DEP0009500DA - Verfahren zum Waschen, Nachbehandeln und Trocknen von Viskosekunstseidewickeln - Google Patents
Verfahren zum Waschen, Nachbehandeln und Trocknen von ViskosekunstseidewickelnInfo
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Description
Frischgesponnene Viskosekunstseidefäden führen bekanntlich eine größere Menge sauren Spinnbades mit sich. Sie müssen daher mittels Wassers, das gewöhnlich nach dem Saug- oder Druckwasserverfahren oder auch auf andere Weise durch die Fadenwickel hindurchgeschickt wird, gewaschen werden, wonach sie nachbehandelt und getrocknet werden können. Dem Auswaschen stehen die in den Fäden anwesenden gasförmigen Schwefelverbindungen, insbesondere Schwefelkohlenstoff, im Wege. Um diesen zu entfernen, sind höhere Temperaturen erforderlich. Bei diesen wiederum tritt eine Schädigung der Gespinste durch die aus dem Spinnbad mitgeschleppte Mineralsäure ein. Um dies zu vermeiden, hat man die Viskosekunstseidefäden bisher einer Vorwäsche mittels Kaltwassers unterzogen und dadurch die den Fäden anhaftende Säure zum großen Teil entfernt. So wurde in den ohnehin schon zeitraubenden Waschprozeß ein weiterer Arbeitsgang eingeschaltet, ohne daß man damit der eigentlichen Schwierigkeiten beim Auswaschen von Viskosekunstseidefäden Herr geworden wäre. Diese bestehen sowohl bei der Saug- wie bei der Druckwäsche namentlich bei den unter hohen Verstreckung gesponnenen Seiden nach dem Spulenverfahren darin, daß man nur schwer betrieblich tragbare Waschzeiten einhalten kann, ohne entweder hohe Schwefelkohlenstoffverluste oder Säureschädigungen in Kauf nehmen zu müssen.
Man hat zwar schon versucht, die Kunstseidewickel vor dem Waschen zu evakuieren oder auszuschleudern und konnte damit wohl eine Verkürzung der Waschzeiten erreichen, nicht aber den Verzicht auf die kalte Vorwäsche. Auch das Hindurchleiten der Waschflüssigkeit durch Kunstseidewickel mit wechselnder Strömungsrichtung ist bereits empfohlen worden, selbst nach vorherigem Evakuieren der Spinnkuchen. Aber alle diese Behandlungen
wurden nicht so zu Anwendung gebracht, daß mit ihnen die Entgasung und Entsäuerung ohne Faserschädigung und Schwefelkohlenstoffverluste gleichzeitig in kürzester Zeit durchgeführt werden konnte.
Auch der Trocknungsprozeß war nach den bisherigen Verfahren einer der zeitraubendsten Vorgänge in der Kunstseidenherstellung. Es wird in Kanaltrocknern durchgeführt, denen die erforderliche Heißluft auf den verschiedensten Wegen zugeführt wird. Auch die Verwendung von Vakuum im Trockenprozeß ist schon vorgeschlagen worden. Die Trocknung blieb aber bis zum heutigen Tage ein Raum und Zeit übermäßig beanspruchender Vorgang.
Bei dem Verfahren nach der vorliegenden Erfindung werden alle diese Übelstände dadurch vermieden, daß die frischgesponnenen noch spinnsauren Kunstseidewickel in einen allseits verschließbaren Kessel eingetragen und in diesem sämtlichen Nachbehandlungen, wie Waschen, Entschwefeln, Bleichen, Avivieren, Schlichten, Färben und Trocknen unter wechselnder Strömungsrichtung und gleichzeitiger Verwendung von Druck und Vakuum unterworfen werden. Die sauer eingefahrenen Kunstseidewickel verlassen somit den Kessel fertig getrocknet und konditioniert.
Das Verfahren nach der Erfindung wird in der Weise durchgeführt, daß nach der Beschickung des Kessels mit den Wickeln dieser zunächst evakuiert wird und sodann durch die Wickel von innen nach außen Warmwasser von nur 35° hindurchgedrückt wird, wobei es das in den Wickeln vorhandene Spinnbad vor sich hinausdrückt, ohne es wesentlich zu verdünnen. Dieses sammelt sich in der Vorlage und kann der Spinnerei zurückgegeben werden. Bei dieser Arbeitsweise, die sich in dem Temperaturbereich des diesem Unterdruck entsprechenden Siedepunktes des Schwefelkohlenstoffes bewegt, wird dieser gleichzeitig aus den Fäden restlos entfernt und zurückgewonnen. Dadurch wird der Kessel mit bikarbonatalkalischem Wasser von 35° angefüllt und die Waschflotte in ständigem Richtungswechsel durch die Wickel hindurchgeführt. Jetzt werden auch Restsäureherde, wie sie sich z.B. unter den Wülsten der Spinnspulenwickel befinden, rasch über den Wickel verteilt und entfernt. Nach 120 Minuten ist der gesamte Waschprozeß beendet, und es kann nunmehr durch einfache Umschaltung die Entschwefelungs-,
ev. Bleichflotte und die Avivage zugeführt werden. Auch andere Nachbehandlungen wie Färben und Schlichten können unmittelbar angeschlossen werden.
