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Flöte chromatischer Tonlöchanordnung Die Erfindung betrifft eine Flöte
chromatischer Tonlochanordnung mit Vorrichtung zur Erzielung einer nein stimmenden,
leicht ansprechenden ununterbrochenen. chromatischen Tonfolge vornehmlich -der dritten
Oktave laus den Griffen der um eine Duodezime tiefer klingenden Grundtöne.
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Das wesentliche Merkmal. der Neuerung besteht in zwei oder mehr in
geeigneten Abständen vom Mundloch quer oder längs des Flötenrohres angeordneten
Quintenöffnungen bzw. Quintenröhrchen, .die mit Klappen deraxt bedeckt sind, daß
für die wenig zu erhöhenden Quintentöne eine, für die mehr zu erhöhenden Quintentöne
zwei oder mehr Quintenöffnungen zugleich geöffnet werden können.
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Zwar ist es bei Klarinetten bekanntgeworden, außer zwei oder mehreren
Wechselduodezimenklappen noch eine zusätzlich summenweise wirkende, die Stimmung;
regelnde Klappe, die in geeigneten Abständen vom Mundstück sich befinden, hinzuzufügen,
bei Flöten aber ist die Anwendung derartiger Klappen nur bei chromatischer Tonlochanordnung
brauchbar. Außerdem wird durch die Quintenklappenanordnung gemäß der Erfindung ein
wesentlicher technischer Fortschritterzielt, der weiter unten nach näherem Eingehen
auf :die Wirkung einer nur einfachen Quintenklappe bei Flöten dargelegt werde.
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Eine bekannte, dem gleichen Zweck dienende Vorrichtung zeigte nur
.inne einzige Quintenklappe. Diese hatte den Nachteil, daß für eine'bestimmte Ton-
bzw. Klappengruppe nur für die in der Mitte dieser Gruppe gelegenen Klappen bzw.
nur für die Töne aus diesen mittleren Klappen eine völlig reime Stimmung beim zweimaligen
überblasen ohne weiteres erreicht wurde, während für die darunter gelegenen Tonlöcher
dieser Gruppe die Oberquinten etwas zu hoch, für die darüber befindlichen Tonlöcher
dagegen zu tief
klingen. Insbesondere wurden die Stimmungsmängel
in der angegebenen Richtung um so merklicher, je weiter die Tonlöcher von der genannten
mittleren Tonlochgruppe entfernt sind.
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Um die eben genannten Mängel der ein-, fachen Quintenklappe zu beheben,
wurde vorgeschlagen, die Quintenklappe verschieden weit zu öffnen. Theoretisch mag
dieser Grundgedanke richtig sein, seine Verwirklichung aber bedingt ein so empfindliches.
Hebelwerk, daß es auf die Dauer nicht zuverlässig arbeiten kann. Eigene Versuche
mit einer einzigen Quintenöffnung haben ergeben, daß eine entsprechende Vergrößerung
dieser Öffnung für in höherem Grad zu erhöhende Oberquinten nicht die vorteilhaften
Wirkungen auf Stimmung, auf Ansprache und auf die Klangfarbe der betreffenden Töne
hatte, wie sie z. B. die Anordnung zweier gleichzeitig zu öffnenden Quintenöffnungen
hervorbringt. Die Vorrichtung der Doppelquintenklappe nach der Erfindung ist nicht
empfindlich und arbeitet auch bei dauerndem Gebrauch unbedingt zuverlässig. Es spielt
keine Rolle, ob die Quintenklappen etwas mehr oder weniger beim Öffnen gehoben werden,
wenn nur der Öffnungsgrad ein gewisses Maß nicht unterschreitet.
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Außer dem technischen Fortschritt, die bisher als Oberquinten erzielten
Töne von D#3 bis Gis 3 nunmehr alle rein stimmend, leicht ansprechend zu erhalten,
ermöglicht die Doppelquintenklappenanordnung infolge der jetzt engeren Quintenöffnung
1 bei Öffnung nur dieser ersten Quintenklappe auch noch eine verbesserte Ansprache
der normal gegriffenen Töne A 3, B 3, H 3 und C .1, ohne sie höher werden zu lassen.
