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Hilfsgerät zum Abbinden, insbesondere von Würsten in handwerklichen
Fleischereibetrieben Ein großer Teil der Wurstfabrikation liegt bekanntlich hei
kleineren und mittleren Fleischereilretrieben oder bei Bauernhöfen, deren Maschinenbestand
beschränkt ist und naturgemäß nicht all jene Geräte umfaßt, die erst im Großbetrieb
wirtschaftlich tragbar sind. Insbesondere fehlt es in handwerklichen Betrieben allgemein
an einem Gerät, mittels dessen ein Fleischer allein, d. h. ohne Zuhilfenahme eines
Gesellen, das Abbinden der gefüllten Wurst in bequemer und hygienisch einwandfreier
Weise vornehmen könnte. Bisher war es üblich, mit der linkeli Hand die mehr oder
weniger fettige Wursthülle zu halten, mit der rechten Hand einen Faden aus der Schürzentasche
zu ziehen, dieseil tim den Wursthüllenzipfel zu schlingen und die Schlinge sodann
unter Zuhilfenahme der Zähne festzuziehen. Erst hiernach war die linke Hand frei,
um scliließlii,h beide Enden der Schlinge verknoten zu können.
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Diese Methode ist nicht nur dem Gebiß äußerst abträglich, indem sie
zu einer jedem Zahnarzt bekannten typischen Berufskrankheit von Fleischern führt,
sondern sie ist, von der körperlichen Anstrengung und Schädigung ganz abgesehen,
auch in hygienischer Hinsicht nicht einwandfrei.
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Diese Übelstände beseitigt das Hilfsgerät gemäß der Erfindung dadurch,
daß der zweckmäßigerweise knäuelförmig aufgewickelte Abbindefa.den endlos über eine
Rolle o. dgl. geführt ist, deren Umfang der für einen Arbeitsgang des Abbinden.s
erforderlichen Fadenlänge entspricht und welche mit einem Gesperre zusammenwirkt,
nach dessen Auslösen die Rolle eine Umdrehung ausführen kann und diese danach derart
blockiert, daß die mit der rechten
Hand um den Wurstzipfel gelegte
Schlinge durch bloßes Anziehen des von der Rolle abgelaufenen Fadenendes festgezogen
wird. Um hierbei ein Gleiten des Fadens über der blockierten Rolle zu verhindern,
braucht man diesen nur mehrmals, z. B. zwei- bis dreimal um die Rolle zu legen,
wodurch der auf den Faden ausgeübte Zug derart von der blockierten Rolle abgefangen
wird, daß ein Gleiten des Fadens längs ihres Umfanges unmöglich ist.
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In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt.
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Fig. i ist eine perspektivische Gesamtansicht der Vorrichtung. Auf
der von dem Fußsockel 2 gehaltenen Stützsäule 3 ist ein Teller 4 befestigt, an welchem
mittels eines Ansatzes 5 der Behälter 6 für das Fadenknäuel angebracht ist. Der
Behälter 6 ist bei dem dargestellten Ausführungsbeispiel einerseits mit einem Deckel
? und andererseits mit einer Düse 8 zum Austritt des Fadens 9 versehen, doch kann
er auch aus einem offenen korbartigen Gebilde bestehen. Der Faden 9 ist in mehreren,
beispielsweise zwei oder drei Windungen um die Seilrolle io geführt, welche drehbar
auf einem Zapfen o. dgl. gelagert ist, dessen Oberende eine Hutmutter o. dgl. i
i aufweist, welche die Lage der Fadenrolle io auf ihrem Drehzapfen sichert. Der
Teller 4 weist ferner eine Führungsmulde 12 für den ablaufenden Faden 9 auf, in
welche er durch das Fenster 13 geleitet wird. Schließlich ist an dem Teller 4 noch
eine Stütze 14 für einen Rahmen 15 befestigt, der zur Aufnahme von Messern 16 dient.
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Die Fadenrolle io wirkt mit einem Gesperre zusammen, welches die Rolle
nach jeder Umdrehung blockiert und einen Hebel o. dgl. 2i aufweist, durch dessen
Schwenken die Rolle für eine weitere Umdrehung freigegeben wird. Ihr Umfang ist
so bemessen, daß er der Länge des zum Abbinden einer Wurst benötigten Fadens entspricht.
Sobald die Fadenschlinge um den Wurstzipfel gelegt ist, kann sie durch bloßes Anziehen
des von der Rolle io ablaufenden Fadens 9 festgezogen werden, da die Rolle nach
Abwickeln der erforderlichen Fadenlänge durch das Abwickeln blockiert ist. Sofern
das Gewicht des Sockels 2 dem beim Festziehen der Schlinge auf die Vorrichtung ausgeübten
Zug nicht widerstehen sollte, kann der Sockel mittels Schrauben o. dgl. auf der
Tischplatte befestigt oder auch durch eine Schraubzwinge nach Art der bekannten
Küchenmaschinen befestigt sein. Sobald die Schlinge um den Wurstzipfel festgezogen
ist, wird der Faden in den Rahmen 15 eingebracht und mittels eines der Messer 16
abgeschnitten, worauf die Schlinge verknotet werden kann. Der Rahmen 15 kann, z.
