DE49197C - Neuerung im Verfahren zum Bedrucken von Porzellan, Steinzeug, Fayence u. dgl - Google Patents
Neuerung im Verfahren zum Bedrucken von Porzellan, Steinzeug, Fayence u. dglInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Bekanntlich bestehen die Porzellanfarben oder Schmelzfarben, welche auf den bereits
glasirten Gegenständen angebracht werden sollen, aus einer Mischung von einem oder
mehreren Metalloxyden mit dem Flufs. Die ersteren Bestand theile der Mischung enthalten
die Farbe, der letztere, ein fein pulverisirtes, farbloses Glas, vermittelt die Befestigung der
Farben beim nachherigen Einbrennen auf der Glasur.
Die Mischung von Metalloxyd mit Flufs wird mit einem klebrigen Bindemittel, Firnifs, Honig,
Syrup etc., verrieben und entweder mit dem Pinsel oder durch Bedrucken auf der Glasur
der Scherben aufgetragen und dann in der Muffel eingebrannt. Bei diesem in der Muffel
vor sich gehenden Schmelzprocefs verschmilzt die Schmelzfarbe mit der Glasur und wird
hierdurch fixirt. Man erhält beim tadellosen Gelingen dieses Processes nicht allein die gewünschte
Befestigung des Bildes auf dem Scherben, sondern auch den beabsichtigten glasartigen Glanz.
Beim Mifslingen. des Processes erscheint die Farbe verblafst, matt und ohne Glanz. Man
nennt das: »Verdunsten«.
Das weiter unten beschriebene neue Verfahren bezieht sich namentlich auf die Methode
der Decoration, nach welcher das Auftragen der Farbe geschieht.
Da die Schmelzfarbe zum grofsen Theil aus dem farblosen Flufs besteht, so mufs dieselbe
da, wo es sich um die Herstellung eines intensiven Tones dreht, verhältnifsmäfsig dick aufgetragen
werden.
Das Uebertragen von Schmelzfarbe auf die glasirten Scheiben nach allen bisher bekannten
Verfahren bietet besondere Schwierigkeiten; bei dem Uebertragen einer dicken Farbschicht auf
die Scherben treten die Farben leicht aus und es entsteht beim nachherigen Brennen ein unsauberes,
in den Linien zerrissenes und verdrücktes Bild. Beim Uebertragen einer dünnen Lage der Schmelzfarbe dagegen wird der eben
erwähnte Uebelstand zwar vermieden, es ermangelt dem eingebrannten Farbendruck jedoch
die nöthige Intensität, und es entsteht beim Brennen ein undeutliches, in den .Farbentönen
und Umrissen zu schwaches Bild. Um ein deutliches und mit scharfen Umrissen versehenes
Bild zu erhalten, hat man sich bisher durch Einstäuben der dünnen Farblage mit Pulver von derselben Schmelzfarbe geholfen,
indem man, während der Druck auf den Scherben noch feucht ist, denselben mit pulverisirter
Schmelzfarbe vollständig sättigt.
Bei diesem Einstäuben ist nicht zu vermeiden , dafs die pulverisirte Schmelzfarbe auch
aufserhalb der Druckumrifslinien gelangt, und wird hierdurch eine sorgfältige Reinigung des
mit flüssiger Schmelzfarbe bedruckten und mit pulverisirter Schmelzfarbe eingestäubten glasirten
Körpers erforderlich.
Diese Reinigung mufs so weit gehen, dafs die sämmtliche Schmelzfarbe, welche sich aufserhalb
der Druckumrifslinien befindet, durch einen langwierigen Reinigungsprocefs (Abwischen vermittelst
Hand) vor dem Brennen des Gutes entfernt wird.
Um diese Uebelstä'nde zu vermeiden, verfährt
man wie folgt:
Der färbende Bestandtheil der eingangs näher beschriebenen Schmelzfarbe, nämlich das flufsfreie
Metalloxyd oder die Mischung aus diesen, wird allein für sich mit Hülfe eines klebrigen
Bindemittels verrieben und auf die glasirten Scherben aufgetragen, aufgemalt oder aufge-■
drückt. Damit die Glasur des bedruckten Gegenstandes beim nachherigen Brennen eine
Vereinigung mit den aufgedruckten Zeichen eingeht und damit letztere glasähnlich erscheinen,
wird die noch frische, feuchte, aus Metalloxyd bestehende Farbe mit dem pulverisirten
Flufs, einem fein pulverisirten farblosen Glase, ausreichend gesättigt. Man läfst den pulverisirten
Flufs auf der feuchten Metalloxydfarbe und letztere auf der Glasur des zu bedruckenden
Gegenstandes fest antrocknen. Da der Flufs, welcher über die Druckumrifslinien beim Aufbringen des pulverisirten Flufspulvers
gelangt, farblos ist, so kann man ohne jede weitere Reinigung zum Einbrennen schreiten.
Die Vortheile dieses neuen Verfahrens sindganz wesentliche:
i. Man ist im Stande, eine bei Weitem intensivere und ungemein geschmeidige Farbe
zum Drucken oder Malen, die sich aufserordentlich gut verarbeiten läfst, auf den glasirten
Gegenstand zu übertragen; da die eigentliche angeriebene Metalloxydfarbe für sich allein aufgetragen
wird, kann man dieselbe in der gewünschten Intensität aufbringen, da der für diese Manipulation nur unnöthige und sogar
erschwerende Ballast, der Flufs, fehlt.
2. Mit der für diesen Zweck geeigneten
Farbe lassen sich bei dünner Farblage bessere Abzüge und" somit schönerer Druck herstellen.
3. Die Farben erhalten einen schönen Glanz, da die Gefahr des sogen. Verdunstens eine
geringere ist, denn das Metalloxyd liegt wie eingehüllt und gut geschützt unter dem Flufs
und ist somit den schädlichen Einwirkungen der etwa vom -Feuer in die Muffel dringenden
Gase weniger ausgesetzt.
4. Die bei den früher üblichen Verfahren zum Bedrucken glasirter Scherben mit Schmelzfarbe
entstehenden Uebelstände werden vollständig beseitigt und das neue Verfahren liefert
nach dem Brennen auch dann scharfe Bilder, wenn das Brenngut vorher von dem Flufs
nicht vollständig gereinigt wird.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Verfahren zum Bedrucken von Gegenständen aus Porzellan, Steinzeug u. dergl., darin bestehend , dafs zunächst eine mittels Firnifs, Honig, Syrup u. s. w. angeriebene flufsfreie Metalloxydfarbe auf den zu bedruckenden Gegenstand aufgetragen wird, sodann die noch feuchte, auf den glasirten Gegenstand aufgebrachte flufsfreie Metalloxydfarbe mit einem pulverisirten staubförmigen Hilfsmittel, z. B. farblosem Glas, gesättigt wird und schliefslich der so mit flufsfreier Metalloxydfarbe und hierauf mit einem pulverisirten Flufsmittel behandelte glasirte Scherben nach dem Trocknen der aufgebrachten Bilder und Zeichen zwecks Vereinigung der letzteren mit der vorhandenen Glasur einem Schmelzprocefs unterworfen wird.
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