Dieses Ergebnis ist überraschend; denn während die Quintenklappe die Quintentöne
durch Erhöhung auf die gewünschte Stimmung bringt, ändert sie die Stimmung der normal
gegriffenen höchsten Töne von A 3 bis C q. nicht. Die normal gegriffenen Töne Fis
3 bis Gis 3 werden durch Hinzunahme der Quintenklappe I nur wenig erhöht, so daß
sie im ppp, wo sie sonst gerne zu tief werden, nunmehr rein stimmend geblasen werden
können bei besserer Ansprache. Dann bedingt die Verengung der Quintenklappe I noch
den weiteren überraschenden Fortschritt, daß die Grundtöne und die zweiten Oktaven
im ppp nicht zu tief werden, weil die Quintenklappe I diese bei leisem Blasen bisher
unvermeidliche Vertiefung wieder ausgleicht. Ferner ermöglicht die Hinzunahme der
Quintenklappe II, also die Anwendung zweier gleichzeitig geöffneter Quintenklappen,
eine Ausdehnung der Anwendung der Quintentöne über das Gis 3 hinaus, so daß nunmehr
auch aus entsprechenden Klappenlöchern für D, 2, Dis 2 und E2 oben gegen das Kopfstück
hin die Quintentöne A 3 bis H 3 geblasen werden können. Dies hat für e Geläufigkeit
eine erhebliche Bedeutung. :tdlich ist es überraschend, daß all die ge-,ü,nnten
Vorteile gleichzeitig bzw. sämtlich an `der Flöte ermöglicht sind. Denn meistens
bedingt ein Vorteil auf der einen Seite einen Nachteil auf der anderen, was besonders
bei Flötenbeobachtet werden kann.
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Weitere Vervollkommnungen der Vorrichtungen nach der Erfindung sind
in der Beschreibung erläutert. Die Zeichnung betrifft ein Ausführungsbeispiel des
Erfindungsgegenstandes.
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Abb. i zeigt das Mittelstück einer Böhmflöte, bei dem etwa aus der
Mitte und an beiden Enden je ein Stück fortgelassen ist, mit den Neuerungen.
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Abb.2 gibt die Anordnung zweier Quintenklappen an einem Kopfstück,
die Quinten röhrchen im Schnitt.
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Abb. 3 stellt eine Draufsicht auf die Quintenklappen in einer um 9o"
gewendeten Stellung dar.
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Die Quintenklappe I über dem Quintenröhrchen i ist zwischen den beiden
Kugelsäulchen 2 und 3 (Abb. 2) auf Spitzschrauben in bekannter Weise gelagert. Der
Hebel 4 liegt dicht beim Kugelsäulchen 3 und greift an seinem freien Ende unter
den Quintenhebel Q I, der zusammen mit dem Quintenhebeldrücker Q I' auf einer Stahlachse
befestigt ist, die ebenfalls in bekannter Weise auf Spitzschrauben der Kugelsäulchen
5 und 6 am Mittelstück 7 der Flöte gelagert ist. Wird auf den Drücker Q I' gedrückt,
so geht der Quintenhebel Q I herunter, drückt auf den Hebel 4 und öffnet dadurch
die Quintenklappe I. In dieser Ausführung ist die Quintenklappe bekannt.
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Gemäß der Erfindung ist noch eine zweite Quintenklappe 1I, z. B. unterhalb
der ersten, angeordnet, die zusätzlich zu der ersten geöffnet werden kann. Die zweite
Quintenklappe ist z. B. in an sich bekannter Weise auf der Stahlachse der Quintenklappe
I zwischen dem Deckel I und dem Hebel 4 gelagert und als sog. offene Klappe ausgebildet.
