Gassensor mit einer verbesserten Selektivität
Die vorliegende Erfindung betrifft einen Gassensor zur Detektion von Gasen mit zumindest einer auf einem Substrat aufgebrachten gassensitiven Schicht, wobei weiterhin wenigstens eine Leiterbahn zur Kontaktierung der Schicht auf dem Substrat vorgesehen ist.
Zur Detektion von unterschiedlichen Gasen und Dämpfen werden gegenwärtig kostengünstige Dickschichtmetalloxidsensoren verwendet. Um den Leistungs- verbrauch dieser Sensoren zu reduzieren, ist ein aktueller Trend der Entwicklung in Richtung der Dünnfilmtechnologie feststellbar. Die sensitiven Schichten der Gassensoren weisen hierfür eine nominelle Schichtdicke von wenigen 100nm bis zu einzelnen Nanoröhrchen oder Nanoclustern mit Größenordnungen von wenigen nm auf. Weiterhin kann Energie gespart werden, indem diese dünnen Struktu- ren und Schichten auf mikromechanische Bauteile aufgebracht werden. Gegenüber konventionellen Sensoren ergibt sich hierdurch bei geeignetem Betrieb ein um den Faktor von bis zu 500 geringeren Leistungsverbrauch.
Die auf den Substraten aufgebrachten gassensitiven Schichten werden zumeist im resistiven Messverfahren betrieben, sodass die Änderung des elektrischen Widerstands der gassensitiven Schicht eine Information über das Vorhandensein, die Konzentration und die Art eines zu detektierenden Gases bereitstellt. Da Gassensoren meist bei hohen Temperaturen betrieben werden, wird zur Kontaktierung der sensitiven Schichten ein Edelmetall verwendet.
Ein großer Nachteil der Metalloxidsensoren ist dabei die hohe Reaktivität auf unterschiedliche Gase. Da diese Sensoren sehr stark auf eine Vielzahl von Gasen reagieren, ist eine eindeutige Bestimmung eines Gases und seiner Konzentration insbesondere vor dem Hintergrund verschiedener Temperaturen und der damit verknüpften Temperaturabhängigkeit der gassensitiven Schichten möglich, um
eine hinreichend genaue Bestimmung eines Gases und seiner Konzentration zu liefern. Häufig ist aber aufgrund der Temperaturabhängigkeit eine schnelle und genaue Bestimmung der zu messenden Größen nicht mehr möglich.
Folglich werden Sensorarrays aus mehreren Sensoreinheiten verwendet, die aus unterschiedlichen Gassensoren aufgebaut sind, um eine genaue Bestimmung zu erzielen. Die Auswertung wird dabei umso leichter, je unterschiedlicher die Sensoren auf verschiedene Gase reagieren. Negativ beeinflusst wird jedoch das sensitive Verhalten der einzelnen Schichten dadurch, dass Edelmetalle ebenfalls als Katalysatoren fungieren und die chemische Reaktion an der Sensoroberfläche beeinflussen. Das charakteristisch sensitive Verhalten der einzelnen Schichten wird somit vom Katalysator verändert. Sensorschichten, die aufwändig gezüchtet wurden, um unterscheidend zu reagieren, verhalten sich durch die Wirkung des Katalysators wieder annähernd gleich. Dadurch ist die Selektivität vorhandener Gas- sensoren stark beeinträchtigt.
Da diese Sensoren sehr stark auf eine Vielzahl von Gasen reagieren, ist eine eindeutige Bestimmung nur beim Betrieb der Sensoren bei stark unterschiedlichen Temperaturen gegeben. Daher kann nur die Anwendung weiterer Maßnahmen zu einer Veränderung der sensitiven Eigenschaften von Metalloxidgassensoren führen. Der Betrieb bei unterschiedlichen Temperaturen bietet sich insbesondere beim Einsatz von Sensorarrays an, um unterschiedliche Sensitivitäten und Selektivitäten der einzelnen Komponenten des Arrays zu nutzen. Bei verschiedenen Temperaturstufen werden selektiv verschiedene Sensoreinheiten aktiviert, wobei diese Methode mit dem Nachteil behaftet ist, dass die unterschiedlichen Temperaturstufen erst erreicht werden müssen, wodurch die Reaktionszeit herabgesetzt wird.
Die weiteren Maßnahmen betreffen sensitive Schichten, die mit einem Katalysator dotiert sind (Platin, Gold, Silber, Palladium), wobei als sensitive Schichten Stoff-
gemenge wie beispielsweise InSe, MoWo, InSnO verwendet werden. Auch eine Veränderung der Morphologie der sensitiven Schichten, welche glatte, raue oder poröse Oberflächen umfassen können, kann zu einer Erhöhung der Selektivität führen. Neben der oben bereits genannten Anwendung der Sensoren bei unter- schiedlichen Temperaturen kann die Aufbringung einer Filterschicht zur Erhöhung der Selektivität beitragen.
