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Gewebe, Gewirke und daraus hergestellte Gegenstände, wie Strümpfe
Die Erfindung betrifft Gewebe, Gewirke und daraus hergestellte Gegenstände, wie
Strümpfe, die an stark beanspruchten Stellen gegen Zerreißen gesichert sind.
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Es ist bereits bekannt, Strümpfe mit fehlenden Spitzen, mit Ausschnitten
oder Gewirkeweglassungen herzustellen. Dabei sind die Spitzen sowie die übrigen
Gewirketeile nur deswegen unterdrückt, weil sie am meisten dem Verschleiß ausgesetzt
sind. Der den bekannten Strümpfen zugrunde liegende Gedanke ist also, diejenigen
Stellen, welche leicht zur Lochbildung neigen, ganz wegzulassen und Materialweglassungen
von vornherein vorzusehen.
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Es ist nun klar, daß dadurch der Strumpf Mängel erhält, welche seinen
Wert stark herabmindern. Durch Weglassung der Spitze wird dem Fuß an der kälteempfindlichsten
Stelle der Wärmeschutz entzogen. Ferner besteht die Gefahr, daß die Haut an den
von dem Gewirke nicht bedeckten Teilen durch Reibung mit dem Schuhwerk sich entzündet.
Im übrigen ist ein wirklicher Schutz gegen Zerreißen bei einer derartigen Ausbildung
der Strümpfe in Wirklichkeit nicht erzielt. Bei den Strümpfen mit fehlender Spitze
wird vielmehr der Fuß sich keilförmig in die Öffnung hineintreiben und so die Teile
des Strumpfes in der Nähe der weggelassenen Spitze einer stärkeren Spannung unterwerfen,
als wenn der Strumpf eine angewirkte Spitze haben würde. Es ist ferner bekannt,
Strümpfe, Socken und ähnliche Fußbekleidungsstücke durchbrochen auszubilden sowie
in Möbelbezugsstoffen mit gleicher Dehnbarkeit in allen Richtungen Durchbrechungen
verschiedener Form und Richtung vorzusehen, wodurch die Zugfestigkeit in der einen
Richtung im Gegensatz zur Zugfestigkeit in der anderem Richtung durch die Zahl und
Anordnung der Löcher herabgemindert werden soll.
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Auf die Durchbrechungen in Strümpfen trifft dasselbe zu, was oben
zu den Strümpfen mit fehlender Spitze gesagt worden ist; es fehlt zunächst der nötige
Wärmeschutz, sodann ist das Gewirke geschwächt. Ein derartiges Gewirke weist daher
eine erhöhte Zugfestigkeit und Haltbarkeit nicht auf.
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Was die mit Durchbrechungen versehenen Möbelbezugsstoffe anbelangt,
so ist zu bemerken, daß diese Erfindung nicht auf alle Arten von Gewirken anwendbar
ist, z. B. nicht auf Strümpfe und Handschuhe, auf welche sich die Erfindung besonders
bezieht. Ferner treffen die an die bekannte Erfindung geknüpften Erfahrungen nicht
zu, denn der Stoff erhält durch die Unterbrechungen in der Richtung, in der sie
vorgesehen sind, keine größere Zugfestigkeit, ganz abgesehen davon, daß senkrecht
zu dieser Richtung ein erheblicher Verlust an Zugfestigkeit auftritt.
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Gemäß der Erfindung werden die Mängel der bekannten Anordnungen vermieden.
Sie geht ganz andere Wege, denn, wie sich herausgestellt
hat, beruht
die Bildung von Löchern in Geweben oder Gewirken, z. B. beim Tragen von Strümpfen,
nicht etwa auf einem Verschleiß des gewirkten Materials auf der gesamten Lochfläche,
sondern zunächst auf einem Zerreißen des Fadens, also auf einer Öffnung des Strumpfgewirkes
an einer einzigen begrenzten Stelle infolge seiner Spannungsbeanspruchung. Ist aber
erst ein Faden zerrissen, so werden benachbarte Fäden stärker auf Zerreißen beansprucht
und neigen daher gleichfalls dazu. Wenn jedoch auf diese Weise das Strumpfgewirke
durch Zerreißen einiger Fäden geöffnet ist, so werden andere Kräfte frei, deren
Entfaltung durch die Spannung in den bisher unzerrissenen Fäden verhindert wurde.
