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Aufnahmeverfahren für photographische oder kinematographische Aufnahmen und
Vorrichtung zur Durchführung derselben.
Photographische oder kinematographische Aufnahmen werden bekanntlich in der Weise hergestellt, dass eine lichtempfindliche Schicht gerade in demjenigen Ausmass belichtet wird, welches der Empfindlichkeit und Reaktionsfähigkeit derselben entspricht, so dass also das Bild durch einmalige kontinuierliche photochemische Reaktion während der bestimmten, hiefür erforderlichen kontinuierlichen Lichteinwirkung entsteht. Die Veränderung der Dauer der Belichtung über oder unter das notwendige Minimum ergibt im allgemeinen eine Verschlechterung der Gesamtaufnahme, mögen auch zu besonderen Zwecken solche Veränderungen bestimmte Vorteile mit sich bringen.
Den Gegenstand der Erfindung bildet ein Verfahren, welches das Prinzip der einmaligen kontinuierlichen, der Reaktionsfähigkeit der lichtempfindlichen Schicht angepassten Belichtung verlässt und die Belichtung durch eine Reihe von kurzen intermittierenden Teilbelichtungsperioden vornimmt, die durch Verdunkelungsperioden bestimmter, dem Zweck angepasster Länge voneinander getrennt sind.
Es kann hiebei je nachdem zu erreichenden Zweck die Summe der einzelnen Teilbelichtungsperioden gleich oder grösser als die unter gleichen Verhältnissen normalerweise anzuwendende kontinuierliche Belichtungszeit sein, und es wird hiedurch, je nachdem, ob es sich um photographische oder kinematographische Aufnahmen handelt, entweder eine wesentliche Verbesserung der Aufnahme oder der einzelnen Teile derselben in bezug auf die Darstellung der festen Objekte oder in bezug auf die Darstellung der Bewegung erzielt.
Um die Wirkung und die Ergebnisse des angegebenen Verfahrens zu erläutern, die sich nach verschiedenen Richtungen hin geltend machen und daher auch die mannigfachsten Vorteile zu erzielen gegestatten, je nachdem, welchem Zwecke sie dienstbar gemacht werden, sei darauf verwiesen, dass zur Hervorrufung einer Aufnahme verschiedene Faktoren zusammenwirken, unter denen die physikalischen Bedingungen der Aufnahme und die photochemischen der Erzeugung des aufgenommenen Bildes auf der lichtempfindlichen Schicht die wichtigsten sind. Die photochemische Reaktion erfolgt mit einer bestimmten Geschwindigkeit, die mit der Stärke der Lichteinwirkung etwas veränderlich ist, so dass in verschiedenen Bildteilen sogar verschiedene Reaktionsgeschwindigkeiten auftreten.
Ebenso ist der
Schwellenwert für die Beeinflussung da Silheremulsion, je nach der vorangegangenen Einwirkung verschieden, wie sich dies aus den Untersuchungen Schwarzschilds und aus dessen Formel i x t ergibt, bei der i die Intensität, t die Zeit und q ein von den äusseren Umständen abhängiger Faktor ist. Wird demnach die Länge der Teilbeliehtungsperioden den Reaktionsgeschwindigkeiten bzw. der Grösse des
Schwellenwertes angepasst, so ergibt sich die Möglichkeit einer Einwirkung auf bestimmte Bildteile, ohne dass dadurch andere Bildteile in Mitleidenschaft gezogen werden, was bekanntlich für die Reproduktionstechnik von besonderer Bedeutung ist.
Werden gleichzeitig auch die physikalischen Bedingungen, unter denen die Aufnahme zustande kommt, mitberücksichtigt, so ergibt sich die Möglichkeit einer weiteren Einwirkung, indem für einzelne Teile des Bildes oder für das ganze Bild entweder eine Summierung der Wirkung der einzelnen Teilbtlichtungsperioden eintreten kann, die bei ändern Bildteilen ausbleibt, oder wesentlich überschritten wird, wodurch sich besondere, später darzulegende Effekte herausbilden lassen oder es kann zur Entstehvng von in gewissen Einzelheiten verschiedenen, sich mehr oder weniger deckenden Teilbildern kommen, deren Gesamtwirkung ebenff-s einem bestimmten Zwecke dienstbar gemacht wird.
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Das Verfahren sei im nachstehenden an Hand einiger typischer Ausführungsbeispiele beschrieben, die verschiedenen Gebieten der photographischen Technik entnommen sind, jedoch nur einen kleinen Teil der Anwendungsmöglichkeiten des Verfahrens behandeln.
