DE673372C - Verfahren zur Herstellung eines resorbierbaren, chirurgischen Nahtmaterials - Google Patents

Verfahren zur Herstellung eines resorbierbaren, chirurgischen Nahtmaterials

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DE673372C
DE673372C DER91271D DER0091271D DE673372C DE 673372 C DE673372 C DE 673372C DE R91271 D DER91271 D DE R91271D DE R0091271 D DER0091271 D DE R0091271D DE 673372 C DE673372 C DE 673372C
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absorbable
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suture material
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    • AHUMAN NECESSITIES
    • A61MEDICAL OR VETERINARY SCIENCE; HYGIENE
    • A61LMETHODS OR APPARATUS FOR STERILISING MATERIALS OR OBJECTS IN GENERAL; DISINFECTION, STERILISATION OR DEODORISATION OF AIR; CHEMICAL ASPECTS OF BANDAGES, DRESSINGS, ABSORBENT PADS OR SURGICAL ARTICLES; MATERIALS FOR BANDAGES, DRESSINGS, ABSORBENT PADS OR SURGICAL ARTICLES
    • A61L17/00Materials for surgical sutures or for ligaturing blood vessels ; Materials for prostheses or catheters
    • A61L17/06At least partially resorbable materials

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Description

  • Verfahren zur Herstellung eines resorbierbaren, chirurgischen Nahtmaterials Für die Herstellung chirurgischer Unterbindungen und Nähte dient in der Chirurgie fast ausschließlich das Catgut. Ausgangsmaterial für Catgut sind Tierdärme, vorwiegend bestimmte Anteile von Hammeldarm. Dieses Material ist von Natur aus mit fast sämtlichen auch hochgefährlichen Krankheitskeimen, der sog. Catgutflora, durchsetzt. Zur Reinigung des Materials sind eine Reihe bekannter chemischer Verfahren in Brauch. Die Reinigung gelingt jedoch zur Zeit nur unvollkommen, da die Substanz des Catgutes, das Kollagen, infolge seiner großen Empfindlichkeit die Anwendung der zu einer vollständigen Keimtötung erforderlichen Stärke und Konzentration der Chemikalien nicht erlaubt.
  • Die nach Anwendung dieser Methoden noch vorhandenen Krankheitskeime gefährden die Sicherheit der Operation. Vom Reichsgesundheitsamt wurde im Jahre 1933 festgestellt, daß Voll 267o deutschen Catgutkleinpackungen 55,3 °.%o, von 8379 ausländischen Kleinpackungen 57,2 %, von 724 deutschen Großpackungen 80,7 % keimhaltig waren. Die Verarbeitung der Därme zu Catgutfäden geschieht mittels Handarbeit. Darin liegen weitere Infektionsgefahren für das Material. Infolge der beschränkten Länge der zur Verarbeitung geeigneten Tierdärme können - nur Fäden bis zu einer größten Länge von 2, 5o m knotenfrei hergestellt werden.
  • Man hat bereits versucht, resorbierbares, chirurgisches Nahtmaterial dadurch zu erhalten, daß man Cellulose, Viscose, Kunstseide oder andere cellulosehaltige Materialien mit Salpeter- und Schwefelsäure behandelt und hierauf mit einer Mischung von Ätheralkohol wäscht. Durch diese Behandlung wird die Cellulose in Nitrocellulose übergeführt. Das nach diesem Verfahren erhaltene Nahtmaterial dürfte im Hinblick auf die starke Wirkung der Salpeterschwefelsäure nicht die für seine Verwendung erforderlichen Eigenschaften besitzen.
