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Anstellvorrichtun, für Walzwerke Die weiterverarbeitende Industrie
verlangt von den Walzwerken in stets steigendem Maße engere Maßabweichungen bei
Walzeisen. Die sich heute immer mehr einführende Massen- und Automatenarbeit ist
durch die Eigenart der Fertigung auf genaue llaßbaltigkeit bei dem zu verarbeitenden
Werkstoff angewiesen. Die Schwierigkeiten bei Einhaltung möglichst geringer Maßabweichungen
beim Walzen von erwärmten Metallen liegen in der Wirkung der abfallenden Temperatur
des Werkstoffes während des Walzens. Das vordere Ende des Walzstabes wird, solange
das Walzen nicht auf einer kontinuierlichen Walzenstraße erfolgt, in wärmerem Zustande
zwischen den Walzen verformt als das hintere Ende desselben. Der mehr erkaltete
Werkstoff setzt den Walzen einen größeren Widerstand entgegen, d. h. der Walzdruck
steigt mit abnehmender Temperatur des Walzgutes. Die Walzen laufen bekanntlich mit
ihrem Zapfen in Gleit- oder Rollenlagern, diese lagern wieder in Einbaustücken,
welche sich gegen anstellbare Schraubenspindeln, heile, Hebel o.dgl. abstützen.
Durch den- verschieden starken Walzdruck werden die Durchbiegungen der Walzen größer,
die einzelnen Lagerteile stärker zusammengepreßt und die Durchbiegung und Nachgiebigkeit
der verschiedenen Walzenständerteile mehr oder minder stark in Anspruch genommen.
Dadurch vergrößert sich der Zwischenraum zwischen den den Walzstab bearbeitenden
Walzen. Man sagt, der Sprung vergrößert sich, was die unangenehme Folge hat, daß
der Walzstab bei abnehmender Temperatur am Ende einen größeren Querschnitt erhält
als am Anfang. Außerdem nimmt die Breitung des Walzgutes mit abnehmender Erwärmung
zu. Die so entstehende stetige Vergrößerung des Querschnitts in ein und derselben
Walzader wirkt sich ganz besonders bei der Herstellung von Rund- und Quadrateisen;
unangenehm aus. Das Vorprofil, d. h. der Anstich für das Fertigkaliber ist für Rundeisen
ein Oval und für OOuadrateisen ein Viereck oder ein Oval. Diese Vorprofile sind
für die Genauigkeit der Fertigprofile bestimmend. Bei offenen Walzenstraßen hat
man daher bisher immer mit entsprechenden lIaßabweichungen infolge nicht zu vermeidenden
Temperaturabfalles während des Walzens zu rechnen.
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Einrichtungen zur Verstellung des Walzensprunges sind in verschiedenen
Ausführungsarten im Gebrauch. Auch sind Vorrichtungen bekannt, bei denen die Nachstellung
der Walzen «während des Betriebes, d. h. des Durchganges des Walzgutes zwischen
den Walzen möglich ist. Beeinflußt wird diese Anstellung z. B. von dem die Walze
verlassenden Walzgut. Die Nachteile dieses Verfahrens lagen darin, daß der unruhige
Lauf des warmgewalzten Werkstoffes eine genaue Messung desselben nicht zuläßt und
die hierzu nötigen empfindlichen Apparate dem rauhen Walzwerksbetriebe nicht angepaßt
«-erden konnten. Auch ist es bisher unbekannt, den Einfluß der verschiedenartigen
Breitung des Werkstoffes
und des Sprunges infolge sinkender Temperatur
durch Nachstellung des Vorprofils während des Walzens auszugleichen und so ein stets
richtiges Vorprofil für das Fertigkaliber zu erzeugen.
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Die Erfindung betrifft eine Einrichtung, durch die unabhängig von
einer Messung des Walzgutes während des Walzens eine Nachstellung der Walzen von
Hand oder selbsttätig in vorher bestimmtem -Maße bewirkt wird, was in ähnlicher
Weise bei der fortlaufenden Feineinstellung der Walzen von Pilgerschrittwalzen bekannt
ist. Erforderlich ist es hierbei, daß man die notwendige Nachstellung der Walzen
bei jeder Abmessung im voraus feststellt und dann in dem -Maße erfolgen läßt, wie
es der vergrößerte Sprung und der Einfluß der Ereitung infolge der kälter werdenden
Stabenden notwendig macht, um den jeweilig gewünschten Querschnitt für das Fertigprofil
zu erhalten.
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Die bauliche Ausführung kann verschieden sein. In der Zeichnung ist
ein Ausführungsbeispiel für die Einrichtung wiedergegeben.
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Die in den Ständern a. untergebrachten Walzen b und b1 können durch
die besondere Ausbildung der oberen Einbaustücke c während des Walzens nachgestellt
werden. Auf der Walze b befindet sich an irgendeiner Stelle eine Kurvenfläche d.