Das durch Öffnen dehnbarer gewordene Gewirke schützt sich nämlich gegen eine zu
starke Beanspruchung nunmehr durch Nachgeben und damit gegen das Zerreißen weiterer
Fäden, d. h. die Maschen um das durch Fadenzerreißung entstandene kleine Loch ziehen
sich von dem entstandenen Loch zurück, so daß hierdurch eine erhebliche Vergrößerung
des Loches eintritt. Z. B. kann ein Loch, dessen Durchmesser 17 Fadenbreiten hat,
durch Zerreißen von nur 7 Fäden entstanden sein, wie man sich leicht durch ein Vergrößerungsglas
überzeugen kann. Die dem Loch benachbarten Fäden haben sich dann dicht zusammengezogen.
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In der Zeichnung ist dies in mehreren Ausführungsbeispielen veranschaulicht.
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Abb. 16 zeigt ein in der beschriebenen Weise aus der Form gebrachtes
und geweitetes Gewirke eines Strumpfes. Das durch Zerreißen nur eines einzigen Fadens
entstandene, zuerst kaum wahrnehmbare und dann erbsengroße Loch nimmt bereits nach
wenigen Tagen durch Aufweiten die Größe eines Markstückes an und würde ohne weitere
Fadenzerreißung bald Talergröße erreicht haben, wenn es nicht gestopft werden würde.
Die Fadenstärke selbst hat auf die Aufweitung des Loches keinen wesentlichen Einfluß.
Ein Materialverlust tritt also bei der Löcherbildung in einem Strumpf vorerst nicht
ein, sondern nur eine Öffnung und Verlagerung der Maschen. Dieser Vorgang ist von
dem echten Verschleißen eines Materials, z. B. einer Stiefelsohle oder der Silberauflage
eines Löffels, grundsätzlich zu unterscheiden. Ein Verschleiß kommt bei einem Strumpf
erst nach langem Tragen zustande und wird in den meisten Fällen nicht ersichtlich,
da der Strumpf durch die vielen Stopflöcher inzwischen unbrauchbar geworden ist.
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Die Spannungen im Strumpf ergeben sich beim Überziehen über den Fuß
dadurch, daß der als spannungsloser Schlauch hergestellte Strumpf sich der Körperform
des Fußes anpassen muß, der bei jedem Schritt keilförmig in den Strumpf hineingetrieben
Wird.
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Die Empfindlichkeit des Strumpfgewirkes gegen eine Störung des Gleichgewichtszustandes
seiner Spannung durch Unterbrechung des Gewirkes zeigt folgender Versuch: Aus einem
neuen Strumpf wurde auf der großen Zehe ein ungesäumtes Loch von etwa 2o mm Durchmesser
ausgeschnitten (Abb. z), das Loch erweiterte sich bereits nach zweitägigem Tragen
auf je 3o qcm für die obere und die untere Fläche des Strumpfes, so daß bei dem
Strumpf die ganze Fußspitze frei lag (Abb. 2) . Hier war besonders deutlich zu erkennen,
daß nicht etwa ein Materialverlust eingetreten, sondern die Vergrößerung des Loches
lediglich auf seine Aufweitung zurückzuführen war, die dadurch entstand, daß durch
den nicht gesäumten Ausschnitt das Gleichgewicht der Gewirkespannung zerstört war.
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Wird aber der kreisrunde Ausschnitt gesäumt, so macht er zwar gleichfalls
das Gewirke dehnbar, ist jedoch in seiner Ausweitung begrenzt und schützt durch
seinen Saum das Gewirke gegen Einreißen. Beim Anziehen des Strumpfes nimmt der gesäumte
Ausschnitt eine ovale, beim Auftreten starleer Spannungen sogar eine schlitzförmige
Gestalt an, deren Längsachse quer zur Längsachse des Fußes gerichtet ist.
