-
VPrfahrPn 71im Veredeln von Textilien Die ersten Umsetzungsprodukte
aus Aldehyden und Harnstoff, Melamin oder Phenol oder anderen mit Aldehyden harzbildenden
Stoffen dienen häufig zum Veredeln von Textilien auf Basis von Cellulose, wobei
sie in die Fasern eingelagert und dort zu Kunstharzen ausgehärtet werden. Durch
diese Behandlung erhalten die Textilien eine erhöhte Knitterfestigkeit. Es ist nun
nachteilig, daß besonders bei Fasern aus nativer Cellulose gleichzeitig mit der
Erhöhung der Knitterfestigkeit auch eine Verschlechterung der Reißfestigkeit der
Fasern eintritt.
-
Zum Härten der Harzbildner werden bei der Textilveredlung in der Regel
Säuren oder sauer reagierende Verbindungen, wie Ammoniumsalze, Zinkchlorid u. dgl.,
verwendet. Man hat auch schon Wasserstoffperoxyd als Härtungsmittel für Aminoplaste
vorgeschlagen.
-
Es wurde nun die überraschende Feststellung gemacht, daß die vorhin
genannten Mängel bei der Ausrüstung von Textilien aus Cellulose, insbesondere aus
nativer Cellulose wie Baumwoll- oder Leinengewebe, mit Methylolverbindungen von
aminoplastbildenden Stoffen weitgehend behoben werden, wenn man als Härtungsmittel
eine Mischung aus schwachen Säuren und Wasserstoffperoxyd verwendet. Während bei
Verwendung von bisher gebräuchlichen Härtungsmitteln bei der Knitterfestausrüstung
in der Regel eine Verminderung der Reißfestigkeit der Fasern eintrat, die
etwa
2o bis 4o "/o, der ursprünglichen Reißfestigkeit betrug, liegt der Verlust an Reißfestigkeit
bei der neuen Arbeitsweise nur bei etwa io°/oa.
-
Außerdem sind die an erfindungsgemäß ausgerüsteter Ware gemessenen
Knitterwinkel bedeutend höher, als sie an einer Ware, bei welcher als Katalysator
technisches Wasserstoffsuperoxyd allein verwendet wurde, erhalten werden.
-
Es ist vorteilhaft, bei diesem Verfahren teilweise oder vollständig
verätherte Methylolverbindungen zu verwenden, wobei die Äthergruppierung vorzugsweise
kurzkettige Alkylreste, wie Methyl- oder Äthylreste, enthalten soll.
-
Bei den zu verwendenden schwachen Säuren kann es sich um organische
Säuren, wie Essigsäure, Glykolsäure, Propionsäure, Milchsäure, Dehydracetsäure und
Benzoesäure, oder um anorganische Säuren, z. B. Borsäure, handeln.
-
Als besonders vorteihaft hat es sich erwiesen, wenn man den wäßrigen
Behandlungsflotten außer den Methylolverbindungen noch höhermolekulare Verbindungen
vom Typ der Polyglykole oder deren Derivate zusetzt. Als Beispiele seien polymeres
Äthylenoxyd mit einem Molekulargewicht von etwa 2ooo bis 6ooo und Oxäthylierungsprodukte
von Fettsäuren, Alkoholen, Merkaptanen, Aminen oder Säureamiden genannt.
-
Es ist ferner zweckmäßig, den Flotten noch Derivate von Alkylolaminen,
die im Molekül mindestens noch ein umsetzungsfähiges Wasserstoffatom enthalten,
zuzugeben. Hierfür -kommen bei-= spielsweise Äther, Ester oder Amide von Polyalkylolaminen
mit noch freien Hydroxylgruppen in Betracht wie der Mono- bzw. Bis-octadecyläther
des Triäthanolamins, der Mono- bzw. Bis-stearinsäureester des Triäthanolamins, ferner
die Ammoniumsalze derartiger Ester bzw. Äther oder quaternäre Ammoniumverbindungen,
die man durch N-Alkylierung von Alkylolaminen bzw. deren Äthern oder Estern mit
freien Hydroxylgruppen erhält.
