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Verfahren zum Herstellen reliefartig wirkender Landkarten Zweck des
hier dargelegten Verfahrens ist erstens die Verbesserung bestehender und die Schaffung
neuartiger Kartenbilder nach Form und Inhalt, zweitens die Verbilligung der Kartenherstellung
durch Anwendung eines im Kartendruckgewerbe nicht üblichen Herstellungsganges.
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Neben solchen Karten, welche die Oberflächenform des betreffenden
Erdausschnittes völlig unberücksichtigt lassen, gibt es andere, welche sie genau
oder mehr oder weniger generalisiert (zusammenfassend, verallgemeinernd) darstellen.
Bei letzteren ist zu unterscheiden, ob die Oberflächenform wirklich plastisch ausgeführt
ist ' wie z. B. bei Blindenatlanten, oder ob es sich um die Erzielung eines
illusionistischen Eindrucks handelt, welcher die Bodenerhebungen (das Relief) auf
malerisch-technische Art vortäuscht. Die Erfindung soll sich nur auf letztere Art
beziehen.
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Bei den bis heute bekannten Karten aller Art wird die Oberflächenform
(Geländeplastik) im Druck durch eine besondere Druckplatte (Gebirgsplatte) hervorgebracht,
welche die Geländeform entweder in Schraffen- bzw.
Schummerungsmanier
bringt oder als Rasterdruck einer Fotografie eines plastischen Reliefs.
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Im ersten Falle erfolgt der Druck der Gebirgsplatte zusätzlich zu
den anderen Farbplatten als über- oder -Unterdruck, wobei je
nach der anderen
Farbe, mit der die Gebirgsplatte zusammentrifft, dieselbe mehr oder weniger von
ihrer Plastik einbüßt, da die anderen Farbplatten (Höhenschichtfarben, politische
Farben) die Oberflächenplastik völlig unberücksichtigt lassen und jeweils als einheitliche
Farbflächen gedruckt werden. Sie wirken also infolge der bei der Drucklegung angewandten
Technik der Gebirgsplattenplastik entgegen, lassen deren optische Wirkung verflachen
oder heben sie gar auf.
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Im zweiten Falle sind Karten bisher nur in Schwarzweißausführung mit
spärlichsten Situationseinzeichnungen (Siedlungen, Straßen) gebracht worden. Nicht
veröffentlichte ersuche, den'#%'ald oder andere geographische Tatsachen in Buntfarben
einzutragen, sind bisher wegen der Farbverschmutzungen bzw. wegen des Undeutlichwerdens
der feineren Reliefformen unbefriedigend verlaufen, weil die Farben in der Art der
herkömmlichen Kartendrucktechnik flächig angelegt wurden.
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Die zu lösende technische Aufgabe besteht also darin, die in den vorstehenden
beiden Fällen gekennzeichneten Mängel (Verschmutzung, Verwischung der Reliefzeichnung)
zu beheben und einen brauchbaren Arbeitsvorgang darzulegen, der erstens ein besseres,
weil feiner gegliedertes Bild derOberflächenplastik des betreffenden Erdausschnittes
ergibt und zweitens es gestattet, damit außerdem noch die Darstellun g jener
geographischen Probleme, die gemeinhin auf Karten ihren 'Niederschlag finden, buntfarbig
zu kombinieren.
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Das Ausgangsmaterial für den technischen Arbeitsgang ist entweder
ein in Schwarzweißtechnik gehaltenes Reliefgemälde in Tusche, Aquarell, Tempera,
öl, Pastell, Kohle oder Kreide oder die Aufsichtfotografie eines plastischen
Rohreliefs, d. h. eines Reliefs ohne farbliche Bemalung, meist im Weiß der
Modelliermasse. Arbeitsgang i Im vorgenannten zweiten Falle ergibt sich als erster
Arbeitsgang die sorgfältige Korrektur der Licht- und Schattentonwerte der Fotografie,
da infolgeder starkenAufnahmebeleuchtung Mängel unvermeidbar sind und mehr oder
minder -roße Stellen des Reliefs teils zu hell, teils zu dunkel erscheinen. Die
keit Aufnahme besser wird auf Glasplatten aus Gründen als der auf Maßhaltig Filme
Cr - -"e macht, und die Fehler werden mit Hilfe der bekannten Rettischeverfahren
beseitigt, wobei die zu dunklen Stellen vorwiegend im Negativ, die zu hellen Partien
auf einem Positivabzug bearbeitet werden. Zu diesem muß aber mattes, bearbeitungsfähiges
Kopierpapier verwendet -,verden. Im Interesse einer späteren guten Wirkung müssen
die Lichter etwas spitz, die Schatten hart und tief gehalten werden, da durch die
nachfolgenden Arbeitsgänge doch eine 'Milderung der Kontraste zwangläufig erfolgt.
