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Verfahren zur Herstellung von therapeutisch verwertbaren, vorwiegend
löslichen und assimilierbaren Kalkverbindungen der Kohlenhydrate Die Erfindung hat
ein neues Verfahren zur Herstellung wohlschmeckender und therapeutisch verwertbarer
Kalkpräparate zum Gegenstand.
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Seither hat man für therapeutische Zwecke das Calcium meist in der
Form einer Calciumchloridlösung verwendet. Das Calciumchlorid weist jedoch neben
dem schlechten Geschmack eine unerwünschte, stark acidotische Wirkung auf, da i
g Calciumchlorid auf den Körper dieselbe Wirkung hat wie 7,5 ccm n/i Salzsäure.
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Andererseits ist es auch bekannt, durch Einwirkung von Calciumhydroxyd
auf Zucker Calciumsaccharate zu bilden. Diese Saccharate sind aber keine stabilen
Calciumverbindungen, sie sind vielmehr labil und werden durch Kohlensäure wieder
in Kalkmilch und Zucker gespalten, so daß sie zur Verwendung am menschlichen Körper
unbrauchbar sind. Läßt man andererseits Calciumhydroxyd auf zuckerartige Kohlenhydratlösungen
oder Aufschwemmungen einwirken, so entstehen in der flüssigen Phase bereits vorwiegend
Saccharinsauren, die ein unansehnliches Aussehen und üblen Geschmack haben und von
denen es fraglich ist, ob sie durch .ein kompliziertes und teures Reinigungsverfahren
gereinigt werden können. Man gelangt jedoch in überraschender Weise zu Produkten,
bei denen der Kalk, an organische Carbonsäuren gebunden, in leicht löslicher, assimilierbarer
und wohlschmeckender Form erhalten wird, ohne daß die üblen Nebenprodukte in Erscheinung
treten, wenn man der Erfindung gemäß das Verfahren zur Herstellung von therapeutisch
verwertbaren Kalkverbindungen der Kohlenhydrate so leitet, daß man Calciumhydroxyd
bei mäßigen Temperaturen, nicht über 6o° C, auf Kohlenhydrate, vorwiegend vom Zuckertypus,
in Lösung oder Aufschwemmung einwirken läßt, die Konzentration dann allmählich steigert
(z. B. bis zu 5 v. H. Ca0, bezogen auf Kohlenhydrate innerhalb i Stunde), dann den
Kalk weiter, gegebenenfalls völlig, bindet, indem das flüssige System bei mäßiger
Temperatur, nicht über 70° C, im Vakuum getrocknet wird. Hierbei werden, im Vergleich
zu jenen Verfahren, bei denen Calciumsaccharate gebildet werden, nur mäßige Gewichtsmengen
Kalk, bezogen auf die Kahlenhydrate, verwendet, etwa i o v. H.
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Besonders wertvolle Produkte ergeben sich, wenn das Verfahren nicht
mit reinen Zuckerlösungen durchgeführt wird, sondern wenn solche zuckerhaltige Lösungen
verwendet werden, die neben Zucker Dextrin und dextrinhaltige Verbindungen enthalten.
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Derartige Lösungen können beispielsweise durch hydrolytischen oder
diastatischen Abbau von Stärkemehl in geeigneten Zusammensetzungen erhalten werden.
Hierbei geht danm das Calcitunhydroxyd ohne weiteres und vor allem ohne Bildung
schlecht 'schmeckender Nebenprodukte in Lösung.
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Lösungen, die durch das Verfahren gemäß der Erfindung hergestellt
werden, weisen jedoch noch eine Alkalinität auf, die zu
beseitigen
erwünscht ist. Wollte man diese Alkalinität mit den üblichen Mitteln beseitigen,
so wäre unter Umständen mit einer Zersetzung des Produktes und der Bildung schlecht
schmeckender Nebenprodukte zu rechnen.
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Man kann nun in -weiterer Ausbildung des Verfahrens diese Nachteile
vermeiden, wenn die Lösung einer Trocknung im Vakuum wiederum bei mäßiger Temperatur
(unter 70°C) unterzogen wird.
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Überraschenderweise zeigt sich dabei, daß bei diesem Trockenprozeß
im Vakuum die Alkalinität des Produktes in solchem Maße verringert wird, daß man
schließlich praktisch neutrale oder nur ganz schwach alkalisch reagierende Produkte
erhält.
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Unter diesen Bedingungen kann also das Herstellungsverfahren der neuen
Kalkpräparate durchgeführt werden, ohne daß in irgendeiner Stufe des Verfahrens
das Auftreten von unangenehm schmeckenden oder das Aussehen des Produktes beeinträchtigenden
Nebenprodukten zu befürchten wäre.
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So wurde bei einem Verfahren entsprechend dem untenstehenden Ausführungsbeispiel
festgestellt, daß bei Anwendung von etwa 5 v. H. Ca0, bezogen auf das Trockenprodukt,
das titrierbare Alkali im Endprodukt auf o,2 bis 0,3 v. H: zurückgegangen war.
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Diese Mengen, die auf hydrolytisch abgespaltenes Ca0 zurückzuführen
sind, sind vollkommen unschädlich, können außerdem noch dadurch beseitigt werden,
daß nachträglich kleine Mengen saurer Salze, wie beispielsweise primäres Natriumphosphat,
zugemischt werden.
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Es ergibt sich so ein wohlschmeckendes Calciumpräparat, in welchem
der Kalk fast ganz in Form leicht löslicher Salze von Zukkersäuren, wie Saccharinsäure,
Isosaccharinsäure u. dgl., vorliegt. Infolgedessen ist es hervorragend geeignet,
in die Blutbahn aufgenommen zu werden und somit ein etwa gestörtes Ionengleichgewicht
zwischen Natrium, Kalium und Calcium, das im Blutserum eine ungemein wichtige Rolle
spielt, wiederherzustellen.
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Durch dieses angenehm zu nehmende Mittel kann der günstige Einfluß
des Calciums wirksam werden, indem die Empfindlichkeit des Körpers gegen .Infektion
verringert und auch die Erregbarkeit des Nervensystems herabgesetzt wird.
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Zugleich ist das Präparat bedeutungsvoll für die Calciumtherapie bei
kindlicher Spasmophilie und Tetanie; auch gegen Asthma, Heuschnupfen und Umikaria
ist das Mittel wirksam. Ausführungsbeispiel In Zoo kg einer durch diastatischen
Abbau von Mehlen, z. B. Weizenmehl, erhaltenen Zuckerlösung mit etwa 25 v. H. Zucker
und etwa 25V.1-I. Dextrin -werden 5 kg Calciumhydroxyd in Form einer feinen
gleichmäßigen Aufschlämmung in 45 kg Wasser zur Auflösung gebracht. Man hält eine
Temperatur von nicht über 6o° C ein und läßt das Calcy umhydr oxyd in kleinen Anteilen
allmählich im Verlauf einer Stunde zufließen, den Ansatz hält man noch eine weitere
Stunde bei 6o° C und überläßt ihn dann mindestens 12 Stunden bei 25° C bis 30° C
sich selbst. Am anderen Tage wird der Ansatz im Vakuum zur Trockne gebracht und
das trockene Produkt gemahlen. Die Analyse des Präparats ergibt beispielsweise 5,o8
v. H. Gesamtkalkgehalt, von dem 88 v. H. als leicht lösliche und 12 v. H. als schwerer
lösliche Verbindungen vorhanden sind.