<Desc/Clms Page number 1>
Verfahren zur Herstellung von wollartigen Kunstfasern.
Kunstfasern, welche in ihrem Endzustand aus regenerierter Cellulose bestehen, also beispielsweise Kupfer-oder Viskoseseide, zeigen nach den üblichen Trockenprozessen andere physikalische und färberische Eigenschaften als in noch feuchtem Zustand. So besitzt beispielsweise eine noch nicht getrocknete Kupferseide eine ausserordentlich hohe Affinität zu substantiven Farbstoffen, die an sich bereits bei niederer Temperatur eine tiefe Anfärbung ermöglichen würde. Dieses Anfärbevermügen ändert sich aber durch die üblichen Trocknungsvorgänge unter Anwendung von mehr oder weniger hohen Trocknungstemperaturen sehr wesentlich. Daher kommt es, dass sich bei uneinheitlichen Trocknungsvorgängen ungleichmässige Anfärbungen ergeben.
Ein weiterer Nachteil der bisherigen Trocknungsprozesse besteht darin, dass es beim einfachen Trocknen der Kunstseide nicht ohne Zuhilfenahme von Textilhilfsmitteln möglich ist, unmittelbar zu einem weichen brauchbaren Produkt zu gelangen. Dadurch wird bewiesen, dass die üblichen Trocknungsmethoden noch wesentliche Änderungen des Materials bewirken.
Es wurde nun gefunden, dass man durch ein besonderes Trocknungsverfahren (das an sich bekannt und bereits für andere Zwecke benutzt ist) nicht nur die erwähnte Verschlechterung des Materials vermindern oder beseitigen kann, sondern dass die Eigenschaften der Fasern sich dabei auch sonst wesentlich ändern, so dass die so erhaltene Ware als Textilmaterial besonderer Art mit ganz neuen Eigenschaften angesprochen werden kann.
Erfindungsgemäss werden feuchte Kunstfasern, die (je nach dem angewandten Spinnprozess) von Metallverbindungen befreit, entsäuert, gegebenenfalls entschwefelt, gebleicht und gewaschen sind, mit organischen Flüssigkeiten, die fähig sind, Wasser zu lösen, behandelt.
Für das vorliegende Verfahren sind Kupferseide oder kupferseideähnliche Fasern besonders geeignet. Die letzteren können auch auf anderem Wege als nach dem Kupferseideverfahren gewonnen sein. Sie sind, analog der Kupferseide selbst, in feuchtem Zustand durch hohe Affinität zu substantiven und eine geringe Affinität zu basischen Farbstoffen gekennzeichnet (s. Wilhelm Weltzien,,, Chemische und Physikalische Technologie der Kunstseiden", Seite 149 ff).
Das Verfahren wird vorteilhaft ausgeführt mit frisch gesponnenem, noch nicht getrocknetem Material, mit leicht wiederzugewinnenden organisehen Flüssigkeiten, bei verhältnismässig niederen Temperaturen, besonders Zimmertemperaturen, und nur so weit, dass die erhaltenen Fasern noch das sogenannte molekulare Wasser enthalten, das in allen Handelswaren normalerweise zu finden ist.
Es ist zwar ein Verfahren zur Kräuselung von Kunstseide bekanntgeworden, bei welchem das Ausgangsmaterial zunächst einer Quellung und dann einer Schrumpfung unterworfen wird. Dieses Verfahren besteht also aus zwei Operationen, wobei die Alkoholbehandlung nur die Schrumpfung hervorrufen soll, die einen Teil des Ganzen darstellt. Demgegenüber ist das Verfahren nach der Erfindung einfacher, da die Behandlung mit quellenden Mitteln wegfällt. Die Behandlung mit organischen Flüssigkeiten erfolgt ferner erfindungsgemäss zu einem andern Zweck, denn es soll hier in erster Linie eine vorsichtige Entwässerung des Materials durchgeführt werden. Auch ist ein Verfahren bekannt, bei welchem die Entwässerung mit warmem Alkoholdampf, also bei erhöhter Temperatur, durchgeführt wird, während nach der Erfindung verhältnismässig niedrige Temperaturen verwendet werden sollen.
Vor allem wird bei diesem bekannten Verfahren die Entwässerung vollständig durchgeführt, während bei dem erfindungsgemässen Verfahren nur so weit entwässert wird, dass das sogenannte Molekularwasser
<Desc/Clms Page number 2>
noch in den Fasern enthalten ist. Infolge dieser Verschiedenheit der beiden Verfahren ist auch das Ergebnis grundsätzlich verschieden, nachdem das bekannte Verfahren ein Produkt von erhöhtem Glanz und erhöhter Dehnbarkeit ergibt, handelt es sich bei der Erfindung um ein nur mattglänzendes Produkt von gekräuseltem, wollartigem Äussern und normaler Dehnung, welches aus diesem Grunde einen besonderen technischen Wert besitzt.