Besondere Aufmerksamkeit ist den Gebirgsgraten, Gebirgsrücken, Übergängen von Berglehnen
in die Ebenen und allen plumpen, ungegliederten-, zu großen Schatten zu widmen.
Arbeitsgang 2 Wirkt das Reliefbild infolge der manchmal bedeutenden Schrumpfung
zerrissen, so muß durch eine überlagernde Tönung eine Zusammenfassung größerer Kartenteile
(Gebirgshäno# ge ' Becken,undSenkenlandschaften, Höhenschichtstufen usw.)
erfolgen.
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Dies geschieht mit Hilfe von Schablonen aus Zellglas, Pappe u. dgl.,
welche für die einzelnen Fälle zurechtgesclinitten werden. Die nicht abzutönenden
Gebiete der Karte werden gut abgedeckt und die freien Stellen mit Spritzretusche
bearbeitet, wobei wieder, wie oben empfohlen, Aufhellungen im allgemeinen auf dem
-Negativ, Schattierungen zweckmäßig auf dem Positivabzug vor-,genommen werden.
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Dieses Verfahren ist schnell und billig, wird jedoch bei besseren
Arbeiten durch den Arbeitsgang 8 ersetzt.
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Arbeitsgang i und 2 fallen beim Ausgehen von einem Reliefgemälde fort,
da sich die hier geforderten Gesichtspunkte bereits hinreichend bei Herstellung
des Originals berücksichtigen lassen. Arbeitsgang 3
Nunmehr erfolgt die Eintragung
des Gewässersvstems, entweder auf dem Positivabzug in Weiß oder noch besser auf
dem Negativ in Schwarz. Eine exakte, scharfrandige Linienführung der Flüsse und
ihre richtige Einpassung ins Relief sind wesentlich für die Endwirkung der Arbeit.
Arbeitsgang 4 Von dem Reliefgemälde mit Gewässernetz oder Fotopositivabzug mit Gewässernetz
werden nunmehr auf die technisch übliche Weise Rasteraufnahmen gemacht, und zwar
so, als wolle man eine dem grauen Fotofarbton entsprechende Reproduktion erzeugen.
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Die Erfahrung hat gelehrt, daß eine ausgezeichnete Wiedergabe mit
einer Rasterplatte
nicht zu erzielen ist. Mit grauer Farbe ausgedruckt
wirkt das Relief infolge fehlender Tiefe zu flach. Zur Behebung dieses Mangels nimmt
man noch eine zweite Rasterplatte zu Hilfe, die man bereits in der Aufnahme hart
hält (tiefe Schatten, helle Lichter, also kontrastreich), im Gegensatz zur obengenannten
Grauplatte, die Halbtoncharakter haben muß, also. weicher und ausgeglichener ist.
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Diese zweite Rasterplatte wird als Schwarzplatte benutzt und wird
als solche dem Arbeitsgang 5
unterworfen. Sie wird als Po#sitivglasplattenkopie
in der Ätzerei so bearbeitet, daß sie nur noch die tiefen Schattenpartien kräftig
nachzeichnet, aber an allen Stellen einer schwachen Reliefzeichnung stark zurückgedrängt
wird. Diese Schwarzplatte auf den grauen Untergrund des Grauplattendrucks aufgedruckt
verleiht dem Bild die Tiefe und ergibt erst die eigentliche Lebendigkeit der Plastik.
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Selbstverständlich wird auch die Grauplatte dort, wo es nötig ist,
beätzt. Schwarz-und Grauplatte werden aufeinander abgestimmt, wie überhaupt diese
Arbeitsgänge grundsätzlich dem Kunstdruckfachmann ge-
läufig sind.
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Will man eine besonders gute Wirkung erzielen so schaltet man zur
Verbesserung noch eine dritte Platte für den Druck mit dunklerem Grau (zweite Grauplatte)
zwischen die beiden obengenannten Platten. Aufnahme und Ätzung mü.ssen auf Vermittelung
abzielen.
