AT117206B - Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen. - Google Patents

Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen.

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  Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen. 



   Bekanntlich werden Menschen und Tiere durch Einimpfen von   Impfstoffen   vor ansteckenden Krankheiten   geschützt   oder geheilt. Als Impfstoffe dienen meistens lebende,   abgeschwächte   oder abgetötete Krankheitserreger oder Ansteckungsstoffe, deren Erzeugnisse, die auf die verschiedenste Art und Weise gewonnen werden, etwa indem man die Krankheitserreger in künstlichem Nährboden züchtet oder ihre Virulenz durch geeignete Tierpassagen ändert. 



   Es ist auch schon bekannt, Krankheitserreger oder ihre Erzeugnisse durch Anilinfarben oder Anilin abzutöten oder unschädlich zu machen oder   Ansteekungskrankheiten   durch Einführung von Farbstoffen in den Tierkörper zu beseitigen. Auf diese Weise ist es aber nicht möglich gewesen, Impfstoffe herzustellen, die ganz genau dosiert werden können und ohne weiteres ohne Nebenerscheinungen verwendbar sind. 



    Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen, wobei die Ansteckungs-   stoffe   (Virus)   oder die Krankheitserreger oder deren Erzeugnisse mit wässerigen Lösungen von Anilinfarben gemischt und die Mischung ein bis zwei Tage bei Bluttemperatur (37  C) gehalten werden. Dadurch wird die Pathogenität aufgehoben, die immunisierende Wirkung aber voll erhalten. Für die einzelnen Krankheitserreger und Ansteekungsstoffe eignen sich verschiedene ganz bestimmte Lösungen von Anilinfarben, die in bestimmten Mengen verwendet werden. So eignet sich besonders zur Behandlung des Schweinerotlaufbazillus ein   5% ige Methylenblaulösung,   für das Bakterium paratyphi enteritidie 
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 Geflügelcholerabazillus eine   5% ige Fuehsinlösung   usw. 



   Es können die Krankheitserreger oder Ansteckungsstoffe nach der Erfindung entweder so beeinflusst werden, dass sie nach   Überimpfung   auf   künstlichen   Nährböden nicht mehr wachsen und mit ihnen Versuchstiere nicht mehr krank gemacht werden können oder aber auch, dass bei der Überimpfung auf   künstliche   
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 aber Versuchstiere nicht mehr krank gemacht werden können. Es kann demnach die Virulenz der Krankheitserreger oder des Ansteckungsstoffes ganz beliebig eingestellt werden. Eine spätere Veränderung des Impfstoffes tritt nicht ein. Dieser bleibt also konstant, was hinsichtlich der beabsichtigten Wirkung ausserordentlich wichtig ist. 



   Nach der Erfindung gelingt also die Herstellung von wirksamen Impfstoffen, indem Bakterienkulturen, überhaupt Krankheitserreger tierischer oder pflanzlicher Art, die sie oder ihre Gifte enthaltenden   Flüssigkeiten-manche   Krankheitserreger sind ja noch nicht isoliert worden, z. B. der der Maul-und Klauenseuche, der   Poken-nach   Zusatz von Farbstoffen bei Bluttemperatur 24 Stunden lang, ja bis zu 48 Stunden, gehalten werden. 



   Man kann nach der Erfindung Ansteckungsstoffen (Virus) durch die solche Krankheiten erzeugt werden, deren Erreger nicht bekannt sind, also z. B. Organextrakt von an solchen Krankheiten leidenden Tieren oder Flüssigkeiten oder Körperflüssigkeiten, die solche Ansteckungsstoffe enthalten, die krankmachende Wirkung nehmen und diese mit Farbstoff behandelten Ansteckungsstoffe als Impfstoffe für Menschen und Tiere verwenden, wodurch ein Schutz gegen Ansteckung erzeugt wird. 



   Bisher gelang es nicht, durch Verimpfung von   abgeschwächten   oder abgetöteten Krankheitserregern und   Ansteckungsstoffen   auf Serumtiere ein   Hochimmunserurn   zu erzeugen. Hiezu mussten 

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   vielmehr lebende Krankheitserreger verwendet werden. Mit dem neuen Impfstoff allein gelingt es z. B. sogar bei Rotlaufserumtieren ein Serum von über 200 Immunitätseinheiten zu erzeugen, was bisher unmöglich war. Diese Tatsache ist aus dem Grunde sehr wichtig, weil die Verimpfung von lebenden Krankheitserregern auf Serumtiere bei diesen häufig lange andauernde Fieber, Gelenkentzündung und Vergiftungserscheinungen hervorruft. Bei der Verwendung des neuen Impfstoffes dagegen treten diese Nebenerscheinungen, die sehr häufig den Tod. der Serumtiere zur Folge haben, nicht auf. 



