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Verfahren zur Herstellung von Anstrichmassen Calciumoxychlorid bildet
sich erst bei höherer Konzentration von Chlorcalciumlösungen und ist infolgedessen
unter vielen Verhältnissen unbeständig. So wird bei Zimmertemperatur Oxychlorid
erst bei einer 2o°/oigen C'hlorcalciumlauge gebildet, und selbst bei dieser Konzentration
unterbleibt die Bildung schon bei 4o° vollständig.
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Es wurde deshalb auch nie technisch f'ür irgendwelche Zement- und
Kittmassen angewandt, und man hat bei Herstellung des Sorelzementes (Mg O -f- Mg
C12) stets ängstlich darauf geachtet, daß diese Massen vollständig frei von Kalk
waren.
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Es wurde nun gefunden, daß der Umstand, daß sich Calciumchlorid nur
in höherer Konzentration bildet, für die Aufbringung von Anstrichschichten außerordentlich
günstig ist. Man braucht nach vorliegender Erfindung nur CaC12 und, Calciumhydroxyd
in für Bildung von Oxychlorid (3 Ca0 Ca C12 * i5 H20 oder 3 Ca(OH)2 - Ca C12 - r2
H20) äquivalenten Mengen unter vorheriger Beigabe eines solchen Wasserüberschusses
zusammenzugeben, daß kein Oxychlorid gebildet wird. Trägt man nun eine solche mit
Farbe usw. versetzte Masse auf eine Fläche auf, so wird allmählich ein Teil des
Wassers verdunsten und dann die zur Bildung von Oxychlorid nötige Konzentration
erreicht. Die Oxychloridkristalle bilden sich nun in der ruhenden Anstrichschicht
und verfilzen dadurch allmählich die ganze Schicht. Damit ist eine geradezu ideale
Anstrichmasse gegeben, die sich mit der Bildung des Linoxynfilms bei Leinölanstrichen
vergleichen läßt.
Der Reaktionsverlauf wird infolge Lösungssteigerung
des Kalkhydrates noch verstärkt durch Zugabe von Ammoniumchlorid, Glycerin. oder
Zucker, welche drei Körper u. a. sehr gute Lösungsvermittler für Kalkhydrat sind.
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Ähnlich wie beim Sorelzement die besten Resultate erzielt werden,
wenn ein ziemlicher Überschuß an Mg0 vorhanden ist, so'hat auch im vorliegenden
Falle ein Überschuß von Kalkhydrat seine großen Vorteile, indem so auf keinen Fall
und zu keinen Bedingungen überschüssiges Calciumchlorid, das stark Wasser anzieht,
vorhanden ist, und indem offenbar ähnlich wie beim Sorelzement in der Schichtmasse
das Calciumhydrat gewisse Kerne bildet. Der Überschuß kann gut die anderthalbfache
bis doppelte Menge, ja noch mehr betragen.
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Des weiteren wurde gefunden, daß dies Verfahren merkwürdigerweise
noch wesentlich verbessert werden kann, wenn man teilweise schon vorher fertig gebildetes
Calciumoxychlorid anwendet.
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Da bei solchen Reaktionen im allgemeinen keine Endzustände eintreten,
sondern das Reaktionsgleichgewicht in den Anfängen oder höchstens in der Mitte der
Bildung der gewünschten Reaktionskörper stehenbleibt, wird die Wirkung sonst nie
so vollkommen erreicht, wie man es wünscht.
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Setzt man aber im vorliegenden Falle der Masse schon einen Teil vorher
gebildetes Oxychlorid zu, so hat man einerseits den Vorteil, daß die Filmverfestigung
und die Verkittung der einzelnen Teile schneller und ausgiebiger durch das sich
erst im Film bildende und kristallartig anschließende Calciumoxychlorid erreicht
wird und andererseits von vornherein zur Abgabe entsprechender Komplexkerne u. dgl.
genügend Calciumoxychlorid vorhanden ist.