Metalloxidgassensoren werden im resistiven Sensorbetrieb betrieben, d.h. die Veränderung ihres elektrischen Widerstands dient als Sensorfunktion. Zum Ausle- sen des Sensorwiderstandes werden elektrische Kontakte wie die eingangs genannten Leiterbahnen zur Kontaktierung der sensitiven Schichten benötigt. Da Metalloxidgassensoren bei Temperaturen zwischen 3000C und 450°C betrieben werden, werden aus Gründen der Stabilität und nachträglicher Oxidation diese elektrischen Leiterbahnen zur Kontaktierung meist aus Edelmetallen wie Platin oder Gold hergestellt.
Aus der europäischen Patentschrift EP 0 899 563 B1 ist ein gattungsgemäßer Gassensor bekannt, welcher eine Platinelektrode und eine Goldelektrode aufweist, die mit einem Festelektrolyt kontaktiert sind. Diese sind wiederum mit jeweiligen Leitungen mit einer Erfassungseinrichtung wie beispielsweise einem Millivoltmeter verbunden, um die Messinformation abzugreifen. Der hierin offenbarte Sensor ist insbesondere zur Messung bei verschiedenen Temperaturen ausgelegt, so dass beispielsweise bei einer Temperatur von 3000C eine hohe Empfindlichkeit bei Stickstoffdioxid, bei 4000C eine hohe Empfindlichkeit bei Stickstoffmonoxid und bei 5000C eine hohe Empfindlichkeit bei Kohlenmonoxid vorliegt. Dies zeigt zwar eine Erhöhung der Selektivität durch Veränderung der Temperatur, jedoch neigen die Elektroden aus den Edelmetallen ebenfalls zur Oxidation und können das Messergebnis negativ beeinflussen.
Folglich entsteht bei derartigen Gassensoren das Problem, dass bei höheren Temperaturen die Metalle in die sensitive Schicht hinein diffundieren und deren gassensitive Eigenschaften beeinflussen. Schon bei niedrigen Temperaturen reagieren die Gase bevorzugt und sehr frühzeitig an den Leiterbahnen und verfäl- sehen die Sensorcharakteristik. Da dünnere Schichten empfindlicher auf die Dotierung reagieren, sind diese noch anfälliger auf die genannte Problematik, sodass das Prinzip der Messung verschiedener Gase mit mikromechanisch aufgebauten Gassensoren noch stärker eingeschränkt ist.
Es ist daher die Aufgabe der vorliegenden Erfindung, einen Gassensor zu schaffen, welcher die Nachteile des vorgenannten Standes der Technik vermeidet und eine Kontaktierung der gassensitiven Schicht aufweist, die die sensitiven Eigenschaften bei der Detektion des Gases durch die Schichten nicht beeinflusst.
Diese Aufgabe wird ausgehend von einem Gassensor zur Detektion verschiedener Gase gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1 in Verbindung mit den kennzeichnenden Merkmalen gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den abhängigen Ansprüchen angegeben.
Die Erfindung schließt die technische Lehre ein, dass die Leiterbahn aus einem dotierten Metalloxidmaterial mit nichtkatalytischen Eigenschaften ausgebildet ist, um einen Einfluss durch die Leiterbahn auf die Detektion des Gases zu vermeiden.
Der Gedanke der vorliegenden Erfindung besteht darin, ein Material für die Kontaktierung der gassensitiven Schichten bereitzustellen, welches keine katalytische Wirkung aufweist und folglich das Messergebnis der Gasdetektion nicht beeinflusst. Hierfür zeigt die Auswahl von dotiertem Metalloxidmaterial überraschend den Vorteil, dass trotz einer hervorragenden elektrischen Leitfähigkeit eine kataly- tische Wirkung des Materials nicht feststellbar ist und die Sensorschichten nicht
durch Platinkontaktierungen katalytisch beeinflusst sind, so dass die Selektivität der gassensitiven Schichten auch bei konstanter Temperatur deutlich erhöht wird.
Vorteilhafterweise umfasst das dotierte Metalloxid material ein mit Antimon dotier- tes Zinnoxid (SnO2:Sb). Das SnO2:Sb kann sehr einfach über unterschiedliche Arten hergestellt werden. Beispielsweise bietet sich ein wirtschaftliches Herstellungsverfahren durch ein Elektronenstrahlverdampfen an. Wird das Zinnoxid mit 5 Gew.% dotiert, ist eine hervorragende Leitfähigkeit des dotierten Metalloxidmaterials als Leiterbahn gegeben.