  Das Verfahren wird beispielsweise wie folgt ausgeführt : Wässerige Lösungen von Anilinfarben, z. B. von Fuchsin oder Brillantgrün werden mit wässerigen Aufschwemmungen der Bakterien oder der Ansteckungsstoffe (z. B. in physiologischer Kochsalzlösung) vermischt. Diese Gemische sind alsdann stark durchzuschütteln und 24 Stunden lang oder länger bei einer Temperatur von 370 C zu halten, da nur bei Bluttemperatur eine innige Verbindung zwischen den Bakterien oder Ansteekungsstoffen und den Anilinfarbstoffen eintritt. 



  An Stelle von wässerigen Aufschwemmungen der Bakterien kann man deren Bouillonkulturen oder Flüssigkeiten, die Bakterien oder Ansteckungsstoffe enthalten, verwenden. 



  Die Farbstofflösungen, die zur Herstellung der Impfstoffe benutzt werden, sind im allgemeinen 5% ige wässerige Lösungen. Von diesen Lösungen werden zu Bakterienkulturen verschieden grosse Mengen zugesetzt. Eine ganz genaue Zahl lässt sich hiebei nicht angeben, weil Bakterienstämme derselben Art, beispielsweise von Rotlaufbazillen je nach dem Grade ihrer Virulenz, mehr oder weniger grosse Mengen Farbstofflösungen zur Abtötung benötigen. So gibt es Rotlaufstämme, von denen 100 em Bouillonkulturen 2 cm3 einer 5%igen Methylenblaulösung zur Abtötung bedürfen, während   
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 jeweils konstant. 



   Die Erzeugung von   Hochimmunserum   nach dem neuen Verfahren und seine Wirkung geht aus den folgenden Beispielen hervor :
Beispiel 1 :   100 cm3 einer   im Brutschrank 24 Stunden lang gut gewachsenen   Rotlaufbouillon-   kultur wurden mit 5   cm3 einer 5%igen Methylenblaulösung   versetzt. Diese Mischung wurde zunächst in einem   Kölbchen   gut umgeschüttelt und dann 24 Stunden in einem Brutschrank bei 37   (Bluttemperatur) gehalten. Darauf wurde der so erhaltene Impfstoff geprüft, indem drei Tropfen dieser Flüssigkeit auf ein mit steriler Bouillon gefülltes   Röhrchen   getan wurde. Dieses Röhrchen wurde dann 24 Stunden bei 370 im Brutschrank gehalten und dann festgestellt, dass ein Wachstum von Rotlaufbazillen nicht mehr eingetreten war.

   Es war somit bewiesen, dass die Rotlaufkultur vollkommen abgetötet war. 



   Ein Maultier, das nach der bisher gebräuchlichen Immunisierungsmethode mit lebenden Schweinrotlaufbazillus nur noch ein Serum im Werte von 100 Immunitätseinheiten lieferte, wurde mit 150 cm3 des eben erwähnten Impfstoffes geimpft und vier Tage später nochmals mit 150 cm3 desselben Impfstoffes. Der Wert des Serums war nach weiteren sieben Tagen auf 200 Immunitätseinheiten gestiegen 
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 benutzt werden konnte. 



   Beispiel 2 : Der Impfstoff wurde wie im Beispiel 1 gewonnen und einem Pferde, das ausrangiert werden sollte, weil es seit April 1926 kein Hochimmunserum geliefert hatte, und der Wert des Serums unter 100 Immunitätseinheiten gesunken war, eingeimpft. Es wurden erst 150   cm3 Impfstoff eingeimpft   und die Impfung mit 200 cm3 desselben Impfstoffes nach vier Tagen, mit weiteren 200   cm3 Impf-   
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 Serums war nach 21 Tagen von der ersten Impfung ab auf 150 Immunitätseinheiten gestiegen. Damit ist bewiesen, dass es mit durch Anilinfarben pathogen gemachten Rotlaufbazillen gelingt, eine hohe Immunität bei Tieren gegen den   Rotlaufbazillus   zu erzeugen. Zu diesen Versuchen wurde durch Methylenblau völlig abgetöteter Impfstoff benutzt, d. h. kleine Versuchstiere, z.