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Selbst bei vollständigem Ersatz des im Film zu bildenden Oxychlorides,
was man ja praktisch nur in Ausnahmefällen vornehmen wird, wird die verkittende
Wirkung des sich im Film bildenden Calciumoxychlorides nicht aufgehoben, da ja in
diesem Falle im Anstrichmittel eine gewisse Aufspaltung des Calciumoxychlorides
durch das vorhandene Wasser und eine Wiederbildung im Film stattfindet.
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Es wurde weiter gefunden, daß ein großer technischer Fortschritt erzielt
werden kann, wenn diese Massen als Pulver geliefert werden, was durchaus möglich
ist. Dadurch werden enorme Mengen unnütz transportierten Wassers vermieden und teure
Verpackung erspart. Dabei kann das fertig gebildete Calciumoxychlorid bzw. wasserärmere
als Anhydride erkannte Verbindungen angewandt werden, zweckdienlich nach frülher
Gesagtem mit einem gewissen Überschuß an Kalkhydrat. Diese verschiedenen Calciumoxychloridanhydride
haben den Vorteil der leichteren Herstellung, vor allem aber den Vorzug, daß sie
etwa angezogenes Wasser zunächst zur Bildung der normalen Verbindung (3 Ca(O H)
2 - Ca C12 - 12 H2 O) verwenden und dadurch nicht schmierig werden.
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Es können aber auch ebensogut Vorstufen in einer konzentrierten Anteigung
zusammengegeben werden, wenn man nur darauf achtet, daß der Prozentgehalt Calciumchlorid
in dem Anteigwasser unter 20% bleibt.
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Besonders geeignet für eine Reaktionswirkung erst im Anstrichfilm
ist der gelöschte, gebrannte Dolomit, offenbar, weil hier der Magnesiumoxydanteil
infolge der hohen Temperatur und der Vergesellschaftung mit dem Calcium sehr reaktionsträge
ist.
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Es wurde nun ferner gefunden, daß es vorteilhaft ist, Calciumchlorid
aus Magnesiumchlorid und Kalk in der Anstrichmasse erst selbst herzustellen, was
fast quantitativ geschieht, wobei man weiter dabei stark und rasch abbindendes kolloidales
Magnesiumhydroxyd als Umsetzungsprodukt erhält. Dieses Magnesiumhydroxyd gibt beim
Eintrocknen in den nicht kolloidalen Zustand eine starke Verkittung mit all den
anderen Komponenten.
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Da Chlormagnesium billiger ist als Chlorcalcium und jährlich in großen
Mengen als Lauge in die Elbe abfließt, ist die Anwendung von Magnesiumchlorid auch
wirtschaftlicher.
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Jede Analogie vom lUauermörtel, bei dem sich zunächst im Laufe von
Wochen und Monaten die Kohlensäure der Luft mit dem Kalkhydrat zu Calciumcarbonat
bildet, welcher Vorgang durch Koksöfen sehr beschleunigt wird, und dann im Laufe
der Jahre die Kieselsäure des Sandes an Stelle der Kohlensäure tritt und durch diesen
Prozeß dann den wirklich versteinerten Mörtel schafft, gibt auch im vorliegenden
Falle der Zusatz von Kohlensäureträgern, wie Ammoniumbicarbonat oder schon Kreide
als Carbonatkern, eine Beschleunigung in der Dauerversteinerung. Im gleichen Sinne
wirkt die Zugabe von hochaktiver Kieselsäure in der Form des Kieselsäuregels.
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Alle diese Massen werden an sich viel porenfreier und schützender
und elastischer, wenn man sie mit einer geringen Menge wasserlöslicher Weichmacher
oder Kunstharz- oder Bitumenemulsionen versetzt.
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Nicht nur wird dadurch die Masse als solche verbessert, sondern auch
die Haftfestigkeit gesteigert und die vorhandene gute, feuerhemmende Wirkung noch
verstärkt.