Anwendungsbeispiel I. Bei Autotypieaufnahmen herrscht bekanntlich das Bestreben, zum Zwecke der Zinkographie und des Offsetverfahrens durch Hochlichtexposition die Lichter des Negativbildes derart zu steigern, dass möglichst viel Nacharbeit auf den Klischees oder den Druckformen erspart wird. Zu diesem Zweck wird nach der normalen Hauptbelichtung eine nochmalige längere oder kürzere Hochlichtexposition vorgenommen. DieGefahr einer solchen Nachbelichtung liegt nun darin, dass gleich-
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werden, wodurch gradationsunrichtige Bildresaltate erzielt werden.
Gemäss dem vorliegenden Verfahren wird nun die Exposition ganz oder teilweise durch eine Reihe von Teilbelichtungen ersetzt, die durch Verdtmkelungsperioden getrennt sind, die zu der Dauer der Belichtungsperiode in einem bestimmten Verhältnis stehen. Die Dauer der einzelnen Teilbelichtungen wird so gewählt, dass der Schwellenwert der lichtempfindlichen Silberemulsion nar bei den Hochlichtern des Bildes überschritten wird, während die Mitteltöne in keiner Weise ungünstig beeinflusst werden.
Dadurch wird erzielt, dass die Reduktion in Silber nur in den allerhöchsten Lichtern hervorgerafen wird, während für die dunkleren Mitteltöne und Schatten nicht einmal die Grenze des Schwellenwerts erreicht erscheint.
Gleichzeitig soll auch ein bestimmtes Verhältnis zwischen der Dauer des Teilbelichtungsintervalls und der Dauer des zwischen zwei solchen Intervallen verstreichende Verdunklungsintervalls eingehalten werden, weil sonst bei zu rascher Aufeinanderfolge derBelichtungsintervalle die Reflexwirkung der letzten Belichtung noch nachwirkt, so dass die Wirkung der einer mehr oder weniger kontinuierlichen Belichtung gleichkommt, wodurch die Wirkung des beschriebenen Verfahrens geschwächt oder sogar vernichtet werden kann.
Man erhält auf diese Weise besonders schöne kontrastreiche Bilder, die wenig oder gar keine Nacharbeit erfordern und Hochlichter zeigen, ohne dass die Mitteltöne beeinträchtigt sind und den durch Nacharbeit auf den Druckformen und Klischees entstandenen Bildern weit überlegen sind, weil bei diesen zur Erzielung des maximalen Lichteffekte alle Schattierungen einfach mechanisch entfernt werden, so dass beim Druck eine rein weisse Druckfläche, ohne jegliche Abtönung entsteht.
Anwendungsbeispiel II. Bei der gewöhnlichen Photographie kann das vorliegende Verfahren dazu benutzt werden, um auch unter ungünstigen Beleuchtungsverhältnissen kontrastreiche, sogenannte brillante Bilder zu erzielen. Ihre Entstehung wild in ähnlicher Weise wie beim vorhergehenden Anwendungsbeispiel erzielt, indem die Dauer der einzelnen Teilperioden so gewählt wird, dass die Hochlichter eine stärkere Einwirkung erfahren, weil sie über den Schwellenwert der Silberemulsion liegen, während die Schatten viel weniger beeinflusst werden. Die Einwirkung der einzelnen Teilbelichtungen ist dann an verschiedenen Stellen, je nach der Lichttönung, verschieden, wodurch sich die Kontraste besser herausbilden.
Anwendungsbeispiel III. Eine vorteilhafte Anwendung ergibt sich bei der Aufnahme von Objekten, welche entweder gelegentlich oder rilythmische Bewegungen ausführen oder um eine Mittellage schwingen oder bei denen einzelne Teile gelegentlich rasche Bewegungen machen. Um solche Objekte scharf zu photographieren, war es bisher notwendig, eine Beleuchtung und eine lichtempfindliche Schicht zu wählen, die eine Belichtung während so kurzer Zeit gestattete, dass die Bewegung nicht merkbar wurde.
Nach dem vorliegenden Verfahren werden die relativ raschen Bewegungen zufolge der kurzen Dauer der Teilbeliehtungen überhaupt nicht mit abgebildet, weil ein bestimmter Punkt der Platte im Wesen nur die Summe der zahlreichen Einzeleinwirkangen ergibt, aber das abweichende Bild während bloss einer Teilbelichtungsperiode nicht herauszubringen vermag. Es ergibt sich also ein"Dtirchschnitts- bild", d. h. eine Abbildung, die das Bild der Mehrheit der Einzeleinwirkungen völlig scharf enthält, während vereinzelt geblieben Bilder nicht zum Ausdruck kommen. Das Bild wird um so schärfer sein, je länger die Gesamtexpositionsdauer und je kürzer die einzelnen Teilbelichtungen sind, die allerdings die Reaktionsschwelle nicht unterschreiten-dürfen.