B. mittels feststellbaren Kugelpfannengelenkes, nach jeder Richtung schwenkbar sein,
um ihn in die für das Abschneiden des Fadens jeweils bequemste Lage zu bringen.
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Nach Beendigung des beschriebenen Arbeitsganges wird das Gesperre
der Seilrolle io wieder freigegeben, bis es nach Abzug einer weiteren Fadenlänge,
d. h. nach Ausführung einer Rollendrehung, selbsttätig wieder einfällt und die Rolle
von neuem blockiert. Das Gesperre kann beispielsweise der in Fig. 2, 3 und 4 schematisch
dargestellten und auch aus Fig. i ersichtlichen Art sein, gemäß welcher die Seilrolle
io mit einer Nase 17 versehen ist, die mit dem um die Achse 18 schwenkbaren Klinkenhebel
21 zusammenwirkt, dessen Bahn durch die Anschläge i9, 20 begrenzt ist. Fig.2 zeigt
Rolle und Hebel in Sperrstellung, in welcher der in Richtung des eingezeichneten
Pfeiles 22 beim Festziehen der Wurstzipfelschlinge auf die Rolle wirkende Fadenzug
ein Abrollen des Fadens verhindert und den. Hebel ei mittels der Nase 17 gegen den
Anschlag i9 drückt. Wird nun der Hebel 21 gemäß Fig. 3 gegen den Anschlag 20 geschwenkt,
so wird die Rolle io durch die Nase 17 ein wenig in Richtung des Pfeiles 23-gedreht,
bis die entsprechende Kante des ausgeklinkten Hebels die Nase freigibt, wonach sie
beim Abziehen des Fadens von der Rolle in die Hebelklinke einfährt und den Hebel
in die in Fig. 4 gezeichnete Stellung gegen den Anschlag i9 schwenkt und damit aus
dem Bereich seiner Sperrwirkung gelangt. Nach Ausführung einer Umdrehung läuft die
Nase 17 jedoch wieder- auf den Rücken des Sperrhebels 21 auf, wie Fig. 2 veranschaulicht,
womit der Arbeitsgang beendet und. der folgende vorbereitet ist.
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Um zu verhindern, daß beim eiligen Schwenken des Sperrhebels 21 aus
der in Fig. 2 gezeigten Lage in die Stellung der Fig. 3 die Rolle io einen zu starken
Drehimpuls in Richtung des Pfeiles 23 erfährt, kann gemäß einem weiteren Merkmal
der Erfindung eine elastische Bremse, beispielsweise eine Leder- oder Gummileiste
24, etwa auf dem Teller 4, angebracht sein, gegen welche der Rücken der keilförmigen
Nase 17 aufläuft und die beim Abziehen des Fadens, d. h. beim Auftreffen der Nasenvorderseite,
elastisch ausweicht.
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Die ,Erfindung ist jedoch nicht auf die in der Zeichnung nur beispielsweise
dargestellte Ausführungsform eines Gesperres beschränkt. Dieses kann vielmehr auch
aus einem Federstift bestehen, der in eine am Umfang oder auf der Unterseite der
Fadenrolle io vorgesehene Ausnehmung einfällt und aus dieser durch Zug oder Hebelwirkung,
gegebenenfalls auch elektromagnetisch, herausgezogen wird, wonach er, als Bremse
wirkend, gegen die Rolle federnd anliegt. Statt eines Federstiftes kann auch eine
unter Federdruck stehende Kugel vorgesehen sein, die bei Drehung der Rolle in einer
in ihr angebrachten Kreisnut liegt. Ferner kann man den Umfang der Rolle auch mit
einer Aussparung versehen, in welche nach jeder Umdrehung ein unter Federdruck stehender
Schnepper einfallen kann, durch dessen Auslösen die Rolle für den Abzug einer weiteren
Fadenlänge freigegeben wird. Schließlich kann die Seilrolle einen Eigenantrieb mittels
einer aufziehbaren und etwa innerhalb der Stützsäule 3 untergebrachten Feder erhalten,
so daß sie nach Auslösen des Gesperres selbsttätig aus dessen Wirkungsbereich gelangen
kann, ohne hierfür die linke Hand benutzen zu müssen.
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Wenngleich die Erfindung nur in ihrer Anwendung bei der Wurstfabrikation
beschrieben würde, ist sie doch auch für andere Abbindearbeiten, z. B.
für
Gärtnereibetriebe oder zum Abbinden von Mehl-oder Zementsäcken und überall dort
geeignet, wo ein Arbeiter vor der Notwendigkeit steht, unter Festhalten des Werkstückes
mit der einen Hand eine Fadenschlinge zu bilden und festzuziehen.