DE65239A - Anstrichmasse für Eisen - Google Patents
Anstrichmasse für EisenInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Werden verrostete Eisentheile mit einem Anstrich aus Oelfarbe oder Lack versehen, so
überzieht derselbe zwar die Oberflächen, dringt aber wegen der verhältnifsmäfsig dickflüssigen
Consistenz dieser Substanzen nicht in die Poren des Eisenoxyds ein, und die Folge davon ist,
dafs, wenn die Poren etwas feucht sind oder die Rostschicht sehr dick ist, die schützende
Farbe sich ablöst, oder dafs unter ihr die Rostbildung weiter fortschreitet.
Durch die im Nachstehenden beschriebenen Producte wird eine Anstrichmasse hergestellt,
welche alle Eigenschaften, die ein brauchbarer Anstrich haben mufs, in hervorragendem Mafse
besitzt.
Die Anstrichmasse wird hergestellt aus Fettgastheerproducten,
indem diesen eine entsprechende Menge Goudron beigefügt wird, oder sie besteht aus Fettgastheer mit einer Beimischung von Schwefel.
Die chemische Untersuchung des reinen Fettgastheeres hat ergeben, dafs derselbe
2,265 pCt. bei 1000C. siedende Bestandtheile
(Wasser und Benzol),
3,040 - bei ioo° siedende Kohlenwasserstoffe,
■ 17,025 - zwischen 200 bis 240 ° siedende
■ 17,025 - zwischen 200 bis 240 ° siedende
^ Kohlenwasserstoffe,
18,922, -■ zwischen 270 bis 300 ° siedende
Kohlenwasserstoffe,
8,735^, - bei 3500 siedende Kohlenwasserstoffe,
50,000 - Asphalt
50,000 - Asphalt
99,987 pCt. enthält.
Hieraus folgt, dafs der Theer verhältnifsmäfsig geringe Mengen von leicht siedenden,
einfach zusammengesetzten Kohlenwasserstoffen, dagegen erheblich mehr schwerer flüchtige,
hochsiedende Kohlenwasserstoffe enthält. Beide Mengen erweisen sich frei von Schwefel oder
Schwefelverbindungen und sind von zähflüssiger, ölartiger Consistenz. Der gröfste Theil
des Theers besteht aus einem in der Wärme zähflüssigen, bei gewöhnlicher Temperatur
starren, asphaltartigen Körper, der merkliche Mengen gebundenen Schwefels enthält.
Wird diesem Fettgastheer eine entsprechende
Menge Goudron beigemischt, bis das Product 1,65 pCt. bis ioo° flüssige Bestandtheile (ein-
schliefslich Wasser),
2,43 - bis 16o° flüssige Bestandtheile,
16,02 - zwischen 200 bis 2400 flüssige Bestandtheile,
16,02 - zwischen 200 bis 2400 flüssige Bestandtheile,
19,72 - bis 3000 flüssige Bestandtheile,
10,68 bis 35 o°
10,68 bis 35 o°
49,38 - Asphalt
99,88 pCt.
enthält, so resultirt eine Masse, die reicher an schwer flüchtigen und ärmer an leicht flüchtigen
Kohlenwasserstoffen geworden ist, und hieraus ergiebt sich die gute Verwerthbarkeit derselben
zum Anstrich von Eisentheilen, denn sie besteht durchgehend aus schwer zersetzbaren und
deshalb gegen Einwirkung äufserer Einflüsse widerstandsfähigen Kohlenwasserstoffen.
Weitere Versuche haben ergeben, dafs durch eine Vereinigung des Fettgastheeres mit 5 bis
8 pCt. Schwefel, statt des Goudrons, aufser-
ordentlich günstige Resultate erzielt werden, indem dabei ein OeI gewonnen wird, welches
sich bei der Analyse analog dem Gemisch von Goudronfettgastheer erwies, aber zum Anstrich
von Eisentheilen noch viel geeigneter war.
Wird nämlich der Fettgastheer unter Zusatz von Schwefel stark erhitzt, so löst sich der
letztere zunächst in dem Theer auf; bei weiterem Erhitzen jedoch tritt eine zweifache
Wirkung ein. Zunächst werden die Kohlenwasserstoffe zum Theil sulfurirt und alsdann
wird denselben ein Theil ihres Wasserstoffes entzogen, d. h. sie werden in kohlenstoffreichere
Verbindungen überführt.
