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Spielzeug-Weichenstellvorrichtung Für Spielzeugeisenbahnen sind Weichen
bekannt, deren Zunge durch den ihrer Spitze entgegenfahrenden Zug auf dessen Gleis
eingestellt wird. Die lebendige Kraft des anfahrenden Zuges hat dabei die gesamten
Widerstände des Stellwerkes zu überwinden und muß daher ziemlich groß sein. Die
von schweren vierräderigen Lokomotiven bei ziemlicher Mindestfahrgeschwindigkeit
ausgeübte lebendige Kraft reicht erfahrungsgemäß immer zur Umstellung der Zunge
aus. Leichtere vierräderige Lokomotiven vermögen dagegen die Zungenumstellung nicht
zuverlässig genug zu bewirken. Der leichten vierräderigen Lokomotive ist in dieser
Hinsicht ein leichter Wagen gleichzustellen, der bei Rückwärtsfahrt die Zunge umstellen
soll. Sechs- und achträderige schwere Lokomotiven würden den Umstellwiderstand ohne
weiteres überwinden, wenn ein wesentlicher Teil des Lokomotivgewichtes auf den Vorderrädern
lasten würde, welche auf das Umstellorgan einwirken. Solche Lokomotiven lasten jedoch
nicht auf den Vorderrädern, sondern diiese siin.d an -die Lokomotive beweglich so
angeschlossen, daß sie das Umstellorgan nur mit ihrem verhältnismäßig geringen Eigengewicht
belasten. Sie sind in einem Drehgestell gelagert, das von dem widerstrebenden Umstellorgan
allein
angehoben werden kann, ohne daß damit auch der eigentliche, schwere Lokomotivkörper
angehoben wird. Die lose Verbindung dieser Vorderräder mit dem Lokomotivkörper ist
unentbehrlich, damit sich die Vorderräder spielend leicht auf die jeweilige Krümmung
oder auch auf etwaige Unebenheiten des Gleises einstellen können. Die Sicherheit
der Zungeneinstellung ist also in Frage gestellt, wenn sie entweder durch leichte
vierräderige Lokomotiven oder durch leichte, rückwärts fahrende Wägelchen oder durch
die in einem vorderen und hinteren Drehgestell vielachsiger, schwerer Lokomotiven
gelagerten Einstellräder bewirkt werden soll.
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Die Erfindung bezweckt die Schaffung einer Spielzeug-Weichenstellvorrichtung
-welche ,das Einstellen der Weichenzunge unabhängig von einem größeren oder kleineren
Eigengewicht oder einer größeren oder kleineren Belastung der vorausfahrenden Einzelräderpaare
zuverlässig bewirkt und auch von Hand oder aus der Ferne elektrisch bedient werden
kann. Zu diesem Zweck besteht die Erfindung im wesentlichen darin, daß der Zug nur
eine leicht bewegliche Vorrichtung zum Anlasen und Abstellen eines Federlaufwerkes
und dieses eine Vorrichtung zum viel schwereren Schwenken der Weichenzunge während
seiner jeweils nur sehr kurzen Laufdauer zu betätigen hat. Im Verfolg die@se:s Erfiüdungsgedanke@nsi
ist zur Weichenzuligenschwenkung ein vom Federlaufwerk anzutreibendes Schubkurbelgetriebe
gewählt, dessen Kurbel iin (ihren Totpunktstellungen quer zur Weichenzunge durch
wechselseitiges Anschlagen eines von der Kurbelwelle mitgedrehten Anschlagarmes
an zwei Anschlagzapfen angehalten wird, die unten an einer Wippe sitzen. Nach dem
Anhalten des Schubkurbeltriebes in seinen Totpunktstellungen ist die Weichenzunge
unverrückbar festgestellt. Die Wippe läßt sich nach der Erfindung in verschiedenen
Arten bewegen, entweder dadurch, daß der Radspurkranz eine Steuerklappe niederdrückt,
von der aus die Wippe in die entsprechende Stellung geschwenkt wird, oder durch
Niederdrücken eines Wippenarmes von Hand oder durch Fernbetätigung der @,#'ippe
durch Elektromagnete.