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Bringt man nun statt des kreisrunden Ausschnitts im Strumpf einen
Einschnitt nach Art eines Knopfloches parallel zur Längsachse des Fußes an, so wird
einerseits durch die federnde Wirkung dieses Einschnitts die beim Anziehen des Strumpfes
auftretende Spannung ebenfalls verringert, die im nicht durchlochten Strumpf zur
Zerreißung des Fadens und dadurch zur Bildung eines nicht gewollten und auch nach
dem Stopfen immer wieder auftretenden Loches führt, anderseits wird auch eine beliebig
fortschreitende Erweiterung dieser - Schlitzöffnung durch eine Einsäumung verhindert.
Der knopflochähnliche Schlitz behält beim Tragen des Strumpfes nicht die Form eines
Einschnitts, sondern das Gewirke zieht sich auseinander, so daß ohne Aufreißen an
Stelle des Einschnitts eine Öffnung erscheint, die je nach der Spannung mehr oder
Weniger oval ist.
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Bei einem Versuch mit einem ungesäumten Einschnitt von 15 mm Länge
(Abb. 3) hatte dieser nach eintägigem Tragen die in Abb. 4 dargestellte Form angenommen,
deren Fläche 2 qcm betrug. Nach dreizehntägigem Tragen des Strumpfes hatte der nicht
gesäumte Schlitz durch Aufweitutig die Gestalt eines ovalen Loches von 19
mm und 38 mm Achsenlänge angenommen (Abb. 6). Das nicht mit
einer
Schlitzöffnung versehene Gegenstück desselben Strumpfpaares wies die in Abb. 5 dargestellten
Löcher auf. Nach fünfzehntägigem Tragen waren die Löcher angewachsen, wie aus Abb.
7 und 8 zu ersehen ist. Der geschlitzte Strumpf zeigte also ein durch Ausdehnung
des ungesäumten Schlitzes hervorgerufenes Loch von. 6,31 qcm und außerdem zwei noch
nicht erbsengroße Löcher, während der nicht mit einer Schlitzöffnung versehene Gegenstrumpf
desselben Paares schon sehr zerstört war. Nach siebzehntägigem Tragen hatten die
Löcher die aus Abb. 9 und io zu ersehende Größe angenommen. Der ungesäumte Schlitz
hatte sich also zu einem Loch von 12,31 qcm erweitert (Abb. io), von dessen Lochfläche
die Schlitzöffnung noch in Abzug zu bringen wäre. Außerdem hatten sich in dem mit
einem Schlitz versehenen Strumpf die beiden ungewollten kleinen Löcher auf zusammen
1,49 qcm erweitert. In dem nicht eingeschnittenen anderen Strumpf desselben Paares
(Abb.9) waren nun vier nicht gewollte Löcher von zusammen i8,24qem zu sehen. Auch
ist zu berücksichtigen, daß bei einem eingesäumten Schlitz die Aufweitung nicht
so groß werden kann wie bei einem ungesäumten Schlitz. Der ungeschlitzte Strumpf
war daher vollständig zerstört. Bei diesem zweiten Versuch wurde der geschlitzte
Strumpf nur an dem rechten, der ungeschlitzte nur an dem linken Fuß getragen.
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Ein Zustopfen der beim Tragen der Strümpfe sich bildenden Löcher kann
unter Berücksichtigung der oben angestellten Erwägungen nur für kurze Dauer die
weitere Lochbildung oder die Vergrößerung des alten Loches aufhalten. Erfahrungsgemäß
bilden sich vielmehr bald neue Löcher neben dem zugestopften Loch, denn dem Gewirke
fehlt beim überziehen über den Fuß nach wie vor die nötige Dehnbarkeit.
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Gestützt auf diese Erkenntnis wird dem genannten Mangel gemäß der
Erfindung dadurch abgeholfen, daß der Stoff einen oder mehrere an diesen Stellen
unter Vermeidung einer Entfernung oder Weglassung von Stoff vorgesehene parallele
Schlitze mit verstärkten Kanten aufweist. Zweckmäßig sind die Schlitze auf dem Rücken
oder an den Seitenteilen des Füßlings vorgesehen, sie können auch über dem Zehenteil
angeordnet sein. Nach einer weiteren Ausführungsform bildet man die Schlitze in
der Sohle, am Fersenteil oder an der Wade aus. Zeichen in oder an den Strümpfen
dienen dazu, sie als linke oder rechte zu bezeichnen.