-
Die Behandlungsflotten eignen sich in gleicher Weise für die Knitterfest-,
Präge- und Chintzausrüstung. Eine gleichzeitige wasserabweisende Ausrüstung erhält
man, wenn man den Flotten noch Paraffin- oder Wachsemulsionen zusetzt. Auch die
Mitverwendung von Appreturmitteln oder Kunststoffdispersionen ist möglich.
-
Zur Durchführung des Verfahrens tränkt man beispielsweise die Textilien
mit den Lösungen, quetscht sie mittels eines Foulards ab und trocknet bei vorzugsweise
5o bis 70° und erwärmt sie anschließend für kurze Zeit auf höhere Temperaturen,
z. B. i io bis i4o°.
-
Die in den nachstehenden Beispielen angegebenen Teile sind Gewichtsteile.
Beispiel i i2o Teile des Bismethyläthers des Dimethylolharnstoffes werden in 75o
Teilen Wasser gelöst. Zu dieser Lösung fügt man noch 2o Teile polymerisiertes Äthylenoxyd
vom Molekulargewicht 46oo und 15 Teile eines Gemisches aus 75'/o Stearinsäurediäthanolarnid
und 25 % Stearinsäurediäthanolaminester, gelöst in 3oo Teilen Wasser, hinzu. Zu
dieser Flotte gibt man 6 Teile 3oo/oige Essigsäure, i Teil Glykolsäure und q. Teile
4oo/oiges Wasserstoffperoxyd.
-
Ein Baumwollgewebe wird mit dieser Flotte imprägniert, abgequetscht
und bei 7o° getrocknet. Anschließend erwärmt man 5 Minuten auf i2o°. Durch diese
Behandlung wird das Gewebe knitterfest. Es zeichnet sich außerdem durch eine besondere
Weichheit und Fülle im Griff aus.
-
Vor der Behandlung hauten die Kettfäden eine Reißfestigkeit von 9,8
kg/cm und die Schußfäden von 8,2 kg/cm. Nach der Knitterfestausrüstung liegen diese
Werte bei 9 bzw. 7,7 kg/cm. Beispiel 2 Es wird eine Flotte hergestellt, die in iooo
Teilen Wasser 16o Teile des Dimethylolmonoureins des Glyoxals, i5 Teile polymerisiertes
Äthylenoxyd vom Molekulargewicht 52oo, io Teile einer wäßrigen 4oo/oigen Paraffinemulsion
und 15 Teile einer 3oo/oigen wäßrigen Paste eines Kondensationsproduktes aus i Mol
Stearinsäure und i Mol Triäthanolamin, das mit Dimethylsulfat peralkyliert ist,
enthält. Man setzt der Flotte 6 Teile 3oo/oige Essigsäure, 2 Teile Glykolsäure und
4 Teile 4o°/oiges Wasserstoffperoxyd zu und behandelt damit ein Leinengewebe gemäß
Beispiel i.
-
Das behandelte Leinengewebe weist eine gute -Knitterfestigkeit ohne
wesentliche Beeinträchtigung der Reißfestigkeit auf. Beispiel 3 i2o Teile des Bismethyläthers
des. Dimethylolharnstoffes werden in 5oo Teilen Wasser gelöst. Hierzu gibt man io
Teile polymerisiertes Äthylenoxyd vom Molekulargewicht q.6oo, welches in ioo Teilen
Wasser gelöst ist. Dann setzt man eine Emulsion aus 4o Teilen einer 4oo/oigen zirkon-oder
aluminiumhydroxydhaltigen Paraffin-Wachsemulsion in ioo Teilen Wasser zu und füllt
auf iooo Teile Wasser auf. Diese Flotte versetzt man mit i Teil Milchsäure und 5
Teilen 4oo/oigem Wasserstoffperoxyd.