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Die vom Zug zu beeinflussende Auslösevorrichtung ist dadurch gekennzeichnet,
daß mittels eines doppelten Schubkurbeltriebes, dessen erste Kurbel auf der Wippenachse
und dessen zweite Kurbel auf einer die Schienenstränge unterquerenden Welle festsitzt,
auf dieser Welle festsitzende, eiltgegengesetzt gerichtete Arme geschwenkt werden,
von denen der eine selbst als Weichenstellklappe im geraden Gleisstrang ausgebildet
ist und der andere im Wechsel mit dieser Weichenstellklappe eine zweite Weichenstellklappe
im abgezweigten Gleisstrang hochschwingt. Es ist also jeweils der Gleisstrang, auf
den die Weiche eingestellt ist, für die Durchfahrt des Zuges frei und der andere
Gleisstrang gegen dessen Durchfahrt gesperrt.
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Abgesehen davon. daß nunmehr das rechtzeitige Umstellen der Weichenzunge
durch den deren Spitze entgegenfahrenden Zug gesichert und ein Ausspringen des Zuges
vermieden ist, läßt sich das Weichenstellwerk durch Wahl eines lange laufenden Federlaufwerkes
so einrichten, daß es nach dessen Aufziehen sehr oft, z. B. etwa Zoomal, betätigt
«-erden kann.
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In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der neuen Weichenstellvorrichtung
veranschaulicht. Es zeigt Fig. i eine Oberansicht der Weiche mit ihrer neuen Betätigungsvorrichtung,
Fig. 2 eine Aufsicht des unter dem Weichenboden liegenden Schubkurbeltriebes mit
dem Anschlagarm und den unten an der Wippe sitzenden Anschlagzapfen, Fig. 3 eine
vom Gleis aus gesehene Ansicht der Anschlagwippe mit ihrer mechanischen Schwenkvorrichtung,
Fig. 4. eine Außenansicht der einen Weichenstellklappe, des Wippenantriebs und des
Federlaufwerkes und Fig. 5 das Schaltbild einer elektromagnetischen Fernbetätigungsvorrichtung
für die Wippe.
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Auf dem Weichenkörper a ist die Weichenzunge 2 um den Festzapfen 3
schwenkbar. Durch einen zu diesem konzentrischen Schlitz 4. des Weichenkörpers i
greift der Zapfen 5, an den die Spitze der Weichenzunge und das Ende der Schubstange
2o angeschlossen sind. Im Federlaufwerkgehäuse 6 sitzt auf der Aufzugsachse 8 die
Bandfeder 7, die mit einem auf der Achse sitzenden Schlüssel g aufzuziehen ist.
Im Gehäuse 6 ist ferner eine Zwischenachse io und die Kurbelachse i i gelagert.
Von der Aufzugsachse aus erfolgt über die Zwischenachse io auf die Kurbelachse i
i eine Übersetzung .ins Schnelle.
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Die zweiarmige Anschlagwippe 12 sitzt fest auf der Achse 13 (Fig.3),
die im Federlaufwerkgehäuse gelagert ist und über dieses gegen die Schienen zu frei
vorspringt. Die Anschlagwippe trägt Tastknöpfe 1,4 und 15 und unter diesen Anschlagstifte
17 und 18, die durch den Weichenkörper i nach unten durchgreifen können. Auf dem
unter den Weichenkörper Verabreichenden Ende der Achse i i sitzen fest der Anschlagarm
18 und die Kurbel 1g (Fig. i und 2), welche die Schubstange 20 treibt. Die Bewegungsübertragung
von der Achse i i auf den Zapfen 5 kann auch mit anderen an sich bekannten 'Mitteln
bewirkt «erden, beispielsweise durch zwei entgegengesetzte Exzenter, die gegen eine
an einer Zug- und Druckstange sitzende Gleitfläche anlaufen.
