DE89598C - - Google Patents
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Classifications
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- Chemical & Material Sciences (AREA)
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- Organic Low-Molecular-Weight Compounds And Preparation Thereof (AREA)
Description
KAISERLICHES
PATENTAMTS^
Behandelt man äthylenhaltige Gase, beispielsweise gereinigtes Leuchtgas oder Koksofengas,
mit concentrirter Schwefelsäure, um ihnen das Aethylen zu entziehen, indem man das Gas
durch mehrere mit Säure gefüllte Waschflaschen hindurchstreichen lä'fst, so beobachtet man eine
Gelbfärbung der Säure, welche beim fortgesetzten Durchleiten des Gases in Braun übergeht,
während die Säure wesentlich dickflüssiger wird. Die Färbung und Verdickung der Säure
rührt her von Condensationsproducten, Kohlenwasserstoffen von höherem Moleculargewichte,
welche sich aus einfacher zusammengesetzten Gasbestandtheilen in Berührung mit Schwefelsäure
bilden und in der Säure auflösen. Die Hauptmenge der Condensationsproducte scheidet
sich in der ersten Waschflasche aus, was sich sowohl ander Färbung, als an der Gewichtszunahme
der Säure erkennen läfst, während die folgenden Flaschen immer weniger an Gewicht
und Färbung zunehmen. Nach einiger Zeit beobachtet man auf der Oberfläche der Flüssigkeit in dem ersten Gefäfse die Ausscheidung
einer öligen oder auch harzigen Schicht, sobald sich die Condensationsproducte in genügender Menge angesammelt haben.
Untersucht man nun die verdickte braun gefärbte Säure auf ihren Gehalt an Aethylschwefelsäure,
indem man die Säure mit etwas mehr als dem gleichen Gewichte Wasser verdünnt, abdestillirt, das Destillat möglichst vollständig
von dem mit übergehenden OeIe trennt und durch wiederholte Rectificationen reinigt und
auf ein geringes Volumen bringt, so dafs man den vorhandenen Alkohol aus dem specifischen
Gewichte berechnen kann, so findet man wesentlich weniger Aethylschwefelsäure darin, als in
der Säure aus einem der folgenden Gefäfse, welche weniger gefärbt und verdickt erscheint.
Untersucht man andererseits auch das Gas nach dem Durchgange durch die Säure auf
seinen Aethylengehalt, so findet man noch reichlich Aethylen darin, auch wenn es so
vollständig von den Condensationsproducte liefernden Kohlenwasserstoffen befreit wurde,
dafs es Schwefelsäure nicht mehr im geringsten färbt.
Demnach lassen sich einerseits die Condensationskohlenwasserstoffe
leichter aus dem Gase entfernen als das Aethylen, beeinträchtigen aber andererseits die Absorptionsfähigkeit der
Schwefelsäure für Aethylen. Um das Aethylen des Leucht- oder Koksofengases oder ähnlicher
Gase nutzbar zu machen, mufs man daher zuvörderst die Condensationskohlenwasserstoffe
aus dem Gase entfernen. Man mufs hierzu nicht nothwendigerweise concentrirte Schwefelsäure
verwenden, die Condensationsproducte werden ebensogut abgeschieden, wenn man das
Gas mit mäfsig verdünnter Säure, besonders unter Erwärmen behandelt.
Die Vereinigung des Aethylens mit der Schwefelsäure geht bei gewöhnlicher Temperatur
sehr langsam vor sich. Erhitzt man aber die Säure, so wird die Vereinigung mit dem
Aethylen aufserordentlich beschleunigt. Bei Anwendung von reiner Säure von 95 pCt.
Säurehydratgehalt und von reinem Aethylen wurde das Verhältnifs in der Absorptionsgeschwindigkeit
bei 150C. zu derjenigen bei
iio° C. wie ι : 30 gefunden, d. h. bei 1 io° C.
wird von einer gleich grofsen, mit Säure benetzten Oberfläche in der gleichen Zeit 3 ο mal
so viel Aethylen (auf Gas von 150 C. berechnet) aufgenommen, als bei 150C. Bei
140 ° C. ist das Verhältnifs 1 : 50. Durch weitere Steigerung der Temperatur wird die
Geschwindigkeit der Absorption noch mehr
vergröfsert. Selbst verdünnte Schwefelsäure von ca. 80 pCt. Säurehydratgehalt nimmt bei
Temperaturen über ioo° C. noch reichlich Aethylen auf. . . .
