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Verfahren zur Herstellung abgestufter photographischer Schichten Es
ist bereits für Mehrfarbenaufnahmen vorgeschlagen, für jedes Teilfarbenbild mit
wenigstens zwei farbenempfindlichen Schichten zu arbeiten, eventuell zu diesem Zwecke
diese mehreren für die gleiche Farbe empfindlichen Schichten auf ein und demselben
Schichtträger anzuordnen. Ohne Zweifel werden auf diese Weise farbige Bilder von
bisher unerreichter Gradation und besonders guter - plastischer Wirkung erzielt,
das Verfahren bringt aber eine etwas unerwünschte Komplizierung des Kopierungsvorganges
mit sich, weil hier die doppelte Anzahl von Teilnegativen, also z. B. sechs anstatt
wie sonst üblich drei, verarbeitet werden müssen. Ordnet man die mehreren Schichten
auf dem gleichen Schichtträger an, also beispielsweise indem man sie übereinandergießt,
dann entstehen dieselben Nachteile des oft ungleichen Ausfallens, wie sie von den
Gemischternulsionen bekannt sind; es tritt nämlich bei dieser bestimmten Sorte von
Emulsionen -
den sogenannten Porträtplatten - die Neigung auf, bei
Dickenverschiedenheiten der Schicht, wie sie in der Trockenplattenfabrikation nicht
ganz zu vermeiden sind, schon erheblich verschiedene Bilder zu geben (vgl. über
Gemischtemulsionen Dr. Lüppo - Cramer in Eders Hdb. Band II, I. Teil,
S. iig.).
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Mehrschichtenemulsionen zum angegebenen Zwecke haben aber einen weiteren
Nachteil mit den Gemischtemulsionen gemeinsam: die Eigenschaft erhöhter Undurchsichtigkeit.
Um den richtigen Effekt, nämlich der gewollten besonderen Abstufung zu erreichen,
muß der hochempfindlichen Erstemulsion eine ganz bestimmt graduierte, weniger empfindliche
Zweitemulsion beigegeben werden. Da nun die zugemischte feinkömige Emulsion eine
verhältnismäßig größere optische Drehkraft - im unentwickelten Zustande
- ausübt, so sehen solche Mischemulsionen, beim Licht der Dunkelkammerlampe
betrachtet, recht undurchsichtig aus, verglichen mit anderen einfachen Emulsionen
(vgl. Dr Lüppo-Cramer, a. a. 0. S. 114).
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Diese Erhöhung der Lichtundurchlässigkeit, die Mehrschichtenanordnungen
verschieden hochempfindlicher Emulsionen in gleicher Weise eigentümlich ist wie
den Gemischtemulsionen, stellt besonders für die Zwecke der Farbenaufnahme eine
unerfreuliche Zugabe des sonst erreichbaren Vorteils besser gestufter Wiedergabe
der Farbtöne dar. Nach dem Vorschlage der vorliegenden Erfindung ist es aber möglich,
unter Vermeidung der starken Undurchsichtigkeit einen ebenso guten Abstufungsgrad
zu erreichen. Und zwar geschieht dies, indem man an Stelle mehrerer Schichten nur
eine einzige bestgraduierte verwendet, die Farben- oder Allgemeinempfindlichkeit
derselben aber stufenweise, d. h. nicht vollständig auf die ganze Tiefe der
Schicht sich erstreckend, differenziert.
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Eine solche topographische Differenzierung der Allgemein- oder Farbenempfindlichkeit
nach der Tiefendimension der Schicht kann in beliebig verschiedener Weise erreicht
werden. Betriebsmäßig am einfachsten etwa durch im
Sinne der Tiefe
der Schicht partiell durchgeführtes Desensibilisieren oder Sensibilisieren mit Farbstoffen,
und zwar vor der Belichtung.
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Wird beispielskeise die hohe Farbenempfindlichkeit einer Schicht durch
schichtenweise begrenztes, also etwa vorzeitig abgebrochenes Desensibilisieren nur
an ihrer Oberfläche herabgemindert, weü der Desensibilisator in die Tiefe der Gelatineschicht
nicht einzudringen vermochte, so bilden sich die feinsten Lichter in der dünnen
desensibilisierten Schicht in der gewün!%chten Weise ab, während der übrige Teil.
der Tiefe der Schicht zur Aufnahme der Schattentöne dient. Die Belichtung ist zweckmäßig
reichlich zu wählen. Auf diese Weise entsteht dann genau der gleiche Effekt, der
sonst nur mit zwei Negativen erreicht werden konnte, von denen das eine kurz, das
andere dagegen aber reichlich belichtet wurde, eine Methode der Photographie, die
zur Bewältigung von Lichtkontrasten in der unfarbigen Photographie seit langen Jahren
bekannt ist und treffliche Resultate gegeben hat. Der Nachteil getrennter, also
nacheinander aufgenommener, aber sich stufenweise ergänzender Negative wird durch
das neue, vorbeschriebene Verfahren völlig vermieden.