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Auf der Wippenachse 13 sitzt fest eine Kurbel 21, welche über eine
Schubstange 22 eine Kurbel 23 antreiben kann. Umgekehrt kann die Kurbel 23 durch
die Schubstange 22 die Kurbel 21 ausschwingen. Die Kurbel 23 sitzt fest auf einer
Welle 2d., die neben einer Schiene des geraden Gleisstranges eine Weichenstellklappe
25 trägt. Die Welle 24 trägt ferner einen Arm 26. der entgegengesetzt zur Klappe
25 schräg aufwärts gerichtet ist und unter einer zweiten Weichenstellklappe 27 spielt,
die auf einem Festzapfen 28 neben einer Schiene des Abzweiggleises gelagert
ist.
Eine Deckklappe 29 verdeckt das Federwerk und die Wippe, deren Tastknöpfe durch
die Klappe hindurch über diese emporragen.
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Zur Bedienung der Weichenstellvorrichtung von Hand wird jeweils einer
der Tastknöpfe 14 oder 15 niedergedrückt. Bei niedergedrücktem Tastknopf 15 befindet
sich der Anschlagstift 16 in der Bahn des Anschlagarmes 18 (Fig. 3). Er hält den
Anschlagarm auf, der zuvor an dem Anschlagstift 17 anlag. Der Anschlagarm und die
mit ihm fest verbundene Kurbel i9 kann also nach dem Anlassen des Federlaufwerkes
immer nur um i8o°, d. h. um eine halbe Drehung geschwenkt werden. Da die Anschlagstifte
16, 17 parallel zum geraden Gleis angeordnet sind und die Kurbel unter Berücksichtigung
der Stiftdicke etwa rechtwinkelig zum Anschlagarm steht, bleibt die Kurbel immer
in einem ihrer Totpunkte oder rechtwinkelig zu dem geraden Gleis in Ruhe, in welcher
sie eine unerwünschte Schwenkung der Weichenzunge 2 sicher hintanhält. Bei niedergedrücktem
Tastknopf 15 steht die Kurbel in ihrem inneren Totpunkt und die Weichenzunge ist
auf das Abzweiggleis eingestellt. Fährt auf diesem der Zug der Weichenzunge entgegen,
so ist dessen Zentrifugalkraft bestrebt, die Weichenzunge auswärts zu schwenken.
Das sie das infolge der Totpunktstellung der Kurbel nicht zu tun vermag, kann der
schwerste Zug mit Höchstgeschwindigkeit über die Weichenzunge hinwegfahren, ohne
daß sich diese auch nur lockern könnte. Das bisher gefürchtete Entgleisen schwerer,
schnell fahrender Züge beim überfahren der Weiche bzw. beim Einfahren in diese ist
somit mit Sicherheit verhindert. Nach dieser Regel kann man den Zug jetzt auch beliebig
schnell fahren lassen. Steht die Kurbel in ihrem äußeren Totpunkt, so ist die Weichenzunge
ebenso sicher auf das gerade Gleis eingestellt.
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Wird es übersehen, durch rechtzeitiges Niederdrücken des betreffenden
Tastknopfes das Einstellen der Weichenzunge auf den ihr entgegenfahrenden Zug durch
das Federlaufwerk und den Schubkurbeltrieb zu veranlassen, d. h. das Federlaufwerk
rechtzeitig anzulassen, so würde der Zug entgleisen, wenn keine besondere Sicherungsvorrichtung
dagegen vorgesehen wäre. Diese Sicherung wird nach dem Ausführungsbeispiel mittels
Betätigung der Anschlagwippe 12 von einer der Weichenstellklappen 25 oder 27 aus
erfindungsgemäß erreicht. Fährt bei der Weichenzungeneinstellung nach Fig. i der
Zug auf dem Abzweiggleis der Weichenzungenspitze entgegen, so wird durch den Spurkranz
des äußeren vorauslaufenden Vorderrades die Weichenstellklappe 27 herabgeschwenkt.