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Mit diesen Arbeitsgängen sind die Grundlagen für den Reliefkartenbuntdruck
geschaffen. Dieselben Platten werden nicht nur für das, etwa notwendige Ausdrucken
von Grau und Schwarz benutzt, sondern auch grundsätzlich zum Ausdrucken der bunten
Farben genommen. Arbeitsgang 6
Es werden von der ersten Grauplatte, je nach
den be-stimmten Zwecken gegebenenfalls von der zweiten Grauplatte, über eine Negativkopie
eine Anzahl von Positivkopien angefertigt. Ihre Zahl richtet sich, wenn man von
allen Reservekopien absieht, nach der Anzahl der bunten Druckfarben, die verwendet
werden sollen, also im Vierfarbendruck vier, im Sec4sfarbendruck sechs usw. Dabei
wird man kaum über acht bis zehn Farben hinausgehen. Die Gesamtzahl ist aus drucktechnischen
und wirtschaftlichen Gründen möglichst niedrig zu halten. Durchweg können bei Entscheidungen
die üblichen praktischen Erfahrungen im Mehrfarbendruck zugrunde gelegt werden.
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Arbeitsgang 7
Nachdem jede der so geschaffenen Glasplattenkopien
zum Druck für eine bestimmte Farbe gekennzeichnet ist (also als Rotplatte, Gelbplatte,
erste Blauplatte, zweite Blauplatte usw.), erfolgt der entscheidende Arbeitsgang
der Ausschnittätzung. Derselbe soll hier des leichteren Verständnisses wegen am
Herstellungsgang einer politischen Karte erläutert werden, ist aber grundsätzlich
für alle anderen herzustellenden Kartenarten derselbe.
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Soll auf der herzustellenden politischen Karte ein Staatsraum in Rot
erscheinen, so wird auf der zur Rotplatte bestimmten Kopie (vgl. Arbeitsgang
6) dieser Staatsraum durchGummilösung abgedeckt, wiediesbeim Ätzverfahren
üblich ist. DannwirddiePlatte ringsum völlig punktfrei geätzt. Nach Entfernung der
Gummilösung ist die Reliefzeichnung nur noch unter der vorher abgedeckt gewesenen
Stelle erhalten. Dies bedeutet: beim Ausdrucken der Rotplatte nach üblichen Druckverfahren,
zeichnet nur noch dieser Teil in Rot, und zwar, was wesentlich ist, in Reliefzeichnung,
nicht gleichmäßig flächig wie beim hisherigen Druck politischer Karten.
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Entsprechendwird ein zweiterStaatsraum, der blaufarbig erscheinen
soll, auf der Blauplatte bearbeitet usw.
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Die Schwierigkeiten liegen in einer sauberenPaßarbeit der einzelnenBuntfarbenplatten
(Vermeidung von freien, weißen Stellen bzw. von überschneidungen). Es ist also ein
sorgfältiges Arbeiten mit der Gravierpause nötig, deren Benutzung infolge derselben
Schwierigkeiten beim üblichen Kartendruck bekannt ist.
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Es sei noch kurz erwähnt, daß nicht für jede im Druck erscheinende
Farbe eine eigene Platte geschaffen werden muß. Mischfarben, z. B. Orange, können
wie beim bisherigen Vielfarbendruck durch übereinanderdruck der entsprechenden Platten
(im Beispiel Rot- und Gelbplatte) erzeugt werden. Lediglich muß bei der Ausschnittätzung
beachtet werden, daß der betreffende Ausschnitt auf beiden, gegebenenfalls auf mehreren
Platten stehenbleibt. Neuartig ist dabei, daß alle übereinandergreifenden Druckflächen
Reliefzeichnung aufweisen.
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Damit sind die wesentlichen Grundzüge des Verfahrens klargelegt, wie
sie sinngemäß bei der Herstellung all derjenigen Kartenarten angewendet werden müssen,
wo das Mitzeigen des Reliefs aus inneren und sachlichen geographischen Gründen geboten
erscheint.
Erwähnt werden müssen nur noch zwei -Nebenarbeitsgänge,
welche der allgemeinen Verbesserung der Arbeitsergebnisse dienen. N-ebenarbeitsgang,
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Im Arbeitsgang 2 war bcreits von einer zusammenfassenden Tönung gewisser
Reliefpartien gesprochen worden. Die dort empfohlene Spritzretuselie kann aber nur
bei verhältnismäßig grobem Reliefuntergrund verwendet werden. Sollen alle Feinheiten
desselben erhalten bleiben, dann müssen mit Hilfe der Fotomontage zwei beätzte verschiedenartige
Reliefpositive verschmolzen werden. Das erste davon ist die Grauplatte, wie sie
bis einschließlich Arbeitsgan- 5 entwickelt wurde.