Die Hubfeder 8 ist daher bestrebt, die Klappe 1I zu öffnen. Ist die Quintenklappe
I, die mit einer stärkeren Schließfeder g ausgestattet ist, geschlossen, so hält
sie durch den Hebel io die Klappe II geschlossen. Wird die Quintenklappe I durch
Druck auf den Drücker Q I' geöffnet, so heben sich beide Klappendekkel I und Il.
Beide Klappen geöffnet, dienen zur Verbesserung der Stimmung, Ansprache und Klangfarbe
der Quintentöne, die mit den Tonlöchern oberhalb des H-Tonloches gegriffen werden.
Dabei wird durch zweimaliges
überblasen des Grundtones C 2 ein G
3, aus dem überblasenen Cis 2 ein Gis 3, aus DI 2 ein A 3 und aus Dis 2 ein B 3.
Wären noch höhere Tonlöcher vorgesehen, so würde sich aus einem E ?-Loch ein H 3
und aus einem F ?-Loch ein C q. erzielen lasszn. Voraussetzung für ein derartiges
Ergebnis ist, daß die Flöte an sich leicht anspricht und die Löcher an den richtigen
Stellen angeordnet sind.
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Wird die C ?-Klappe geschlossen, so drückt sie .den Hebel i i herunter
und hebt den Hebel Q II hoch. Hebel i i und Q II sind beiderseits der D, 2-Trillerklappen
einer zwischen ,den Kugelsäulchen 12 und 13 gelagerten Stahlachse befestigt. Hebt
sich der Hebel Q I I, so hebt sich auch der Hebel i q. und schließt sich die Quintenklappe
II, während die Quintenklappe I noch geöffnet bleibt, solange der Drücker Q I' herabgedrückt
ist. Wird Drücker Q I' losgelassen und schließen sich dabei beide Quintenklappen,
so bewegt sich beim Schließen und Öffnen der C ?-Klappe die Hebelanordnung i i,
Q II, ohne auf die Quintenkla.ppen irgendwie zu wirken. Diese Anordnung arbeitet
selbsttätig beim Auf- -und Zugang der C ?-Klappe. Daß gerade die C ?-Klappe gewählt
wurde, um die Quintenklappe II zu schließen bzw. zu öffnen, ist eine Zweckmäßigkeitsgründen
entsprechende Ausführungsform. Man könnte z. B. auch die H-Klappe dazu ausersehen.
Werden z. B. drei Quintenklappen angeordnet, so kann man die Klappen, welche eine
zusätzliche Öffnung von Klappen herbeiführen, noch anders wählen. Für die Bedürfnisse
des Musikers genügen zwei Klappen. Drei Quintenklappen ergeben zwar eine noch bessere
Stimmung und Ansprache usw. .der höchsten Oberquinten, erfordern aber dafür auch
einen umfangreicheren Mechanismus. Verzichtet man auf die selbsttätige Quintenklappe
II, so kann man z. B. neben der C ?-Klappe eine Art Schleifklapp-en:drücker anordnen,
bei dessen Abwärtsgang der Quintenhebel Q II gehoben und damit !die Quintenklappe
II geschlossen würde.
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Es isst vorteilhaft, noch ,andere Klappen oder Hebel zum Schließen
der Quintenklappe II heranzuziehen, z. B. den Hebel 15, 16, dann einen Hebel
17 für den rechten Daumen oder einen Hebel 18, der lose auf der Achse der
Klappergruppe von E i bis G i drehbar ist und z. B. die G i-Klappe mit zu s c 'Hießen
erlaubt. Diese zusätzlichen Schließhebel für Klappe Il ergeben bedeutende Grifferleichterungen,
was ja- schließlich der Hauptzweck der Quintenklappen ist.
