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Verfahren zur Herstellung mehrlagiger Plättwäsche, insbesondere Kragen
Bekanntlich- wird in neuerer Zeit mehrlagige Plättwäsche, wie Kragen, unter Verwendung
von mit thermoplastischen Mitteln ausgerüsteten, verbindenden und steifenden Zwischengeweben
hergestellt. Es wurden verschiedene thermoplastische Stoffe, insbesondere Polyvinylharze
für diese Zwecke in Vorschlag gebracht. Einige von diesen thermoplastischen Stoffen
bewirken eine derartig feste Verklebung der einzelnen Gewebelagen, daß diese sich
auch während des normalen Waschens bei Temperaturen zwischen 75 und zzo° C vöneinandet
nicht trennen können. Dadurch. wird zwar erreicht, daß die gegenseitige Lage der
einzelnen. Gewebeschichten ein für alle Mal fixiert bleibt und auch bei wiederholtem
Waschen und Bügeln keine Schwierigkeiten auftreten, die das Aussehen der Wäschestücke
beeinträchtigen können. Es besteht aber bei derartigen dauernd verklebten genähtenWäschestücken
der Nachteil, daB sie während der Wäsche mehr oder
weniger hart
bleiben und infolgedessen das Waschen erschweren, von dem Waschwasser und den Waschmitteln
nicht in erwünschtem Maße durchdrungen werden und nur eine mangelhafte Reinigung
erfahren. Außerdem ist bei derartigen dauernd verklebten Wäschestücken, insbesondere
beim Wascheh in Waschmaschinen, eine mechanische Schädigung der Wäschestücke durch
Knickbildungen, starkes Abreiben an solchen Knickstellen usw. nicht zu vermeiden.
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Es sind nun aus der französischen Patentschrift 812 259 auch
Verfahren bekanntgeworden, nach denen mehrlagige Wäschestücke, insbesondere Kragen,
hergestellt werden, deren einzelne Lagen sich während des Waschens voneinander trennen
und erst beim auf das Waschen und Trocknen nachfolgenden Bügeln wieder miteinander
verklebt werden. Solche Wäschestücke erweichen in der Wäsche und können einwandfrei
gewaschen werden; sie bekommen auch in Waschmaschinen keine Knicke und werden mechanisch
nicht beschädigt. Diese Wäschestücke werden unter Anwendung von Gewebeeinlagen hergestellt,
die mit thermoplastischen, in Wasser quellbaren, aber darin unlöslichen Pölyvinyl-
oder Polyacrylharzen, . also verbindenden und steifenden Mitteln ausgerüstet sind.
Infolge der Quellbarkeit dieser Polymerisate findet das Loslösen der einzelnen Gewebelagen
beim Waschen statt. Diese Eigenschaft der Polymerisate bietet aber gleichzeitig
den Nachteil, daß die damit ausgerüsteten Gewebeeinlagen beim Berühren mit Wasser
ebenfalls gequollen werden, wobei sich die ursprünglichen Maße. (Länge und Breite)
der Einlagen in unerwünschtem Sinne verändern. Die Gewebeeinlagen »wachsen« und
gehen auch nach dem Trocknen nicht wieder in ihre ursprüngliche Lage zurück. Dieses
»Waohnen« der Gewebeeinlagen macht sich um so unangenehmer bemerkbar, als die Außenlagen
der Wäschestücke im allgemeinen aus Oberstoffen bestehen, die- die Neigung haben,
zu schrumpfen. Wenn man nun z. B. Kragen, die mit solchen ihre Dimensionen verändernden
Gewebeeinlagen hergestellt wurden, nach dem Waschen bügelt, so wird wohl ain Vemkle#ben
der einzelnen Gewebesehich en eirreicht, die Einliagegeweibe weisen aber zwangläufig
Faltenbildung auf, die die Kragen entwerten. Diese Erscheinungen wurden an verschiedensten
Geweben, z. B. Baumwollgeweben, auch feiner Qualitäten, insbesondere aber Mischgeweben,
die Zellwolle enthalten, in verschieden starkem Maße beobachtet.
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Es wurde nun gefunden, daß man diese unangenehmeEigenschaft der obigen
bekannten Wäschestücke nicht beobachtet, wenn man die bei der Herstellung dieser
Wäschestücke zu verwendenden Zwischengewebe vor dem Ausrüsten mit den bekannten
thermoplastischen, in Wasser quellbaren, aber darin unlöslichen Kunstlhiarze n auf
solche Maße spannt, die sich beim Waschen des fertig ausgerüsteten ungespannten
Zwischengewebes infolge der Qüellbarkeit der Polymerisate von selbst einstellen.