-
Ein mit dieser Flotte gemäß Beispiel i behandeltes Leinengewebe zeigt
einen guten Knitterfesteffekt, ohne daß die Faserfestigkeit dabei wesentlich beeinträchtigt
wurde. Außerdem ist das Gewebe wasserabweisend.
-
Beispiel q.
-
13o Teile des Dimethylolmonoureins des Glyoxals werden in 8oo Teilen
Wasser gelöst und mit Teilen 3oo/oiger Essigsäure, 3 Teilen Glykolsäure, i Teil
Borsäure und q. Teilen. Wasserstoffperoxyd versetzt. Dann gibt man noch io Teile
eines teilweise verseiften Mischpolymerisates aus Acrylnitril und Acrylsäuremethylester,
gelöst in ioo Teilen Wasser, zu. Außerdem fügt man noch io Teile polymerisiertes
Äthylenoxyd vom Molekulargewicht 46oo, gelöst in ioo Teilen Wasser, hinzu.
Mit
dieser Flotte imprägniert man ein Baumwollgewebe, quetscht ab und trocknet bei q.5°.
Man prägt auf dem Prägekalander anschließend unter hohem Druck bei izo° und erwärmt
das Gewebe noch 5 Minuten auf 1q.0°.
-
Das Gewebe weist einen waschbeständigen Prägeeffekt auf. Die Reißfestigkeit
ist dabei nur sehr wenig beeinträchtigt worden.
-
Beispiel 5 12o bis 14o Teile des Bismethyläthers des Dimethylolharnstoffes
werden in iooo Teilen Wasser gelöst und mit 5 Teilen 3oo/oiger Essigsäure, 3 Teilen
Borsäure und 5 Teilen q.oo/oigem Wasserstoffperoxyd versetzt. Mit dieser Flotte
imprägniert man ein Zellwoll:gewebe, quetscht ab, trocknet bei 70° und erhitzt anschließend
5 Minuten auf i30°. Nach dieser Behandlung zeigt das Gewebe einen sehr guten waschbeständigen
Knitterfesteffekt und verminderten Quellwert. Der Griff des Gewebes ist voll und
weich. Beispiel 6 ioo Teile eines Methylolh.arnstoffes, in dem ,auf ein Stickstoffatom
o,8 Mol Formaldehyd kommen, werden in Soo Teilen Wasser gelöst. Zu dieser Flotte
gibt man noch 6 Teile 4oo/oiges Wasserstoffperoxyd, 5 Teile 3oo/oige Essigsäure
und z Teile Propionsäure und füllt auf ioo Teile mit Wasser auf. Ein Baumwollgewebe
wird mit dieser Flotte imprägniert, auf ioo'o/oa Feuchtigkeit abgequetscht, bei
70° getrocknet und anschließend während 5 Minuten auf i io° erhitzt.
-
Das nach dieser Behandlung ausgerüstete Gewebe zeichnet sich bei guter
Reißfestigkeit auch durch eine gute Knitterfestigkeit aus. Beispiel 7 go Teile Trimethylolmelamin
werden in 800 Teilen Wasser gelöst. Man fügt noch 5 Teile q.oo/oiges Wasserstoffperoxyd,
3 Teile Borsäure und 5 Teile 3oo/oige Essigsäure zu und füllt mit Wasser auf iooo
Teile auf. Die Knitterfestigkeit eines mit dieser Flotte behandelten und gemäß Beispiel
6 getrockneten und erhitzten Leinengewebes ist um etwa iooo/o verbessert, während
die Reißfestigkeit nur wenig beeinträchtigt wird. Beispiel 8 ioo Teile mit Methanol
veräthertes Trimethylolmelamin löst man in goo Teilen Wasser, gibt dazu q. Teile
6oo/oige Milchsäure und 3 Teile 4oo/oiges Wasserstoffperoxyd und füllt auf iooo
Teile mit Wasser auf.
-
Ein mit dieser Flotte gemäß Beispiel 6 behandeltes Mischgewebe aus
Baumwolle und Leinen zeichnet sich durch eine erhöhte Knitterfreiheit aus. Der Verlust
der Reißfestigkeit ist nur gering.