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Es ist ferner zweckmäßig, ,auf die Achse des Quintenhebels II auch
die DI 2-Trillerklappe und deren Drücker d 2 zu lagern: Dabei möge der d 2-Drücker
oberhalb des dis 2-Drückers liegen, wodurch die Finger der rechten Hand die gewohnte
Anordnung von d 2- und dis 2-Drücker vorfinden.
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Um bei geöffneten Quintenklappen I und I I einen reinen G3-A3-Triller
durch Triller, bewegung auf dem . d 2-Trillerdrücker zu erzielen, ist die Cis ?-Klappe
in zwei Teile 19
und 2o, die beide auf einer Stahlachse drehbar gelagert sind,
unterteilt. An dem Teil i 9 ist die Kuppelfläche 21, am Teil 2o die Kuppelfläche
22 angebracht. Die starke Feder 23 die @einerends in der Hülse 2q. des Teils 2o
befestigt ist und mit dem freien Ende in den Federfänger 25 am Teil ig eingreift,
preßx die beiden Teile ig und 20 der Cis ?-Klappe so zusammen"daß diese Klappe,
wenn auf die Greifstelle des Teils 20 gedr.ü:ckt wird, wie eine einteilige Klappe
arbeitet. Wenn aber beim Niederdrücken des Trillerdrückers -d2 der D1 2-Trillerklappe
deren Fortsatz 26 sich auf den Fortsatz 27 des Teils i9 der Cis ?-Klappe aufsetzt,
so wird der Cis ?-Deckel geöffnet, obwohl der Drücker des Teils 20 niedergedrückt
bleibt. Während der C 2-D, 2-Triller auch ohne geteilte Cis ?-Klappe noch genügt,
ist die Stimmung eines G 3-A 3-Trillers ohne,die geteilte Cis ?-Klappe sehr merklich
unrein.
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In kurzer Zusammenfassung sind die Vorteile der Flöte gemäß dem gezeichneten
Ausführungsheispiel folgende.
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Die Wirkung mehrerer gleichzeitig, auch auf derselben Höhe angeordneter,
also gleich weit vom Mundlochmittel entfernter Quintenröhrchen :geht über die reine
Summenwirkung einer einzigen stufenweise mehr und mehr geöffneten Quintenöffnung
hinaus. Denn, die tonlichen und die rein mechanischen Vorteile sind größer.
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Die zusätzlichen Hebel- und Klapperanordnungen wirken sich alle in
der Richtung auss, daß diejenigen Griffe, die bei Flöten ohne Quintenklappe nur
als Hilfsgriffe zur Not anwendbar waren, nunmehr vollwertige Töne ergeben, so .daß
sie auch in langsamen Tonfolgen benützt werden können. Zwar ist die Klangfarbe der
durch die Quintenklappen gewonnenen Oberquinten anders. als die der sog. Normaltöne
der dritten Oktave der Flöte, sie sind aber mindestens ebenbürtig, wenn nicht angenehmer.
Dieser Umstand spricht besonders zugunsten der Vorrichtungen nach der Erfindung,
denn die Flöte wird um eine Klangfarbe reicher. Erwähnung verdient noch, daß die
sog. Flageolett-Töne nunmehr besser stimmen und größtenteils die richtige Tonhöhe
erreichen, so daß sie für besondere Klangwirkungen ,als vollwertige Töne benützt
werden können. Endlich sei angeführt, daß in sehr leisten Tonfolgen, die auf der
Flöte ohne besonderen Ansatzausgleich merklich zu tief werden, die Quintenklappe
auch für die
Töne der ersten beiden Lagen und für die sog. Normalgriffe
der dritten Lage mitgegriffen werden kann. Die Töne A 3 bis C 4, auf die übliche
Art gegriffen, sprechen mit Quintenklappe besser an, ohne daß sie zu hoch werden.
Somit erstreckt sich die Wirkung der Quintenklappe über den ganzen Tonumfang der
Flöte, indem alle "Töne hinsichtlich der Stimmung und Ansprache, die meisten auch
in bezug auf die Klangfarbe verbessert werden.