Anwendungsbeispiel IV. Eine besonders vorteilhafte Anwendung der Methode lässt sich bei Abbildung einesfesten Objektes, etwa eines Gebäudes, Strassenzuges od. dgl., erzielen, in dessen Umgebung sich ständig bewegte Objekte (Menschen, Fahrzeuge, Tiere usw.) befinden. Diese lassen sich durch die vorgeschlagene Methode vollständig eliminieren, so dass nur das feststehende Objekt selbst ohne jede bewegte Staffage auf der Aufnahme erscheint. Es ist zu diesem Zweck nur notwendig, die lichtempfindliche Platte so zu wählen, dass eine relativ lange Expositionsdauer erforderlich ist, so dass in dieser möglichst viele Teilbelichtungen, von entsprechenden Verdunklungsintervallen unterbrochen, untergebracht werden können.
Die Teilbelichtungsdauer muss so gewählt werden, dass die Wahrscheinlichkeit, bei mehreren Teilbelichtungen hintereinander das gleiche Objekt an der gleichen Stelle der Platte abzubilden, verschwinden klein ist. In diesem Fall kann dann nach Vollendung der Gesamtexposition keines der bewegten Objekte auf dem Bilde erscheinen, und das Bild wird vollkommen frei von allen bewegten Objekten sein.
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Anwendungsbeispiel V. In der Kinematographie, wo es sich um Darstellung von Bewegungen handelt, kann das obige Verfahren einfach umgekehrt werden. Wird die Exposition eines jeden Teilbildes des Filmstreifens so unterteilt, dass jede Teilexposition ein, wenn auch schwaches Teilbild auf dem Film entwirft, so entstehen übereinanderliegende Teilbilder, die dort, wo sie sich decken, ein vollkommen scharfes Gesamtbild zeigen, in den bewegten Teilen jedoch eine gewisse Verschwommenheit, die durch das Nebeneinanderfallen der Teilbilder hervorgerufen wird. Diese Verschwommenheit zeigt sich natürlich nur, wenn das Teilbild des Filmstreifens einzeln betrachtet wird.
Wird jedoch der Film abgespult, so haben diese Teilbilder ungefähr die gleiche Wirkung wie die Vermehrung der Anzahl der Teilbilder im Filmstreifen, d. h. die Bewegung wird geschlossen und runder, als dies mit den derzeitigen Mitteln und bei der gleichen Zahl der Teilbildcr sonst der Fall wäre. Die Naturtreuheit des Bewegungeindruck ist daher vollkommen geworden, weil das Auge sowohl die Teilbilder einer Aufnahme als auch die nacheinanderfolgenden zu einem Gesamtbewegungsbild verbindet.
Wie aus den vorstehenden Anwendungsbeispielen, die nur eine Auswahl aus den hauptsächlichsten Anwendungsbeispielen darstellen, ersichtlich, muss die Dauer der Gesamtexposition sowie die Dauer der Teilbelichtung, je nach dem gewünschten Ergebnis, den photochemischen bzw. physikalischen Bedingungen der Aufnahme jeweilig entsprechend, angepasst werden. Diese Anpassung kann von jedem Fachmann leicht vorgenommen werden, da es sich nur um die bekannte Anpassung der Expositionsdauer an die jeweiligen zeitlichen oder photochemischen Bedingungen handelt, die bereits bekannt und erforscht sind.
Zur Durchführung des Verfahrens können sogenannte Momentverschlüsse dienen, die der Erfindung gemäss entsprechend adaptiert werden müssen und die womöglich für die verschiedenen Bedingungen einstellbar sind.
Fig. 1 zeigt einen Kreissegmentverschluss der gewöhnlich für kinematographisehe Aufnahmen verwendeten Typen, der eine für die Zwecke des vorliegenden Verfahrens entsprechende Ausgestaltung aufweist.
Vor oder hinter dem Linsensystem a befindet sich die Scheibe b, mit dem sektorförmigen Ausschnitt c, welcher bei seinem Durchgang das Linsensystem freigibt. Die Scheibe sitzt auf einer Welle ici und wird von einem Elektromotor e mittels eines Übersetzungsgetriebes/, f:,,/.-"angetrieben. Die
Steuerung des Motors erfolgt mittels des Handhebels A, der um den Punkt g drehbar ist und unter der Wirkung einer Feder steht. Dieser Hebel trägt an seinem Ende Schaltkontakte i, die, wenn der Hebel niedergedrückt ist, gemeinsam mit den festen Schaltkontakten i den Motor anlassen, beim Zurückdrehen des Hebels diesen wieder ausschalten.