Dadurch wird auch ,der Arm 26 herabgeschwenkt und die Welle 24 samt der Kurbel 23
mitgeschwenkt. Die Abwärtsschwenkung der Kurbel 23 wird durch die Schubstange 22
auf die Kurbel 21 und damit auf die Wippe 12 übertragen, welche ihren Anschlagstift
16 hochschwenkt und damit den Anschlagarm freigibt, welcher nun durch das anlaufende
Federlaufwerk eine halbe Drehung ausführt, bis er an den in seine Bahn herabgeschwenkten
Anschlagstift 17 anschlägt. Durch diese halbe Drehung gelangt die Kurbel i9 in ihre
innere Totpunktstellung, in welcher die Bogenschiene der Weichenzunge auf die, vom
Zug aus gesehen äußere Schiene des Abzweiggleises eingestellt ist. Der Zug hat sich
also die richtige Weichenstellung selbst rechtzeitig verschafft, ohne daß er auf
die Weichenstellklappe 27 einen großen Druck auszuüben brauchte; denn durch diesen
mußte ja nur die leicht bewegliche Vorrichtung 27, 26, 24, 23, 22, 21, 13, 12, d.
h. die Anlaßvorrichtung für das Federlaufwerk betätigt werden, welches hierauf das
viel schwerere Schwenken der Weichenzunge ausführte.
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Fährt der Zug bei auf das Abzweiggleis eingestellter Weichenzunge
dieser auf dem geraden Gleis entgegen, so drückt der vordere Spurkranz die Weicheneinstellklappe
25 nieder. Dadurch wird, auch ohne größere lebendige Kraft, die Weichenzunge selbsttätig
auf das gerade Gleis eingestellt. Ein Ausspringen des Zuges, das bisher wegen zu
großen Widerstands des gesamten Stellwerks gegen Niederschwenken einer Wdicheneinstellklappe
nicht selten vorkam, ist also nunmehr unter allen Umständen verhütet, es sei denn,
daß der eine Wippenarm versehentlich oder zur Herbeiführung einer Entgleisung absichtlich
auf der falschen Seite durch Druck auf deren Tastknopf zu lange niedergedrückt gehalten
wird.
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Für elektrische Fernsteuerung der Wippe sind nach Fig. 5 über dem
Tastknopf 14 ein Elektromagnet 30 und über dem Tastknopf 15 ein Elektromagnet
31 angeordnet. Die Elektromagnete können von einer Batterie 32 aus wechselweise
erregt werden. Zu diesem Zweck läuft vom Pluspol der Batterie 32 eine Leitung 33
zu der Außenschiene 34. Andererseits führt vom Minuspol eine Leitung 35 zu dem Schalthebel
36, welcher über Kontakte 37 und 38 bis zu den Anschlägen 38 und 39 geschwenkt werden
kann. Damit der Schalter sicher bis zu seinen Endstellungen geschwenkt wird, ist
an ihn eine Führungsstange 41 angelenkt, welche in bekannter Weise eine Schraubenfeder
42 durchsetzt, die an der Festplatte 43 sich abstützt. Von dem Kontakt 37 läuft
eine Leitung 44 zum Elektromagneten 3i. Von dem Kontakt 38 läuft eine Leitung 45
zum Elektromagneten 3o. Die freien Enden der beiden Elektromagnetwicklungen sind
mit Leitungen 46 und 47 mit der Außenschiene 34 in Verbindung. Auf diese Weise können
beide Stromkreise mittels des' Schalters 36 wechselweise geschlossen werden. Dadurch
wird die Anschlagwippe i2 von einer Anschlagstellung in die andere umgewippt.