-
Verfahren zur Gewinnun-, von Schmierölen und Paraffinen Es wurde gefunden,
daß man aus über 300° siedenden Druckhydrierungsprodukten von Braunkohle wertvolle
Schmieröle und Paraffine von verschiedenem Molekulargewicht durch Entparaffinierung
und Druckhydrierung nach an sich bekannten Verfahren gewinnt, wenn man aus den Ausgangsstoffen,
zweckmäßig nach vorheriger Abscheidung von Asphalten und Harzen, nach Zusatz eines
Verdünnungsmittels, durch Abkühlen auf Temperaturen über o9 das Hartparaffin abscheidet,
das davon getrennte Öl einer raffinierenden Druckhydrierung bei Temperaturen von
25o bis q.50° untervvirftund das Dru,ckhydrierungsprodukt nach Zusatz von verflüssigten,
bei gewöhnlicher Temperatur ,gasförmigen Kohlenwasserstoffen auf tiefe Temperaturen
unter o° abkühlt und das ausgeschiedene Weichparaffin abtrennt.
-
Zur Abscheidung von Asphalten und Harzen ist es vorteilhaft, den Ausgangsstoff
mit der mehrfachen Menge verflüssigter, bei gewöhnlicher Temperatur gasförmiger
Kohlenwasserstoffe, wie Propan, Äthan oder Gemischen dieser, bei erhöhter Temperatur,
z. B. 3o bis 8o9, oder höher, z. B. bis nahe an die kritische Temperatur des Lösungsmittels,
und unter Druck zu behandeln, wobei Asphalte und harzartige Stoffe abgeschieden
werden. Man kann auch andere Asphaltfällungsmittel, wie Gasöl oder Benzin, verwenden.
Diese Arbeitsweise kam auch in mehreren Stufen ausgeführt werden.
-
Die nun folgende Abscheidung des Hartparaffins wird zweckmäßig derart
durchgeführt, daß das hochsiedende Öl mit nur geringen Mengen eines Verdünnungsmittels,
wie Leuchtöl; Gasöl, Schwerbenzin oder chlorierten Kohlenwasserstoffen, vermischt
und auf Temperaturen über o9, z. B. auf -(- 15 bis -i-- 29, abgekühlt wird. Hierbei
scheiden sich bis zu 8o bis 9o% des aus dem Ausgangsstoff insgesamt gewinnbaren
Paraffins ab; das so erhaltene Produkt ist hochmolekular und .besitzt den Schmelzpunkt
6o bis 65°; es kann gegebenenfalls durch Raffination mit Bleicherde in seiner Farbe
noch verbessert werden. Man kann auch die Abscheidung des Hartparaffins in zwei
oder mehr Stufen vornehmen und auf diese Weise mehrere Hartparaffinsorten von verschiedener
chemischer Zusammensetzung erhalten.
-
Das vom Hartparaffin getrennte Öl wird nach dem Abdestillieren des
Lösungsmittels einer raffinierenden Druckhydrierung durch Behandlung mit Wasserstoff
bei Temperaturen von 25o bis q.50°, vorteilhaft 30o bis 4309, unter Druck in Gegenwart
eines giftfesten
Hydrierungskatalysators, wie Sch%vermetallsulfi.de,
insbesondere solchen der 6. Gruppe des periodischen Systems, unterworfen. Dabei
ist Sorge zu tragen, daß eine Aufspaltung des Produktes praktisch vermieden wird.
-
Bei der nun folgenden Abtrennung dea; Weichparaffins verwendet man
als Lösungsmittel verflüssigte, bei gewöhnlicher Temperatur gasförmige Kohlenwasserstoffe,
wie Butan, Propan, Äthan, Butylen, Äthylen oder Gemische dieser. Die Kühltemperatur
ist unter o° zu wählen, z. B. bei - 2o bis - 5o° oder noch tiefer. Bei dieser Arbeitsweise
scheidet sich ein in der Hauptsache aus Weichparaffin bestehendes Produkt ab.
