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Verfahren zur Herstellung von unechten Metallschnitten an Büchern
Das bisher übliche Verfahren zur Her= Stellung von polierfähigen Metallschnitten
an Büchern beschränkt sich auf die Benutzung von echtem Blattgold. Die hierzu verwendeten
Folien sind außerordentlich dünn und daher sehr leicht Beschädigungen ausgesetzt.
Um derartigen Beschädigungen der Folie vorzubeugen, ist man gezwungen, .ein außerordentlich
umständliches, zeitraubendes und große übungerforderndes Verfahren anzuwenden. Es
kommt hinzu, daß die Folie wegen ihrer Dünnheit nicht geeignet ist, irgendwelche
Unebenheiten, feine Riefen o. dgl. am Buchschnitt auszufüllen und damit eine Grundlage
für die Polierfähigkeit zu schaffen.
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jedes Messer an den Schneidemaschinen der Buchbinder besitzt nun aber
feine Scharten. die bei der Ausführung des Schnittes auf diesem leichte Riefen hinterlassen.
Zur Entfernung derselben ist es notwendig, den Schnitt zunächst mit einem Schabmesser
ganz fein glattzuschaben, eine Kleisterschicht aufzutragen und diese so weit zu
verreiben, daß sie eine annähernd spiegelblanke Fläche auf dem Schnitt bildet, wobei
selbst nach dem Schabevorgang noch hinterblieb@ene feine Kratzer durch den Kleister
ausgefüllt werden.
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Die Kleisterschicht hat daneben auch noch den weiteren Zweck, das
Eindringen des verdünnten Eiweißes, mit dem man die Goldfolie aufbringt, zwischen
die Buchblätter und demnach ein Verkleben derselben miteinander zu verhindern. Die
Folie kann nämlich nur mit einem stark verdünnten, sehr leicht fließenden Eiweiß
aufgeklebt werden, das zum allergrößten Teil nach Auflegen des Blattgoldes unter
diesem hervor abzulaufen imstande ist, weil durch die Folie das Trocknen der Klebemasse
stark behindert wird.
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Abgesehen von dieser schwierigen und zeitraubenden Herstellung wird
der Schnitt auch dadurch teuer, daß echtes Gold dabei verwendet werden muß. Es lag
daher nahe, daß Versuche zur Verwendung von unechtem Metall bei derartigen Schnitten
angesttellt: wurden.
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Da kein :Metall sich bis zu einer derartigen Dünnheit verarbeiten
läßt wie das Gold, kam in solchen Fällen nur die Pulverform in Frage. Man versuchte
daher, mit einem in einer Klebeflüssigkeit angerührten Metallpulver das echte Gold
zu ersetzen, gelangte jedoch bei dieser Verwendungsart des Metalls nicht zu einem
blanken Schnitt, weil nur eine rein metallische Oberfläche polierfähig ist.
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Erfindungsgemäß wird der Buchschnitt in an sich bekannter Weise mit-
einer klebefähigen Grundierung überzogen und über dieser Metallpulver, insbesondere
Bronzepulver, in trockenem Zustand ,aufgepudert. Da dieses Pulver auf der Oberfläche
rein metallisch bleibt, ist die gewünschte Polierfähigkeit gegeben. Bei dieser Art
des Verfahrens ergibt sich gleichzeitig auch eine erhebliche Verbilligung, weil
der erste Verfahrensgang des Schabens des Schnittes fortfallen kann; denn feine,
an dem Schnitt verbliebene Riefen
werden durch das Metallpulver
ausgefüllt, dessen Schicht ja nicht wie beim Blattgold von vornherein eine gegebene
Dicke hat.
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Die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens geschieht also in
folgender Weise: Der Buchschnitt wird ohne jedwede Vorbereitung mit einer in Wasser
gelösten Mischung von Bolus und Gummiarabikum überstrichen. Alsdann läßt man diese
Grundierung so weit antrocknen, daß sie noch genügend Klebefähigkeit für das Metallpulver
besitzt und pudert dieses mit einem trockenen Wattebausch in trockenem Zustande
auf. Unmittelbar darauf wird das Metallpulver unter zunächst leichtem, dann kräftigerem
Druck verrieben, wobei nach Bedarf Wachs hinzugesetzt wird. Es entsteht eine gleichmäßige
Metallfläche, die mit einem Achatglättzahn in der üblichen Weise poliert werden
kann. Soll der Glanz dieses Schnittes geschützt werden, dann kann ein Überzug mit
Zaponlack angewendet werden.
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Die erwähnte Grundierungsmischung besteht aus 3 Gewichtsteilen Gummiarabikum
und i Gewichtsteil Bolus. Angerührt wird sie je nach der Dicke der Buchblätter mit
5 bis 8 Gewichtsteilen Wasser, bezogen auf die Gesamtheit der obengenannten Mischung.
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Das Mischungsverhältnis zwischen Gummiarabikum. Pulver und Bolus beruht
auf der Erkenntnis, daß nur bei dieser Zusammensetzung einerseits die genügende
Klebefähigkeit für das Metallpulver erhalten bleibt, andrerseits die Eindringfähigkeit
der Grundierung zwischen die Blätter des Buches so weit herabgesetzt wird, daß diese
ohne eine vorher aufgebrachte Isolierschicht nicht miteinander verkleben können.
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Die Verwendung von Bolus als Grundiermittel und von Wachs als Poliermittel
ist bei der Herstellung von Buchschnitten bekannt. Auch ist es nicht mehr neu, zum
Verzieren von Büchern Bronzepulver in trockenem Zustande zu verwenden. Dieses trockene
Bronzepulver wurde jedoch bisher nur zur Verzierung von Buchdeckeln und nicht zur
Herstellung von Buchschnitten verwandt.