  • Nach einem anderen bekannten Verfahren werden Acetylcellulose oder Gemische anderer Derivate der Cellulose durch Zusatz von Trichloressigsäure oder anderen Säuren resorbierbar gemacht. Auch Seide hat man in diesem bekannten Verfahren als Ausgangsmaterial benutzt und zur Erzielung einer leichteren Resorption mit Oxalsäure, Apfelsäure, Milchsäure und insbesondere mit Substitutionsprodukten von Sulfosalicylsäure, Benzolsulfosäure, Trichloressigsäure, Toluolsulfosäure, ferner mit Aminosäure, wie Glykokoll, Asparaginsäure, und endlich mit dem Chlorhydrat von I'henylhydrazin, Borax, Nickelnitrat und Kaliumbichromat behandelt.
  • Gegenstand der Erfindung ist die Herstellung eines resorbierbaren, chirurgischen Nahtmaterials, welches vollkommen keimfrei und außerdem in beliebiger Länge knotenfrei hergestellt werdenkann. AlsAusgangsmaterial wird ein von Natur aus sauberes, polypeptidhaltiges Rohmaterial verwendet, welches außerdem genügende Widerstandsfähigkeit besitzt, die die Anwendung der absolut sicheren physikalischen Sterilisierungsmethoden gestattet. Ferner muß das Material zur Vermeidung von nachträglichen Verunreinigungen im Herstellungsprozeß unter Ausschluß der Handarbeit rein maschinell zu verarbeiten sein.
  • Als geeignetes Rohmaterial für diese Zwecke hat sich die Naturseide erwiesen, die in der Chirurgie wegen ihrer Sauberkeit und Festigkeit von . altersher als nichtresorbierbares Nahtmaterial benutzt wird.
  • Durch Versuche an Tieren (Kaninchen) und am eigenen Körper wurde festgestellt, daß sich die an sich nichtresorbierbare Seide durch Einwirkung stark hydratisierter Salze und unter Anwendung gewisser Vorsichtsmaßregeln, ohne daß völlige Lösung eintritt, so umwandeln läßt, daß. sie ebenso wie Catgut vom Organismus resorbiert wird. Das auf diese Weise aus der Seide gewonnene Produkt ist im Gegensatz zur unbehandelten Naturseide in Wasser in höheren Graden quellbar. Durch diese neue Eigenschaft der Quellbarkeit wird das zum Abbau notwendige Eindringen der Körperfermente ermöglicht. .
  • In diesem neuen Verfahren handelt es sich also lediglich um einen Quellungsprozeß des Ausgangsmaterials, nicht aber .um chemische Reaktionen der zur Verwendung kommenden Chemikalien, derart, daß durch Austausch der Reaktionskomponenten neue Verbindungen entstehen. Es werden also, im Gegensatz zu den bekannten Verfahren, nicht neue chemische Verbindungen mit resorbierbaren Eigenschaften hergestellt; vielmehr wird durch die - Behandlung des Ausgangsmaterials bu Sinne des neuen Verfahrens nur die zur Resorption notwendige Wasserquellbarkeit .der als körperfremde Eiweißstoffe an sich nichtresorbierbaren Naturseide erzeugt.
  • Der Herstellungsgang dieses neuen Materials ist z. B. folgender.
  • Rohseide wird nach bekannten Verfahren gereinigt und entbastet. Hierauf wird die Seide zu festen Fäden gezwirnt. Die Zwirnung .erfolgt im Vergleich zu der gewünschten Zwirnung des fertigen Fadens um den Betrag weniger stark, um den sich der Rohfaden unter der Einwirkung der genannten Chemikalien verkürzt. Vor der weiteren chemischen Verarbeitung nach der Zwirnung wird der Rohfaden durch Auskochen in destilliertem Wasser völlig keimfrei gemacht.