Das Verfahren verläuft sehr einfach, insbesondere, da eine Reihe umständlicher Vorgänge in der bisherigen Arbeitsweise, wie z. B. Waschen, Seifen usw. eingespart werden können und da gleichzeitig besondere Effekte durch gewisse Zusätze, z. B. Schlichten, unmittelbar erhalten werden können.
Die auf diese Weise erhaltenen neuen Fasern zeichnen sich durch eine ausserordentliche Weichheit, einen ausgesprochenen Wärmeeffekt und ein crepeartiges gekräuseltes Äusseres aus. Hiedurch werden sie in einem bisher unbekannten Grade den tierischen Fasern, wie Wolle und natürlicher Seide, ähnlich.
Sie zeigen ausserdem technisch brauchbare Dehnung-und Festigkeitswerte, vor allem eine günstige elastische Dehnung.
Der Effekt des vorliegenden Verfahrens scheint im wesentlichen darauf zu beruhen, dass das in der Faser enthaltene Wasser auf eine mildere Weise ohne Zerstören, Verkleben oder sonstige Schädigung der Oberfläche und damit der mechanischen Konsistenz entfernt werden kann, so dass die ursprüngliche
Struktur der Faser erhalten bleibt.
Beispiel 1 : Frisch gesponnene, gut entkupferte und entsäuerte Kupferseide wird unmittelbar nach dem Abschleudern oder Abpressen mit einer ausreichenden Menge Alkohol, beispielsweise durch Einlegen in 95% igem Alkohol, in Berührung gebracht, dann dem Alkoholbad entnommen, gegebenenfalls zentrifugiert und der zurückgebliebene Alkohol durch eine Nachbehandlung mit z. B. Tetrachlorkohlen- stoff oder Äther entfernt. Hierauf wird das Produkt von dem zuletzt angewandten Lösungsmittel durch
Verdunsten unter Wiedergewinnung desselben befreit. Man erhält auf diese Weise eine Faser von den oben angegebenen Eigenschaften.
Es können in analoger Weise einzeln oder in Kombination, gleichzeitig oder nacheinander, alle
EMI2.1
Mengen Wasser enthalten, Anwendung finden. Dabei ist es im allgemeinen vorteilhaft, die Verdrängungsmittel im flüssigen Zustand zu verwenden.
EMI2.2
anwendbar.
Beispiel 2 : Nasse Kupferseide von gleichem Verarbeitungszustand wie in Beispiel 1 wird nach- einander mit Aceton und Tetrachlorkohlenstoff behandelt. Dabei können die Lösungsmittel mit Vorteil sukzessive oder im Gegenstromverfahren zur Anwendung gebracht werden. Dem letzten Lösungsmittelanteil kann man geeignete Behandlungsmittel zur Erzielung spezieller Effekte, wie Schlichtemittel,
Imprägnierungsmittel und andere Präparationen zusetzen.
In sinngemässer Abwandlung lassen sich auf gleichem Wege im Einzel-oder kontinuierlichen Prozess Produkte von ähnlich günstigen Eigenschaften aus Viskose, u. zw. vorzugsweise dann herstellen, wenn z. B. durch den Spinnprozess die regenerierte Cellulose der Kupferseide möglichst ähnlich gemacht ist.
Beispiel 3 : Ein frisch gesponnenes Celluloseband (beispielsweise Kupferseide), welches aus einer grossen Anzahl einzelner Kapillarfäden besteht, wird nach Passieren der entsprechenden kalten oder auch heissen Behandlungsbäder unmittelbar durch Abpressen, Abschleudern oder Abquetschen od. dgl. zunächst mechanisch von Wasser befreit und in ein Bad von niedrigem Alkoholgehalt (beispielsweise 30%) geführt. Aus diesem Bad wird das Faserbündel in weitere Bäder von zunehmender Alkoholkonzentration geführt, die gegebenenfalls durch Überlauf miteinander verbunden sind, wobei zwischen den einzelnen Bädern weitere Quetschwalzen oder Abstreifvorrichtungen eingeschaltet sein können.
Nach Verlassen des Bades mit der höchsten erwünschten Alkoholkonzentration wird vorteilhaft eine möglichst weitgehende mechanische Entfernung des Alkohols herbeigeführt, so dass nur ein geringer Anteil des angewandten Alkohols zur Verdunstung kommt. Das so gewonnene Material wird in üblicher Weise aufgehaspelt und zeigt besonders günstige Eigenschaften infolge des Umstandes, dass durch die niedrige Konzentration des ersten Alkoholbades eine plötzliche Schrumpfung vermieden wird.