-
In beiden Entparaffinieruhgsstufen ist es zur Erleichterung der Entparaffinierung
vorteilhaft, unter Zusatz eines Entparaffinierungshilfsmittels zu arbeiten, insbesondere
eines solchen Stoffes, der die Fällung von Bestandteilen verzögert, die die mechanische
Abtrennung der abgeschiedenen Paraffine erschweren. Als derartige Stoffe haben sich
beispielsweise Paraffinkondensationsprodukte als sehr geeignet erwiesen.
-
Das nach dem geschilderten Verfahren gewonnene Hartparaffin von hohem
Molekulargewicht ist ölfrei und für die Herstellung besonders wirksamer Stockpunktserniedriger
und Verbesserer des Viscositätsindexes durch Kondensation und Polymerisation besonders
geeignet. Es kann auch niedriger molekularen Paraffinen zur Verbesserung ihrer Eigenschaften
zugesetzt werden.
-
Auch das Weichparaffin ist bei dieser Arbeitsweise leicht von der
Öllösung abzutrennen und wird in ölfreier Form gewonnen. Diese Wirkung läßt sich
nicht erzielen, wenn man vor der raffinierenden Druckhydrierung das Öl vollständig
-entparaffiniert; dann wird nämlich, wenn man nur eine Entparaffinierungsstufe anwendet,
das gesamte Paraffin, bei Anwendung mehrerer Entparaffinierungsstufen das Weichparaffin
in stark ölhaltiger Form abgeschieden und kann daher nur schlecht von der Öllösung
abgetrennt werden und bedarf einer umständlichen weiteren Reinigung, um es in ein
marktfähiges Erzeugnis überzuführen. Anderseits gelingt es, durch die Abscheidung
des Hartparaffins vor der raffinierenden Druckhydrierung, dieses als Erzeugnis mit
hohem Schmelzpunkt zu gewinnen, während bei der Hydrierung sein Schmelzpunkt erheblich
herabgesetzt würde.
-
Beispiel i oo kg eines Druckhydrierungsproduktes von Braunkohle, von
dem 2,60,b bis 325° sieden und das 40% Paraffin enthält, werden bei 4o bis 5o° mit
der sechsfachen Menge verflüssigten Propans gemischt. Der in einer Menge von 38
kg ausgefällte Asphalt wird von der Öllösung abgetrennt. Das vom Lösungsmittel befreite
Öl wird mit einem von j 8o bis 23o° siedenden Leuchtöl im Verhältnis von ioo Teilen
Öl zu 6o bis 7o Teilen Leuchtöl bei 5o° gemischt. Man kühlt die Mischung unter Rühren
langsam auf -`- 15', wobei festes Paraffin ausfällt. Durch Abfiltrieren mit
Hilfe eines Drehfilters unter gleichzeitigem Waschen mit 5 Teilen Leuchtöl erhält
man nach dem Abtreiben der Lösungsmittel 21,5 kg eines hellen Paraffins vom Schmelzpunkt
62° und dem mittleren Molekular gewicht 4oo. Das vom Lösungsmittel befreite Filtrat
wird dann mit 85 cbm Wasserstoff unter einem Druck von Zoo at bei 400° über 8oo
ccm eines aus Wolframsulfid bestehenden Katalysators in Pillenform geleitet, und
zwar mit einem Durchsatz von 35o g Öl pro Stunde. Das in einer Menge von 40 kg anfallende
Reaktionsprodukt wird auf einen Flammpunkt von 2oo° getoppt und der Destillationsrückstand
mit der dreifachen Menge verflüssigten Propans vermischt und durch teilweise Verdampfung
oder indirekte Kühlung auf -35' abgekühlt. Dabei scheidet sich Paraffin ab,
das durch Abfiltrieren gewonnen wird. Man erhält 5 kg Paraffin mit dem Schmelzpunkt
35° und einem mittleren Molekulargewicht von 3 i o. Die Lösung des Öles wird von
Propan befreit. Man erhält 23 kg eines Schmieröles, das einen Viscositätsindex von
89 und einen Stockpunkt von -2o0 besitzt.