Nach erfolgter Naßbehandlung wird unmittelbar die Trocknung angeschlossen und zwar analog dem oben beschriebenen Waschvorgang. Nach der Evakuierung des Kessels wird durch die Kunstseidewickel von innen nach außen Warmluft gedrückt, welche gleich bis zu 15% des von der Naßbehandlung im Wickel zurückgebliebenen Wassers hinausdrückt und in die Vorlage abfließen läßt. Es folgt nun die Behandlung der Kunstseidewickel mit Warmluft in wechselnder Strömungsrichtung unter Verwendung von Druck und Vakuum. Es kann dabei die Trocknung unschwer so gelenkt werden, daß die Wickel den Kessel in der für die Weiterverarbeitung erforderlichen Konditionierung verlassen.
Die beschriebene Kesselwäsche ergibt einen wesentlich besseren Wascheffekt, als die reine Druckwäsche oder Saugwäsche in der bisher üblichen Weise auf dem Waschstand. Sie beeinflußt durch ihre kurzen und milden Behandlungsformen die textilen Eigenschaften der Kunstfäden und ihre Anfärbung günstig. Sie ermöglicht es, mit erheblich weniger Energie, Wasser und Chemikalien auszukommen, als dies bei der üblichen Druck- oder Saugwäsche der Fall ist. Die Waschzeiten werden erheblich verkürzt. Gesamt-Netto-Waschzeiten von 2 - 3 Stunden bei 5 - 600 g schweren Spulenwickeln und einem Titer Nm 150/18 sind ohne weiteres erreichbar.
Dasselbe gilt für die Trocknung, die nach dem Verfahren gemäß der Erfindung Spulenwickel in 4 Stunden trocknet, wozu bisher 72 Stunden benötigt wurden. Auch gestattet es die Trocknung so zu leiten, daß die Wickel und damit die Fäden die Kessel schon mit dem für die Weiterverarbeitung erforderlichen Wassergehalt verlassen, so daß die übliche Konditionierung entfällt.
An Hand des nachstehenden Ausführungsbeispieles wird das Verfahren nach der Erfindung nochmals näher erläutert.
In den Kessel wird ein Spulenwickelstapel eingebracht und bis auf 600 mm Quecksilbersäule evakuiert. Nun wird während 10 Minuten Warmwasser von 35° von innen nach außen durch die Spulenwickel-
säule hindurchdrückt. Diese erste Waschflotte wird nach Durchfließen der Spulenwickelsäule in der Vorlage gesammelt und der Spinnerei zurückgegeben. Nach Beendigung dieser Vorwäsche wird der Kessel mit bikarbonatalkalischem Warmwasser von 35°C angefüllt und sodann die Waschflotte in ständigem Richtungswechsel mittels Druck und Vakuum durch die Wickel hindurchgeschickt. Der Gesamtaufenthalt der Wickel im Kessel während des Waschprozesses beträgt 120 Minuten, davon entfallen 10 Minuten auf die Vorwäsche bei evakuiertem Kessel. Das Füllen des Kessels mit Warmwasser nimmt weitere 10 Minuten in Anspruch. Sodann wird 100 Minuten, je nach Art des Gespinstes, bei wiederholtem Richtungswechsel der Waschflotte gewaschen, wobei man Wasser von höchstens 35° und Vakuum von mindestens 600 mm Hg verwendet.
Nach Ablauf des Waschwassers wird, ebenfalls bei wiederholtem Richtungswechsel, die Entschwefelungsflotte und anschließend die Avivage zugeführt, wobei die Behandlungszeiten nach Fadentiter und Flottenzusammensetzung zu variieren sind. Nun wird neuerlich evakuiert und durch die Spulenwickel von innen nach außen Warmluft von ca. 60°C durchgedrückt. Nach Ablauf des ersten Waschwassers wird Warmluft in den Kessel gedrückt und durch die Wickel abgesaugt. Dieser Vorgang wird in wechselnder Richtung wiederholt. Nach ca. 4 Stunden ist die Trocknung insgesamt beendet.
Claims (5)
1.) Verfahren zum Waschen, Nachbehandeln und Trocknen von Viskosekunstseidewickeln, dadurch gekennzeichnet, daß man die frischgesponnenen, noch spinnsauren Wickel in einen allseits verschließbaren Kessel einträgt und in diesem alle Nachbehandlungen wie Waschen, Entschwefeln, Bleichen, Avivieren, Schlichten, Färben, Trocknen unter wechselnder Strömungsrichtung und gleichzeitiger Verwendung von Druck und Vakuum vornimmt.
2.) Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Strömungsrichtung der Behandlungsflüssigkeiten und der Trockenluft ständig wechselt.
3.) Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Entsäuerung und Entschwefelung der Kunstseidewickel gleichzeitig vornimmt, wobei man Wasser von höchstens 35°C und Vakuum von mindestens 600 mm Hg verwendet.
4.) Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß man das aus den Fadenwickeln austretende Waschwasser aus dem Kessel entfernt und dann erst die bikarbonatalkalische Warmwasserfüllung des Kessels vornimmt und die Waschung der Wickel beendet.
5.) Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß man erst nach Herausdrücken eines Teiles des Waschwassers von innen nach außen die Trocknung der Wickel unter abwechselndem Saugen und Drücken vornimmt.
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