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Verfahren zur Herstellung von Nadelbändern auf Bandwebstühlen Die
Erfindung bezieht sich auf die Herstellung von sogenannten Nadelländern, d. h. von
Bändern mit aus (lern Gewebe heraustretenden Kettfaden-(Polfaden-) Schlingen. Diese
Schlingen bilden aufliegende Locken oder Noppen und geben so dem Bandgewebe einen
hrinuner-. Frottee- oder ähnlichen Effekt. Die Herstellung der Nadelbänder geschieht
bisher auf einem Nadel- oder Rutenstuhl, d. h. einem Bandwebstuhl, der eine besondere
Einrichtung zum Einziehen von Nadeln oder Ruten in die zur Schlingenbildung dienenden
Fächer und zum Wiederherausziehen der Nadeln oder Ruten aus dem Gewebe hat. Diese
Stühle sind wegen der besonderen Nadelvorrichtung ziemlich kostspielig und außerdem
auch deshalb vielfach unwirtschaftlich, weil für sie nicht dauernd Arbeit vorhanden
ist. so claß die Stühle oft längere Geit unbenutzt dastehen. Aus dem Grunde zieht
man beim Ersatz der zahlreichen im Kriege zerstörten Bandwebstühle meist die Beschaffung
der eine wirtschaftlichere Ausnutzung gewährleistenden normalen Bandwebstühle vor.
Die Folge davon ist, daß nach dem Kriege überhaupt nur wenige Bandwebereien über
Nadelstühle verfügen.
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Um diesen Engpaß zu überwinden, hat der Erfinder sich die Aufgabe
gestellt, die sogenannten Nadelbänder ohne die bisher übliche Nadelvorrichtung,
also auf normalen Bandwebstühlen herzustellen. Es wurde gefunden, daß dies unter
Anwendung eines Bandwebstuhles mit inehrspuligem, z. B. dreisptiligem Schläger in
der Weise möglich ist, claß einerseits die Schützen einer Schützenreihe
des
Schlägers zum Einziehen von der Schlingenbildung dienenden biegsamen Kordeln oder
Darmsaiten oder ähnlichen Elementen benutzt werden, die frei hängend an diesen Schützen
befestigt sind, und daß anderseits das Wiederherausziehen der Kordeln oder Saiten
aus dem Gewebe dadurch bewirkt wird, daß die sie tragenden Schützen, die beim Einziehen
der Kordeln in Fachhöhe standen, nach dem von den Schützen einer anderen Reihe bewirkten
Eintragen von der Gewebebildung dienenden Schüssen durch Heben oder Senken des Vorderschlägers
so weit nach oben oder unten vom Gewebe entfernt werden, daß die Kordeln oder Darmsaiten
aus dem Gewebe herausschlüpfen.
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Bei einem Bandstuhl mit dreispuligem Schläger kann z. B. wie folgt
verfahren werden. Die Schützen der mittleren Reihe dienen zum Eintragen des Schusses,
werden also mit Schußspulen besteckt. Die Schützen der oberen Schützenreihe ersetzen
die bisherige Nadelvorrichtung. An ihnen werden Kordeln oder Darmsaiten so befestigt,
daß sie wie Schwänze frei herabhängen. Man kann dabei an jedem Schützen zwei an
dessen Enden befestigte Kordeln anbringen oder eine einzige, etwas längere Kordel
in der Mitte der Schützenlänge. Die Schützen der unteren Reihe bleiben unbenutzt.
Ihr Vorhandensein ist nur insofern von Bedeutung, als ein Vorderschläger mit drei
Schützenreihen um zwei Stufen gehoben und gesenkt werden kann, so daß über die zum
Austauschen der der Schußeintragung dienenden Schützenreihe gegen die zum Einziehen
der Kordeln o. dgl. dienende Schützenreihe erforderliche Stufe hinaus noch eine
weitere Hebe-oder Senkbewegung des Vorderschlägers zum Herausziehen der Kordeln
aus dem Gewebe möglich ist.
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Bei Einstellung der oberen Schützenreihe in Fachhöhe werden die Schützen
dieser Reihe durch die bei den verschiedenen Gängen des Stuhles durch Heben von
Schlingen- oder Polfäden gebildeten Fächer getrieben und so in jedes Fach eine der
Schlingenbildung dienende Kordel eingezogen. Dann wird durch Heben des Vorderschlägers
die mittlere Schützenreihe in Fachhöhe eingestellt, und es erfolgt nun, nachdem
inzwischen ein Fachwechsel stattgefunden hat, das Eintragen der zwischen zwei Schlingenreihen
vorgesehenen Schüsse, deren Zahl beispielsweise zwei betragen kann, zur Bildung
des Gewebes und zum Festlegen der Schlingen- oder Polfäden. Bei dem erwähnten Anheben
des Vorderschlägers werden die Kordeln dadurch, daß die sie tragenden Schützen um
eine Hubstufe nach oben verlegt worden sind, in den Bändern um einen entsprechenden
Betrag verschoben, aber nicht herausgezogen. Sie bleiben in den Bändern und halten
die sie umgreifenden Teile der Polfäden in Form von Schlingen an der Außenseite
des Gewebes. Nachdem diese Schlingen durch das beschriebene Eintragen von Schüssen
gesichert sind, werden die Kordeln durch weitere Aufwärtsbewegung der sie tragenden
Schützen aus den Bändern herausgezogen, indem der Vorderschläger in eine obere Endstellung
gehoben wird, in der die untere, leere Schützenreihe in Fachhöhe liegt. Danach geht
der Vorderschläger erneut in seine untere Endlage, und es wiederholt sich das beschriebene
Spiel, das wieder damit beginnt, daß die die Kordeln tragenden Schützen durch die
für die Schlingenerzeugung gebildeten Fächer hindurchgetrieben werden.