   B. weisse Mäuse blieben nach der Verimpfung gesund und ein Wachstum der so behandelten Rotlaufbazillen in   künstlichen     Nährboden   war nicht zu erzielen. 



   Beispiel 3 : Die Hühnerpest z. B. wird durch einen Ansteckungsstoff hervorgerufen, der bisher unbekannt ist. Dieser ist in den Organen pestkranker Hühner enthalten. Es wurde nun   ähnlich   wie bei Beispiel 1 100 cm3 Organextrakte mit 10   cm3 einer 5%igen Methylenblaulösung   versetzt und wie bei Beispiel 1 weiter behandelt. 
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 wurden diese Hühner zusammen mit zwei unbehandelten   Kontrollhühnern mit l cm"Organextrakt   subkutan infiziert. Die nicht vorbehandelten Kontrollhühner starben innerhalb von fünf Tagen, während die schutzgeimpften Hühner am Leben blieben. 



   Beispiel 4 : Es war bisher unmöglich, mit irgendeinem Impfstoff Geflügel gegen die Geflügeleholera so zu immunisieren, dass es nach einer nachfolgenden künstlichen (subkutane oder intramuskulären Injektion) Infektion am Leben blieb. Die Versuchstiere starben fast   ausschliesslich.   Mit auf obiger Weise durch   Fuchsin   abgetöteten   Geflügelcholerabazil1en   gelingt es, Geflügel mit Sicherheit zu immunisieren. Der Impfstoff wurde so hergestellt, dass zu 100 cm3 einer 24 Stunden lang bei 370 gut gewachsenen 

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Geflügelcholera-Bouillonkultur   6 cm3 einer 5%igen Fuchsinlösung   zugesetzt wurden. Die weitere Behandlung dieses Impfstoffes erfolgt wie bei Beispiel 1 und 2. 



   Es wurden z. B. sechs Hühner mit   4cm3 dieses Geflügelcholeraimpfstoffes   geimpft und diese Hühner zusammen mit einem nicht vorbehandelten Huhn mit 0-3 cm3 einer 24stündigen GeflügelcholeraBouillonkultur subkutan infiziert. Die nicht vorbehandelte Kontrolle starb nach 48 Stunden an Geflügelcholera, wie pathologisch, anatomisch und mikroskopisch festgestellt wurde, während die schutzgeimpften sechs Hühner am Leben blieben. 



   Beispiel 5 : Das Blutserum eines sehweinepestkranken Schweines wurde mit 1%, 3% und 5% einer   20% igen BriIIantgrünlosung gemischt   und nach   Umschütteln   48 Stunden in einem Brutschrank mit 37  C Temperatur gestellt. Dann wurden je 10 cm3 dieser FlÜssigkeiten drei Schweinen eingeimpft. 



  Die drei Schweine blieben gesund, ein Beweis dafür, dass das Schweinepestvirus durch den Farbstoffzusatz abgetötet war. Nach 21 Tagen wurden die drei Schweine und ein unbehandeltes Kontrollschwein mit   5 cm3 Schweinepestvirus   intramuskulär infiziert. Die drei schutzgeimpften Schweine frassen am siebenten und achten Tage nach der Infektion schlecht, blieben im übrigen gesund, während die Kontrolltiere nach viertägiger Krankheit infolge Schweinepest elf Tage nach der Infektion starben. 



   Aus diesen Beispielen ist ersichtlich, dass auch solche ansteckende Krankheiten, die durch einen unbekannten Erreger ein sogenanntes filtrierbares Virus verursacht werden, gegen die es eine einwandfreie aktive Immunisierung bisher im allgemeinen nicht gab, verhindert werden können. 



   PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen zur Erzeugung eines Schutzes gegen ansteckende Krankheiten bei Menschen und Tieren und zur Heilung solcher Krankheiten, dadurch gekennzeichnet, dass Krankheitserreger oder die in ihnen enthaltenen oder von ihnen erzeugten Ansteckungsstoffe, oder Flüssigkeiten und Stoffe, die die Krankheitserreger oder deren Gifte (Virus) enthalten, mit wässerigen Lösungen von Anilinfarbstoffen gemischt und die Mischung mindestens 24 Stunden bis zwei Tage lang bei   370 C (Bluttemperatur)   erhalten wird.

Claims (1)

  1. 2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die nach Anspruch 1 gewonnene Mischung durch Überimpfen auf ein Tier zur Gewinnung eines Serums benutzt wird.
AT117206D 1926-12-24 1927-12-19 Verfahren zur Herstellung von Impfstoffen. AT117206B (de)

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