DE520708C - Verfahren zur Herstellung kuenstlicher Gliedmassen aus einem Stueck Metallblech auf kaltem Wege - Google Patents
Verfahren zur Herstellung kuenstlicher Gliedmassen aus einem Stueck Metallblech auf kaltem WegeInfo
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Description
Die Kaltverarbeitung des Werkstoffes zur Herstellung künstlicher Gliedmaßen aus einem
Stück Metallblech war bisher mit großen Schwierigkeiten verknüpft und äußerst umständlich,
da das Biegen oder Treiben des Bleches in der Regel durch Handarbeit bewerkstelligt
werden mußte, was die Herstellung solcher Gliedmaßen außerordentlich verteuert. Man ist deshalb neuerdings bemüht
gewesen, das zur Hierstellung derartiger Kunstglieder vorzugsweise verwandte Leichtmetallblech
in erwärmtem Zustande über ein dem herzustellenden Glied entsprechend geformtes Holzmodell zu ziehen, um es dem letzteren
genau anzupassen. Durch das hierbei notwendige Erwärmen des Leichtmetallbleches,
welches das hierzu bestimmte Duraluminium überhaupt nur innerhalb geringer Temperaturen
verträgt, die für die Biegungsfähigkeit des Metallbleches selbst ohne irgendwelchen
vorteilhaften Einfluß sind, wird die Herstellung auf solche Weise geformter Glieder noch
umständlicher und teurer wie die der auf kaltem Wege hergestellten, um so mehr, da sich
der ganze Herstellungsvorgang nur durch weitere zeitraubende und kostspielige Handarbeit
bewerkstelligen läßt.
Durch das den Gegenstand der vorliegenden Erfindung bildende neue Verfahren
der Herstellung von künstlichen Gliedmaßen aus einem Stück Metallblech auf kaltem Wege
werden die den bisher bekannt gewordenen und sonst gebräuchlichen Verfahren zur Herstellung
von Kunstgliedern aus Leichtmetall anhaftenden Übelstände beseitigt.
Das Wesen der Neuheit besteht dabei der Hauptsache nach darin, daß ein der Abwicklung
des zu formenden Gliedes entsprechend geformtes Stück Blech zunächst auf eine in ihrer Tiefe etwa der Dicke des Formstempeis
entsprechende Matrize gelegt und durch einen Stempeldruck in diese eingepreßt wird, so daß dasselbe eine im Querschnitt
U-förmige Gestalt mit oben zu beiden Seiten über die Matrize überstellenden Rändern oder
Wänden erhält, worauf der von unten mit der so vorgepreßten Hohlform umhüllte Formstempel
nach dem Hochgang nach der einen Seite gewendet und nun beim Niedergang in eine zweite Matrize gedrückt wird, wobei der
eine der beiden über den Formstempel überstehenden Wände des Werkstückes um den
Formstempel gebogen wird, worauf nach dem Hochgang des letzteren ein Wenden des Stempels nach der anderen Richtung hin erfolgt,
so daß bei seinem nun folgenden Niedergang in einer dritten, der zweiten entgegengesetzten
Matrize die zweite, noch überstehende Wand um den Formstempel gebogen wird, worauf die so erzeugte Hohlform
von dem Stempel abgezogen wird und ihre Stoßkanten dann in an sich bekannter Weise
durch Schweißen, Verlöten oder Vernieten miteinander verbunden werden.
Auf der Zeichnung ist das neue Verfahren in einer beispielsweisen Ausführung zur Herstellung
von Unterschenkeln eines künstlichen Beines veranschaulicht, und zwar zeigen
Abb. ι das für die Formgebung bestimmte Blechstück, aus welchem der Hohlkörper gepreßt
wird,
Abb. 2 die erste Matrize, Abb. 3 den Formstempel in einer Drauf-ίο
sieht,
Abb. 4 einen waagerechten Schnitt durch den Formstempel nach Linie A-B der Abb. 2
mit dem durch den Formstempel eingepreßten Blech,
Abb. 5 die zweite Matrize in einer Draufsicht,
Abb. 6 einen Schnitt durch dieselbe nach
Linie A-B der Abb. 5 und mit dem Werkstück eingepreßten Formstempel, Abb. 7 ' eine Draufsicht auf den dritten
Formstempel,
Abb.-8 einen waagerechten Schnitt durch denselben nach Linie E-F der Abb. 7 mit
durch den Formstempel eingepreßtem Hohlkörper und
Abb. 9 den fertig geformten Unterschenkel in einer perspektivischen Ansicht.
Es ist α die in dem gezeichneten Ausführungsbeispiel
zum Formen des Schienbeines dienende erste Matrize und b der an dem Stößel
der auf der Zeichnung nicht dargestellten Exzenterpresse frei hängende und in Lagern
dreh- und einstellbare Formstempel. Die Matrize« bildet eine etwa der Dicke des
Formstempels b entsprechende Vertiefung. Über diese Matrize α wird das der Abwicklung
des zu formenden Werkstückes entsprechende Stück Metallblech d gelegt und
dann beim ersten Arbeitsgang durch einen Stempeldruck der Formstempel in die Matrize
α eingedrückt, wobei, wie aus Abb. 4 ersichtlich, zunächst der untere Teil des Formstückes
(in dem gezeichneten Ausführungsbeispiel das ScHenbein mit Knöchel) geformt
wird und seitlich die Ränder d', d" über den oberen Rand der Matrize überstehen, so daß
das Werkstück eine im Querschnitt U-förmige Gestalt erhält.
