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Fang-, Brems-und Eupplungsvorrichtung für Förderbahnen.
Bei Förderbahnen aller Art, wie Bergwerksfürderanlagen. Aufzügen, Seilbahnen, sowie Reibungsbahnen, bei welchen es darauf ankommt, entweder im Betriebsfalle das Fördergefäss an einem durchlaufenden Zugmittel oder im Notfalle das Fördergefäss an einer durchlaufenden Bremsbahn anzukuppeln, beruht die Wirksamkeit der Kupplung oder Abbremsung auf dem jeweiligen Reibungswerte zwischen Zugorgan oder Bremsbahn und den an diese sich anpressenden Backen oder Teilen der Kupplungs-oder Bremsvorrichtung. Dieser Reibungswert unterliegt starken Schwankungen, da infolge der \Vitterungseinf1üsse (Nässe, Schnee, Rauhreif.
Eis u. dgl.), weiters der jeweiligen Seilbehandlung (gute, schlechte Schmierung, Rost od. dgI.) der Oberflächenzustand des Zugorganes oder der Bremsbahn sich ständig ändert.
Die Folge dieser Erscheinungen ist. dass die Kupplung-und Bremsverhältnisse im vorhinein nicht für alle Fälle bestimmbar sind. Wird beispielsweise bei Seilbahnen sicherheitshalber der Bremsweg des Fördergefässes bei der Notbremsung nach Zugseilriss unter Zugrundelegung des niedrigstmöglichen Reibungswertes zwischen Bremsbacken und Bremsbahn festgelegt, so ergeben sich bei einem herrschenden hohen Reibungswerte wesentlich kürzere Bremswege und hiedurch zu starke, daher schädliche Verzögerungen des Fördergefässes. Des weiteren lässt sich infolge der variablen Verzögerungs-oder Beachleunigungswerte die Zugbeanspruchung des Zugorganes oder der Bremsbahn und die dynamische Einwirkung auf letztere nicht einwandfrei feststellen.
Wenn auch durch Regelung der die Kupplungs-oder Bremsbacken betätigenden Kraft (z. B. ansteigend von Null auf einen Wert P) die dynamische Einwirkung herabgesetzt werden konnte, so verblieb doch in allen Fällen, infolge der variablen Reibungswerte, eine variable Verzögerung oder Beschleunigung und mithin eine unbestimmbare Zugbeanspruchung des Zugorganes oder der Bremsbahn.
Die Erfindung bezweckt vor allem eine möglichst genaue Festlegung des Kupplungsoder Bremsweges auf Grund der für das Fördergefäss und für dessen Inhalt (Personen) zulässigen Verzögerungen und Beschleunigungen bei solchen Fang-, Brems-und Kupplungsvorrichtungen, bei denen zum unmittelbar wirkenden Hauptkuppelorgan, welches eine Relativbewegung zwischen ihm und dem Zugmittel oder der Bremsbahn nicht zulässt, noch eine elastische mittelbar wirkende Nebenkupplung zwischen Fördergefäss und Hauptkupplung mechanisch parallel geschaltet ist. deren Kraftschluss trotz reichlicher Kupplungssicherheit niedriger als der Kraftschluss der Hauptkupplung und so bemessen ist, dass eine Relativbewegung nur zwischen dem Fördergefässe einerseits und dem mit der Hauptkupplung verbundenen Zug-oder Bremsorgan anderseits stattfinden kann.
Die Erfindung besteht nun darin, dass kennzeichnenderweise das unmittelbar wirkende Hauptkupplungsorgan aus einer oder mehreren Bremsgliederketten besteht, welche entweder in beliebigen Längen oder als endlose Ketten wirken und als solche durch eine auf sie wirkende Kraft an das Brems-, Fang-oder Zugmittel angepresst werden.
Ferner kennzeichnet sich die Erfindung dadurch, dass in die Bremsgliederkette oder - ketten eine abbremsbare Nebenkupplung eingreift, welche die beliebige Regelung des positiven oder negativen Verzögerungsweges gestattet, und auch dadurch, dass auf die Bremsgliederkette oder-ketten Bremsbacken wirken, welche durch dieselbe Kraft, welche die Bremsketten an
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das Fang-, Brems-oder Zugmittel anpresst, an die Bremskette angepresst werden, um so zweck- mässigerweise den Verzögerungsweg zu regeln.