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Die zweite Platte entsteht aus einer tonigen Rasteraufnahme, welche
in den Ab-
grenzungen der Tonzusammenfassungen (Gebirgsabhänge. Beckenlandschaften,
Höhenschichtstufen usw.) verschiedenartig nach Bedarf angeätzt wird. Anschaulich
läßt sich dies bei der Herausarbeitung von Höhenschichtstufen erläutern.
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Zuerst wird alles mit Gummilösung abgedeckt, bis auf den Kartenbereich,
welcher der höchsten Schichtstufe angehört. Dieser Bereich der höchsten Schichts
tufe wird nun leicht angeätzt, mit dem Ziel, einen kleinen, aber immerhin unterscheidbaren
Unterschied in der Panktstärke gegenüber dem zunächst noch abgedeckten angrenzenden
Reliefgebiet lb zu erzeugen. Hierauf wird die Gummilösung auch vom Bereich der nächstniederen,
also der zweithöchsten Schichtstufe entfernt und nun beide Bereiche einen Grad weiter
angeätzt usw. bis alle Schichtstufen (in der Regel vier bis sechs) bearbeitet sind.
So ergibt sich eine Reliefplatte, die stufenförmig aufgehellt bzw. schattiert ist,
die dunkelste Schichtstufe unten, meist Tiefland von o bis ioom oder o bis 2oom
Meereshöhe, die hellste oben.
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Die Schwäche dieser Platte, nämlich in den obersten Schichtstufen
nur noch verhältm -gmäßig schwacheReliefzeichnun- zuhaben, wird auf dem Wege über
die Fotomontage durch die Verschmelzung mit der reliefkräftigen Grauplatte wieder
behoben, so daß nunmehr eine Reliefplatte vorliegt, die überall das Relief in der
ursprünglichen feinmodellierten Form aufweist und außerdem die '\-bstufungen der
Höllenschichten zeigt.
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Sinn-emäß ist dieses Verfahren auch auf andere Abtönungsverhältnisse
zu übertra-en, %vodurch stellenweise Schattierung e n bzw.
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Aufliellungen ohne Zerstörung der feineren Reliefplastik möglich sind.
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Nicht immer ist es zweckmäß ig, die Schichtstufenplatte mitderGrauplatte
zuvereinigen, wie vorstehend dargelegt. Sie kann auch manchmal selbständig in eigenem
Druckgang als Abschattierungsplatte. besonders wenn sie sehr leicht, gleichsam nur
andeutungsweise gehalten ist, ganz oder ausschnittweise verwendet werden.
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N'ebenarbeitsgang 9
Die vollendete Wirkung des Reliefkartenbuntdrucks
kann durch einzelne schlecht wirkendeFarben beeinträchtigt werden. Gelb z. B. zeichnet
meist etwas schwach hinsichtlich der plastischen Reliefwirk-ung. weil es eine helle
Farbe ist. Die Verwendung solch heller Farben für sich allein zur Relief7eichnung
istdalier zu vermeiden. Praktisch überlagert man solche Kartenpartien mit kräftiger
zeichnenden Farben. Dabei wirkt Ton in Ton immer ästhetisch einwandfrei. Man kann
auch in besonders kritischen Fällen die Reliefplastik durch zusätzliche Verwendung
einer Grauplatte bzw. Schwarzplatte unterstützen, doch müssen dann die Platten sehr
leicht und duftig gehalten sein.
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Durch die vorstehend erläuterten Arbeitsänge ist für die Reproduktion
von Karten aller Art ein neuartiges Verfahren gewiesen, Z,
welches gegenüber
den heute üblichen Kartendrucktechniken einige wesentliche technische Fortschritte
aufweist, gekennzeichnet durch nachstehende, sich in ihrer Bedeutung steigernde
Gesichtspunkte: i Das Original, von dem ausgegangen wird, ist unbunt und läßt sich
darum einfacher, schneller und billiger herstellen.