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Es versteht sich daher von selbst, daß das Verfahren gemäß der Erfindung
sich nicht nur für Farbenaufnahmen, sondern allgemein für farbige oder unfarbige
Aufnahmen mit extremen Lichtgegensätzen oder für alle jene Fälle eignet, wo es auf
Überlichtungsschutz oder Erzielung besonderer Stufung der Bildsubstanz ankommt.
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Während es aus mannigfachen Gründen vorteilhaft erscheint, die Differenzierung
an der Oberfläche vorzunehmen, kann auch der umgekehrte Weg eingeschlagen werden
und die weniger hocheinpfindliche Stufe in die Nähe der Schichtträgerseite gebracht
werden. Hierzu eignet sich dann am besten ein Verfahren mit unvollständig durchgeführten
Sensibilisieren, wodurch erreicht wird, daß die Oberfläche der Schicht eine andere
und höhere Farbenempfind]ichkeit erhält als die Tiefe der Schicht, in die der Farbstoff
keine genügende Zeit fiftdet, um einzudringen.
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Bei verschieden gestufter Einwirkung verschiedener Farbstoffe, oder
mehrfacher Behandlung mit verschieden wirksamer Verdünnung des gleichen Farbstoffes
oder schließlich mehrfacher Einwirkung mit der gleichen Verdünnung desselben Farbstoffes
bei verschieden begrenzter Abstufung der Wirkungsdauer der Differenzierung in der
Schichttiefe können beliebige andere Resultate erzielt werden.
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Sogar zur Herstellung orthochromatischer oder panchromatischer Schichten
kann die ge-.stufte Einwirkung verschiedener Farbstoffe unter Umständen von Vorteil
sein. Um die gewünschte stufenweise differenzierte Einwirkung genau kontrollieren
zu können, empfiehlt sich im allgemeinen folgendes Vorgehen. Nach Aufbringen des
Farbstoffes mittels Glaswalze o. dgl. auf die Schicht - z. B. in alkoholischer
Lösung, wobei bekanntlich noch keinerlei desensibilisierende oder sensibilisierende
Wirkung eintritt - wird die Schicht kurze Zeit der Feuchtigkeit ausgesetzt,
beispielsweise in einem besonderen abgeschlossenen Raum oder Behältnis mit gefeuchteter
Luft; der Feuchtigkeitsanteil. kann dabei durch Hygrometer kontrolliert werden.
Nach genau begrenzter Zeit erfolgt rasches Trocknen wie üblich. Die Schicht ist
dann zur Aufnahme bereit und besitzt jetzt vor der Belichtung eine in der Tiefe
der Schicht stufenweise verschiedene Farben- oder All-
gemeinempfindlichkeit.
Durch Wiederholung mit anderer Einwirkungsdauer oder durch anderweitige Ausdehnung
oder Beschränkung der geschilderten Ausführungsweise läßt sich jede gewünschte Nuancierung
der Gradation erreichen.
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Eine Ergänzung findet dieses Verfahren dann am besten in einer gestuften
Entwicklung mittels mehrerer verschiedener Entwicklerbäder. Solche Schichttiefenentwicklung
ist an sich für Abwendung der Nachteile von Überlichtung seit langem bekannt, in
Verbindung aber mit Schichten von topographisch differenzierter Lichtempfindlichkeit
nach der Tiefendimension der Schicht um deswillen neu und vorteilhaft, weil die
hochempfindlichere Stufe der Schicht, die infolgedessen ein reichlich belichtetes
Bild empfangen hat, weich, die weniger empfindliche Stufe aber, einem knapp -belichteten
Bilde entsprechend, hart entwickelt werden muß.
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Hierzu wird deshalb etwa zuerst mit einem typischenSchichttiefenentwicklergearbeitet,
der, wie z. B. Amidol. (iprozentig), die Entwicklung von der Glasseite der Schicht
beginnt, während dann - noch. bevor dieser Entwickler auch die weniger empfindliche
Oberschicht angreifen konnte - die Platte nach kurzem Abtropfen in einen
zweckmäßig warmen Rapidentwielder, wie z. B, Brenzkatechin-Ätznatron, gebracht wird,
der seine Wirksamkeit dann nur auf die Oberfläche der Schicht'beschränkt.
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Die bereits eingangs erwähnte gänzliche Vermeidung einer Steigerung
der Lichtundurchlässigkeit ist vor allem wichtig bei jenen Verfahren, wo mehrere
Teilnegative für die farbenrichtige Aufnahme der Grundfarben Übereinar ergelegt
durchlichtet werden müssen. Bei diesen Verfahren wax man bisher gezwungen, lieber
einen bedenkhchenMangel an Gradation als eine weitere. Erhöhung der Lichtundurchlässigkeit
in den Kauf zu nehmen, die der schlimmste Feind dieser Verfahren ist, weil sie die
Belichtungszeit unerträglich verlän-&ert.