Der niedergedrückt Hebel h wird durch eine Nase festgehalten, die am Ende eines Hebels l sitzt, der sich gegen eine Unrundscheibe m mit Absatz n anlegt. Diese sitzt auf einer Welle mit dem Schaltrad o, das vom Schalthebel p zahnweise weitergeschaltet wird, ist jedoch von Hand aus einstellbar. Der Winkel, um den sie von Hand aus verdreht wird, ist proportional der Zahl der hintereinander durchzuführenden Expositionen.
Der Schalthebel p steht ebenfalls unter Federwirkung und reicht bis nahe an die Scheibe b heran, an deren Umfang ein Auflauf stück u befestigt ist, das den Schalthebel bei jeden Durchgang nach vorne drückt und dadurch das Weiterschalten des Schaltrades o um einen Zahn bewirkt.
Zur Arretierung der Scheibe nach der vorgeschriebenen Zahl von Umdrehungen dreht der am Hebel h vorgesehene Fortsatz q mit Nase r, welcher beim Hinaufschnellen des Hebels sich gegen den Umfang der Scheibe b legt und in den Ausschnitt s am Umfang der Scheibe einfällt, so wie dieser unter die Nase gelangt.
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umläuft und eine Belichtung erzeugt, so oft der Ausschnitt c an der Objektivöffnung a vorbeigeht. Bei jeder Umdrehung drängt das Auflaufstüek u den Schalthebel p nach vorne und bewirkt ein Weiterschalten des Schaltrades o.
Die Unrundscheibe m ist von Beginn der Betätigung durch Verdrehen entlang einer Skala in jene Lage gebracht worden, die der Zahl der Expositionen entspricht. Diese Lage ist durch die Zahl der Schaltzähne innerhalb des Winkels gegeben, um den der Absatz iz der Unrundscheibe verdreht werden soll. Wenn das Schaltrad um die entsprechende Zähnezahl verdreht worden ist, fällt das Ende des Hebels l in den Absatz n der Unrundscheibe m, und seine Nase k gibt das Ende des Handhebels h frei, wodurch dieser durch die Feder zurückgezogen wird und den Motor ausschaltet. Die Nase r am Fortsatz q des Hebels h legt sich gegen den Scheibenrand und fällt in den Ausschnitt s ein, so wie die Scheibe bei der weiteren Drehung durch die Trägheit den Ausschnitt bis zur Nase r fortbewegt hat.
Fig. 2 zeigt eine weitere beispielsweise Ausführungsform mit einem in ähnlicher Weise ausgestalteten Rouleauschlitzverschluss. In dem Vorhang v sind eine Anzahl von Schlitzen w angeordnet, die sich am Objektiv vorbeibewegen. Der Vorhang wickelt sich von einer Rolle a : ab und auf eine andere Rolle 11 auf. An einer der Rollen sitzt eine Scheibe z, die der Scheibe b der Fig. 1 analog mit einer Auflauffläche und einem Ausschnitt versehen ist. Diese Scheibe wird in genau gleicher Weise wie die Scheibe b durch
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entgegengesetzter Richtung rotierende Scheiben vom Motor angetrieben werden. Die Expositionsdauer ist dann auf die sehr kurze Überdeckung der Ausschnitte beschränkt.
Zur Variation des Verhältnisses von Belichtung-und Verdunkelungsperioden kann auf der Scheibe b ein verdrehbarer Sektor sitzen, der die freie Sektorbreite zu verändern gestattet.
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bei einer Auslösung eingeleitet wird.
Wie ersichtlich, ist das den Gegenstand der Erfindung bildende Verfahren geeignet, in den meisten Zweigen der photographischen Technik neue, bisher nicht erreichbare Wirkungen zu erzielen. Insbesondere kann das Verfahren auch für Mikrophotographie, Röntgenphotographie und verwandte Techniken adaptiert werden, wo es wegen der Möglichkeit, "Durchschnittsbilder" bewegter Teile zu liefern, beispielsweise für die biologische Forschung und diagnostische Zwecke, von Wichtigkeit sein kann. Das Verfahren kann überdies auch therapeutisch verwendet werden, da auch die physiologische Reizschwelle in gleicher Weise wie der photochemische Schwellenwert berücksichtigt werden kann, so dass also Teileinwirkungen auf bestimmte Organe oder Organteile erreichbar sind.
PATENT-ANSPRÜCHE :
1. Aufnahmeverfahrenfür photographische oder kinematographisehe Aufnahmen, dadurch gekennzeichnet, dass die Belichtung der lichtempfindlichen Schicht durch eine Reihe von kurzen, durch Verdunkelungsperioden getrennten, intermittierenden Teilexpositionen erfolgt.