Gemäß einer vorteilhaften Ausführungsform des Gassensors ist der Betrieb der gassensitiven Schicht zur Detektion der Gase nach Art eines resistiven Messverfahrens ausgebildet, bei dem der elektrische Widerstand der gassensitiven Schicht unter Einfluss eines Gases eine Änderung aufweist, über die eine qualitative und/oder quantitative Information über die Art und/oder das Vorhandensein des Gases oder der Gase ermittelbar ist. Der erfindungsgemäße Gassensor mit Leiterbahnen aus dotiertem Metalloxidmaterial kann bevorzugt als beheizter Gassensor gebildet sein, bei dem das Substrat beheizt ist, um die auf diesem aufgebrachte gassensitive Schicht zur Detektion der Gase bei einer Temperatur von 1000C bis 1.1000C, vorzugsweise von 2000C bis 7000C und besonders bevorzugt von 300°C bis 450°C zu betreiben.
Die Leiterbahnen können über bekannte Prozessierungsschritte wie einem Lift- Off-Verfahren einfach strukturiert werden. Nach einem thermischen Annea- lingschritt ist es voll funktionsfähig. Da es sich um ein Oxid handelt, besteht keine Gefahr der Nachoxidation, so dass eine Stabilität des Sensors erreicht werden kann. Es ist durch die Verwendung eines bereits oxidierten Materials als Leiterbahn hoch temperaturstabil und ist somit für Einsätze bis über 1.0000C geeignet und weist auch bei hohen Temperaturen keine katalytischen Eigenschaften auf. Betreffend des Lift-off-Verfahren zur Aufbringung der Leiterbahnen auf das Sub-
strat erfolgt eine Beschichtung des Substrats mit Fotoresist, welcher nachfolgend an den Stellen, an denen die Leiterbahnbeschichtung wieder entfernt wird, belichtet wird. Dann wird das Substrat flächig mit dem Leiterbahnmaterial, nämlich dem dotierten Metalloxidmaterial, beschichtet. In einem darauf folgenden Ablöseverfah- ren des Fotoresists von der Oberfläche des Substrates, verbleibt das Metalloxidmaterial nur an den Stellen, an den der Fotoresist nicht belichtet wurde. Im Ergebnis ist eine sehr kleine Struktur erhältlich, welche vorliegend als Leiterbahnstruktur zur Kontaktierung der gassensitiven Schicht Anwendung finden kann. Dieses Lift- Off-Verfahren ist auch für die Aufbringung von SnO2:Sb geeignet.
Vorzugsweise weist die gassensitive Schicht ein Stoffgemenge aus InFe, MoWo oder InSnO auf, die mit einem Katalysator aus Platin, Gold, Silber und/oder Palladium dotiert ist. Weitere Stoffkombinationen sind möglich, wobei unabhängig vom Dotierstoff eine Beeinflussung durch die Leiterbahnen aus dem dotierten Metall- oxidmaterial nicht feststellbar ist.
Die gassensitive Schicht auf dem Substrat kann eine Dicke von ca. 80nm bis 500nm, und vorzugsweise von 100nm aufweisen. Diese Schichtdicke ist lediglich eine nominelle Schichtdicke, wobei auch eine weitere Reduzierung der Schichtdi- cke bis hin zu einzelnen Nanoröhren oder Nanoclustern im unteren nm-Bereich möglich ist. Das Substrat des Gassensors kann als mikromechanisches Bauteil ausgebildet sein, wobei der Gesamtaufbau des Gassensors in ein Chip-Format überführt werden kann, so dass der Gassensor nach Art eines Lab-on-the-Chip- Sensors ausgeführt sein kann. Vorzugsweise kann der Gassensor eine gassensitive Schicht aufweisen, die zur Messung von NO2 und/oder H2 ausgebildet ist, wobei die Messung von NO2 und H2 entweder bei gleichen oder bei unterschiedlichen Temperaturen erfolgen kann.
Weitere, die Erfindung verbessernde Maßnahmen werden nachstehend gemeinsam mit der Beschreibung eines bevorzugten Ausführungsbeispiels der Erfindung anhand der Figuren näher dargestellt.