  • Die weitere Verarbeitung erfolgt von da ab bis zur Verpackung nach den aseptischen Methoden der Chirurgie unter Ausschaltung jeglicher Handarbeit auf die folgende Weise: Der gezwirnte Faden wird über Transportwalzen oder Fadenführer durch die Chemikalienbäder geleitet. Nach Austritt aus den Bädern wird . der umgewandelte Faden im fließenden Wasserbad von den überschüssigen Chemikalien befreit und unter gleichzeitiger Streckung getrocknet. Die übrigbleibende Verkürzung des Fadens kann durch verschiedene Konzentrationen der angewandten Chemikalien oder durch Veränderung der Temperatur während ihrer Einwirkung beliebig gestaltet werden. In unmittelbarem Verhältnis zum Grade der Verkürzung steht die Dauer der Resorption im Organismus. Durch eine entsprechende Streckung kann also jeweils eine bestimmte Resorptionsdauer der Fäden im Organismus erzeugt werden.
  • Zur Umwandlung der Seide in den resorhierbaren Zustand kommen beispielsweise hochkonzentrierte Lösungen von Ca CL, Ca(NO3)2, Mg Br2, Na j u. a. in Betracht. Jodnatrium hat den Vorteil, daß sich im Laufe der Zeit geringe Jodmengen abspalten, welche etwaige versiebentliche Infektionen beim Gebrauch der Fäden verhindern.
  • Die Einwirkung der hydratisierten Salze soll zweckmäßig nur so weit gehen, daß der Faden quellbar wird, aber die Faserstoffstrukbur erhalten oder soweit wie möglich erhalten bleibt.
  • Es ist nicht erforderlich, nach dem Quellungsprozeß die zum Quellen benutzten Salzlösungen restlos aus der Faser zu entfernen. Vielmehr hat sich herausgestellt, daß u. U. die Salze bei geeigneter Auswahl, z. B. Calciumsalz, einen aktivierenden Einfluß auf die Fermente ausüben. In diesem Fall geht die Resorption sehr viel rascher vor sich. Endlich aber begünstigen die in der Faser gebliebenen Salze infolge osmotischer Wirkungen das Eindringen der auflösenden Fermente.
  • Das neue Verfahrenserzeugnis hat gegenüber dem Catgut den Vorteil, daß es i. aus einem von Natur aus sauberen Rohmaterial besteht, das mit den sicheren physikalischen Sterilisierungsverfahren (Auskochen) keimfrei gemacht werden kann, z. unter Ausschluß von wesentlicher Handarbeit auf rein maschinellem Wege hergestellt werden kann, 3. die Resorptionseigenschaften bezüglich der Dauer beliebig variiert werden können und ¢. daß es knotenfrei in beliebiger Länge hergestellt werden kann.
  • Diese Eigenschaften- machen es für den chirurgischen Gebrauch hervorragend geeignet.
  • An Stelle von Seide können auch andere polypeptidhaltige Faserstoffe als Ausgangsmaterial dienen, die ebenfalls durch die Behandlung im Sinne des Verfahrens vom nichtresorbierbaren in den resorbierbaren Zustand übergeführt werden.
  • Beispiel Gezwirnte Naturseide, wie sie für , Operationszwecke im Handel befindlich ist, von 2 ni Länge und o,32 mm Durchmesser wird m eine 66,6%ige NaJ-Lösung, eingelegt und bei 70° C etwa q. Stunden gequollen. Danach wird der Faden i/2 Stunde lang bei Zimmertemperatur gewässert. Nach dem Wässern wird der gequollene und verkürzte Faden auf i,7om Länge gespannt und getrocknet.
  • Resorptionsdauer: Mehrere Wochen. Zerreißfestigkeit: 2,5 kg. Durchmesser: 0,37 mm.

Claims (1)

  1. PATENTANSPRUCI-1: Verfahren zur Herstellung eines resorbierbaren, chirurgischen Nahtmaterials aus polypeptidhaltigen Faserstoffen, dadurch gekennzeichnet, daß an sich nichtresorbierbare, polypeptidhaltige Faserstoffe, z. B. Maulbeerseide, Tussahseide, Anapheseide u. -a., mit stark hydratisierten, die Faser nicht angreifenden Salzen; z. B. Calciumchlorid, Natriumjodid u. a., gequollen werden.
DER91271D 1934-08-24 1934-08-24 Verfahren zur Herstellung eines resorbierbaren, chirurgischen Nahtmaterials Expired DE673372C (de)

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