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Behandlung von Rübenschnitzeln nach dem Verfahren von Steffens Den
Gegenstand der Erfindung bildet eine neuartige Behandlung von Rübenschnitzeln nach
dem Brühverfahren von S t e f f e n s , die durch mechanische langsame Aufwärtsförderung
der Schnitzel im Brühbade gekennzeichnet ist.
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Man hat bereits vorgeschlagen, die sogenannte Diffusionsbehandlung
von Schnitzeln in einer Batterie von mehreren stehend angeordneten, hintereinanderliegenden
Diffusionsgefäßen vorzunehmen, in denen die Schnitzel durch Schneckenrohre nach
oben geführt werden, um dann in einen das Schneckenrohr umgebenden Ringraum hineinzufallen
und von diesem aus durch eine überführungsleitung in das nächste Diffusionsgefäß
zu gelangen. Bei dieser Arbeitsweise wird bei jeder Diffusionsbehandlung eine allmähliche
Auslaugung des Zuckergehaltes in immer steigendem Maße in den verschiedenen aufeinanderfolgenden
Diffusionsgefäßen angestrebt. Man hat auch bereits vorgeschlagen, in Verbindung
mit solchen Diffusionsgefäßen eine Schneckenpresse nachzuschalten, die hier zur
Abpressung der in den Schnitzeln im Laufe des Diffusionsvorganges aufgenommenen
Wassermenge dient. Im Gegensatz zu solcher Diffusionsbehandlung bezieht sich die
Erfindung auf das sogenannte Brühverfahren nach S t e f f e n s. Bei diesem werden
die frisch geschnittenen Schnitzel nicht in steigendem Maße ausgelaugt, sondern
lediglich gebrüht, und es wird sofort, nachdem die Schnitzel den Brühsaftbehälter
verlassen haben, der noch in den Schnitzeln vorhandene Zuckersaft ausgepreßt.
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Bei praktischer Durchführung des Verfahrens hat man bisher so gearbeitet,
daß man die. aus der Schneidemaschine kommenden Schnitzel in einen Schwemmtrog und
von da in einen Brühtr og brachte, in welchem man die Schnitzel während einer zum
Brühen ausreichenden Zeitdauer, z. B. während etwa einer halben Stunde, sich selbst
überließ.
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Gegenüber dieser bisher bekannten Ausführungsform des Brühverfahrens
liegt der fortschrittliche Gedanke der Erfindung darin, daß die Schnitzel in dem
stehend angeordneten Brühgefäß mechanisch langsam aufwärts befördert werden. Die
Schnitzel werden also absichtlich am freien Aufsteigen verhindert und gewissermä.ßen
zwangsläufig durch das Brühbad von unten nach oben hindurchgeführt. Trotz dieser
Verzögerung des Aufsteigens der Schnitzel ergibt sich überraschenderweise der Erfolg,
daß mit Hilfe des neuen Verfahrens sich der Brühvorgang gegenüber der bisher üblichen
Brühbeha.ndlung der Schnitzel im freien Brühbade ganz erheblich, z. B. auf weniger
als die Hälfte der bisher benötigten Zeit, abkürzen läßt.
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Die Anwendung einer die Schnitzel mechanisch aufwärts fördernden Vorrichtung
bietet ferner die Möglichkeit, durch Regelung der Fördergeschwindigkeit die Behandlungsdauer
der Schnitzel im Brühbade genau, z. B.-nach Minuten, zu regulieren. Diese Regelung
der Behandlungsdauer ist aber gerade bei der
Durchführung des Brühverfahrens
nach S t e f -f e n s von besonderer Bedeutung, weil die Schnitzel je nach ihrer
Beschaffenheit und ihrem Zuckergehalt, die in jedem Jahr wieder verschieden sind,
auch zeitlich verschieden behandelt werden müssen. Bei dem neuen Verfahren läßt
sich z. B. durch Änderung der Umdrehungszahl der zum Transport dienenden Schnecke
die Behandlungsdauer, d. h. die Brühdauer, einstellen, wie sie für den betreffenden
Jahrgang und die Beschaffenheit der verarbeiteten Schnitzel am vorteilhaftesten
ist.
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Nach dem Verlassen des Brühgefäßes gelangen die Schnitzel nach dem
neuen Verfahren in einen zweiten, anschließenden Auslaugetrog, in dem sie einer
Nachspülung mit heißem Wasser unterworfen werden. Der abgezogene Dünnsaft kann zweckmäßig
dem vorher aus dem Brühgefäß abgelassenen Rohsaft zugemischt werden. Die zurückbleibenden,
noch zuckerhaltigen Rübenteilchen werden alsdann einer Preßvorrichtung, die zweckmäßig
als Walzenpresse ausgebildet sein kann, zwecks Gewinnung des Zuckersaftrestes zugeführt.
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In der beiliegenden Zeichnung ist eine Ausführungsform des Erfindungsgegenstandes
beispielsweise dargestellt.
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Abb. i zeigt schematisch die Gesamtanordnung des Apparates, Abb.2
die Konstruktion der Walzenpresse. Im einzelnen bezeichnet das Bezugszeichen i den
stehend angeordneten Auslaugebehälter. Die Schnitzel werden am unteren Ende in demselben
durch die Zuleitung 2 eingeführt, während das heiße Wasser am oberen Teil des Brühbehälters,
z. B. durch das Rohr 3, zutritt. Der Brühsaft fließt. am Boden des Brühbehälters
durch die Leitung 4 ab. Die Schnitzel werden innerhalb des Brühgefäßes während der
Auslaugung durch ein geeignetes Transportorgan, z. B. eine Schnecke 5, nach oben
befördert und gleichzeitig einer gründlichen, die Auslaugung befördernden Durchmischung
unterworfen.