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In der Zeichnung sind mehrere Ausführungsformen des Erfindungsgegenstandes
dargestellt, und zwar zeigt: Abb. i eine Ausführungsform des Strumpfes, bei der
eine gesäumte, kreisrunde öffnung von etwa 18 bis 2o mm Durchmesser über dem Nagel
der großen Zehe eingewirkt ist; Abb. 3 zeigt eine zweite Ausführungsform, bei der
ein gesäumter, etwa 15 mm langer knopflochähnlicher Schlitz über der großen Zehe
eingewirkt ist. Die Entspannung des Gewirkes infolge der federnden Wirkung solcher
Schlitze kann erhöht werden, wenn statt nur eines Schlitzes mehrere über die ganze
Breite des Fußes verteilte Schlitze angebracht werden (Abb. IS).
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Die Beobachtung hat gezeigt, daß Strümpfe weniger schnell mehr Löcher
erhalten, wenn der eine Strumpf nur an dem linken, der andere nur an dem rechten
Fuß getragen wird. Dies ist dadurch zu erklären, daß das erste Loch an der Stelle
der größten Gewirk espannung,. also an der Spitze des Fußes, entsteht. Diese liegt
aber, da der Fuß unsymmetrisch ist, nicht in seiner Mittellinie, sondern an der
Spitze der großen Zehe, also seitlich. Bei wechselweisem Tragen des Strumpfes, d.
h. bald an dem linken, bald an dem rechten Fuß, muß also bald die eine, bald die
andere Gewirkestelle als vorderste Stelle des Strumpfes am meisten beansprucht werden.
Wird aber der Strumpf stets an demselben Fuß getragen, so wird ihm zur Entspannung
der äußersten Spitze ein einziges Loch genügen. Zur Erhöhung der Lebensdauer der
Strümpfe trägt daher bei, daß sie nicht abwechselnd an dem einen und dem anderen
Fuß getragen werden, weil sie auf dem linken und dem rechten Fuß ganz verschiedenen
Spannungsverhältnissen ausgesetzt sind. Es ist daher gemäß der Erfindung zweckmäßig,
sie als linken und als rechten Strumpf zu kennzeichnen. Diese Kennzeichnung kann
in verschiedener Form, z. B. durch Einwirken von Buchstaben L und R oder durch Einwirken
eines anderen Kennzeichens, geschehen, bei geschlitzten Strümpfen auch durch verschiedene
Anordnung der Schlitze oder durch andere Verschiedenheiten der beiden Strümpfe.
Diese Kennzeichnung kann bei Strümpfen aller Art angeordnet werden.
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Weitere Versuche haben gezeigt, daß bei den bisher üblichen Strümpfen
bei einseitigem Tragen nach zehn Tagen an der Spitze der großen Zehe ein Loch in
der Größe von etwa 35 mm Breite sowie links und rechts an der Fußbegrenzung zwei
andere Löcher von Erbsengröße entstanden waren (Abb. ii und 12). Dieses Paar war
also. nicht mit besonderem Loch oder Schlitz versehen worden. Wurden derartige Strümpfe
wechselweise bald an dem linken, bald an dem rechten Fuß getragen, so zeigte sich
schon nach sieben
Tagen in dem einen Strumpf ein zusammenhängendes
Loch von 6o mm Breite (Abb. i4.) in dem anderen Strumpf waren zwei Löcher von 35
mm und fo mm Breite entstanden, die auch unter dem Fuß dieselbe Breite aufwiesen
(Abb. 13 und 1q.). Die Löcher waren also doppelt so groß, als aus der Zeichnung
ersichtlich ist. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die so entstandenen Löcher nicht
eingesäumt waren und sich daher beliebig vergrößern konnten. Wenn auch in einem
Strumpfe die Löcher gestopft zu werden pflegen, ehe sie eine derartige Größe annehmen,
so zeigt dieser Versuch doch den nachteiligen Einfluß des wechselweisen Tragens
der Strümpfe.