Bei jeder Umdrehung der Walze wird der Hebel e bewegt. Die am Hebel e angebrachte
Sperrklinke g greift in die Zähne des Ratschenrades f und dreht hierdurch letzteres
periodisch. Gleichzeitig wird damit die mit dem Ratschenrad f fest verbundene Kurvenscheibe
lt gedreht und mit dieser der Kniehebel i gestreckt. Dadurch wird ein verstärkter
Druck auf das Einbaustück c und andererseits auf das Zwischenstück k, den Brechtopf
na und die Anstellspindel st ausgeübt, welcher durch Vermittlung des Lagers o auf
die Walze b weitergeleitet wird. jede Umdrehung der Walze b bringt das Ratschenrad
f um einen Zahn weiter, so daß die Zähnezahl des Ratschenrades ungefähr gleich der
Stablänge, dividiert durch den den Walzstab bewegenden Walzenumfang, ist. Tritt
die vordere Stabspitze des Walzstabes in das Kaliber ein, so bringt der lIagnet
p das Ratschenrad in Eingriff, und die Umdrehung der Kurvenscheibe beginnt, bis
der locken q den Schalter r des Magneten ausrückt und die Bewegung
der Kurvenscheibe zum Stillstand bringt. Der trocken q ist so eingestellt, daß die
Kurvenscheibe h ständig eine volle Umdrehung macht, um die Anfangsstellung zu erreichen.
Diese Arbeitsweise ist brauchbar bei ungefähr gleich langen Walzstäben und bei richtiger
Wahl des Ratschenrades f. Die Gewichte des Ausgangsmaterials sind im praktischen
Betriebe jedoch unter sich nie so gleichmäßig, daß mit ungefähr gleichen Walzstäben
gerechnet werden, kann. Die Vorrichtung müßte daher auf eine größte Länge des Walzstabes
eingerichtet werden. Beim Durchlaufen eines Walzstabes an kürzerer Länge würde die
Vorrichtung nachDurchgang diesesStabes so lange weiterlaufen müssen, bis die Kurvenscheibe
lt eine Umdrehung durchlaufen hat, da dann erst die richtige Anfangsstellung
der l@'alz@n b und b1 zum Einfahren des nächsten Stabes erreicht ist. Es würde also
die Pause vom Austritt des einen und Wiedereinführen des folgenden Stabes zu lange
dauern und damit die Leistung des Walzwerks verringert werden.
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Um diese Pause auf ein -Mindestmaß zu beschränken, ist mit dem Ratschenrad
f ein Gegengewicht s verbunden. In Anfangsstellung der Kurvenscheibe lt befindet
sich das Gegengewichts in senkrechter Richtung zu dein Drehpunkt t, so daß kein
links- oder rechtsdrehendes lMorneiit vorhanden ist. Beim Arbeiten wird das Gegengewicht
s im gleichen Drehsinn mitgedreht. Während der ersten halben Umdrehung übt das Gegengewicht
s ein rückwärts wirkendes Drehmoment auf das Ratschenrad f, in der zweiten halben
Umdrehung ein gleichgerichtetes Moment auf dieses aus. Zur Vermeidung einer rückläufigen
Bewegung der Ratschenscheibe f durch das Gegengewicht s während der ersten halben
Umdrehung ist ein Gesperre vorgesehen, dessen Sperrad it feststeht, während sich
die Sperrklinke ,.;J, die durch Hebel v mit der Welle t verbunden ist, in gleichem
Sinne wie das Ratschenrad f dreht.
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Verläßt demnach ein Walzsta bende in der zweiten halben Umdrehung
die Walzen b und hl, so dreht das Gegengewicht s die Ratschenscheibe f so lange
beschleunigt «-eiter, bis die Anfangsstellung des Gegengewichtes s erreicht ist.
Bei genügendem Übergewicht wird diese letzte Bewegung sehr schnell durchgeführt,
wodurch die Pause zwischen zwei folgenden Walzstäben auf denkbar geringste Zeit
verkürzt wird.
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Das Ingangsetzen dieser Vorrichtung kann von ein°m besonderen Bedienungsmann,
dem Walzer selbst, oder auch selbsttätig durch die Stabspitze erfolgen. Die Geschwindigkeit
oder die Größe der Nachstellung könnte z. B. in diesem Falle durch Anwendung verschiedener
Ratschenräder geschehen. Die -Möglichkeit der Änderung der \ achstellung muß vorhanden
sein, da sie abhängig von Profil und Walzgeschwindigkeit ist. Der Arbeitsvorgang
ist folgender: Beim Anstich eines «,'alzstabes beginnt die achstellun,- und steigert
sich bis zu einem Höchstwert, der in dem Augenblick erreicht wird, wo der Stab die
Walze verläßt. Die
RTalzstäbe folgen in einem kurzen Zeitraum aufeinander.
Während der Zeit des Leerlaufens der Walzen kommt die Vorrichtung wieder in Anfangsstellung,
und das Spiel beginnt von neuem. Da es aber das Bestreben des Betriebes ist, die
Zeit des Leerlaufens sehr kurz zu halten, muß die Anfangsstellung in denkbar kürzester
Zeit erreicht sein. Dieses ist durch das Ausführungsbeispiel erzielt und gilt auch
als Merkmal der Erfindung.
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Es ist damit eine einfache Einrichtung zur Erzielung der gestellten
Aufgabe dargestellt. Man kann jedoch .den Zweck auch mit anderen Einrichtungen,
z. B. durch gesonderte elektrische, hydraulische oder andere Antriebe, erreichen,
ohne aus dem Rahmen der Erfindung zu fallen.
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Auf diese Weise ist es möglich, fast theoretisch genaue Querschnitte
herzustellen, was durch die Ersparnis des Ziehprozesses einen außerordentlich wirtschaftlichen
Vorteil bedeutet.