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Der Antrieb des Förderorgans kann z. B. maschinell in beliebiger Weise,
z. B. vermittels Übersetzung 6, 7, 8, erfolgen.
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Vom oberen Teil des Brühgefäßes aus gelangen die Schnitzel in den
Nachspültrog 9, durch den sie zweckmäßig ebenfalls vermittels kontinuierlicher Förder-
und Mischorgane, z. B. einer Schnecke io, hindurchbefördert werden. Die Nachspülung
erfolgt am besten durch Zuführung von fein verteiltem Rieselwasser, z. B. vermittels
einer Heißwasserleitung i i, aus der das Wasser aus verschiedenen öffnungen 12,
die über die ganze Länge des Nachspültroges verteilt sind, austritt. Der leichte
Brühsaft fließt durch den siebartig gelochten Boden 13 in den Behälter 14, aus dem
er durch die Leitung 15 abgeführt wird, um gegebenenfalls mit dem Brühsaft vermischt
oder auch wieder in das Brühgefäß i übergeführt zu werden.
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Die den N achspültrog 9 verlassenden stark saft- und wasserhaltigen
Schnitzel gelangen in den Preßbehälter 16, in dem die Abpressung in einer Walzenpresse
erfolgt, die vorteilhaft aus mehreren hintereinandergeschalteten Walzenpaaren 17,
18, i9, 2o bestehen kann. Der aufgefangene leichte Saft fließt bei 21, 22, 23, 24
ab, während die Schnitzel am unteren Ende des Preßbehälters, -bei 25,
abgeführt
werden, um gegebenenfalls einer nochmaligen Abpressung vor der endgültigen Trocknung
unterworfen zu werden.
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Die Walzen der Presse können, wie die Abb. 2 darstellt, als zylindrische
Walzen mit durchlochten Wänden ausgebildet sein. Der abgepreßte leichte Saft fließt
durch die öffnung 26 ins Innere der Walzen und wird durch die hier angeordneten
Bleche 27 so geleitet, daß er nicht in den Preßraum zurückfließen kann, sondern
im unteren Teil des Hohlraumes sich sammelt, von wo aus er durch die jeweils nach
unten stehenden Öffnungen 28 in den Sammelraum 29 fließt. Dieser Raum wird zweckmäßig
durch eine Mulde 3o o. dgl. nach dem Preßraum zu abgeschlossen, die um eine Achse
31 schwenkbar angeordnet ist und sich in ihrer Leiste 37, die mit einem Dichtungsstreifen
32 ausgestattet ist, gegen die Preßwalze legt. Dabei kann die Sammelmulde gegebenenfalls
mit Hilfe verstellbarer Organe, z. B. einer Spinde136, die gegen den Fortsatz 33
wirkt, leicht an die Walze angedrückt werden. Aus der Mulde 3o wird der leichte
Saft in geeigneter Weise, z. B. durch eine Leitung 34, abgeführt. Der aus den Preßwalzen
nach unten herausgedrückte Schnitzelstrang wird zweckmäßig durch ein Flügelrad 35
o. dgl. zerteilt, um alsdann in den zweiten Walzensatz zu gelangen. Abgesehen von
den bereits angeführten Vorteilen ist noch darauf hinzuweisen, daß die zu entzuckernden
Schnitzel oder Scheiben beim Durchgang durch das Brühgefäß beständig vollkommen
von dem Brühsaft eingeschlossen sind und daß jede Schicht der im gleichen Auslaugestadium
befindlichen Teilchen immer mit Saft von gleicher Konzentration zusammenkommt.
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Dies war bei der bisherigen Anordnung liegender Brühtröge nicht der
Fall, da hier vielmehr die Schnitzelteilchen nach der Oberfläche aufgetrieben und
daher von dem Brühsaft nicht genügend durchspült wurden. Ein weiterer Vorteil der
neuen Anordnung besteht darin, daß durch die Nachschaltung des Spülprozesses der
Zuckergehalt der
Schnitzel weitgehend ausgelaugt wird, und daß sich
weniger Pülpe ergibt. Ferner bietet die Walzpresse vor den bisher üblichen Pressen
den Vorzug schnellerer und vollständiger Entwässerung sowie die Möglichkeit kontinuierlicher
Zusammenarbeit mit dem Brüh-und Spülapparat. Es sei noch bemerkt, daß die beschriebene
Vorrichtung nur insofern als neu beansprucht wird und unter Schutz gestellt werden
soll, als sie zur Durchführung des neuen verbesserten Brühverfahrens nach Steffens
dient.
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Die beschriebene Vorrichtung kann mannigfach im Rahmen der Erfindung
abgeändert werden. So braucht z. B. das Auslaugegefäß nicht senkrecht zu stehen,
sondern kann auch mit zweckmäßiger Neigung angeordnet sein, derart, daß die vollständige
Bedeckung der Schnitzel mit dem Brühsaft und seine gleichmäßige Durchführung durch
dieselbe erhalten bleibt. Auch der Nachspültr og kann evtl. geneigt angeordnet werden.
Gegebenenfalls kann derselbe bei genügend langem Weg der Schnitzel durch das Auslaugegefäß
auch ganz in Fortfall kommen. An Stelle der Walzenpresse können gegebenenfalls auch
andere Konstruktionen Verwendung finden. Endlich kann mit dem Apparat natürlich
diskontinuierlich gearbeitet werden, wenn auch die kontinuierliche Arbeitsweise
im allgemeinen vorteilhafter sein wird.