Wenn man die so zuvor durch Spannen auf bestimmte Dimensionen gestreckten Gewebe
mit den thermoplastischen, in Wasser quellbaren Polymerisaten ausrüstet, so werden
die Gewebe in diesem gestreckten Zustand fixiert, so daß die daraus hergestellten
Einlagen von vornherein die Maße aufweisen, die sie sonst ohnehin beim Waschen annehmen
würden. Der Erfolg ist, daß die Maße der Einlagen auch bei wiederholtem. Waschen
nicht verändert werden, weshalb auch beim Bügeln ein faltenloses Verkleben der beim
Waschen voneinander gelösten Gewebelagen stattfindet.
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In Ausübung der Erfindung geht man derart vor, daß man die Einlagegewebe
vorzugsweise in angefeuchteten, z. B. gedämpftem Zustand, in dem sie leichter dehnbar
sind, auf einer Spannmaschine, z. B. in einem Spannrahmen, auf die nötigen Maße
spannt. Der Grad, um den die ohne vorheriges Spannen ausgerüsteten Gewebe in Berührung
mit Wasser quellen, ist von Gewebe zu Gewebe verschieden. Danach richtet sich das
Maß der Spannung. Im allgemeinen verändern solche Einlagegewebe beim Berühren mit
Wasser ihre Maße um 4 bis io %. Dementsprechend werden sie erfindungsgemäß in der
Spannmaschine um 4 bis io 0/a gestreckt. Die gestreckten Gewebe werden vor dem Aufbringen
der Polymerisate zweckmäßig getrocknet.
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Für die Ausrüstung der Zwischengewebe kommen also die aus der französischen
Patentschrift 8i2 259 bekannten Mittel in Betracht. Die Quellbarkeit dieser Polymerisate
ist auf das Vorhandensein von hydrophilen Gruppen, vorzugsweise OH-Gruppen, in ihrem
Molekül zurückzuführen. Unter den verwendbaren Polymerisaten haben sich diejenigen
als besonders vorteilhaft erwiesen, die bei den Temperaturen der Waschbehandlung,
d. h. bei etwa 75 bis iio° nur erweichen, ohne zu schmelzen. Diesen Polymerisaten
können andere Polymerisateungesättigter organischer Verbindungen zugesetzt werden,
insbesondere Polystyrole, ferner Polyvinyl- und/oder Polyacrylverbindungen, die
zwar ebenfalls thermoplastisch, in Wasser quellbar, aber unlöslich sind, jedoch
bei den Temperaturen der Waschbehandlung, d. h. zwischen 75 und iio°, schmelzen.
Der Zusatz von Polystyrolen hat den Vorteil, daß man besonders formbeständige, koch-
und oxydationsbeständige
Erzeugnisse erhält, die sich auch ohne
Schwierigkeiten bleichen lassen. Den Polymerisaten können weitere Zusatzstoffe,
wie Härze, z. B.. -Kopalharze oder Schellack, Cellulosederivate, insbesondere Nitrocellulöse,
Weichmacher, z. B'. Dibutylphthalat oder Trikresylphosphat; vorzugsweise wasserunlösliche
Weichmacher und Pigmente zugesetzt werden. Die besten Ergebnisse wurden unter Zusatz
von Cellulosederivaten, insbesondere Nitrocellulose., =in Mengen von 5 bis 15
1/a der Polymerisate und- wasserunlöslichen Weichmachern in Mengen von etwa 70 °/a
der zugesetzten Cellulosederivate erzielt. Diese also an sich bekannten Bindemittel
werden im a11-gemeinen in Form ihrer Lösungen in organischen. Lösungsmitteln zur
Anwendung gebracht. Hierbei ist es oft zweckmäßig, Gemische von Lösungsmitteln,
z. B. -von Äthylalkohol und Aceton und Toluol oder Alkohol und Äther zu verwenden.
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Das Aufbringen der Bindemittel kann auf verschiedene Weise erfolgen.