Ausserdem ist die Erfindung dadurch charakterisiert, dass die Kraft, welche die unmittelbar wirkende Nebenkupplung beeinflusst, durch Organe gesteuert wird, welche entweder von Hand aus oder durch die Fahrtrichtung, Bahnneigung, Fördergewicht oder die Geschwindigkeits- änderung des Fördergefässes kontrolliert werden.
In den Zeichnungen sind zwei Ausführungsbeispiele für ein Bremsseil als Bremsbahn dargestellt. Fig. 1 zeigt eine Vorrichtung mit einer Hauptkupplung und in der linken Bildhälfte eingezeichneten Nebenkupplung, deren Kräfte unabhängig voneinander wirkend sind,
Fig. 2 eine solche, bei welcher der Kraftschluss sowohl für die Haupt-als auch für die Neben- kupplung durch ein und dieselbe Kraft erfolgt. Längs des Bremsseiles J : (Fig. l) verläuft ein
Teil der beiden als unendliches Band ausgebildeten Bremsketten 2. Das Anpressen der Ketten an das Bremsseil 1 erfolgt unter der Einwirkung der Kraft P vermittels der Druckrollen 3.
Die Glieder der Ketten 2 greifen in die Zähne 4 der als Zahnrad ausgebildeten Bremsscheibe 5 ein, welch letztere durch die Bremsbacken 6, die durch die Kraft P1 an die Bremsscheibe angepresst werden, abgebremst wird, wodurch die Bremsketten 2 in ihrer Abwälzung- geschwindigkeit wirksam beeinflusst werden. In Fig. 2 bezeichnen dieselben Bezugsziffern die gleichen Organe wie in Fig. 1, nur sind die Zahnräder durch einfache Umlaufräder 7 ersetzt. die nur eine Führungsfunktion ausüben. Statt der Rollenbacke 3 in Fig. 1 ist hier eine Gleitbacke 8 angeordnet, welche unter der Einwirkung der Kraft P den Kraft (Reibungs) schluss zwischen der Bremsbahn und der Kette 2 und gleichzeitig den Reibungsschluss zwischen Kette und Fördergefäss bewirkt.
Da die gleitende Reibung zwischen Kette 2 und Gleitbacke 8 regelbar und geringer ist als die Reibung zwischen Bremsbahn 1 und Kette 2, welch letztere durch selbstsperrende Glieder 9 bis zur absoluten Hemmung gesteigert werden kann, so kann wieder, wie der Zweck es verlangt, die Bewegungsenergie des Fördergefässes od. dgl. auf einem bestimmen Wege und bei einer bestimmten Verzögerung vernichtet werden.
In allen diesen Fällen können die Kraft P als auch die Kraft P1 sowohl ein für allemal festgelegt sein als auch in Abhängigkeit von der Last, der Bahnneigung, der Geschwindigkeit od. dgl. selbsttätig oder von Hand aus regelbar gemacht werden. Ebenso kann an Stelle des als Beispiel angeführten Bremsseiles als Bremsbahn ein Zugseil, ein Tragseil, eine Schiene oder überhaupt ein beliebiges Zugorgan oder eine beliebige Bremsbahn gesetzt werden.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Fang-, Brems-und Kupplungsvorrichtung für Förderbahnen aller Art, bei der ausser dem unmittelbar wirkenden Hauptkuppelorgan noch eine elastisch mittelbar wirkende Nebenkupplung zwischen Fördergefäss und Hauptkupplung angeordnet ist, dadurch gekennzeichnet. dass das unmittelbar wirkende Hauptkupplungsorgan aus einer oder mehreren Bremsgliederketten besteht, welche entweder in beliebigen Längen oder als endlose Ketten wirken und als solche durch eine auf sie wirkende Kraft an das Brems-, Fang-oder Zugmittel angepresst werden.