Es zeigt:
Figur 1 ein Ausführungsbeispiel eines Gassensors mit einer Leiterbahnstruktur auf einem Substrat, welche aus einem mit Antimon dotierten Zinnoxid ausgebildet ist;
Figur 2 ein mikromechanisch hergestelltes Gassensorarray mit zwei unterschiedlich sensitiven Schichten;
Figur 3 beispielhaft einen Response eines reinen Zinnoxid-Sensors für Stick- stoffdioxid;
Figur 4 beispielhaft einen Response des Gassensors mit der gassensitiven Schicht gemäß der Figur 3 für gasförmigen Wasserstoff;
Figur 5 beispielhaft einen Response eines Gassensors mit einer mit Platin dotierten gassensitiven Zinnoxidschicht für Stickstoffdioxid und
Figur 6 beispielhaft einen Response eines Gassensors mit einer gassensitiven Schicht gemäß der Figur 5 für gasförmigen Wasserstoff.
Die Figur 1 zeigt eine Abbildung einer Leiterbahn 3 auf einem Substrat 2. Die Leiterbahn 3 weist ein dotiertes Metalloxidmaterial auf, welches aus einem mit Antimon dotierten Zinnoxid (SnO2:Sb) besteht. Die Leiterbahn 3 ist mittels eines lithographischen Lift-Off- Verfahrens aufgebracht worden.
Figur 2 zeigt einen Gassensor 1 , welcher als mikromechanisch hergestelltes Gas- sensorarray ausgeführt ist, das auf der linken Bildseite eine erste gassensitive Schichteinheit 4 und auf der rechten Bildseite eine zweite gassensitive Schichteinheit 5 umfasst. Die jeweiligen Schichteinheiten 4 und 5 sind mit jeweiligen Leiter- bahnen 3 kontaktiert, die erfindungsgemäß aus einem mit Antimon dotierten Zinnoxid (SnO2:Sb) bestehen. Die erste gassensitive Schichteinheit 4 umfasst eine sensitive Schicht aus reinem Zinnoxid (SnO2). Diese reine SnO2-Schicht besteht aus Nano-Körnern, wohingegen die rechts abgebildete zweite gassensitive Schichteinheit 5 ebenfalls aus einer Zinnoxid-Schicht (SnO2) besteht, der zusätz- lieh etwas Platin als Katalysator beigemischt wurde. Mittels dieses Sensorarrays wurden Versuchsergebnisse ermittelt, welche nachfolgend in den Figuren 3 bis 6 beispielhaft dargestellt sind.
In den Figuren 3 und 4 ist in Form eines Diagramms der Gasresponse dargestellt, welcher mit der auf Nano-Körnern basierenden reinen Zinnoxidschicht gemessen wurde. Es ist deutlich erkennbar, dass der Response gemäß der Figur 3 für Stickstoffdioxid deutlich differiert vom Response des Gases Wasserstoff gemäß der Figur 4. Die Versuche wurden bei verschiedenen Temperaturen durchgeführt, wobei unabhängig von der Temperatur das Responseverhalten deutlich voneinander unterscheidbar ist, so dass verschiedene Gase mit einer hohen Selektivität detek- tierbar sind.
In den Figuren 5 und 6 sind in Diagrammform die Response dargestellt, die mit der zweiten gassensitiven Schichteinheit 5 ermittelt wurden. Trotz der Platin- Dotierung des Zinnoxids ist auch in diesem Fall das Responseverhalten zwischen dem Gas Stickstoffdioxid und dem Gas Wasserstoff deutlich voneinander unterscheidbar. Die Ergebnisse zeigen, dass das Responseverhalten beider Sensoren stark voneinander variiert. Beide sensitiven Schichten haben ihre selektiven Eigenschaften beibehalten, obwohl eine Schicht mit Platin dotiert wurde. Das Kon- taktmaterial der Leiterbahnen 3 (siehe Fig. 1 und 2) zeigt keine katalytischen Ei-
genschaften und führt somit nicht zu einer Verfälschung des Selektivitätsprofils der einzelnen sensitiven Schichten.
Die Erfindung beschränkt sich in ihrer Ausführung nicht auf das vorstehend ange- gebene bevorzugte Ausführungsbeispiel. Vielmehr ist eine Anzahl von Varianten denkbar, welche von der dargestellten Lösung auch bei grundsätzlich anders gearteten Ausführungen Gebrauch macht. Insbesondere ist die vorliegende Erfindung nicht auf der Ausführung der Kontaktierung durch Leiterbahnen 3 begrenzt, sondern es kann jede weitere denkbare Möglichkeit einer Kontaktierung aus dem erfindungsgemäßen dotierten Metalloxidmaterial vorgesehen sein.
Bezugszeichenliste
Gassensor Substrat Leiterbahn erste gassensitive Schichteinheit zweite gassensitive Schichteinheit