Da bei einer Wadenform, die durch das vorliegende neue Verfahren erzeugt werden
soE, der Querschnitt an verschiedenen Stellen ganz verschieden ist, muß auch die zum Vorformen
bestimmte Matrize der Verschiedenartigkeit der einzelnen Querschnitte des zu formenden Körpers angepaßt und so tief ausgebildet
sein, daß ihre Tiefe etwa der Dicke des Formstempels entspricht, so daß der Formstempel beim Pressen vollständig in die
Matrize eindringt und in dieser völlig eingebettet liegt.
Die Verwendung einer mit ihrer Oberkante nur Ms zum Ächsenmittelpunkt reichenden
Matrize, wie sie zur Herstellung rohrförmig er, mit an allen Stellen im Querschnitt völlig
regelmäßiger,kreisrunder Querschnittsform biekannt ist, ist für das vorliegende neue Verfahren
nicht brauchbar. Würde man bei dem letzteren nicht eine Matrize verwenden, deren
Tiefe etwa der Dicke des Formstempels entspricht
und die Vertiefung nur bis zur Mitte des Achsenmittelpunktes des zu formenden Hohlkörpers reichen, dann würden bei der
unregelmäßigen Wadenform die überstehenden Ränder oder Wände d', d" keine Führung
haben und dann beim Pressen des Leichtmetalls Risse und Falten im Material
entstehen, welche das Formstück völlig unbrauchbar machen würden.
Beim Hochgang des Formstempels wird nun das um diesen so weit gebogene Werkstück
mitgenommen und dann beispielsweise die in Abb. 5 dargestellte zweite Matrize e
eingelegt, deren Vertiefung nur der halben Dicke des Formstempels entspricht. Hierauf
wird der Formstempel um 900 gedreht und dann niedergedrückt, wobei die an der einen
Seite noch überstehende Wand if um den Stempel gebogen wird (Abb. 6). Dann wird
der Formstempel nach seinem Hochgang um i8oc gedreht, die zweite Matrize iß durch eine
dritte, der zweiten Matrize entgegengerichtete Matrize / ersetzt und dann beim Niederdrücken
des Stempels b in dieser Matrize der andere, noch überstehende Rand rf" um den
Formstempel gebogen (Abb. 8), wobei der Unterschenkel.g· (Abb. 9) fertig geformt ist.
Der so gebildete Hohlkörper wird nun durch Auseinanderklemmen von dem Formstempel
befreit, worauf seine Stoßkanten in an sich bekannter Weise durch Verschweißen, Verlöten,
Vernieten o. dgl. miteinander verbunden werden.
Die vorliegende und beschriebene Darstellung veranschaulicht selbstverständlich nur ein
Ausführungsbeispiel des neuen Verfahrens, das bei Verwendung entsprechender Formstempel
und Matrizen ebensogut auch zur Herstellung des Oberschenkels, des Fußes oder anderer
künstlicher Gliedmaßen verwendbar ist.
Claims (1)
- Patentanspruch:Verfahren zur Herstellung künstlicher Gliedmaßen aus einem Stück Metallblech auf kaltem Wege, dadurch gekennzeichnet, daß das der Abwicklung des zu formenden Gliedes entsprechende Blech (d) auf eine in ihrer Tiefe etwa der Dicke des Formstempels (b) entsprechende Matrize (a) gelegt und durch einen Stempeldruck in diese eingepreßt wird, so daß dasselbe eine im Querschnitt U-förmige Gestalt mit oben zu beiden Seiten über die Matrize(α) überstehenden Rändern oder Wänden id', d") erhält, worauf der mit der so vorgepreßten Hohlform von unten umhüllte Formstempel (b) nach dem Hochgang nach der einen Seite gewendet und beim Niedergang in eine zweite Matrize (e) gedrückt wird, wobei die eine der beiden über den Formstempel überstehenden Wände des Werkstückes um den Formstempel gebogen wird, worauf nach dem Hochgang des letzteren ein Wenden des Stempels nach der anderen Richtung hin erfolgt, so daß bei dem nun folgenden Niedergang des Stempels in einer dritten, der zweiten entgegen gericht et en Matrize (/J die zweite, noch überstehende Wand \d") um den Stempel (b) gebogen wird, worauf die so erzeugte Hohlform von dem Stempel abgezogen wird und ihre Stoßkanten dann in an sich bekannter Weise durch Schweißen, Verlöten oder Vernieten miteinander verbunden werden.Hierzu ι Blatt Zeichnungen
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DER79107D DE520708C (de) | 1929-09-05 | 1929-09-05 | Verfahren zur Herstellung kuenstlicher Gliedmassen aus einem Stueck Metallblech auf kaltem Wege |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DER79107D DE520708C (de) | 1929-09-05 | 1929-09-05 | Verfahren zur Herstellung kuenstlicher Gliedmassen aus einem Stueck Metallblech auf kaltem Wege |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE520708C true DE520708C (de) | 1931-03-13 |
Family
ID=7415959
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DER79107D Expired DE520708C (de) | 1929-09-05 | 1929-09-05 | Verfahren zur Herstellung kuenstlicher Gliedmassen aus einem Stueck Metallblech auf kaltem Wege |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE520708C (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE1023856B (de) * | 1954-08-04 | 1958-02-06 | Fritz Moehres | Verfahren zur Herstellung von Beinprothesen fuer Oberschenkelamputierte |
-
1929
- 1929-09-05 DE DER79107D patent/DE520708C/de not_active Expired
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE1023856B (de) * | 1954-08-04 | 1958-02-06 | Fritz Moehres | Verfahren zur Herstellung von Beinprothesen fuer Oberschenkelamputierte |
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