Die gestreckten und getrockneten. Einlagegewebe können z. B. in einer sogenannten
Rakeleinrichtung oder auf einer beliebigen anderen Aufstreichmaschine erst auf der
einen Seite und dann gegebenenfalls auf der anderen Seite mit den Lösungen derselben
bestrichen und hierauf .getrocknet werden, wobei das Lösungsmittel verdunstet und
wiedergewonnen werden kann. Vielfach ist es zweckmäßig, zunächst nur die eine Seite
zu bestreichen, hierauf das Gewebe nach Abkühlenlassen aufzurollen und gegebenenfalls
nach einigem Lagern auf der anderen Seite zu bestreichen. Nach abermaligem Trocknen
und Abkühlen wird die Ware wieder aufgerollt. Die Dicke der aufgebrachten Harzschicht
hängt von der Einstellung des Rakels oder Streichmessers ab: Stärkere Schichten
können durch wiederholtes Auftragen erzielt werden. An Stelle einer Rakeleinrichtung
können auch andere Vorrichtungen verwendet werden, deren Wahl in erster Linie von
der Viskosität der Imprägnierungsmittel abhängt. So kann das Auftragen von hochviskosen
Lösungen durch Walzen erfolgen, z. B. derart, daß die Lösungen durch kleine Walzen
auf größere übertragen werden, die ihrerseits die Lösungen in das Gewebe eindrücken.
Das Aufbringen dünnflüssiger Lösungen erfolgt durch gewöhnliches Tränken, wobei
der Überschuß .an Lösung zwischen Quetschwalzen abgepreßt wird. Mit Vorteil verwendet
man hier die unter dem Namen Foulard bekannten Einrichtungen.
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Das: Strecken und Ausrüsten mit den Harzen kann auch unmittelbar aneinandergereiht
werden, z. B. derart, daß das Einlagegewebe nach dem Spannen in feuchtem oder gedämpftem
Zustand und dem Trocknen unmittelbar in eine Rakeleinrichtung gelangt und nach Aufbringen
der Harzlösung wieder getrocknet wird.
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Es wurde weiterhin gefunden, dä.ß es: vorteilhaft ist, die Einlagegewebe
vor dem Aufbringen der thermoplastischen Bindemittel ein- oder auch beiderseitig
leicht aufzurauhen. Das Aufrauhen kann z. B. mit Hilfe der bekannten Kratzenwalzen,
d. h. von rasch rotierenden Walzen, die oberflächlich mit feinen Stahlbürsten versehen
sind, erfolgen. Beim Aufrauhen bildet sich ein dünner Faserflor, der aus den abstehenden
Enden der aufgerissenen Fasern besteht. Die so leicht aufgerauhten Gewebe nehmen
größere Mengen des thermoplastischen Bindemittels auf. Außerdem kleben Gewebelagen
mit den aufgeräuhten Zwischenschichten beim Bügeln leichter und besser zusammen.
Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, daß die mit dem Bindemittel bedeckten aufgerauhten
Faserenden eine relativ größere klebend wirkende Oberfläche haben als die nicht.
aufgerauhten glatten Schichten und sich so leichter dem Gewebegefüge der sie einschließenden
Kragenstoffe anpassen.-Die ges;treckten, gegebenenfaills a,ufgerauhten, mit den
Bindemitteln ausgerüsteten und getrockneten Gewebe wemdfen auf Einlagen für die
zu verklebenden und versteifenden Wäschestücke verarbeitet. Beim Zuschneiden der
Einlagen geht man zweckmäßig so vor, daß in die Längsrichtung des Wäschestückes,
z. B. des Kragens, diejenige Richtung der Einlagegewebe kommt, die bei Quellmitteleinwirkung
die geringere Dimensionsveränderung aufweist. Hat also ein Einlagegewebe die Eigenschaft,
in der Länge stärker zu quellen als in der Breite und wurde dieses Einlagegewebe
dementsprechend beim Spannen in der Länge stärker gestreckt als in der Breite, so
wird beim Zuschneiden der Einlagen die Längsrichtung des Gewebes auch zur Längsrichtung
der zuzuschneidenden Ein= lagen gemacht.
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-Die so erhaltenen Einlagen werden zwischen den Gewebeaußenlagen eingelegt
bzw. eingenäht und die so erhaltenen Wäschestücke gegebenenfalls nach vorhergehendem
Waschen in üblicher Weise gebügelt oder in Dampfpressen behandelt. Hierbei erweichen
die thermoplastischen Polymerisate und verkleben die Einlage mit den Außenlagen.