Die Änstrichmasse ist gegen Wasser, Luft u. dergl. aus den schon vorher angeführten
Gründen durchaus widerstandsfähig und besitzt aufserdem die wichtige Eigenschaft, leicht in
Oeffnungen und Poren einzudringen, wodurch sie also, auf Rost gebracht, diesen durchdringt,
lockert und eine Verbindung der freien Eisenfiächen mit dem Anstrich hervorbringt. Derselbe
Stoff eignet sich auch vorzüglich zum Abhalten der Feuchtigkeit von Gewölben und
Mauerwerk, ebenso auch als conservirender Anstrich für Holz.
Bisher wurden Steinkohlentheer, Schiffstheer, Holztheer u. s. w. zu wohlfeilen Firnissen durch
Zusatz von Harzöl, Pinolin, Kolophonium, verarbeitet.
Niemals kann mit diesen Mitteln der im Vorstehenden beschriebene Körper dargestellt
werden, da er durchaus andere werthvollere Eigenschaften besitzt als jene Firnifslacke.
Während letztere spröde und hart sind, auf Eisen schwer oder gar nicht haften, bleibt die
neue Anstrichmasse elastisch, haftet leicht und vollkommen und erreicht niemals die Härte
jener Lacke. Dadurch ist sie besonders als Rostschutzmittel auf eisernen Brücken und solchen
Constructionen geeignet, in welchen Bewegungen auftreten. Diesen Bewegungen folgt
der Anstrich ohne rissig zu werden, vermeidet also den Fehler aller anderen Eisenanstriche,
welche durch die sehr bald entstehenden Risse den Rostbildern schon in kurzer Zeit neue
Wege öffnen.
Ganz besonderer Werth ist auf die aufserordentliche Permeabilität der Anstrichmasse zu
legen, vermöge derer der auf dem Eisen etwa befindliche Rost verzehrt und unschädlich gemacht
wird.
Wesentlich ist auch der Umstand, dafs auch die Unterhaltung der Eisenconstruction erheblich
erleichtert wird, indem das Beseitigen des Rostes mit Stahlbürsten ganz fortfällt und
durch einfaches Tränken der angerosteten Theile mit dem Rohstoff, dem Fettgastheer, und Abreiben
derselben ersetzt wird, wodurch die erforderliche Wirkung nie verfehlt wird, während
die Wirkung des Abreibens mit Stahlbürsten stets von der Zuverlässigkeit der Arbeiter abhängt
und meist uncontrolirbar ist.
Die Herstellung und Verarbeitung der Anstrichmasse geschieht wie folgt:- ,
Der möglichst vom Wasser rein gehaltene Fettgastheer wird, nachdem die gröfseren in
demselben enthaltenen Mengen Wasser, die wegen ihres geringeren specifischen Gewichtes
obenauf schwimmen, durch Abgiefsen möglichst vollständig entfernt sind, in gufseisernen
Kesseln erhitzt. Nachdem die Temperatur etwa ioo° erreicht hat, werden dem Theer nach
und nach entweder io pCt. Goudron oder aber 5 bis 8 pCt. seines Gewichtes Schwefel
beigemengt, und nach dem Lösen je einer dieser Beimischungen wird die Masse noch
etwa Y4 Stunde weiter erwärmt.
Das sich hierbei ergebende Product ist nunmehr fertig zum Auftragen und wird am besten
sogleich in noch warmem Zustand auf die zu streichenden Flächen gebracht. Wo dies nicht
angängig, läfst man dasselbe erkalten. Die Masse kann dann ohne Nachtheile später wieder
erwärmt und zum Anstrich verwendet werden.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren zur Herstellung einer Anstrichmasse im Besonderen für Eisentheile, gekennzeichnet durch Vermischen von Fettgastheerproducten mit Goudron oder Schwefel.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE65239A true DE65239A (de) |
Family
ID=
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE878840C (de) * | 1945-01-18 | 1953-06-08 | Henkel & Cie Gmbh | Mittel zum Impraegnieren von Holz und anderen organischen Werkstoffen |
| DE3025612A1 (de) * | 1980-07-05 | 1982-01-21 | Rütgerswerke AG, 6000 Frankfurt | Pechartige produkte und verfahren zu ihrer herstellung |
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE878840C (de) * | 1945-01-18 | 1953-06-08 | Henkel & Cie Gmbh | Mittel zum Impraegnieren von Holz und anderen organischen Werkstoffen |
| DE3025612A1 (de) * | 1980-07-05 | 1982-01-21 | Rütgerswerke AG, 6000 Frankfurt | Pechartige produkte und verfahren zu ihrer herstellung |
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