Man könnte hieraus schliefsen, dafs es zweckmäfsig wäre, um eine gegebene Gasmenge
schnell und gründlich von Aethylen zu befreien und daraus Aethylschwefelsäure zu
erhalten, Gas und Säure auf eine möglichst hohe Temperatur zu erhitzen. Diesem Vorhaben
wird jedoch durch die bei, höherer . Temperatur eintretende Zersetzung der entstandenen
Aethylschwefelsäure Einhalt geboten. Erhitzt man nämlich Aethylschwefelsäure für
sich längere Zeit nur auf 1400 C, so findet eine
merkliche Zersetzung Unter Entwickelung von schwefliger Säure neben geringer Aetherentwickelung
statt, welche ganz erhebliche Verluste zur Folge hat. Wollte man also Aethylen
oder äthylenhaltige Gase längere Zeit mit auf 1400 C. erhitzter Schwefelsäure behandeln, so
würde man nur einen Bruchtheil des Aethylens als Aethylschwefelsäure gewinnen. Die Zersetzung
ist auch nicht völlig zu vermeiden, wenn man Gas und Säure auf 110 bis 1200 C.
erhitzt; die Entwickelung schwefliger Säure ist aber dann so unbedeutend, dafs keine erheblichen
Verluste zu befürchten sind. Als eine Mischung von Schwefelsäure mit Aethylschwefelsäure,
welche 50 pCt. Aethylschwefelsäure enthielt, zwei Stunden lang auf 1200 C.
erhitzt wurde, konnte nach dem Erhitzen nur eine ganz geringe Abnahme an Aethylschwefelsäure
festgestellt werden.
War die zur Absorption des Aethylens verwendete Schwefelsäure nicht wasserfrei oder
das Aethylen nicht trocken, so giebt die entstandene Aethylschwefelsäure beim längeren
Erhitzen auf 1200 C. ein Gemisch von Alkohol-
und Aetherdampf ab. Beim Erhitzen auf höhere Temperatur ist die Dampfentwickelung reichlicher.
Gleichzeitig absorbirt diese Säure aber lebhaft Aethylen. Man könnte daher theoretisch
mit einer geringen Menge Schwefelsäure eine unbegrenzte Menge Aethylen in ein Gemisch
von Alkohol und Aether umwandeln.
Aus den oben mitgetheilten Thatsachen ergiebt sich folgendes Verfahren zur Gewinnung
von Aethylschwefelsäure aus äthylenhaltigen Gasen, beispielsweise Leuchtgas oder Koksofengas.
Die von Theer, Ammoniak, Benzol und Schwefelwasserstoff befreiten Gase müssen zunächst
noch getrocknet werden. Man erreicht dies am besten, indem man das Trocknen und die Abscheidung der Condensationsproducte
verbindet und das Gas mit 70 bis 80 ° C. warmer verdünnter Schwefelsäure von weniger
als 80 pCt. Säurehydratgehalt behandelt. Hierdurch werden gleichzeitig auch die etwa vorhandenen
Homologen des Aethylens, das Propylen, Butylen etc., welche schon beim
Zusammentreffen mit kalter verdünnter Schwefelsäure die entsprechenden Estersäuren liefern,
vor dem Aethylen aus dem Gase entfernt.
Nachdem auf diese Weise möglichst vollständig alle Kohlenwasserstoffe und sonstigen
Gasbestandtheile entfernt sind, welche die Absorptionsfähigkeit der Schwefelsäure für
Aethylen und- die Reinheit der Aethylschwefelsäure beeinträchtigen können, wird das Gas
auf ι io bis 1200 C. erhitzt, indem man es
durch Wärmekammern streichen läfst. Von hier gelangt es in die Absorptionsapparate,
welche mit heifser concentrirter Schwefelsäure berieselt werden und mit Heizvorrichtungen
versehen sind, welche die Temperatur auf 110 bis 120° C. zu erhalten gestatten. Es
eignen sich hierzu am besten den Skrubbern ähnliche, mit säurebeständigen Steinen ausgesetzte
Apparate, welche der Säure eine möglichst grofse Oberfläche bieten und damit eine
innige Berührung zwischen Gas und Säure bewirken. Man verwendet vier bis fünf hinter
einander geschaltete derartige Apparate und läfst die frische Säure beständig am Ausgang des
letzten Apparates eintreten, wo das Gas die Batterie verläfst. Die am Boden des letzten
Apparates sich ansammelnde Säure wird durch eine Säurepumpe nach dem vorletzten Apparate
befördert, wo sie wiederum dem Gase entgegenströmt. Das Gleiche findet bei den anderen
Apparaten statt, so dafs sich am Boden des ersten Apparates, wo. das Gas eintritt, die
Aethylschwefelsäure mit dem höchsten Procentgehalte ansammelt und von hier zur weiteren
Verarbeitung entnommen werden kann. Es gelingt auf diese Weise, leicht eine Aethylschwefelsäure
von 50 bis 6opCt. zu erhalten.
Die gewonnene Aethylschwefelsäure . kann man nach Belieben auf Alkohol oder Aether
oder auch auf Ester organischer Säuren verarbeiten, indem man sie mit Wasser oder
den Salzen organischer Säuren erhitzt.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Die Gewinnung von Aethylschwefelsäure aus äthylenhaltigen Gasen in der Weise, dafs man die von Theer, Ammoniak, Benzol und Schwefelwasserstoff befreiten Gase zuerst mit kalter concentrirter oder heifser verdünnter Schwefelsäure von weniger als 80 pCt. Säurehydratgehalt und dann mit concentrirter Schwefelsäure oder einem Gemisch von Schwefelsäure und Aethylschwefelsäure bei einer Temperatur von 100 bis 1400 C. behandelt.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE89598C true DE89598C (de) |
Family
ID=361404
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT89598D Active DE89598C (de) |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE89598C (de) |
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- DE DENDAT89598D patent/DE89598C/de active Active
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