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Das Verfahren nach der Erfindung besteht demnach im wesentlichen darin,
daß Nadelbänder auf einem Bandwebstuhl mit mehrspuligem Schläger in der Weise erzeugt
werden, daß in die der Schlingenbildung dienenden Fächer durch Hindurchtreiben der
Schützen einer Schützenreihe an diesen frei hängend befestigte Kordeln oder Darmsaiten
eingezogen werden, und daß nach Eintragung von Schüssen durch die Schützen einer
anderen Reihe in die dafür gebildeten Fächer die Kordeln oder Därme durch eine Heb-
oder Senkbewegung des Vorderschlägers aus den Bändern herausgezogen werden.
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Im Rahmen der Erfindung sind natürlich Abänderungen des beschriebenen
Beispiels sowie andere Ausführungsformen und Anwendungen möglich. So könnte statt
der oberen auch die untere Schützenreihe eines dreispuligen Schlägers zum Einziehen
und Wiederentfernen von der Schlingenbildung dienenden Kordeln, Darmsaiten o. dgl.
benutzt werden, in welchem Falle das Herausziehen der letzteren durch Senken des
Vorderschlägers in seine tiefste Stellung geschieht. Es ist ferner möglich, die
Kordeln, Darmsaiten o. dgl. abwechselnd durch die Schützen der oberen und unteren
Reihe einziehen zu lassen, indem die Schützen beider Reihen frei hängende Kordeln
oder Darmsaiten tragen. Dadurch wird der Arbeitsgang etwas verkürzt, indem bei dem
zum Herausziehen der von den Schützen der einen Reihe eingezogenen Kordeln stattfindenden
Heben oder Senken des Vorderschlägers .zugleich die andere mit Kordeln o. dgl. versehene
Schützenreihe für den nächsten Kordeleinzug in Fachhöhe eingestellt wird. Für die
Erfindung ist es unerheblich, ob die Fachbildung, wie im Beispiel angenommen, durch
Heben oder aber umgekehrt durch Senken von Kettenfäden erfolgt. Das neue Verfahren
kann auch auf Bandwebstühlen mit vier- oder noch mehrspuligem Schläger ausgeführt
werden, z. B. dann, wenn wegen der gegebenen Bandbreite zum Herausziehen der Kordeln
oder Darmsaiten ein größerer Hub des Vorderschlägers gewünscht wird oder das Band
mehrspulig gearbeitet werden soll. Auch auf Stühlen mit zweispuligem Schläger läßt
sich das neue Verfahren ausführen, und zwar beispielsweise dann, wenn die Führungen
für den Vorderschläger eine ausreichende Länge besitzen, um über den Schützenwechsel
hinaus noch eine zusätzliche Hubbewegung des Schlägers für das Herausziehen der
Kordeln oder Darmsaiten aus den Bändern zu ermöglichen, und wenn dabei für eine
Bewegung des Vorderschlägers in zwei Stufen gesorgt wird. Bei Anwendung eines zweispuligen
Schlägers kann gegebenenfalls auch so verfahren werden, daß das Einziehen der Kordeln
oder Darmsaiten sowie das Eintragen der Schüsse ohne Höhenverstellung des Vorderschlägers
erfolgt, indem z. B. die Kordeln o. dgl. in ein Unterfach, die Schüsse dagegen in
ein Oberfach eingetragen werden, oder
umgekehrt. Die Hubbewegung
des Vorderschlägers kann dann allein zum Wiederherausziehen der Kordeln oder Darmsaiten
benutzt werden. Eine ähnliche Arbeitsweise ist auch bei einem dreispuligen Schläger
möglich, wobei dann der Vorteil besteht, daß der ganze zweistufige Schlägerhub zum
Herausziehen der Kordeln o. dgl. zur Verfügung steht.
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Das neue Verfahren eignet sich zur Herstellung aller Arten von sog.
-Nadelbändern, wie Wagenborden, Nadelschnüren, sog. Astrachanbändern oder ähnlichen
Bändern, die zur Erzielung eines Krimmer-, Frottee- oder ähnlichen Effektes aufliegende
Noppen, Locken oder Schlingen haben sollen.