Rohgummi entstehen. Jene Sorten Rohgummi, die schon so rein aus den Plantagen in den Handel kommen, dass sie für viele Zwecke nicht gewaschen werden brauchen, sind meist für den Transport in Blockform gepresst. Um nun unnütze Arbeitsaufwendung für das neuerliche Zerkleinern der Blöcke zwecks Wärmebehandlung zu ersparen, soll erfindungsgemäss zweckmässig schon auf den Plantagen vor dem Pressen der Blöcke das Rohgummifell in der oben angegebenen Weise erhitzt werden, so dass schon ein plastischer Kautschuk in den Handel kommt.
Besonders vorteilhaft
EMI2.1
Felle ohnehin vorgenommen werden muss, bei entsprechend höherer Temperatur erfolgt oder wenn an die Trocknung unmittelbar eine die Plastizierung bewirkende Erhitzung angeschlossen wird.
Bei Ausführung des Verfahrens kann beispielsweise in der Weise vorgegangen werden, dass ge- waschener heller Crepe in Form von Fellen in einen Vulkanisierkessel gebracht wird und darin nach der notwendigen "Steigzeit" 60-80 : Minuten bei 140-145 C erwärmt wird. Die Wirkung ist ungefähr die gleiche wie das übliche Mastizieren des Gummis bei Mischungen, die rasch gemischt werden müssen.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zum Plastizieren von natürlichem oder künstlichem Kautschuk, dadurch gekennzeichnet, dass der Kautschuk einer Erhitzung bei Temperaturen von ungefähr 90-1450, zweckmässig innerhalb dieser Grenzen bei den höheren Temperaturen und unter Vermeidung von Zersetzungserscheinungen durch Schmelzung während einer so langen Zeitdauer unterworfen wird, dass er plastisch wird, wobei die Plastizierung um so rascher erreicht wird, je höher die Erhitzungstemperaturen innerhalb der Grenzen 90-1450 C sind.