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2. Dasselbe Original läßt sich mehrfach für verschiedenartige Karten,
z. B. politische Karte, Höhenschichtkarte. geologische Karte ustv., auswerten, "vobei,
gleiche 'Maßstäbe in den Abbildungen vorausgesetzt. auch noch die Arbeitsgänge i
bis 6 identisch sind und erst ab Arbeitsgan- 7 sich je nach
der Kartenart aufspalten. DerumfassendeProzeß der Drucklegungsarbeiten ist weitgehend
mechanisiert durch verstärkte Heranziehung mechanischer Kopierverfahren.
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3. Es gibt, abweichend von der bisherigen Kartendrucktechnik,
nicht mehr eine Gebirgsplatte, deren Wirkung durch die gleichmäßige Flächenfarbe
der anderenFarbplatten beeinträchtigt oder gar auft' _gehoben wird. sondern jede
einzelne Farbplatte. mit Ausnahme der Gewässer-, Schrift- und Situationsplatte.
zeigt das ganze Relief oder infolge der Ausschnittätzung Teile desselben mit allen
Feinheiten der Plastik des Originals, ,vodurch eine bessere Durchmodellierung des
Gesamtratimes bis zu kleinsten Formelementen möglich wird als bisher und sich eine
größere Klarheit und Sauberkeit des Druckes verbürgt, insbesondere werden die bisher
nur
in Schwarzweißdruck hergestellten Reliefuntergründe nunmehr in vielfarbige und daher
lebendigste und sprechende Reliefkartenbuntdrucke umgesetzt.
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Bei einer Abwägung der Bedeutung des hierdargelegtenVerfahrens darf
neben diesen klar herausstellbaxen technischen Veränderungen nicht übersehen werden,
welche indirekten Folgen der Ausbau dieser neuartigen Kartendrucklegung auf die
künftige allgemeine Kartengestaltung haben muß.
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Für viele Kartenarten (politische, klimatische, geologische, bodenkundliche,
siedlungskundliche, biologische, anthropo- und kulturgeographische u. a. m.) ergibt'sich
die Mög-
lichkeit, durch das Mitzeigen des Reliefs in der bisher nur flächenfarbigen
Darstellung sinnvoll der Vertiefung geographischer Betrachtungsweisen zu dienen.
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Die politische Karte z. B., die mittels des mitgezeigten Reliefs den
Raum bis in die feinsten Strukturgliederungen erkennen läßt, zeigt ungezwungen und
sinnfällig unter anderem Schutzlagen hinter Gebirgen, Raum- und Landschaf tszerreißungen,
offene Flanken eines Staatsraumes, natürliche Pforten und Riegel, also. das, was
zu den fruchtbarsten Elementen geopolitischer Betrachtungsweisen gehört.
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- Die Niederschlagskarte mit Relief zeigt bildhaft und unmißverständlic#
die Abhängigkeit der Niederschlagshöhe von den morphologischen Grundzügen: das Anwachsen
der Niederschläge an den Gebirgen, die Regen#-schattenlage der großen Beckenlandschaften,
um nur einige Beispiele für viele zu bringen.
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Darüber hinaus ist durch das skizzierte Verfahren Ausbau und Entwicklung
völlig neuer Kartentypen garantiert, wie z. B. die Reliefraumbildkarte, welche die
Darstellung der Geländeplastik mit der Pflanzendecke koppelt, als die beiden wichtigsten
Faktoren des bildmäßigen Eindruckes. Wald, Wiese, Ackerland und ödland, das sind
die wesentlichen Charakterzüge eines Abbildes der Erdoberfläche, was ja eine Karte
sein will. Für jede dieser Kategorien muß eine regionalabgegrenzte, eigene
Platte in Ausschnittätzung hergestellt werden. Wenn dann die Waldplatte in Waldgrün,
die Wiesenplatte in hellerem Gelbgrün, sie darf auch gleichzeitig unter der Wald-
und Ackerplatte durchlaufen, die Platte der Ackerbaugebiete in rotbraunen oder erdfarbenen
Tönen, die ödlandsgebiete in Gesteins- oder Sandfarben ausgedruckt werden und jede
Platte das Relief mitzeichnet, so wird dieses durch jeden Druckgang unterstützt
und nicht wie bei den zur Zeit üblichen Verfähren. überdeckt und damit kraftlos.
Es zeigt vielmehr nicht nur aufs klarste die Formen der Erdoberfläche, sondern auch
die sprechende Lebendigkeit ihrer natürlichen Farben. Beides vereint ist ein Beweis,
wie durch die vorstehend gewiesenen neuen Wege eine grundsätzliche Änderung im Kartendruckwesen
eingeleitet wird.